29 Dezember 2016

2017 wird das Jahr der Integration – Start war zum Gutteil ermutigend

"Wir haben es in der Hand, aus der Flüchtlingsbewegung auch eine Chance für OÖ zu machen" - erste Zwischenbilanz und Ausblick auf das kommende Jahr

Rund 20.000 Asylwerber/innen sind 2015 und 2016 in die Grundversorgung in Oberösterreich eingezogen, 13.200 befinden sich derzeit in der Grundversorgung. 

LR Rudi Anschober: "Oberösterreich hat die erste Herausforderung der Quartierbeschaffung sehr gut gelöst, jetzt geht es um die Integration der geflüchteten Menschen. Erstmals gehen wir diese Integration mit einem klaren Konzept und einer eigenen Umsetzungsstrategie an. Unsere beiden Eckpfeiler: Integration ab dem ersten Tag im Quartier und dezentrale Integration in den Gemeinden. Der Start war 2016 gut, wir haben vielfach die Voraussetzungen geschaffen, damit erstmals in unserem Land für eine neue Bevölkerungsgruppe eine umfassende Integrationsoffensive gestartet wird."

 

2016 haben wir die Struktur geschaffen - Netzwerk Integration arbeitet tagtäglich

In Oberösterreich helfen bei der Integrationsarbeit breite Bevölkerungsschichten zusammen - verbunden durch die vor einem Jahr gegründete Kommunikationsplattform "Zusammenhelfen in OÖ – gemeinsam für geflüchtete Menschen" (siehe zusammenhelfen.ooe.gv.at):

  • 40 Teilnehmer/innen umfasst die Landessteuerungsgruppe, die alle zwei Wochen unter der Leitung des Integrations-Landesrates tagt und von der Exekutive bis zu den NGOs, von Vertreter/innen der Zivilgesellschaft bis zu Bezirkshauptleuten, von mehreren mitzuständigen Ressorts der Landesregierung (Bildung, Wirtschaft, Soziales) bis zu den beiden hauptverantwortlichen Fachabteilungen des Landes (Integrationsstelle und Grundversorgung) sowie Landesschulrat und AMS reicht.
  • unter Leitung der Bezirkshauptleute arbeiten Bezirkssteuerungsgruppen, in denen unter anderem die Regionalen Kompetenzzentren für Integration mitwirken.
  • in mittlerweile 200 Gemeinden arbeiten Gemeindesteuerungsgruppen, in denen die Vertreter/innen der über 10.000 freiwilligen Helfer/innen eingebunden sind.

 

Anschober: "Bei ihnen allen bedanke ich mit aktuell mit Videospots u.a. in Facebook und Twitter für ihre engagierte Arbeit." Die Videos sind auch zu sehen auf http://zusammen-helfen.at/danke-fuers-zusammenhelfen/

 

Bereits mehr als 5.000 Asylwerber/innen in Deutschkursen

Schon über 5.000 Personen haben institutionalisierte Deutschkurse besucht: in verschiedenen Niveaus, schon während ihres laufenden Verfahrens. Viele weitere versuchen in freiwilligen Lerngruppen ihre Deutschkenntnisse zu erwerben bzw. zusätzlich zu verbessern. Auch für diese hat das Land OÖ erstmals eine Unterstützung bereitgestellt, nämlich einen Topf für die Übernahme von Prüfungsgebühren bei zertifizierten Trägern. Weitere Kurse sind in Vorbereitung. Bisher hat es Kurse für Asylwerber/innen nicht gegeben.

 

Fokus bei den Deutschkursen bzw. Im täglichen Miteinander mit den freiwilligen wie hauptamtlichen Unterstützer/innen liegt auf der Vermittlung unserer Werte und Rechtstandards, zusätzlich müssen die Asylwerber/innen auch Wertekurse des ÖIF absolvieren.

 

Erste Asylwerber/innen in Beschäftigung

Aktuell dürfen Asylwerber/innen während ihres Verfahrens nur in wenigen Ausnahmefällen einer Beschäftigung nachgehen, etwa gemeinnützig, in Saisonarbeit, als Jugendliche in einer Lehre in Mangelberufen oder selbstständig. Nach unserer Abschätzung (auf Basis von Befragungen) sind bereits 1.500 Asylwerber/innen aktuell in gemeinnützigen Tätigkeiten beschäftigt (stundenweise Hilfstätigkeiten).

 

Derzeit befinden sich auch bereits die ersten 129 jugendlichen Asylwerber/innen in einem Lehrverhältnis in OÖ in Mangelberufen (von gesamt  307 in ganz Österreich).

Alleine im Jahr 2016 (Stichtag 15.12.2016) wurden für Asylwerber/innen insgesamt (alle Kontingente und Lehre) 429 Beschäftigungsbewilligungen erteilt (im Vergleich zum Vorjahr 2015 mit 188 Beschäftigungsbewilligungen). Auch ist beim AMS OÖ ein deutlicher Abgang in die Arbeit vor allem unter Asylberechtigten (und Subsidiär Schutzberechtigten) erkennbar – waren es 2014 noch 853 und 2015 noch 926 Asylberechtigte, die in den Arbeitsmarkt eingestiegen sind, waren es heuer bereits 1.313 (Stand Ende November).

 

Erstmals Qualifizierungscheck bei den Asylwerber/innen

Als erstes Bundesland hat Oberösterreich die mitgebrachten Kompetenzen der AW abgefragt - gezeigt hat sich, dass mehr Asylwerber/innen als erwartet eine gute oder sehr gut Qualifizierung mitgebracht haben, aber auch eine relativ große Zahl eine Alphabetisierung. 

 

Schulische Integration funktioniert gut

Über 2.000 jugendliche Asylwerber/innen sind schulpflichtig - sie sind in Oberösterreichs Schulen gut integriert. Auch die Probleme mit den Jugendlichen, die zu Schulbeginn das 10. Schuljahr zunächst nicht beginnen durften, sind positiv geklärt. 

 

Vorschau & Hauptschwerpunkte 2017: das Jahr der Integrationsoffensive

1.     Im kommenden Jahr werden in OÖ mit Hochdruck die Deutsch-Kurse für Asylwerber/innen in diversen Sprachniveaus fortgesetzt - mit dem Ziel einer flächendeckenden Umsetzung 2017 - jeweils mit Orientierungsschulungen.

 

2.     Umsetzung der Konsequenzen aus dem Qualifizierungscheck: Es braucht eine Beschleunigung der Nostrifizierung der Qualifizierten, damit sie rascher ihre mitgebrachten Qualifikationen einbringen können; zweitens einen Schwerpunkt Qualifizierung in Richtung Facharbeiter; drittens eine Alphabetisierung und Basisausbildung für die Nicht- bzw. Schlechtqualifizierten. Dabei wird es eine enge Zusammenarbeit mit Bildungsreferent und Wirtschaftsreferent geben.

 

3.     Durchsetzen der Beschlüsse der Landesregierung bei der Bundesregierung auf verbesserten Zugang zum Arbeitsmarkt ohne verschärfte Konkurrenz (Schwerpunkt Mangelberufe).

 

4.     Schaffung von Lösungsmöglichkeiten im derzeit schwierigsten Schwerpunkt Wohnen, zu dem derzeit die politischen Verhandlungen laufen.

 

5.     Gute Unterstützung der Gemeinden, in denen die Integration großteils umgesetzt werden muss.

 

6.     Durchsetzen eines wirksamen Integrationsgesetzes des Bundes, das einen klaren Integrationspfad ab dem ersten Tag im Asylquartier festlegt.

 

Integrations-Landesrat Anschober abschließend: "Jede Menge Arbeit am Beginn eines Marathons - denn die Integrationsoffensive wird ein Jahrzehnt benötigen. Alles was wir jetzt tun, hilft Chancen zu nützen und Probleme zu verringern, alles was wir jetzt versäumen, können wir später kaum mehr nachholen. Der Start 2016 war durch das enorme Engagement der Oberösterreicher/innen vielfach durchaus ermutigend. Falls diese unglaublich breite Unterstützung weiterhin anhält, können wir eine breite Integration schaffen. Oberösterreich ist vergleichsweise gut unterwegs."