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9 Oktober 2018

Am Mittwoch Entscheidung über Offensive gegen Wegwerf-Plastik im Umweltausschuss des Europaparlaments - was kommen muss, damit die Welt vor der Plastiklawine geschützt werden kann

Der EU-Umweltausschuss mit seinen 69 Abgeordneten tagt morgen und entscheidet darüber, ob wichtige erste Weichen in Richtung Reduktion des Wegwerfplastiks in der Umwelt beschlossen werden. Mit der „EU-Plastik-Strategie“ sollen in einem ersten Schritt die zehn am häufigsten angeschwemmten Plastik-Einmalprodukte verboten bzw. verringert werden.

Die menschgemachte Plastiklawine ist ein Todesurteil für unzählige Meeresbewohner und Vögel und zerstört somit auch zunehmend die Lebensgrundlage der Menschen. Schätzungen besagen, dass jährlich 12 Millionen Tonnen Plastik in die Ozeane gelangen. Weltweit hat sich die Kunststoffproduktion seit den 1960er-Jahren von 15 auf über 320 Millionen Tonnen verzwanzigfacht. Die Prognosen gehen davon aus, dass die Produktion weiter massiv steigen wird und im Jahr 2050 eine Milliarde Tonnen Plastik produziert werden wird. Damit würde die Plastikproduktion ein Fünftel des weltweiten jährlichen Ölverbrauchs ausmachen!

Kunststoffe sind wertvolle Materialien und aus den Bereichen Medizin, Technik oder Lebensmittelhygiene nicht wegzudenken. Doch Plastik wird auch sehr leichtfertig eingesetzt, etwa bei Verpackungsmaterial oder als Mikroplastik in Kosmetika. In diesen Bereichen werden Ressourcen massiv vergeudet und die Umwelt strapaziert, etwa durch Plastik-Teilchen überall in unseren Böden und Gewässern oder als tödliche „Futterquelle“ von Fischen. Über Fische oder losgelöste Weichmacher gelangen Plastik-Teilchen auch in die menschliche Ernährung. Wegwerfplastik dramatisch zu verringern ist auch ein wichtiger Teil einer notwendigen Klimaschutzoffensive.

„Das Anti-Plastik-Paket der EU darf nicht aufgeweicht werden, sondern muss eine klare Verringerung des Einsatzes von Einwegplastik bringen, klare Anreize für die Einführung wiederverwendbarer Alternativen festlegen und konkrete Reduktionsziele für Einweg-Lebensmittelbehälter, -Becher und -Flaschen verankern.“

Plastik in unserer Umwelt

Laut der Umweltorganisation Global 2000 kommen auf 100 Meter Mittelmeerstrand 91 Plastikflaschen, 78 Plastiktüten, 131 Strohhalme oder Einwegbesteck, 110 Plastikverschlüsse, 37 Wattestäbchen und 31 Einwegverpackungen.

Greenpeace hat gemeinsam mit anderen Umweltschutzorganisationen auf sechs Kontinenten in 42 Ländern, darunter auch in Österreich, Plastikmüll eingesammelt. Rund 187.000 Stück Wegwerfplastik hat die Umweltallianz “Break free from Plastic” in Städten, entlang von Stränden sowie in Parks gefunden und nach Markennamen sortiert. Die Ergebnisse aus dem heute veröffentlichten “Global Brand Audit Report 2018” zeigen: Coca-Cola gefolgt von PepsiCo und Nestlé sind weltweit die größten Plastikverschmutzer unter den Konzernen.

Und das Thema betrifft auch Österreich als Binnenland: denn über die Donau gelangen jährlich rund 40 Tonnen Plastikmüll ins Meer. Auch viele Kosmetika, vor allem Peelings, enthalten Kunststoffpartikel, die über Abwässer ins Meer gelangen, genauso Polyester oder andere Kunstfasern aus Kleidung.

Nicht nur an unseren beliebten Badestränden, sondern auch vor unserer Haustür nimmt die Vermüllung im öffentlichen Raum zu. Grund dafür die vielen „To-Go“- und „Take Away“-Produkte, ein schneller Kaffee im Plastikbecher, eine kleine Mahlzeit vom Imbiss in der Plastikschale mit Einwegbesteck – vielfach bleiben die Verpackungen in Parks und Straßengräben zurück, Verunreinigen die Böschungen und verstopfen Abflüsse.

Allein in Österreich wird in einem Jahr rund eine Milliarde Plastiksackerl in Verkehr gebracht – und danach oft nur ein einziges Mal gebraucht. Trink-Strohhalme aus Plastik werden im Schnitt nur 20 Minuten lang genützt – brauchen aber 500 Jahre, um wieder abgebaut zu sein. Europaweit fallen derzeit jährlich 26 Millionen Tonnen an Plastik- und Kunststoffmüll an, nicht einmal ein Drittel davon wird wiederverwertet.

Allein in Österreich werden jährlich 80 Millionen Take-away-Boxen aus Plastik verwendet. 30 kg Verpackungsplastik werden pro Person jährlich weggeworfen. 40% des Plastik-Verbrauchs in der EU geht auf Verpackungen zurück.

Ein Blick in Supermarktregale: in Plastik abgepacktes Obst und Gemüse, vorgeschnittenes Suppengemüse in Plastik, sogar schon geschälte Bananen oder Karotten mit Plastik-Haut. Mikroplastik wird extra hergestellt, um als Zusatz in Kosmetika, wie Duschgels oder in Kinderspielzeug etc. verwendet zu werden.

Plastik-Verschwendung ist allerdings nicht nur ein Umwelt- sondern zunehmend auch ein Gesundheitsproblem. Denn einerseits kommt Mikroplastik z.B. über die Aufnahme durch Fische auch in die menschliche Ernährung. Andererseits lösen sich durch Sonneneinstrahlung z.B. Weichmacher (Pthalate), die beim Menschen ähnlich zu Hormonen wirken und daher ein Risiko darstellen, gerade bei Kindern.

EU-Vorstoß „Plastik-Strategie“ – „guter erster Schritt“

Das Problem mit der Plastik-Flut hat die Europäische Union erkannt: Im Rahmen ihrer Plastikstrategie hat die EU-Kommission im Frühjahr einen Plan für die Eindämmung von Einmalplastik vorgestellt. Im Visier sind die zehn Einwegprodukte aus Kunststoff, die in Europa am häufigsten an den Stränden und in den Meeren gefunden werden, sowie Fischfanggeräte, die im Meer verloren gegangen sind oder zurückgelassen wurden.

Die Maßnahmen im Detail:

  • Verbot von Kunststoff in bestimmten Produkten: Wenn erschwingliche Alternativen zur Verfügung stehen, werden die Einwegkunststoffprodukte vom Markt genommen. Das Vermarktungsverbot soll für Wattestäbchen, Besteck, Teller, Trinkhalme, Rührstäbchen und Luftballonstäbe aus Kunststoff gelten, die vollständig aus umweltfreundlicheren Materialien hergestellt werden müssen. Einweggetränkebehälter, die Kunststoff enthalten, werden nur dann zugelassen, wenn ihre Deckel und Verschlüsse an ihnen befestigt sind.
  • Zielvorgaben für die Verbrauchsminderung: Die Mitgliedstaaten müssen dafür sorgen, dass weniger Lebensmittelverpackungen und Getränkebecher aus Kunststoff verwendet werden. Mögliche Umsetzungsformen könnten sein nationale Ziele für die Verbrauchsminderung festzusetzen, die Verfügbarkeit alternativer Produkte in den Geschäften zu verbessern oder sicherzustellen, dass Einwegkunststoffprodukte nicht kostenlos zur Verfügung gestellt werden.
  • Verpflichtungen für die Hersteller: Die Hersteller werden zur Deckung der Kosten für die Abfallbewirtschaftung und die Säuberung der Umwelt sowie für Sensibilisierungsmaßnahmen herangezogen. Dies gilt für: Behälter, Sackerl und Folienverpackungen für Lebensmittel, Getränkeflaschen und -becher, Tabakerzeugnisse, Feuchttücher, leichte Kunststofftragetaschen.
  • Zielvorgaben für Sammlung: Die Mitgliedstaaten werden verpflichtet, bei Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff bis zum Jahr 2025 eine Sammelquote von 90% zu erreichen, zum Beispiel durch Pfandsysteme.
  • Kennzeichnungsvorschriften: Auf bestimmten Produkten muss in klarer, standardisierter Weise angegeben werden, wie sie zu entsorgen sind, welches die negativen Umweltauswirkungen des Produkts sind und dass das Produkt Kunststoff enthält. Dies soll für Hygieneeinlagen, Feuchttücher und Luftballons gelten.
  • Sensibilisierungsmaßnahmen: Die Mitgliedstaaten werden verpflichtet, die Verbraucher für die negativen Auswirkungen einer unsachgemäßen Entsorgung von Einwegkunststoffprodukten und Fischfanggeräten sowie für die verfügbaren Wiederverwendungssysteme für alle diese Produkte zu sensibilisieren.

„Die angekündigte Initiative der EU-Kommission für ein Teilverbot von Wegwerfplastik ist ein wichtiger erster Schritt. Dieser darf nicht verwässert werden. Neben anderen zusätzlich erforderlichen Maßnahmen muss das weitere schrittweise Erhöhen der Recyclingquoten in der EU als nächstes folgen".

 

Es braucht zusätzlich:

  • Weiteres Verbot für Mikroplastik in Kosmetika und Pflegemitteln
  • Einwegverpackungen bei Lebensmitteln auf die EU-Verbotsliste
  • Verbindliche Quote für Mehrwegflaschen oder Pfand auf Einwegflaschen
  • Bei Design und Herstellung von Plastik muss Langlebigkeit,
    Wiederverwendbarkeit und Recyclebarkeit berücksichtigt werden
  • enge Zusammenarbeit von Abfallwirtschaft und produzierender Wirtschaft
  • Kennzeichnung von Kunststoffarten um Recycling zu vereinfachen
  • EU-weite Plastiksteuer auf Wegwerfprodukte einführen. Es ergibt keinen Sinn, ein sehr langlebiges Material für die kurzfristige Verwendung zu nutzen
  • steuerliche Begünstigungen für Mehrwegsysteme
  • klare Kennzeichnung von Einweg- und Mehrwegprodukten

 

Konkrete Beispiele zur Vermeidung von Plastikmüll in OÖ

Coffee to go – cup to keep –Linzer Initiative

Durchschnittlich 15 Minuten sind die Papierbecher für den Coffee-to-go im Einsatz. Danach landen sie im Müll oder werden achtlos weggeworfen. Das Problem: Die Becher sind nicht rein aus Karton, sondern enthalten Kunststoffe. Das macht Recycling unmöglich – sie müssen verbrannt werden.

Um den Müllberg zu reduzieren hat die Linzer Umweltstadträtin Eva Schobesberger eine Initiative ins Leben gerufen, die es den Linzer/innen attraktiv machen soll, den Coffee-to-go aus dem eigenen Häferl zu genießen. Bei mittlerweile rund 30 Partnerbetrieben gibt‘s den Kaffee günstiger, wenn man das eigene Häferl mitbringt.

Plastik(sackerl). So ein Mist

Auch das Plastiksackerl beim Einkauf wird oft nur ein einziges Mal verwendet, danach weggeworfen. Auf die Alternative weist LR Anschober mit Verteilaktionen von Stoffsackerln seit Jahren hin: „Plastik(sackerl). So ein Mist“ zeigt, dass ein mitgebrachtes Stoffsackerl, Rucksack oder Korb eine umweltfreundliche und zunehmend immer stylishere Alternative zum Plastiksackerl sind. V.a. der Lebensmittelhandel hat das Problem mittlerweile anerkannt und schränkt den Plastiksackerl-Verbrauch ein, etwa durch Kostenpflicht, Aus für Obstsackerl oder Ersatz durch Papiertüten.

Take Away-Boxen für FleischfreiTags-PartnerInnen

Bei der Initiative FleischfreiTag von Landesrat Rudi Anschober wird das Thema Ernährung – Klimaschutz möglichst umfassend gedacht: etwa auch in Richtung Lebensmittelmüll-Vermeidung. Denn allein in der oö. Gastronomie fällt laut einer Erhebung eine Gesamtmenge von 24.400 Tonnen an vermeidbarem Lebensmittelmüll an. Diese Menge verursacht so viele Treibhausgase wie bei 9.000 Erdumrundungen mit einem Mittelklassewagen entstehen würden.

Gerade in der Gastronomie ist die Vermeidung von Lebensmittel- und Verpackungsmüll ein heißes Thema, denn schon mit kleinen Maßnahmen kann man in Küchen Großes bewirken: Zum Beispiel indem man aktiv anbietet, auf dem Teller Verbliebenes mit nach Hause zu nehmen – dafür werden die FleischfeiTag-Betriebe mit eigenen Take-Away-Boxen ausgestattet. Diese Boxen sind aus Karton und innen mit Bienenwachs beschichtet, um diese auch mit Suppen oder Speisen mit Saucen befüllen zu können. Eine absolute Alternative zu den Kunststoff-Take-Away-Boxen.

Green Events

Für Städte oder Regionen sind Veranstaltungen eine Visitenkarte der Nachhaltigkeit. Landesweit arbeiten engagierte Menschen, die sich für nachhaltige und umweltbewusste Veranstaltungen einsetzen. „Green Events“ versuchen negative Umweltauswirkungen zu minimieren bzw. nachhaltige, sozial verträgliche Lösungen im Sinne der Kreislaufwirtschaft und der regionalen Wertschöpfung zu schaffen. Sie setzen auf die klimaschonende Anreise, forcieren das Angebot regional produzierter und biologischer Lebensmittel und unterstützen damit die regionale Wirtschaft. Durch den Einsatz von Mehrwegsystemen bei Green Events wird aktive Abfallvermeidung betrieben und entfaltet durch ihre Reichweite bei Produzent/innen und Gästen eine über die einzelne Veranstaltung weit hinausgehende Wirkung. 

Landesabfallverband OÖ

In Oberösterreich hat der Landesabfallverband ein sehr gutes Abfall-Trennsystem eingeführt und etabliert, sodass das EU-Ziel von 60% Recycling-Quote bei Siedlungsabfällen schon erreicht ist, gerade beim Wiederverwerten von Kunststoffen besteht allerdings auch in OÖ noch Nachholbedarf (CEP-Ziel bis 2030 sind 55% Recyclingquote bei Kunststoffverpackungen, Österreich liegt derzeit bei 34%).

Am Weg zur Kreislaufwirtschaft: Maßnahmen und Forderungen

Umweltschutz schon bei Produktdesign mitdenken

Wesentlicher Schlüssel zur Reduktion von Plastikprodukten und damit für den Schutz unserer Umwelt vor der „Vermüllung“ ist ökologisches Produktdesign.

Schon bei der Gestaltung der Produkte muss auch deren Auswirkung auf die Umwelt mitgedacht werden. Für die Kreislaufwirtschaft wichtig sind die Zusammensetzung, Haltbarkeit, Demontage, Reparaturfähigkeit und Recyclingfähigkeit eines Produktes.

 „Mein Umweltressort wird daher den Dialog unter den oö. Key-Playern der aufgezählten Bereiche starten bzw. verstärken. Im Austausch miteinander soll die Frage beantwortet werden, wie muss ein Produkt ausschauen, damit Recycling optimal möglich ist? Wir sind in Oberösterreich im Bereich der Landesabfallverbände schon auf einem sehr guten Weg, immer weiter in Richtung Kreislaufwirtschaft. Nun braucht es auch andere Branchen mit an Board!“

 

Forderung nach verpflichtenden Maßnahmen für mehr Mehrwegverpackungen

In Österreich ist der Mehrweganteil bei Getränkeverpackungen seit Jahren auf einem geringen Niveau von ca. 18 % stagnierend (Quelle: Bericht Nachhaltigkeitsagenda 2017, ohne Fass und Container). Der Gesamt-Mehrweganteil wird wesentlich von Bier in 0,5 l-Mehrwegglasflaschen getragen, hier beträgt der Mehrweganteil noch rd. 44 %.

Bis dato ist kein flächendeckendes Mehrweg-Angebot für Konsument/innen im Einzelhandel vorhanden, für Gastronomie/Großhandel dagegen bieten bereits zahlreiche Brauereien die 0,33 l Mehrwegflasche an. Um im wachsenden Bereich 0,33 l-Bierflasche flächendeckend Mehrweg im Einzelhandel zu etablieren, braucht es rasch eine verbindliche Vorgabe für eine standardisierte Flasche.

Die Landesumweltreferent/innenkonferenz fasste im Juni 2018 einen Beschluss dazu und ersucht darin die Umweltministerin wirksame Maßnahmen vorzusehen, um die flächendeckende Wiedereinführung von Mehrweggetränkeverpackungen im Einzelhandel, wie zB 0,33 l Bier oder Milch, zu unterstützen.