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ReVital - eine Erfolgsgeschichte
Mi, 04.08.2010 — 17:37
Umwelt-Landesrat Rudi Anschober
Bgm. Ing. Josef Moser
Vorsitzender des OÖ. Landesabfallverbandes
DI Thomas Anderer
Geschäftsführer des OÖ. Landesabfallverbandes
ReVital - eine Erfolgsgeschichte:
Pilotprojekt mit 6 Shops verknüpft vorbildlich Umweltschutz und Schaffung von Arbeitsplätzen
10.000e Kund/innen sorgten in der Startphase der neuen ReVital-Shops für einen vollauf gelungenen Beginn des österreichweit einzigartigen Projekts. Aus 155.000 kg Abfall wurden wieder verkaufbare Produkte, die zu neuen Arbeitsplätzen und preisgünstigem Konsum, mehr Klimaschutz und kleineren Abfallbergen führten. Umwelt-Landesrat Rudi Anschober will das Modell daher in den nächsten Jahren massiv ausbauen.
ReVital
- bringt Mehrwert
- verbindet Abfallvermeidung, Beschäftigung und soziale Konsummöglichkeiten
- ist genial
Wiederverwendung ist ein vorrangiger Grundsatz der Abfallgesetze, allein die Maßnahmen dazu sind oft sehr dürftig. Oberösterreich hat im Juni 2009 ein Pilotprojekt gestartet, Altwaren in den Altstoffsammelzentren (ASZ) zu sammeln und als „wiederbelebte" ReVital-Produkte (vorerst) in 6 Verkaufsstellen anzubieten. Die Bilanz des ersten Pilotjahres fällt durchwegs positiv aus und ermuntert zur Ausweitung des Projektes auf ganz OÖ. Auch im restlichen Österreich ist das OÖ-Modell positiv aufgefallen und führte zu Anfragen nach Kooperationen aus anderen Bundesländern.
Umwelt-Landesrat Rudi Anschober:
„Die erste Zwischenbilanz zeigt: Von diesem Modellprojekt zur Abfallvermeidung durch Wiederverwendung gebrauchter, qualitätsgeprüfter Altwaren profitieren alle: Die Umwelt, der Klimaschutz, die Arbeitsplätze und sozial Schwache."
Bgm. Josef Moser (Vorsitzender des OÖ LAV):
„Die Umweltprofis der BAV haben mit dem ReVital-Projekt einen richtungsweisenden Weg zur Abfallvermeidung gefunden. Die ASZ sind von den Bürger/innen gut frequentierte Einrichtungen und können auch sukzessive zur Vorsammlung von Waren zur Wiederverwendung geöffnet werden und unterstützen dabei soziale Zwecke. Nachhaltige Abfallwirtschaft beginnt nicht erst beim Wegwerfen sondern beachtet auch den Konsum und den Lebenszyklus der Produkte."
Thomas Anderer (Geschäftsführer OÖ LAV):
„Die Vernetzung der Abfallwirtschaft mit der Sozialwirtschaft war eine große, anfangs mühevolle Herausforderung. Sie war aber wesentlich für den erfolgreichen Aufbau des Projektes beteiligt. Anhand der Sammelmengen und verkauften ReVital-Produkte ist die Abfallvermeidung konkret mess- und nachvollziehbar. Die Marke ReVital gilt es weiter zu implementieren, um den Vermeidungserfolg auch landesweit umsetzen zu können."
Das Pilotprojekt 2009
Das Pilotprojekt Re-use-Shops in Oberösterreich ist eine Geschäftsidee zur landesweiten Vernetzung von vorerst 3 sozialen Integrationsunternehmen im Non-profit Bereich, deren 6 Verkaufsstandorte und den Umweltprofis der kommunalen Abfallwirtschaft - LAV, BAV und Statutarstädte und LAVU AG - bei Sammlung, Aufbereitung und Verkauf von gebrauchten Produkten aus den Bereichen Elektroaltgeräte (EAG), Möbel, Sport & Freizeitgeräte und Hausrat.
Das Marktvolumen in OÖ (Ist-Umsatz) im Bereich der sozialen Integrationsunternehmen betrug 2007 rd. 1,3 Mio € und sollte bis 2015 auf über 3 Mio €/Jahr gesteigert werden können. Dazu wird angestrebt, bis zu 3.000 Tonnen Altstoffe bzw. gebrauchte Produkte und Geräte einer Wiederverwendung zuführen zu können (das wären rd. 8 Prozent des jährlichen Sperrabfalls in OÖ). Damit ist verbunden der mittelfristige Ausbau der Beschäftigung von arbeitsmarktpolitischen Zielgruppen im Reuse-Bereich von derzeit 150 auf 220 Plätze und eine Erhöhung der Eigenerwirtschaftungsquote. Es ist nicht Ziel, Konkurrenzstrukturen aufzubauen, sondern den bestehenden, nicht gewinnorientierten Gebrauchtwarenmarkt in OÖ zu stärken, um lokale Aktivitäten zu erweitern, Synergien auszuschöpfen und zusätzliches Potential durch Innovation zu schaffen.
Die neue Produktlinie: „ReVital. Ökologisch. Günstig. Sozial."
ReVital ist der Markenname einer neuen Linie von gebrauchten, aber gut erhaltenen und einwandfrei funktionierenden Produkten, die mehr hergeben, weil sie mehrere Werte haben:
1. Die Umwelt nachhaltig entlasten (Abfallvermeidung, Ressourcenschonung und Beitrag zum Klimaschutz),
2. arbeitsmarktpolitische Zielgruppen beschäftigen,
3. günstige Einkaufsmöglichkeiten schaffen, die sich durch geprüfte Qualität auszeichnen und
4. Umtauschrecht für ReVital-Produkte innerhalb von 4 Wochen
ReVital-Produkte bestechen auch durch Qualität. So gelten als Mindest-anforderungen für ReVital-Produkte, anhand derer bereits eine Abgrenzung zu Flohmärkten oder unqualifizierten Secondhand-Läden erkennbar sein muss:
- Optisch ansprechend präsentiert
- Vollständigkeit des Produktes
- Funktionsfähigkeit (mit Prüfnachweis insbesondere bei EAG-Großgeräten)
- Sicherheitsprüfung lt. Norm-Anforderung
- Hygienische Unbedenklichkeit
Wie es funktioniert
Beginnend mit Juli 2009 wurden in ausgewählten Altstoffsammelzentren gebrauchte, aber wiederverwendbare Altwaren nach den Fraktionsgruppen Elektroaltgeräte (EAG), Möbel, Sport & Freizeitgeräte und Hausrat kontrolliert nach einheitlichen Qualitätskriterien gesammelt (vollständig, unbeschädigt hygienisch unbedenklich, ...). Die Aufbereitung und allfällige Reparatur erfolgt in qualifizierten Einrichtungen in OÖ, wie zB. dem Techno Team des FAB / Reno in Wels. Die so „wiederbelebten" Waren werden unter dem neuen Markennamen als ReVital-Produkte in den sechs adaptierten Verkaufsstellen der Partner als Qualitätslinie/Mehrwertprodukte angeboten.
Shop-Partner für ReVital-Produkte
- FAB Reno Oö als Betriebsführer des Recyclinghof der Stadt Braunau, Industriezeile 30 b, 5280 Braunau, Verkauf seit Juli 2009,
- Volkshilfe Shop Schärding, Volkshilfe Basar GmbH, Passauerstraße 36 b, 4780 Schärding, Verkauf seit Juli 2009
- Volkshilfe Shop Eferding, Volkshilfe Eferding-Grieskirchen, Bahnhofstraße 24, 4070 Eferding, Verkauf seit August 2009
- ReVital Shop, Bildungszentrum Salzkammergut (BIS) Return, Schmiedgasse 4, 4813 Altmünster, Verkauf seit August 2009
- Volkshilfe Shop Steyr, Volkshilfe Basar GmbH, Schönauerstraße 3, 4400 Steyr, Verkauf seit September 2009
- ReVital Shop Leonding, FAB Reno OÖ, Limesstraße 1, 4060 Leonding, Verkauf seit September 2009
Professionelle Dachkampagne und Projektcontrolling
liegen in der Verantwortung des oö. Landesabfallverbandes als Projektkoordinator. Der LAV hält im Auftrag des Landes die Werberechte an der Produktlinie ReVital, die nur unter Einhaltung klarer Qualitätsanforderungen von den Shop-Betreibern geführt werden darf. Dies garantiert Kontrolle und erlaubt allfällige Ausweitung auf weitere interessierte Partner, um mittelfristig eine landesweites Netzwerk etablieren zu können.
ASZ: Partner für die Vorsammlung - Sammelmengen aus ASZ gesamt
Die Vorsammlung von gebrauchsfähigen Altwaren wurde Mitte 2009 in 10 ASZ begonnen, heute sind bereits 39 (der insgesamt 183) ASZ ReVital-Sammelpartner. Mittlerweile sind 10 Bezirke und Städte in OÖ eingebunden (BR, EF, GM, LL, SD, SR, SE, PE, RO, VB). Sie stellen Infrastruktur für die Vorsammlung und übergeben kostenlos die Altwaren für die Aufbereitung an die Shop-Partner.
Seit Projektbeginn konnten rd. 120.000 kg Waren über diese Sammelschiene gesammelt werden - zusätzlich zu den Direktspenden an die Verkaufsgeschäfte. Mengenmäßig war die Fraktion der Möbel dominant (rd. 50 %), gefolgt von EAG-Geräten, stückzahlenmäßig Diverses aus dem Hausrat.
Das Personal der ASZ berät die Bürger/innen bei den Annahmekriterien und der richtigen Vorsammlung. Dafür waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesondert zu schulen, und dafür mussten eigene, gesicherte Abteilungen geschaffen werden.
Die LAVU AG, als verantwortlicher Betreiber der Sammelzentren, disponiert die überregionale Logistik und führt die Mengenaufzeichnung bei der Vorsammlung.
Die Bevölkerung hat die Möglichkeit der Abgabe von Waren zur sinnvollen Wiederverwendung äußerst positiv aufgenommen. Vereinzelt waren die anspruchsvollen, strengen Annahmekriterien unverständlich für die subjektive Einschätzung der abgebenden Personen, wenn deren Spendenbereitschaft abgewiesen werden musste. Es bedarf aber der Eingangsselektion, um nicht verkaufbare Altwaren frühzeitig auszuscheiden.
Verkaufszahlen der ReVital Shop Partner:
Die Gesamtverkaufmenge betrug im Pilotzeitraum rd. 155.000 kg! Bezogen auf den Gesamtinput in den ReVital-Shops von 198.000 kg entspricht dies einer Wiederverwendungsquote von rd. 78 %.
Die Umsätze der einzelnen Produktgruppen sind in den Verkaufsstellen sehr unterschiedlich, je nach Angebot. Hauptfraktionen waren die Elektroaltgeräte und Möbel inkl. Sport- und Freizeitgeräte.
Das ReVital-Projekt bietet eine win-win Situation für alle Beteiligten!
Die Verlängerung der Nutzungsdauer von noch gebrauchsfähigen Produkten unterstützt die Abfallvermeidung, das oberste Ziel der Abfallwirtschaft und hilft Ressourcen zu schonen. 155.000 Kilogramm Abfall zu vermeiden ist ein beispielgebender Erfolg und wurde auch von Bundesseite registriert. Das ReVital-Projekt wurde von den Fonds für Abfallvermeidungsmaßnahmen der ARA AG und der AGR als innovativ und unterstützungswürdig erachtet. Die Abfallberater/innen wurden mit einem Sonderpreis der ARA AG ausgezeichnet.
Im Bereich der Arbeitsmarktförderung konnten die Beschäftigungsinitiativen mit den Einsatzmöglichkeiten im Verkaufsshop ein zusätzliches Geschäftsfeld finden, das auch bei den zu vermittelnden, betreuenden Personen sehr gut angenommen wird und als sinnstiftend erkannt wird. Erfreulicherweise konnte im Sog des ReVital-Projektes auch der Bereich der Warenaufbereitung bzw. Reparatur ausgedehnt werden, z.B. Techo Team Wels und Braunau.
Die finanziell belastete und sozial schwache Bevölkerung findet eine breite und qualitativ ansprechende Produktpalette auch zu sozial günstigen Preisen, ohne dass sie auf Almosen angewiesen ist oder ohne das Gefühl haben zu müssen, als „Kund/innen zweiter Klasse" beurteilt zu werden.
Erfahrungen aus dem Verkauf
Durch Einführung der neuen ReVital-Marke für gebrauchte, aber qualitativ höherwertige Produkte konnte der Warenabsatz in jedem Shop Partner Betrieb gesteigert werden (zw. 15 und 100 %). Die Marke ReVital ist mittlerweile gut implementiert in den Einzugsgebieten der Verkaufsstellen und der Sammelzentren. Sämtliche Shop-Betreiber bestätigen ein gesteigertes Kundinnen- und Kundeninteresse durch das Anbieten der ReVital-Produkte und eine positive Reaktion der KundInnen auf die neue Marke. Die Zusammensetzung der Käuferinnen und Käufer - soziales Umfeld - ist bunt gemischt. Die Frequenz betrug je nach Standort zw. 150 und 1500 Euro/Monat, der durchschnittliche Umsatz rd. 8 Euro/Besuch.
Die Verkaufsstellen werden als sozioökonomische Beschäftigungsbetriebe geführt und unterstützen so die Vorbereitung und Wiedereingliederung von Personen in den ersten Arbeitsmarkt. Es konnten in den sechs Verkaufsshops bisher zusätzlich zehn Beschäftigungsplätze und zwei Arbeitsplätze für Fachbetreuer/innen geschaffen werden.
In den Aufbereitungsbetrieben führte die verstärkte Nachfrage aus den ReVital-Shops zu zusätzlichen Beschäftigungsimpulsen. So konnten im Techno Team in Wels zusätzlich 5, in Braunau 10 Beschäftigungs- und Ausbildungsplätze sowie 2,5 Fachbetreuer/innen geschaffen werden. ReVital schafft auch Arbeitsplätze!
Lernprozesse gab es in der Pilotphase natürlich auch:
So führten die Produktpalette bei der Sammlung, die unterschiedliche Nachfrage und die Evaluierung der Sicherheitskriterien zur notwendigen Adaptierung der Annahmekriterien in den ASZ.
Im Bereich der Transportlogistik bewährte sich die Direktabholung von den Sammelstellen durch den Betreiber der ReVital-Shops. Der zentralen Logistik sind (wirtschaftliche) Grenzen gesetzt, insbesondere was den zerstörungsfreien Transport betrifft.
Projektausblick
Geplant ist eine sukzessiver Ausweitung der ReVital-Shops auf alle Bezirke Oberösterreichs, vorrangig in jenen, wo bisher das Angebot an Gebrauchtwaren noch weniger gegeben ist. Konkrete Konzepte der Partner wurden bereits für die Bezirke Perg (Gemeinde Schwertberg), Rohrbach (Stadt Rohrbach), Grieskirchen (Schlüsselberg), Freistadt (Stadt Freistadt), Vöcklabruck (Stadt), Kirchdorf (Stadt), Ried (Stadt) bzw. die Statutarstädte Linz und Wels angemeldet.
Unumgänglich ist die Kooperation mit den jeweiligen Bezirksabfallverbänden betreffend die Vorsammlung in den ASZ, um auch den Nachschub für das entsprechende Warenangebot gewährleisten zu können. In Rohrbach und Linz sind weitere, qualifizierte Aufbereitungsbetriebe für Elektroaltgeräte geplant. Damit kann zum einen die größere Nachfrage zukünftig besser bedient werden, andererseits können die Zwischentransporte begrenzt werden. Die Transportaufwendungen sind in diesem niedrigpreisigen Produktsortiment schnell ein limitierender Faktor.
Neben den bisherigen Partnern aus dem Bereich der sozialintegrativen Beschäftigungsinitiativen wurden auch Gespräche mit weiteren Interessierten aufgenommen (z.B. Rifa, ARGE Trödlerladen).
In Kooperation mit der Fachhochschule Linz soll im Laufe des nächsten Jahres eine umfassende Kund/innenbefragung durchgeführt werden.
Kontakt Projektkoordination:
DI Thomas Anderer, OÖ Landesabfallverband
Goethestraße 11, 4020 Linz
Tel. (+43 732) 795 303-0, Email: office@umweltprofis.at
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