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Die erste Klimastudie zu den Auswirkungen der Klimakrise auf den OÖ Tourismus liegt vor
Di, 25.08.2009 — 13:43
Neuer Klimafolgenforschungsbericht des Landes: Auswirkungen auf den oö. Tourismus. Der nun vorliegende 5. Klimafolgenforschungsbericht für Oberösterreich zeigt für den oö. Tourismus sehr unterschiedliche Auswirkungen: verallgemeinernd eher Vorteile für den Sommertourismus, Nachteile für den Wintertourismus. Überdurchschnittliche Temperaturerhöhung im Alpenbereich ist bereits jetzt signifikant, zu rechnen ist in OÖ mit einem Plus von 0,5 Grad pro Dekade. In Oberösterreich wird auch bei einem weiteren Temperaturanstieg von 1-2 Grad im Mittelgebirge der Niederschlag noch als Schnee fallen. Längerfristig wird jedoch die Erwärmung zu stark sein und auch im Mittelgebirge kein verlässlicher Schneedeckenaufbau mehr erfolgen. Studie empfiehlt umfassende Energieeinsparung und Umstellung auf Erneuerbare Energieträger im oö. Tourismus sowie Erreichbarkeit der Tourismusregionen mittels öffentlicher Verkehrsmittel und Ausbau der sanften Mobilität in den Tourismusgebieten selbst.
2007 wurde von Klimaschutz-Landesrat Rudi Anschober in Oberösterreich als erstem Bundesland ein umfassendes Forschungsprogramm zu den Folgen der Klimakrise auf Oberösterreich gestartet.
Die bisherigen Ergebnisse (abrufbar auch auf www.anschober.at):
1. Veränderung der Hitzeperioden und Abschätzung der möglichen zukünftigen Entwicklungen (Boku/Met - Formayer, Kromp, etal):
"..........in dem hier abgeleiteten schlimmsten Szenario muss man in 70 Jahren im Zentralraum von Oberösterreich im Mittel mit Bedingungen rechnen, wie sie im Hitzesommer 2003 aufgetreten sind, aber es wird sogar Jahre geben, in den 68 Hitzetage - faktisch die gesamte Sommerferienzeit - auftreten. Selbst im günstigen B1-Szenario werden um 2075 rund 20 bis 25 Hitzetage im Mittel erreicht werden und somit immer noch das 2,5fache der derzeitige Werte. Dieser Wertebereich wird im schlimmeren A1B-Szenario bereits um 2050 erreicht..."
2.Auswirkungen des Klimawandels auf die Hochwasserereignisse in Oberösterreich (Boku/Met - Formayer, Kromp-Kolb):
"......im Grund in ganz Oberösterreich die meteorologischen Voraussetzungen für Hochwasser mit dem Klimawandel zunehmen.....Zubringer der Steyr und die östlichen Zubringer der Traun im Bereich des Alpenvorlandes hauptbetroffen. In die nächste Kategorie fallen die Flüsse aus dem Hausruck und dem Böhmerwald................."
3. Abschätzung der Auswirkungen von Hitze auf die Sterblichkeit in Oberösterreich (Boku/Met -Formayer, Kromp-Kolb, etal):
".....während der Hitzeperioden trat eine Zunahme der täglichen Sterblichkeit von ca 5% auf........besonders steigt das Risiko im Mühlviertel, während in Linz nur die Frauen statistisch erhöhtes Risiko zeigten......es muss damit gerechnet werden, dass die Zahl der zusätzlichen Todesfälle infolge des Klimawandels sich wesentlich erhöht, wenn keine geeigneten Maßnahmen gesetzt werden............"
4.Volkswirtschaftliche Auswirkungen der Klimaerwärmung in Oberösterreich (Energieinstitut der Uni Linz; Tichler, Schneider, Lindorfer):
"..............................werden die jährlichen Differenzen im Bruttoregionalprodukt aggregiert, so ergibt sich inklusive Schäden aus zusätzlichen Hochwasserereignissen eine gesamte Schadenssumme für die oö. Volkswirtschaft bis 2050 im Ausmaß von 13,5 Milliarden Euro aufgrund der Klimaerwärmung bei einer angenommenen Temperaturerhöhung von 1,64 Grad bis 2050........."
Der nun vorliegende Forschungsbericht über die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf den oö. Tourismus zeichnet ein sehr differenziertes Bild: einerseits können manche Regionen zu bestimmten Jahreszeiten durchaus profitieren (Badetourismus im Seengebiet, Renaissance der Sommerfrische), andererseits bestehen in einigen Regionen durch vermehrte Niederschläge und langfristig keinem verlässlichem Schneedeckenaufbau im Mittelgebirge auch starke Risken. Geschäfts-, Kultur- und Städtetourismus können durch zunehmende Hitzebelastung im Hochsommer in den Städten betroffen sein.
Die Studienautoren schlagen für die Tourismusbetriebe selbst verstärkte Klimaschutzbemühungen vor und empfehlen eine deutlich verbesserte Erreichbarkeit der Tourismusregionen mit dem öffentlichen Verkehr, sowie eine deutliche Energieverbrauchsverringerung und Umstellung auf Erneuerbare Energieträger, um die durch die Klimakrise zu erwartenden Energiekostenerhöhungen besser zu verkraften.
Anschober: "Damit besitzt die Landespolitik eine weitere Handlungsempfehlung für den Umgang mit der Klimakrise. Im Mittelpunkt muss dabei die konsequente Klimaschutzoffensive des Landes stehen, die mittlerweile eine erste Trendumkehr weg von steigenden und hin zu sinkenden CO2-Emissionen erreicht hat. Die Energiewende weg von fossilen Energieträgern und hin zu Energieeffizienz und Erneuerbare Energieträger, die Oberösterreich als erste Region beschlossen hat und mittlerweile konsequent umsetzt, muss dabei im Mittelpunkt stehen und Schritt für Schritt im vorgegebenen Zeitplan verwirklicht werden (Einsparungspotenzial von 65% der derzeitigen CO2-Emissionen). Gerade nach dem Empfehlungen der aktuellen Studie werden wir in den nächsten Monaten konkrete Förderprogramme und Umstellungsprogramme für die Energiewende im Tourismus erarbeiten, die einen wichtigen Beitrag liefern können, die durch die Energiewende entlastet werden können und die damit auch ihre Konkurrenzposition verbessern können. Die Studie liefert auch weitere Argumente für einen massiven Ausbau des öffentlichen Verkehrs auch in ländlichen Regionen - auch für die verbesserte Erreichbarkeit der Tourismusgebiete. Das nächste Jahrzehnt muss das Jahrzehnt der Ausbauoffensive für Öffis in Oberösterreich werden. Und natürlich erfüllen die Ergebnisse der Studie ihren Hauptzweck: den einer Anleitung für den Tourismus für seine Weiterentwicklung und seine Anpassung an die Veränderungen, die je nach politischen Klimaschutzmaßnahmen stärker oder weniger stark kommen werden."
OÖ. Tourismus: Klimawandel und Tourismus in Oberösterreich
Aktuelle Studie zeigt Auswirkungen klimatischer Einflüsse auf die touristische Positionierung Oberösterreichs auf
Tourismus und Klimawandel sind eng miteinander verknüpft, weil viele naturbezogene Aktivitäten mit dem passenden Wetter an Qualität gewinnen oder auch verlieren können. Gerade für den für Oberösterreich so wichtigen Inlandsurlauber stellt die Wetterprognose ein wichtiges Entscheidungskriterium für einen spontanen Ausflug oder (Kurz)Urlaub dar. Um eine genauere Einschätzung der Auswirkungen des Klimawandels auf den Tourismus zu erhalten, haben Land OÖ und OÖ. Tourismus eine Studie in Auftrag gegeben, die sich mit den klimatischen Einflüssen (Temperatur, Niederschlag) auf das touristische Angebot des Bundeslandes ob der Enns beschäftigt und mögliche Handlungsfelder aufzeigt.
Der nun vorliegende Forschungsbericht der Universität für Bodenkultur Wien bringt die touristischen Angebote unterschiedlicher Destinationen (Donau, Inneres Salzkammergut, Vitalwelt, Linz, Pyhrn-Priel, Mühlviertler Alm und das Seengebiet mit Attersee, Traunsee und Mondsee) im Hinblick auf klimatische / meteorologische Verhältnisse und Entwicklungen in Zusammenhang und kommt zu dem Ergebnis, dass der Klimawandel kurzfristig keine Bedrohung für den Tourismus in Oberösterreich darstellt und sogar Chancen bieten könnte. „Eine umfassende Kenntnis der klimatischen Entwicklungen erleichtert auch die langfristige Steuerung bzw. Anpassung im Tourismusland Oberösterreich." sind LR Rudi Anschober und Karl Pramendorfer, Vorstand des OÖ. Tourismus überzeugt.
Mag. Karl Pramendorfer, Vorstand des OÖ. Tourismus
Die Studie zum Thema Klimawandel und Tourismus in Oberösterreich erweist sich als sehr aufschlussreich und zukunftsweisend für die Tourismus- und Freizeitwirtschaft. Die Ergebnisse zeigen, dass die bereits im "Kursbuch Tourismus- und Freizeitwirtschaft 2003 - 2010" festgelegten Strategien und Themen sehr positiv und richtungsweisend im Hinblick auf die Entwicklungen durch den Klimawandel sind. Auch die langfristige Orientierung hinsichtlich einer Stärkung des Ganzjahres-Tourismus sowie die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der verschiedenen Themenschwerpunkte entspricht den erforderlichen Strategien, um positiv mit dem Klimawandel umgehen zu können. „Die Studie bestätigt uns die Richtigkeit unserer bisherigen Arbeit. Gleichzeitig können die vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen nun in die strategischen Überlegungen für die Weiterentwicklung der heimischen Tourismuswirtschaft nach 2010 einfließen," ist Mag. Karl Pramendorfer, Vorstand des OÖ. Tourismus überzeugt.
Die wichtigsten Ergebnisse im Detail:
Die Attraktivität von Naherholungsgebieten wie Gewässer/Seen oder den kühleren Gebirgsregionen wird aufgrund der längeren Andauer von stabilen Schönwetterperioden - auch im Ausflugstourismus - zunehmen. Im Sinne einer "Renaissance der Sommerfrische" werden in den nächsten Jahrzehnten vor allem Oberösterreichs Seen und Wandergebiete mit den Themen Wassersport und Wandern, sowie auch die Themen Rad oder Mountainbiken profitieren.
Aufgrund der höheren Temperaturen und der längeren Vegetationsperiode kann für Aktivitäten wie Radfahren, Wandern, Reiten oder Golfspielen die Saison bereits früher beginnen und länger im Jahr andauern - das heißt, speziell in den Übergangszeiten ist mit einer gesteigerten Attraktivität zu rechnen.
Selbst im Winter, also für das Thema Wintersport, stellt sich die Situation in Oberösterreich als mäßig kritisch heraus. Obwohl im Winter allgemein mit einem höheren Regenanteil zu rechnen ist, kann es in Oberösterreich vorübergehend sogar zu einem Anstieg der Schneemengen kommen. Aufgrund der kalten Luftmassen aus dem Nord- und Ostseeraum kann man in Oberösterreich ab etwa einer Seehöhe von 1.100 m von einer gesicherten Schneedecke ausgehen. In den westlichen Skigebieten Österreichs wird ein derart sicherer Schneedeckenaufbau erst ab ca. 1.300 m und in den südlichen Gebieten teilweise sogar erst ab 1.600 m Seehöhe erreicht. Längerfristig ist jedoch auch in unserem Bundesland mit einem Rückgang der Schneesicherheit zu rechnen. Als Ausgleich dafür hat Oberösterreich bereits jetzt mit dem Thema Gesundheit eine starke Alternative forciert. Bei steigender Niederschlagshäufigkeit wird das Thema Wellness/Gesundheit speziell in den Wintermonaten noch interessanter.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Oberösterreichs Geschäfts-, Kultur- und Städtetourismus durch den Klimawandel kaum beeinflusst werden. Lediglich im Hochsommer kann diese positive Tendenz durch die Hitzebelastung in den Städten unterbrochen werden, was jedoch mit einer verstärkten Nachfrage in den Naherholungsgebieten (z.B. Seen) kompensiert werden kann.
„Betrachtet man die in der Studie analysierten Regionen und die dort positionierten Themen so zeigt sich auch hier, dass die strategischen Entscheidungen richtig getroffen wurden und überwiegend positive Aussichten hinsichtlich der Entwicklungen des Klimawandels zu erwarten sind. Vereinzelte kritische Bereiche wurden in der Studie aufgezeigt, für die teilweise notwendigen Anpassungen ist nun noch ausreichend Zeit," fasst Pramendorfer zusammen.
Der Oberösterreich Tourismus beschäftigt sich bereits seit Jahren mit Themen wie Nachhaltigkeit und Klimawandel und forciert Projekte, die zu einem sanften, klimaschonenden Tourismus beitragen. So entstand etwa das Bundesumweltzeichen für Tourismusbetriebe aus einem oberösterreichischen Qualitätsgütesiegel heraus, werden Kooperationen mit ÖBB oder DB für eine sanfte Anreise zum Urlaubsort unterstützt. Auch Klimaschutzmaßnahmen einzelner Tourismusdestinationen (Bsp. Hinterstoder als Mitglied der Alpine Pearl-Gruppe) werden in der Marktkommunikation laufend berücksichtigt.








