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Sommergespäch mit Gerhard Haderer.

Gerhard Haderer:
Wie bist du eigentlich in die Politik gekommen?

Rudi Anschober:
Ich bin Mitte der 80er von einem Freund angerufen worden, dass er in einer Atomfachzeitschrift gelesen hat, dass an der österreichischen Grenze das größte Atomkraftwerk Europas gebaut wird und das soll Temelín heißen. Wir haben uns ins Auto gesetzt und sind Temelín suchen gefahren, weil in dieser Atomfachzeitschrift stand, dass es ein paar  Kilometer flussabwärts von Budweis an der Moldau liegt. Dann bin ich vor der Baustelle gesessen und habe Gänsehaut bekommen, bin heimgefahren und habe mir gedacht: "So".

GH: Als du die Gänsehaut noch gehabt hast vermutlich, in dieser Zeit habe ich dich das erste Mal registriert. Damals waren die Grünen in Oberösterreich erst in Gründung. Der Rudi Anschober ist damals aufgefallen, weil er unglaublich authentisch, leidenschaftlich und glaubwürdig diesen Wahnsinn dargestellt hat, der sich dort in Temelín abspielt.
Wie war das Grün–Schwarze Experiment am Anfang - diese Regierung war ja ein österreichisches Novum. Und nicht nur begleitet von Zuversicht: Wetten wurden abgeschlossen, wie viele Tage Grün-Schwarz halten wird. Und die Optimisten haben statt auf Tage auf Wochen gewettet.  Wie war es denn, das politische Geschäft kennenzulernen und in einer Regierung zu sitzen?

RA: Nach 11 Jahren erlebe ich immer wieder meine Überraschungen. Wir haben in unserem Regierungsressort rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den unterschiedlichen Fachabteilungen - am Beginn war das ein Reinspringen in ein Abenteuer. Ich mag solche Situationen grundsätzlich sehr – Neues kennenlernen.

Ich habe noch bildlich vor mir, wie uns erstmal unser Büro gezeigt wurde – von unseren Vorgängern, den Freiheitlichen. Das war einer der größten Genugtuungen: Freiheitliche raus aus der Regierung und Grüne rein.

Das war eine ganz eine spannende Startphase, die ersten sechs, sieben Monate. Man konnte ja niemanden Fragen: " Hallo wie läuft das? Wie funktioniert die Struktur im Haus? Wie kann man einen anderen Führungsstil etablieren - ohne die übliche Hierarchie?“

GH: Was ist für dich - gelebte Demokratie?

RA: Das wichtigste ist die Bereitschaft, zuzuhören. Bei mir sind die Türen offen – jede und jeder kann sich einbringen. Ein gutes Beispiel ist das aktuelle Landesumweltprogramm, das wollten wir nicht fünf Experten und Expertinnen im stillen Kämmerlein schreiben lassen. Sondern wir haben BürgerInnenräte eingesetz

Per Zufallsgenerator werden Menschen ausgesucht und gebeten, sich ein Wochenende Zeit zu nehmen, um ihre Meinungen einzubringen. Ich habe mir gedacht, da brauchen wir ein paar Hundert, die wir anschreiben, damit sie sich das antun einen Tag lang über die zukünftige Umweltpolitik zu philosophieren. Aber es kam anders, und bei den Jugendlichen war die Quote derer, die nein gesagt haben weitaus am geringsten. Insgesamt war der Prozess eine schöne Erfahrung, da ist die medizinische Assistentin neben dem Studenten, neben dem Kfz- Mechaniker gesessen und es wurde konstruktiv gearbeitet – mit tollen Ergebnissen.

GH: Du lässt also wirklich mitreden.

RA: Ja klar, das ist doch spannend – von ganz unterschiedlichen Leuten Input zu bekommen. Spannend sind auch die Diskussionen auf meiner Facebook-Seite, da sind ja fünfeinhalb tausend Leute, die sich von Zeit zu Zeit aktiv beteiligen. Egal, ob bei politischen Fragestellungen, oder auch bei privaten, banalen Angelegenheiten – zum Beispiel bei der Namenssuche für meinen Hund, als mich in kürzester Zeit 100 Vorschläge via Facebook erreicht haben.

GH: Ich glaube, dass es fast unmöglich ist, zu trennen zwischen den persönlichen Umständen und der politischen Funktion. Aber was ich natürlich bei dir wirklich festgestellt habe, Rudi, war, dass du ganz offen und ehrlich gesagt hast: "Da ist jetzt der Punkt, da bin ich am Ende. Jetzt brauche ich das einfach für mich persönlich." Das war ein mutiger Schritt, glaube ich, weil in der Politik darf man das ja eigentlich nicht zugeben.

RA: Genau so ist es. Politiker sind nicht verletzlich. Sind immer stark, haben keine Schwächen. Das war für mich persönlich ein ganz wichtiges Lernen, dass ich keine Rolle spielen brauche, sondern dass ich, so wie ich bin, einfach akzeptiert werde von denen, die mir wichtig sind – auch mit Schwächen.

GH: Das darf ich aus meiner persönlichen Sicht als Künstler noch einmal unterstreichen, es ist ja so, wenn man den Punkt erreicht, dass man wirklich authentisch ist, dann kann man sich zulassen und zwar in allen Facetten. Und man kann auch manchmal sagen:" So heute bin ich schwach, beziehungsweise zu diesem Thema habe ich erstmal keine dezidierte Haltung. Ich muss da erst einmal nachdenken." Auch das zuzugeben.

RA: Oder: Da hab ich mich geirrt.

GH: Oder ich habe mich geirrt. Das ist ja selbstverständlich, dass das dazugehört. Und dann ist es ein umfassendes Bild einer Persönlichkeit, das die Menschen auch zur Kenntnis nehmen und für ernst nehmen können. Deine Geschichte ist beeindruckend, hast du dir den Job als Politiker denn so vorgestellt?

RA: Ja, es gibt ein paar Bereiche, wo die Jahre in der Landesregierung aus meiner persönlichen Sicht genau dem entsprochen haben, was ich mir immer gewünscht habe von Politik. In zentralen Bereichen, die mir persönlich wichtig sind, konnten wir viel erreichen.

Zum Beispiel in der Energiepolitik: Wir sind bei der Energiewende wirklich weit in Oberösterreich, brechen alte Strukturen auf und schaffen ein klimaschonendes System. Das war gar nicht so einfach. Aber da ist viel gelungen in den letzten Jahren - Oberösterreich gilt nun international als Erfolgs- und Vorzeigemodell für die Energiewende! Darum geht es auch in meinem Buch „Das grüne Wirtschaftswunder“.

GH: Das hört sich ja wirklich arbeits- und zeitintensiv an. Wie sieht es da mit der Balance aus?

RA: Ja, das ist es auch. Ich brauche Strukturen, die Balance ermöglichen. Ganz banal: Ein Tag in der Woche ist völlig frei. Ohne Handy, ohne Internet, ohne Facebook, und ohne öffentlichen Auftritt. Das war bei meinem Burnout der kalte Entzug - von heute auf morgen keine Zeitung, keine Kommunikation, keine Information. Und damit ist es mir eigentlich extrem gut gegangen.

GH: Lass uns über Demokratie sprechen. Es scheint ja al ob sich sehr viele reale Politiker die Frage stellen, ob es nicht einfacher wäre, wenn man dieses „Vehikel“ Demokratie anders definieren könnte. Also, dass es mehr Freiraum gibt für schnelle Entscheidungen. Wie siehst du den Gesamtkonsens – ist Demokratie wirklich was, was man ständig erneuern muss und um das man immer wieder kämpfen muss? Kennst du solche Tendenzen oder ist das völlig aus der Luft gegriffen?

RA: Wir bewegen uns seit Jahren hin zu einem Demokratiepolitischen Aufbruch, wo es Beteiligungschancen gibt, die auch wahrgenommen werden. Ein Beispiel: In unserem Energiewendemodell gibt es die „Energiewende-Gemeinden“. Das ist der Versuch in der Gemeinde, die Energiewende ebenfalls zu realisieren und voll und ganz auf erneuerbare Energieträger umzusteigen. Dafür bekommen die Gemeinden eine Landesförderung – mittlerweile sind schon über 300 Vorreiter dabei. Wichtig ist, dass die Gemeinden eine Beteiligungsmöglichkeit für Menschen, die sich in der Energiefrage engagieren wollen schaffen. Wer mitreden will, darf das, die Türen der Gemeinden müssen aufgemacht werden - damit nicht nur wieder Bürgermeister und Gemeinderat beisammen sitzen und das Wahre, Gute und Schöne produzieren, sondern Menschen, die sich Gedanken machen, die sich einbringen und die lernen wollen etc. Und das funktioniert in fast jeder Gemeinde gut - in manchen sind es fünf, in manchen Gemeinden sind es fünfzig Leute, die Stammtische machen. Das ist Mitmach-Demokratie.

GH: Das ist Ermutigen zum Mitmachen.

RA: Also ich halte ja dieses Mitmachen und sich Einmischen-Können und Mitreden-Können für extrem wichtig, interessant und ermutigend. Die andere Ebene ist die, dass extrem viel Frust da ist.

So war das bei mir damals im Gentechnik-Bereich: Wir hatten ein Verbots-Gesetz gegen die Anwendung von Gentechnik in unserer Landwirtschaft. Und dann hat die EU das gekippt – keine Region sollte die Möglichkeit haben, in ganz Europa zugelassenes Saatgut zu verbieten. Wir waren einige Zeit frustriert und haben gesagt: "Okay, da muss es in Europa ja auch andere geben, die so denken wie wir und das lassen wir uns nicht gefallen." Wohin hat der erste Weg geführt? Wir haben in der Toskana angedockt und die haben gesagt: "Ja, wir diskutieren gerade dasselbe - das dürfen wir uns nicht gefallen lassen." In Brüssel setzten wir uns zusammen und ermutigten auch andere Regionen so einen Widerstand von unten zu starten, damit Regionen das Recht erhalten, in Europa selbst über ihr Essen zu entscheiden, ob sie Gentechnik verbieten wollen, ja oder nein. Mittlerweile sind wir mehr als sechzig Regionen in Europa, vertreten die Mehrheit der Bevölkerung Europas. Diese sechzig Regionen haben es mittlerweile geschafft, dass das Europaparlament unserer Meinung ist, dass die EU-Kommission unserer Meinung ist, dass im europäischen Rat die Regierungschefs fast alle unserer Meinung sind.

GH: Wie steht es um die nationale Mitbestimmung – wieviel kannst du bewirken?

RA: Inzwischen wirklich viel: Zum Beispiel bei der Landesumweltreferentenkonferenz. Dort treffen sich die Umweltlandesräte und Umweltlandesrätinnen der einzelnen Bundesländer am Beginn immer zu einer Fraktionssitzung. Nachdem ich immer der einzige Grüne gewesen bin, habe ich mich kurz mit mir selbst verständigt, wie mein Bestimmungsverhalten zu den einzelnen Punkten ist und dann bin ich geschlossen rein in die Sitzung gegangen.

GH: Du als Fraktion?

RA: Ja, ich als Fraktion. Mittlerweile sind wir die stärkste Fraktion mit vier Grünen, vier von neun. Ich will damit sagen, es wächst einfach sehr, sehr viel in ganz unterschiedlichen Bereichen. Und das nicht nur parteipolitisch, sondern ich habe den Eindruck, dass derzeit eine wirkliche Chance auf Aufbruchsstimmung da ist. Wenn sich einzelne Menschen auf die Sachen konzentrieren, die ihnen wichtig und wertvoll sind und sich einbringen, dann können sie was bewegen.

GH: Wohin soll diese Aufbruchsstimmung führen? Was wäre das Optimum?

RA: Eine bessere, schönere Welt.

GH: Ist das schön. Dass ich das endlich einmal höre. Darum geht es nämlich mal wirklich, die Welt zu verbessern. Man traut es sich nicht aussprechen, weil es so schlicht klingt, weil es so einfach ist. Glaubst du, dass man in Österreich oder in Europa, die Welt verbessern kann?

RA: Ja. Europa ist international ein extrem wichtiger Teil der globalen Politik. Wir müssen wegkommen von diesen kleinen nationalen, nationalistischen „Schrebergärten“, wo jeder glaubt, dass das die Welt ist und für diese Grenzen dann kämpft. Das ist doch eine wunderbare Geschichte, dass diese Grenzen sich auflösen. Nicht nur im Kopf, sondern tatsächlich auch die Grenzen zwischen Ländern. Ich glaube, dass es insgesamt um mehr Miteinander geht, um Aufeinanderzugehen, um sich zu tolerieren, um unterschiedliche Kulturen nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung zu empfinden und, und, und. Da ist die EU eine riesige Chance und auch ein mögliches Modell, auch über die EU hinausgehend.

GH: Ja, das trifft genau meine Haltung zur EU. Kann ich eigentlich fast alles unterstreichen, was du gesagt hast, weil insgesamt gibt es nichts Lächerlicheres in der Geschichte, als diese politischen Grenzen, und dass sich die Menschen emotional beginnen zu binden dann. Also sie definieren sich ja dann auch als abgestecktes Terrain und das ist deswegen so lächerlich, weil es ganz einfache Modelle gibt, die das so ausheben können, ohne irgendeiner großen Anstrengung. Manchmal muss man einfach auch mal umdenken. Das scheint gerade beim Bildungssystem recht schwierig für die Politik. Wie siehst du das als Ex-Lehrer?

RA: Als Volksschullehrer hätte ich die Aufgabe gehabt, dass ich nach der vierten Klasse sage: Das ist ein Guter, und das ist einer, der es nicht schafft, in das Gymnasium zu gehen, sondern in die Hauptschule. Und das war das erste, was ich für völlig wahnwitzig empfunden habe, weil ich an meiner persönlichen Lebensgeschichte gemerkt habe, dass man manchmal siebzehn Jahre alt werden muss, dass einem der Knopf, aufgeht oder ein Interesse an Bildung und Schule beginnt. Manchmal ist es mit siebzehn, manchmal mit vierzehn, manchmal mit vierunddreißig, bei manchen mit sechs oder zwei. Es gibt unterschiedliche Biographien. Und da Menschen in Schubladen einzuteilen, ist verrückt, unfair in Wirklichkeit.  Wo das Prinzip des Trennens vorherrscht, dort kann man nicht lernen voneinander.

GH: Ja, deswegen dürfen so radikale Vögel, wie ich, sagen: Dieses System ist nicht zu beschönigen und es ist nicht zu polieren, sondern höchstens zu ersetzen - durch ein besseres, ein anderes. Aber es geht nicht so, dass man sich noch immer anklammert an diese, wie du sagst, völlig selektive und trennende, prinzipielle Haltung, sondern das muss radikal verändert werden.

RA: Auch wenn ich im Ressort keine Zuständigkeit für Bildungsfragen habe, gibt es bei uns Projekte wo wir miterleben dürfen, wie unglaublich lebendig und engagiert Pädagoginnen und Pädagogen und die Kids selbst sind. Eine Geschichte sind die Sonnenschulen. Ich hab mir überlegt: Wie kannst du Sonnenenergie irgendwie in die Schule bringen? Damit diejenigen, die ja betroffen sind, Klimaveränderung etc., das als die Normalität erleben lernen. Jetzt haben wir ein Programm geschaffen, wo jede Schule, die sagt: Okay, ich will das zu einem wichtigen Unterrichtprinzip machen und habe einen Pädagogen, eine Pädagogin, die sich bei dem Themenbereich fit machen will, kompetent werden will. Die Schule bekommt eine geförderte Solaranlage auf’s Dach und kann so ihren eigenen Strom produzieren und das Thema spielerisch verinnerlichen. Mittlerweile machen das über 400 in Oberösterreich.

GH: Rudi, du hast eine klasse Ausstrahlung. Natürlich deswegen, weil dir sehr viel gelungen ist, das darf man nicht vergessen. Es muss sehr befriedigend sein, denke ich einmal, wenn man nicht nur attackiert, sondern auch im Positiven etwas bewegen kann. Gibt es in noch Themen, die dir unter den Fingernägeln brennen?

RA: In der Regierungsarbeit sind wir ja im Ressort für Energie, Wasser, Umwelt, Gentechnik, Klimaschutz, KonsumentInnenschutz zuständig. Total spannend finde ich die Ernährungsfrage: Wie kann das funktionieren, dass Konsumenten Entscheidungsträger/innen sind. In Wirklichkeit ist das ja jeden Tag ein politischer Entscheidungsakt – für oder gegen Kinderarbeit, Klimaschutz usw. Wenn ich einkaufen gehe, ob ich, ein banales Beispiel, zum Knoblauch aus China greife und zu einem Produkt, wo ich weiß, das kann eigentlich unter katastrophalen Arbeitsbedingungen produziert worden sein.

Ich bin ein Spätzünder, was die Ernährung betrifft. Aber wenn man beginnt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, dann stellt sich automatisch die Frage: Warum ist das in meiner Kindheit so gewesen, dass man einmal in der Woche Fleisch gehabt hat und am Montag sind die Reste davon verkocht worden, und jetzt ist es so, dass wir in unserer Gesellschaft glauben, es muss überall, tagtäglich Fleisch zu Billigstpreisen dabei sein. Das hat Wirkungen was die Klimaveränderung betrifft. Wir erzeugen mit dem Verkehrsverhalten bedeutend weniger CO2-Emissionen, wie mit unserem Fleischkonsum.

GH: Jetzt langsam noch einmal.

RA: Ja. Heftig, oder? Darum haben wir vor ein paar Jahren den sogenannten Fleischfrei-Tag initiiert. Damit möchten wir statt dem Zwangsvegetarismus einfach dazu ermutigen, fleischlose Tage auszuprobieren. Egal, ob zuhause oder in Restaurants – alleine in OÖ gibt es schon fast 100 Gastronomiebetriebe, die den Fleischfrei-Tag bewusst leben. Und auch wenn man selbst fleischfrei kocht, merkt man, dass das ein ganz anderer Zugang ist. Das ist kein Verlust, sondern eigentlich im Lebensgefühl, ein Gewinn. Wobei ich schon von Zeit zu Zeit gern ein Stückchen Fleisch esse – von dem weiß ich aber dann ganz genau, woher es kommt, und dass das Tier ein schönes Leben hatte.

GH: Beim Thema Ernährung denkst du ja auch an den vielen Lebensmittelmüll und seine Auswirkungen. Kennst du den Film „Taste the Waste“?

RA: Ja klar – und ja, den Film kenne ich. Der Macher Valentin Thurn hat mir viele Impulse gegeben, und wir haben schon tolle Initiativen in Oberösterreich, um Lebensmittelmüll zu vermeiden:
Zum Beispiel die Fair-Teiler - das sind Kühlschränke mit Tauschfunktion. Menschen die sagen, okay ich hab da jetzt zu viele Gurken gekauft, oder bin auf das Lockangebot bei Ribisel reingefallen, und jetzt komm ich drauf, dass ich soviele eigentlich nicht brauch, gehen eben zu diesem Tauschkühlschrank, legen das was sie nicht brauchen hinein, damit der/die Nächste, die das braucht hingehen und das nehmen kann. Das funktioniert real, das funktioniert im Internet, als Tauschbörse sozusagen etc. Bei uns gibt es jetzt 3 solche Fair-Teiler, aber die Bewegung wächst. Und das zweite was ich mir vom Valentin abgeschaut habe, das sind seine Kochshows. Bei uns heißen diese Info-Kochshows „Kochtopf statt Mistkübel“ – 2014 haben wir damit mehr als 20 Stationen gemacht. Dort kochen wir in einer Mülltonne – umfunktioniert zu einer Kochplatte. Gemeinsam mit einer Profiköchin verkoche ich sogenannte B-Ware. Also Karotten z.B., die deswegen nicht verkauft werden dürfen, weil sie den optischen Ansprüchen nicht gerecht werden - also wenn sie zwei Beine haben. Oder weil der Erdapfel ein bisschen zu klein ist oder ein bisschen zu groß ist, nicht der Norm entspricht. Die daraus gekochten Speisen verschenken wir. Und die Leute kochen mit, essen, diskutieren und lernen: Wie kann ich einen alten Brotwecken verwerten, wie kann ich Sachen haltbar machen etc.