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Oberösterreich setzt auf mehr Strom aus Wasserkraft
Mi, 07.07.2010 — 11:00
OÖ setzt Energiewende um - Erste Priorität: Energieeinsparung auf allen Ebenen. Zweite Priorität: Ausbau aller erneuerbaren Energieträger, die umweltverträglich verwirklichbar sind. Nicht eine erneuerbare Energie, sondern alle. Auch Wasserkraft - durch Neubau und Effizienzsteigerung. Einzigartiges Programm in OÖ: Effizienzprogramm für Wasserkraftwerke. In den letzten Jahren konnten bereits 122 GWh mehr Strom durch die Modernisierung bestehender Anlagen gewonnen werden. Das ist fast zwei mal die Erzeugung des Kraftwerkes Lambach. Natur und Stromversorgung sind gleichermaßen Gewinner.
Derzeit gibt es in Oberösterreich über 619 Kleinwasserkraftwerke (Leistungsbereich bis 10 MW) mit einer Engpassleistung von mehr als 130 MW und über 700 GWh (Regelarbeitsvermögen). Bezogen auf den Stromverbrauch (Abgabe öffentliches Netz) stammen bereits 7 Prozent aus Kleinwasserkraft.
Teilweise sind diese Kleinwasserkraftwerke schon relativ alt. Oberösterreich hat daher in der letzten Legislaturperiode als erstes und einziges Bundesland ein Revitalisierungsprogramm für Kleinwasserkraftwerke gestartet. Dieses Programm läuft höchst erfolgreich: Bereist mehr als 250 Kleinwasserkraftwerke wurden modernisiert. Damit konnte die Stromerzeugung dieser Anlagen um durchschnittlich mehr als 40 Prozent gesteigert werden und in Summe 77 GWh (entspricht etwa der Erzeugung des Kraftwerkes Lambach) pro Jahr zusätzlicher Ökostrom aus Kleinwasserkraft erzeugt werden. Auch unter dem Gesichtspunkt der Wasserrahmenrichtlinie wurde im Jahr 2007 eine Förderaktion für die Errichtung von Organismen-Aufstiegshilfen gestartet.
Ziel der im April 2003 gestarteten Kleinwasserkraft-Beratungsaktion ist die Steigerung der Ökostromproduktion aus Kleinwasserkraftwerken in Oberösterreich. Betreiber/innen von Kleinwasserkraftwerken werden bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Erhöhung des Regelarbeitsvermögens und bei der Revitalisierung ihrer Anlagen unterstützt.
Im Rahmen der Aktion erhalten die Betreiber/innen von Kleinwasserkraftanlagen individuelle und produktneutrale Beratung von den Energieberater/innen des O.Ö. Energiesparverbandes. Die Beratungen werden vor Ort durchgeführt und sind für die Betreiber kostenlos.
Inhalte der über 600 Beratungen - allein 25 im Jahr 2010 - waren die Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen zur Erhöhung des Regelarbeitsvermögens, die Anwendung neuer Technologien im Bereich Kraftwerksbau, Regelungstechnik etc., die Hilfestellung beim Erhalt der Bundesökostromtarife und auch die Standortberatung bei der Errichtung von Neuanlagen.
Details Beratungsaktion siehe http://www.esv.or.at/foerderungen/oekostrom/oekop-kwkw/beratungsaktion-kwkw/
"Die Fortsetzung und Verlängerung dieser erfolgreichen Beratungsaktion wurde auf meine Initiative hin am Montag in der Landesregierung beschlossen", so Landesrat Anschober.
Das Energieressort fördert die Umsetzung von Revitalisierungsmaßnahmen mit 50.000 Euro.
Beispiele für Revitalisierung inkl. Beratung:
Kleinwasserkraftwerk Iglmühle,
Große Mühl, Arnreit
Anlage: Ausleitungs- (1) und Laufkraftwerk (2)
Inbetriebnahme: 1961 bzw. 1998 nach Revitalisierung
Turbine: Francis (1) und Kaplan (2)
Ausbauleistung: 140 kW (1), 95 kW (2)
Regelverarbeitungsvermögen vorher/nachher: 750.000 kWh/a / 1.100.000 kWh/a
Kosten: 159.880 Euro
Förderungen: 11.540 Euro
Amortisationszeit: 15 Jahre
Erhöhung der Jahreserzeugung um 25 % (ca. 330.000 kWh)
Kleinwasserkraftwerk Herzog von Cumberlandstiftung
Alm, zwischen Almsee und Grünau
Anlage: Mittelwasser MQ = 8,5 m³/s,
Niedrigstwasser NNQ = 0,5 m³/s
Inbetriebnahme: 1899 bzw. 2005 nach Revitalisierung
Turbine: Francisturbine durch Kaplanturbine ersetzt
Turbinenleistung vorher/nachher: 35 kW / 214 kW
Elektrische Leistung vorher/nachher: 28 kW / 197 kW
Regelarbeitsvermögen vorher/nachher: 170.000 kWh / 1.000.000 kWh
Investition: 960.000 Euro
Förderung: 50.000 Euro
Restwasserabgabe 800 - 1400 l/s je nach Leistung,
Umgehungsgerinne an der Wehranlage als Fischaufstieg
Kleinwasserkraftwerk Magerlmühle
Große Mühl, zwischen Rohrbach und Haslach
Anlage: Mittelwasser MQ = 9 m³/s, Niedrigstwasser NNQ = 0,8 m³/s
Inbetriebnahme: 1922 bzw. 2004 nach Revitalisierung
Turbine: Francisturbine vertikal mit Kammrad und Riementrieb
Turbinenleistung vorher/nachher: 110 kW / 135 kW
Elektrische Leistung vorher/nachher: 95 kW / 120 kW
Regelarbeitsvermögen vorher/nachher: 450.000 kWh /
750.000 kWh + Altanlage mit 350.000 kWh
Investition: 520.000 Euro
Förderung: 50.000 Euro
Fischaufstieg mit 150 l/s dotiert (Schlitzpass an der Wehranlage)
Kleinwasserkraftwerk Hart
Hart, WII, Ager, Schwanenstadt
Anlage: Ausleitungs-Kraftwerk, festes Schützenwehr, Trapezgerinne
Inbetriebnahme: 1924 bzw. 2005 nach Revitalisierung
Turbine: 2 Francisturbinen durch 2 Kaplanturbinen ersetzt
Ausbauleistung vorher/nachher: 900 kW / 1400 kW
Fallhöhe vorher/nachher: 5,5 bzw. 6,5 m / 7, 5 m
Regelarbeitsvermögen vorher/nachher: 2.500.000 kWh /11.600.000 kWh
Investition: 2.100.000 Euro
Förderung: 50.000 Euro
1.500 l/s Restwasser, Fischaufstiegshilfe
Modernisierung des Verbund AHP-Kraftwerks Aschach
Doch nicht nur Kleinkraftwerke schaffen durch Modernisierung mehr Stromertrag: Das Kraftwerk Aschach wurde von 1959 bis 1964 als zweites österreichisches Donaukraftwerk zwischen Sauwald und Mühlviertel errichtet. Das Kraftwerk staut die Donau 15,3 m hoch auf und verfügt damit über die höchste Fallhöhe aller österreichischen Donaukraftwerke. Im Krafthaus, das in der Mitte des Kraftwerkes zwischen der Schleusenanlage (rechtsufrig) und der Wehranlage (linksufrig) liegt, sind vier Maschinensätze mit vertikaler Welle, bestehend aus je einer Kaplanturbine und je einem Drehstromgenerator eingebaut. Zwei kleinere Maschinensätze erzeugen den Strom für die Eigenbedarfsversorgung des Kraftwerkes.
Erneuerung 2007-2010
Nach mehr als 45 Jahren uneingeschränkten Betrieb der Maschinensätze erfolgt in den Jahren 2007 bis 2010 ein Effizienzsteigerungsprogramm. Zu diesem Zwecke werden sowohl Turbinen und Generatoren dem Stand der Technik entsprechend erneuert. Die Nennleistung der Turbinen beträgt nun 81.000 kW. Der Durchmesser eines Laufrades beträgt 8,6m.
Die Drehstromgeneratoren erfahren durch die Erneuerung einen Leistungssteigerung auf 98.000 kVA. Der Gesamtwirkungsgrad der Maschinensätze kann durch diese Maßnahmen um ca. 2% erhöht werden.
Nach Fertigstellung verfügt das Kraftwerk nun über eine Engpassleistung von 324 MW. Bei einem Ausbaudurchfluss von 2.480 m³/s beträgt das Regelarbeitsvermögen jährlich 1.662 Mio kWh - das sind um 45 GWh mehr Regelarbeitsvermögen als vor der Modernisierung!
Energie-Landesrat Rudi Anschober: "Mehr Stromertrag und mehr Ökologie: in Summe konnten damit in den letzten Jahren in Oberösterreich 122 GWh mehr Strom durch Effizienzsteigerung und Modernisierung bestehender Wasserkraftwerke geschaffen werden. Das entspricht fast der doppelten Stromerzeugung von Lambach. Natur und Energieversorger sind beide Gewinner."
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