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Bilanz Hochwasserschutz 8 Jahre nach der Katastrophe

Fr, 06.08.2010 — 11:00

Vor 8 Jahren - am 7./8.8.2002 - begann in Österreich die schlimmste Hochwasserkatastrophe in der Geschichte der 2.Republik.

Oberösterreich war besonders betroffen - allein in unserem Bundesland überstieg die Schadenssumme 1 Milliarde €. Seither arbeiten wir konsequent an einem Hochwasserschutz-Gesamtpaket: Vorsorge erspart Angst, Leid und Schäden und ist auch viel wirtschaftlicher als Schadensreparatur. Alleine das Bauprogramm zum naturnahen Hochwasserschutz umfasst mittlerweile über 500 Projekte, von denen bereits die Hälfte verwirklicht sind.

Im August 2002 (7./8.8. und 12. - 14.8.2002) erlebte Oberösterreich eine der größten Naturkatstrophen in der Landesgeschichte.

Nach einer Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstitutes lag der Gesamtschaden dieses Jahrhunderthochwassers bundesweit bei 2,9 Milliarden Euro (in Frankreich bei 0,8 Mrd, in Tschechien bei 2,3 Mrd, in Deutschland bei 9,1 Mrd).

Alleine in Oberösterreich lag der Gesamtschaden nach Landesdaten bei rund 1,1 Milliarden Euro.

Konsequenzen aus der Katastrophe

Anschober: "Es war daher bei meiner Amtsübernahme Ende 2003 klar, dass der vorsorgende naturnahe Hochwasserschutz zu den Schwerpunktthemen des Umwelt- und Wasserressorts gehören muss. Jahrzehntelang wurde der vorsorgende Hochwasserschutz sowohl auf Bundes- als auch Landesebene nur auf Sparflamme betrieben und immer wieder auf die lange Bank geschoben. Die Umsetzung zahlreicher Projekte wurde um Jahrzehnte verschleppt - das Budget aus dem Katastrophenfonds nicht in ausreichender Höhe zur Verfügung gestellt.

Seit meinem Amtsantritt Ende 2003 sind der naturnahe Hochwasserschutz und das Umsetzen der Konsequenzen aus der Hochwasserkatastrophe 2002 mit die wichtigsten Anliegen. Ich versuche mit einer vernünftigen Mischung aus naturnahem Hochwasserschutz, aus Schutz vor der Natur mit der Natur - wo wir den Flüssen im Falle eines Hochwassers wieder mehr Platz geben und bei vielen Gewässern Renaturierungen durchführen - und technisch-baulichen Schutzmaßnahmen den bestmöglichen Schutz für die Menschen in Oberösterreich zu realisieren. Ganz ehrlich muss man jedoch feststellen, dass es niemals einen hundertprozentigen Schutz vor den Kräften der Natur geben kann. Wir können aber das Risiko und das mögliche Schadensausmaß deutlich verringern."

Bauprogramm - schutzwasserwirtschaftliche Baumaßnahmen

Klimakrise verschärft Hochwassersituation

Wesentlicher Bestandteil  des OÖ. Hochwasserschutzprogrammes sind neben den Bemühungen im Bereich Bodenschutz, Klimaschutz, Raumordnung/Flächenwirtschaft die konkreten Schutzwasserbauvorhaben, um das Wasser von bestehenden Siedlungsbereichen fernzuhalten.

2005 - nach erfolgreichem Abschluss der Budgetverhandlungen mit dem Bund - sind wir mit dem Ziel gestartet, ca. 400 konkrete derartige Projekte bis 2015 umzusetzen - 63% davon wurden in den letzten 5 ½ Jahren verwirklicht und funktionieren bereits. Insgesamt sind aktuell 251 Maßnahmen umgesetzt, 197 befinden sich im Projektierungs- oder im Bewilligungsverfahren, 56 weitere werden in nächster Zeit in Angriff genommen. Damit sind mit aktuell 504 konkreten Schutzmaßnahmen zu unserem ohnehin ambitionierten Ziel noch einmal ca. 100 weitere dazugekommen.

Dies verdeutlicht auch die durch die Klimakrise verschärfte Situation der vermehrten regionalen Extremniederschlägen. Die Zunahme der starken Unwetter mit überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen in örtlich eng begrenztem Rahmen führte in den letzten Jahren zu Überflutungen auch an kleineren Flüssen und Bächen und erfordert deshalb auch dort Maßnahmen zum Wasserrückhalt.

Die Umsetzung der geplanten Hochwasserschutzprojekte wird in Oberösterreich auch in Zeiten der Sparbudgets vorangetrieben.

Projektbeispiele in ausgewählten, 2002 stark betroffenen Gebieten

1. Katastrophe im Machland

Hochwasserschutz Machland voll im Bau

Das größte derzeit in Umsetzung befindliche Hochwasserschutzprojekt im Machland umfasst mit einer Länge von 36,4 km 7 Gemeinden.

Während die Donauufergemeinden Mauthausen und Grein vorwiegend durch Mauern und darauf aufgesetzte Mobil­elemente geschützt werden, sind in den zentralen Machland­gemeinden Naarn, Mitterkirchen, Baumgartenberg und Saxen überwiegend Dammbau­werke vorgesehen. Beim Hochwasserschutz St. Nikola werden derzeit Überlegungen für eine Alternativlösung angestellt. Neben den aktiven Schutzmaßnahmen wird noch eine ca. 9 km lang Abfluss­mulde entlang der Donau errichtet.

"Durch dieses Hochwasser­schutz­projekt sollen mehr als 1.000 Häuser dauerhaft vor einem Hochwasser geschützt werden"

Gesamtlänge der Schutzbauwerke (ohne Mulde):          36,4 km

§                       davon Schutz gegen 100-jährliche Hochwässer:     32,95 km

§                       Schutz gegen 30-jährliche Hochwässer:          3,45 km

Die Art der Bauwerke sind Erddämme:  29,18 km

und Hochwasserschutzmauern:                    7,22 km

Mulde:                                                  8,7  km

Weitere Bauwerke: 78 Pumpwerke, 14 Gerinnedurchlässe, 3 Brücken

Derzeit veranschlagte Ausführungskosten:    144 Mio.  Euro

Die Arbeiten zum Baulos 5 - Mauthausen sind bereits fertig. Beim Hochwasser Anfang Juni 2010 haben die Schutzmaßnahmen kurz vor der eigentlichen fertigstellung ihre Feurtaufe bestanden.

Mit den Bauarbeiten Baulos 1, 2 und 8 (Naarn, Mitterkirchen und Flutmulde) sowie 3 (Baumgartenberg) wurde ebenfalls bereits begonnen.

Die Baulose 4, 6 und 7 (Saxen, Grein, St. Nikola) sollen noch heuer in Angriff genommen werden, so dass das Gesamtprojekt bis spätestens 2015 abgeschlossen ist.

2. Katastrophe in Urfahr

Teile des Linzer Stadtgebietes - v.a. die donaunahen Häuser in Alt-Urfahr - wurden 2002 z.T meterhoch und in bislang noch nicht bekannter Geschwindigkeit geflutet. Seit 2007 wird nun ein mobiler Hochwasserschutz diese Gefahren hintanhalten.

3. Katastrophe in Steyr

Wesentliche HWS-Maßnahmen an der Steyr (Geschiebeentlastungsgerinne Himmlitzer Au) sowie an der Enns (Gerinneaufweitung Innenbogen Schlüsselhof, Teilinselabtrag Steinwänd) sind abgeschlossen. Damit konnte bereits eine Absenkung des Hochwasserspiegels im Katastrophenfalls (HQ100) um bis zu 50 cm erreicht werden. Nun kann als 3. Bauabschnitt die Absenkung der Ennssohle auf der Gewässerstrecke zwischen Ramingbachmündung und Steyrmündung in Angriff genommen werden. Die diesbezügliche wr. Bewilligung ist bereits erfolgt und wurde das Projekt zur fördertechnischen Genehmigung dem Lebensministerium vorgelegt.

Als  Bauzeit wird die Niederwasserperiode 2010/2011 ins Auge gefasst. Wir rechnen mit einer weiteren Absenkung der Hochwasserwelle durch diese geplanten Maßnahmen um etwa 40 cm.

Ziel ist die Ausschöpfung aller technischen Möglichkeiten zur Verbesserung des Hochwasserschutzes für die Eisenstadt. Gleichzeitig werden mit der Schaffung von Organismenwanderhilfen wesentliche ökologische Verbesserung für das Gewässersystem der Enns und Steyr mit umgesetzt.

4. Katastrophe an der Krems

Der Hochwasserschutz in der Gemeinde Ansfelden-Oberaudorf wurde umgesetzt. Damit ist auch die 2002 extrem überflutete Redersiedlung geschützt.

Der neu gegründete Hochwasserschutzverband Kremstal plant zur Zeit das größte Oö. Rückhaltebecken Krems-Au in den Gemeinden Nussbach, Schlierbach, und Wartberg.

In den nächsten Wochen wird mit den Hochwasserschutzmaßnahmen in St. Marien, Nöstlbach-Weißenberg begonnen. Alle erforderlichen Genehmigungen liegen nun vor.

5. Katastrophe in Schärding:

Ähnlich wie Steyr wird auch die Stadt Schärding immer wieder durch Hochwässer bedroht. Auch hier sind die Platzverhältnisse in der Altstadt äußerst schwierig und musste zudem eine enge Abstimmung mit dem Denkmalschutz geführt werden. In diesen Tagen konnte aber für das Detailprojekt Altstadt die wasserrechtliche Bewilligung erteilt werden, so dass ein Baubeginn im Herbst 2010 möglich ist.

Mit der Natur vor den Risken der Natur schützen

Anschober: " Der neue Hochwasserschutz ist ein naturnaher. Mehr Platz für die Gewässer, das Wasser möglichst im Einzugsgebiet zurückhalten, mehr Renaturierungen, geringere Abflussgeschwindigkeiten, mehr Bodenschutz und eine bessere Raumordnung sind die Eckpfeiler."

Ökologisch ausgerichtete schutzwasserbauliche Maßnahmen unterstützen uns auch bei der Zielerreichung der Wasserrahmenrichtlinie. Seit 2004 wurden in Oö. bereits 130 derartiger Maßnahmen umgesetzt. Der Bogen spannt sich dabei von Grundablösen (in Summe über 200 ha) über Aufweitungen zu den Restrukturierungen und Renaturierungen.

Exemplarisch können hier aus jüngerer Zeit genannt werden:

  • Krems in Ansfelden, Errichtung eines Entlastungsgerinnes
  • Steyr in Steyr, Errichtung eines Entlastungsgerinnes in der Himmlitzer Au
  • Mattig und Antiesen, Uferrandstreifen
  • Breitsach in Ried i.I., Restrukturierung im Ortsbereich
  • Innbach in Meggenhofen, Umgehungsgerinne
  • Obere Traun in Lahnstein, Aufweitung und Auengerinne
  • Naarn uh. Perg, Nebenarm
  • Gewässerentwicklung Traun 1.Teil gemeinsam mit der Sanierung des Saager Dammes, Nebenarm und Stillgewässer


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