« zurück zur letzten Seite « weitere Presseaussendungen

Jobmotor Radverkehr

Mo, 19.07.2010 — 11:00

Bereits 4.000 Grüne Jobs in OÖ im Fahrradbereich - neue Initiativen

Jobmotor Radverkehr

Der Radverkehr entwickelt sich - gerade auch in OÖ - immer mehr zu einem boomenden Markt, die Verkaufszahlen steigen dramatisch, Oberösterreich profitiert besonders stark. Das Fahrrad hat bereits eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. 1.750 Fahrräder gehen österreichweit täglich über den Ladentisch von Fahrrad- und Sportartikelhandel, der Trend geht zum qualitativ hochwertigen Gerät mit mehr Komfort und geringem Wartungsaufwand. 2009 wurden österreichweit 500.000 neue Fahrräder gekauft, mehr als 70.000 in Oberösterreich. So liefern das Fahrrad und sein "Drumherum" insgesamt eine direkte und indirekte Wertschöpfung von 882,5 Millionen Euro (Oberösterreich: 189,2 Mio. Euro) und Beschäftigung für 18.300 Personen (Oberösterreich: 3.930 Personen). Ganz stark im Zunehmen ist die Zahl der E-Fahrräder, von denen bereits mehr als 5.500 in Oberösterreich gefördert wurden. Umwelt-Landesrat Rudi Anschober rechnet in Oberösterreich mit einer Versiebenfachung der jährlichen Verkaufszahl bis 2015, ein Gutteil davon aus OÖ-Produktion. Eine neue Solartankstellenförderung unterstützt dies. LR Anschober fordert ein neues Berufsbild "Radmechaniker", um dem Boom gerecht zu werden und möglichst viele Grüne Jobs schaffen zu können.

Radfahren ist nicht nur gesund, bedeutet nicht nur in der Stadt wesentlich schneller unterwegs zu sein, sondern bringt Österreich seinen Klimaschutzzielen näher, verringert Lärm- und Schadstoffbelastung, erhöht somit die Lebensqualität in den Städten und spart Geld, so LR Anschober. Und hätte zudem ein großes Ausbaupotential, der 50 Prozent der Auto-Wege in der Stadt werden auf Distanzen unter 5 Km zurückgelegt. Die Vorteile des Radfahrens sind vielfältig. Weniger bekannt ist aber, dass der Radverkehr auch ein Jobmotor ist.

Mindestens 20 Jahre lang gingen in Oberösterreich die Anteile des Fußgänger/innen-, Fahrrad- und öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehr zurück - der Straßenverkehr wurde einseitig ausgebaut. Doch gerade seit der Wirtschaftskrise und der Einführung von E-Bikes steigt der Radanteil auch in Oberösterreich - eine Chance für heimische Arbeitsplätze.

In absoluten Zahlen hat Niederösterreich die meisten Fahrradhaushalte, nämlich 490.000. In Oberösterreich sind es 435.000 Haushalte, in Wien 420.000 und in der Steiermark 346.000. Österreich erlebt seit drei Jahren einen Radfahrboom. Immer mehr lernen die Vorteile des Fahrrads schätzen: Man ist schnell und kostengünstig am Ziel und tut der eigenen Gesundheit und Fitness Gutes. Und die Umwelt profitiert, weil keine Abgase und Schadstoffe in die Luft geblasen werden.

Der VCÖ weist darauf hin, dass eine Person, die 1.000 Kilometer pro Jahr im Alltag mit dem Fahrrad statt mit dem Auto fährt, im Schnitt rund 180 Kilogramm des Treibhausgases CO2 vermeidet.

Laut VCÖ sind Vorarlbergs Haushalte am besten mit Fahrrädern ausgestattet: (Haushalte mit mindestens einem Fahrrad - pro 1.000 Haushalte)

Vorarlberg:                820

Salzburg:                   800

Oberösterreich:        790

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2010

Dass eine Ausbaumaßnahmen für den Alltagsradverkehr nicht nur für die Umwelt und die Gesundheit notwendig wären, sondern auch Arbeitsplätze bringt, zeigt nach Landesrat Anschober eine Studie, die das Lebensministerium 2009 gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich erarbeitet hat: Neben der Fahrradproduktion, dem Handel und Servicebereich wurden touristische Radsportveranstaltungen, aber auch Urlaube und Radwegeausbau berücksichtigt.

Diese Kurzstudie "Wirtschaftsfaktor Radfahren" beziffert die direkten und indirekten Wertschöpfungseffekte durch die Radwirtschaft in Österreich mit 882,5 Millionen Euro (Oberösterreich: 189,2 Mio Euro) und geht von mehr als 18.000 gesicherten Arbeitsplätzen aus. Im Bundesland Oberösterreich hängen mehr als 3.930 Jobs am Fahrrad - die meisten von ganz Österreich.

Neben dem Radtourismus (Wertschöpfung 317, 3 Mio, 7. 616 Beschäftigte), dem Handel (137, 9 Mio, 1. 302 Beschäftigte) und der Produktion (53, 5 Mio Wertschöpfung, 454 Beschäftigte ) sichert auch der Ausbau von Infrastruktur (Radwege) 694 Arbeitsplätze.

Im Einzelnen:

Radtourismus im Aufwind

Radfahren gilt als gesundes und trendiges Erlebnis. Der Radtourismus verzeichnet in Österreich seit Jahren einen anhaltenden Aufwärtstrend, immer mehr heimische Unternehmen finden hier ein interessantes Geschäftsfeld, das Radwegenetz wird ständig ausgebaut.

Allein in Oberösterreich steigen rund 27 Prozent aller Urlaubsgäste während ihres Ferienaufenthalts zumindest einmal auf das Fahrrad, 21 Prozent verbringen einen deklarierten Radurlaub in OÖ (2006: 15 %). Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung des Fahrradtourismus in Oberösterreich.

Produktion und Handel

1.750 Fahrräder gehen täglich über den Ladentisch von Fahrrad- und Sportartikelhandel, der Trend geht zum qualitativ hochwertigen Gerät mit mehr Komfort und geringem Wartungsaufwand. 2009 wurden österreichweit 500.000 neue Fahrräder gekauft, rund ein Siebtel davon in Oberösterreich. Die von österreichischen Unternehmen 2009 erzeugten 181.000 Fahrräder waren zu 80 Prozent für den Export bestimmt.

Ein Drittel nutzt das Fahrrad gelegentlich zum Einkaufen

Radfahrer/innen bringen dem Handel nicht nur Umsatz, sondern helfen auch, Kosten zu reduzieren, wenn z.B. weniger Parkplätze benötigt werden. In einer neuen Studie, die die CIMA Beratung + Management GmbH aus Ried im Innkreis im Auftrag des Lebensministeriums und der Sparten Handel sowie Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer Österreich 2010 erstellt hat, wird die Bedeutung der Radfahrer/innen für den Handel eindrucksvoll bestätigt.

Die Radfahrer/innen sind allerdings eine noch wenig erschlossene Zielgruppe. Jeder Haushalt in Österreich hat im Durchschnitt zwei Fahrräder, die Versorgungsdichte beträgt insgesamt 83 Prozent (OÖ: 89 Prozent). Eine der wichtigsten Gründe, das Fahrrad zu benutzen, stellt das Einkaufen dar. Rund 30 Prozent der Österreicher geben an, gelegentlich mit dem Rad einzukaufen. Am häufigsten zeigt sich dies in Vorarlberg mit 44 Prozent, am geringsten in Wien mit 16 Prozent (OÖ: 23 Prozent). Fahrradfahrende Personen besuchen den lokalen Einzelhandel häufiger als PKW-Einkäufer.

50% der PKW-Fahrten gehen über weniger als fünf Kilometer - das ist das zukünftige Hauptpotential des Fahrrads.

Errichtung von Radwegen

DI Reinhard Haller von der TU Wien geht in seiner Studie "Beschäftigungseffekte von Verkehrsinfrastruktur- Investitionen" davon aus, dass durch den Bau von hochrangigen Straßen 10.189 Arbeitsplätze geschaffen werden, verkehrsberuhigende Maßnahmen oder Radwegebau aber 15.935 Arbeitsplätze in der jeweiligen Region bringen.

E- Mobilität

Ein neuer Boom stellt die E- Mobilität dar, den das Umweltressort mit einer attraktiven Förderung unterstützt:

Die aktuellen Förderzahlen für Oberösterreich:

Anträge E-Bikes per 19.07.2010 (aktuelle Förderaktion): 2.345 Förderfälle/Anträge
E-Bikes zuvor bereits gefördert:
3.104 Förderfälle
Gesamthaft auf oö. Straßen aktuell unterwegs
: ~ 5.500 E-Bikes
Solartankstellenförderaktion in Oberösterreich

Das Ressort von Landesrat Anschober fördert 2010/2011 in 50 Gemeinden eine Stromtankstelle für Elektromobilität. Oberösterreich denkt weiter - denn so haben bereits bei der E-Mobilitätsförderung den starken Bezug von E-Mobilität zu Strom aus 100 Prozent erneuerbarer Energie oder Betrieb einer Photovoltaikanlage kombiniert. "Diese Schwerpunktlegung war mir wichtig, um einen Lenkungseffekt in Richtung CO2-neutraler Stromnutzung zu generieren", so Anschober.

Da wir für den endgültigen Durchbruch der Elektromobilität auch die notwendige Tankstelleninfrastruktur anbieten müssen, hat das Umweltressort von LR Anschober für 50 Gemeinden die Förderung für eine Solar-/Stromtankstelle zur Verfügung gestellt. "44 Gemeinden haben sich auf Grund einer Vorinformation meines Ressorts bereits für einen derartige Tankstellenförderung angemeldet - für sechs weitere Gemeinden würde daher noch eine Förderung offen stehen", so Landesrat Anschober.

Da die Nachhaltigkeit beim Thema Elektromobilität untrennbar mit der Herkunft des Stromes verbunden ist, welcher Elektrofahrzeuge antreibt, haben wir darauf Wert gelegt, dass wir uns stark dafür einsetzen, Elektromobilität mit Strom aus erneuerbaren Energieträgern zu koppeln.

Daher unterscheiden wir auch in der E-Tankstellen-Förderung, ob Gemeinden bereits Strom aus 100 % erneuerbaren Energieträgern beziehen (es zählt hier der Versorgermix ihres Energieversorgers) oder eben noch nicht.

Durch das Umweltressort werden 50 % der Kosten (max. 5.000 Euro) für die Errichtung einer Tankstelle für Elektrofahrzeuge in den Gemeinden bereitgestellt:

  • bei Gemeinden ohne Strom aus 100 % erneuerbaren Energieträgern
    fördert das Land 50 % der anrechenbaren Kosten einer Solarstromtankstelle inklusive Photovoltaikmodul (max. 5.000 Euro), wenn sie netzgekoppelt ist und folgende Mindestkriterien erfüllt:
    -zumindest 150 Wp Solarmodul

-Wechselrichter

  • bei Gemeinden mit bestehendem Bezug von 100 % Strom aus erneuerbaren Energieträgern fördert das Land optional entweder 50 % von den anrechenbaren Kosten von Solartankstellen (mit oben angeführten Kriterien) oder 50 % der anrechenbaren Kosten der Installation von "Tankinseln", also Außensteckdosenschaltschränken bei Parkplätzen mit angebrachter Informationstafel, dass es sich bei der getankten Energie um Strom aus 100 % erneuerbarer Energie handelt, mit max. 5.000 Euro.

In beiden Fällen sind entsprechende Sicherungsmechanismen, rechtskonformer Betrieb, Freischaltsysteme mit Zugangskennungen, bzw. Schutz gegen Missbrauch der Steckdosen sicherzustellen. Für die zukünftige Betankung von Elektroautos ist eine Drehstromsteckdose in beiden Varianten vorzusehen.

Gefördert werden auch Installations- und Anschlusskosten (Grabungsarbeiten usw.).

"Ich würde mich freuen, wenn es mit dieser Aktion gelingt, ein möglichst dichtes Netz an Solarstromtankstellen in Oberösterreich zu errichten", so Anschober.

Stromtankstelleninfrastruktur in Linz (der Linz AG)

Neues Berufsbild notwendig: Fahrradmechaniker/in

Laut VCÖ wurden 12.000 Elektrofahrräder im letzten Jahr in Österreich verkauft, um 50 % mehr als im Jahr 2008. Der VCÖ rechnet mit einer Versechsfachung der Verkaufszahlen auf 75.000 im Jahr 2015.

Verkaufszahlen Elektrofahrräder in Österreich:

Jahr 2008:                     8.000

Jahr 2009                      12.000

Jahr 2010                      20.000 (Prognose VCÖ)

Ähnlich die Entwicklung bei Elektromopeds und E- Motorräder

Jahr 2008                      882

Jahr 2009                      1.955

Jahr 2015                      50.000- 60.000 (Prognose VCÖ)

Lediglich die Anzahl der Elektroautos ist noch gering:

Jahr 2008                      146

Jahr 2009                      223

(Quelle : VCÖ, Statistik Austria 2010)

Trotz aller Qualität der heimischen Produktion sind manchmal Reparaturen oder Wartungsarbeiten notwendig. Dafür ist ausgebildetes Fachpersonal notwendig, wobei es im Bereich Elektrofahrräder keinen entsprechenden Lehrberuf gibt. Gab es vor etlichen Jahren noch den Lehrberuf des Fahrrad- und Nähmaschinenmechanikers, so wurde dieses Berufsbild aufgegeben. Gut ausgebildetes Personal wäre in Anbetracht der steigenden Zahlen der E- Fahrräder von Nöten - dass Bedarf besteht, zeigt uns Deutschland. Dort gibt es seit 2004 den Lehrberuf des Fahrradmonteurs/ der Fahrradmonteurin. Fahrradmonteur/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO). Die Ausbildung dauert zwei Jahre.

Fahrradmonteur/innen bauen Fahrräder zusammen, reparieren sie oder passen die Modelle den Wünschen der Kundinnen und Kunden an. Defekte Fahrräder setzen sie instand und richten sie wieder verkehrssicher, funktionstüchtig und optimal eingestellt her. Besondere Ersatzteile stellen sie z.B. an der Werkstattdrehbank oder Fräsmaschine selbst her. Wenn sie ein Fahrrad individuell nach Kundenwunsch montieren, bauen sie es u.a. aus Rahmen, Tretlager, Schalt- und Bremssystemen sowie Rädern und Reifen zusammen. Bei Reparaturarbeiten wechseln Fahrradmonteure und -monteurinnen z.B. abgenutzte Reifen und Schläuche, zentrieren verbogene Felgen oder stellen Kettenschaltwerk, Bremsen, Tretlager und Steuersatz ein.

Fahrradmonteure und -monteurinnen gewährleisten, dass Fahrräder, die ihren Betrieb verlassen, betriebs- und verkehrssicher sind. Sie stehen den Kundinnen und Kunden jedoch auch mit ihrem Fachwissen zur Seite und beraten zu Vor- und Nachteilen sowie den jeweiligen Kosten der Radmodelle. Dabei sind sie stets über neueste Entwicklungen auf dem Fahrradmarkt informiert.

Ausbildungsinhalte

  • Bauteile und Systeme zerlegen, reinigen und lagern
  • Arbeitsschritte planen, Fehler und Qualitätsmängel erkennen und beseitigen
  • Montage- und Betriebsanleitungen, Schalt- und Funktionspläne lesen und anwenden
  • Messarbeiten durchführen, Messen und Prüfen an Systemen
  • Korrosionsschutz erneuern
  • Verbindungen in elektrischen Systemen herstellen
  • Fahrradbauteile durch Schrauben, Kleben, Nieten, Pressen, Klemmen und Stecken fügen
  • Fahrrad auf Verkehrssicherheit prüfen
  • Einstellung von Beleuchtung und Bremseinrichtungen und Instandsetzung von Schaltsystemen
  • Waren annehmen, Lieferungen prüfen, Reparatur- und Kostenvoranschläge erstellen, Fahrräder ausliefern
  • Qualitätsmanagement

Perspektiven nach der Ausbildung

Beschäftigung finden Fahrradmonteure und -monteurinnen in Betrieben, die Fahrräder montieren oder reparieren. Oft sind sie im Fahrradhandel oder Fahrradzubehörhandel tätig. Darüber hinaus bieten sich auch Einsatzmöglichkeiten im Fahrradverleih.

Um den Anforderungen des Arbeitsalltags gerecht zu werden, müssen Fahrradmonteure und -monteurinnen ihr Fachwissen stets aktuell halten und ihre Fachkenntnisse erweitern.

Nach erfolgreicher Abschlussprüfung können Fahrradmonteure und -monteurinnen unter bestimmten Voraussetzungen ihre Ausbildung um eineinhalb Jahre fortsetzen und die Prüfung zum/zur Zweiradmechaniker/in der Fachrichtung Fahrradtechnik ablegen.



Newsletter-Anmeldung
Schnellsuche
  • facebook RSS Feed