7 September 2017

Asylwerbende am Arbeitsmarkt

aktuelle Zwischenbilanz & aktuelle Daten sowie Bilanz der Verhandlungen mit der Bundesregierung & neue Projekte zur Arbeitsmarktintegration

Am 6. September 2015  haben die ersten Flüchtlinge die Grenze zwischen Ungarn und Österreich überschritten, der Beginn einer großen Fluchtbewegung - eine Herausforderung, von der auch OÖ deutlich betroffen ist. Zwei Jahre danach legt der oö. Integrationsreferent Zwischenbilanz über den aktuellen Stand bei der Arbeitsmarktintegration: die Jobintegration verbessert sich trotz Behinderung durch die Bundesregierung schrittweise, vor allem bei den Lehrstellen ist OÖ sehr erfolgreich und unumstritten die Nummer 1 mit mittlerweile 238, bald 250 jungen Asylwerber/innen als Lehrlinge. Eine absolute Erfolgsgeschichte - die Zahl der Lehrlinge konnte seit einem Jahr um rund 150% gesteigert werden. Aber noch viel mehr ist möglich - eine weitere Verdoppelung ist das Ziel. Als Hebel für eine weitere Steigerung lädt LR Anschober für 5.Oktober Unternehmer/innen, Lehrlinge, Zivilgesellschaft und Fachexpert/innen zu einer eigenen oö. Lehrlingskonferenz.

Abgeschlossen wurden nun die Verhandlungen mit einzelnen Vertreter/innen der Bundesregierung über von LR Anschober aufgezeigte politische Behinderungen der Integration, die in einzelnen Punkten zur Verbesserung der Arbeitsmarktintegration führen werden. Anschober hofft daher auf rasche Reformschritte in den Ministerien und/oder auf einen Beschluss des Nationalrats noch vor den Nationalratswahlen.

 

Bundesregierung behindert Integration durch Arbeitsverbot für Asylwerbende

Die Asylverfahren dauern viel zu lange - für viele Betroffene 2-3 Jahre. Diese Zeit nützen wir in Österreich für die erste flächendeckende Integrationsoffensive bereits ab dem ersten Tag der Anwesenheit in Asylquartieren, von Deutschkursen in allen Landesteilen (bereits 15.000 Kursplätze) bis zu Orientierungskursen für alle.

Eines der zentralen Probleme ist allerdings das weitgehende Arbeitsverbot für Asylwerbende, das viele über lange Zeit zur Untätigkeit zwingt und sie damit vielfach Qualifikationen und Tagesstruktur verlieren lässt.

 

In sieben Bereichen konnten Ausnahmen aus dem Arbeitsverbot durchgesetzt werden:

  • Hilfstätigkeiten in den Quartieren
  • Gemeinnützige Tätigkeiten
  • Dienstleistungsscheck
  • Lehrstellen in Mangelberufen
  • Selbständigkeit
  • Praktika und Volontariate
  • Saisonarbeit

Das Integrationsressort versucht diese Ausnahmen gemeinsam mit hochengagierten und kompetenten Bündnispartnern von NGOs über Ehrenamtliche bis zu AMS und Unternehmer/innen möglichst gut zu nützen. Trotz vielfacher Behinderungen in wesentlichen Details durch Regelungen der Bundesregierung mit großen Erfolgen.

 

Oberösterreichs Erfolgsgeschichte: Lehrstellen sind die beste Chance für Integration junger Asylwerber/innen

Mit Ende August konnte die Zahl der Lehrstellen für Asylwerber/innen bereits auf 238 (plus 17 im Vergleich zum Vormonat) kontinuierlich gesteigert werden - in Kürze rechnen wir mit über 250, da weitere 20 Anträge derzeit vom AMS bearbeitet werden. Vor einem Jahr waren es noch nicht einmal 100 Lehrstellen, in ganz Österreich sind es waren es im Sommer 471 Lehrstellen.

Erstmals sind auch 13 Mädchen unter den Lehrlingen, hauptsächlich kommen die Lehrlinge aus Afghanistan (164), dem Irak (20) und aus Syrien (14).

Im Ranking der Bezirke hat Linz die Nase vorne (inkl. UU 35), vor Rohrbach (23), Perg und Gmunden mit je 20 sowie Grieskirchen und Steyr mit je 18.

Unter den Lehrberufen sind klar die Nummer 1 Koch und Köchin (66), Gastronomiefachfrau bzw. -fachmann mit 14 und schließlich viele Lehrberufe aus dem Bereich der Facharbeiter/innen.

Die Aufteilung der Lehrlinge mit Fluchthintergrund nach Geschlecht und Alter in OÖ (Quelle: AMS OÖ):

Auch beim Einsatz des Dienstleistungsschecks ist Oberösterreich übrigens mit laufend steigenden Nutzungszahlen klar die Nummer 1 - im August etwa 90 beschäftige Asylwerbende (dahinter die Steiermark mit 40) von österreichweit 232.

Aber in diesen beiden Bereichen ist eine weitere starke Steigerung möglich: Beim Dienstleistungsscheck startet das Integrationsressort im Oktober und November die intensive Bewerbung in vielen Gemeinden.

Und bei den Lehrstellen hat LR Anschober besonders hohe Ziele: eine weitere Verdoppelung bis Ende des kommenden Jahres.

 

Zwei Hebel dazu:

  • die Helfer/innenkonferenz am Samstag (ab 10 Uhr) wird sich stark mit den Möglichkeiten und den Erfolgen der Helfer/innen auseinandersetzen - vielfach sind es Ehrenamtliche, die für junge Asylwerbende die Tür bei Unternehmen öffnen und den Kontakt herstellen
  • eine große Lehrlingskonferenz am 5.10. (ab 18:00 Uhr im Linzer Redoutensaal) mit Lehrlingen, Unternehmern, AMS, WKÖ, AK, NGOs und Helfer/innen, um die Chancen und Möglichkeiten für Lehrstellen für Asylwerbende bei Unternehmen in Mangelberufen zu bewerben.

Seit Anfang 2015 sind rund 20.000 Asylwerbende nach Oberösterreich gekommen. Aktuell leben rund 11.200 Asylwerber/innen in den oö. Asylquartieren. Derzeit erhalten rund 300 Personen im Durchschnitt pro Monat einen Positivbescheid, der die Tür zum Arbeitsmarkt öffnet.

Aktuell ist unter den Asylberechtigten, die arbeitsberechtigt sind, die Arbeitslosigkeit geringer als befürchtet: aktuell sind 858 Asylberechtigte bzw. Subsidiär Schutzberechtigte beim AMS in OÖ als arbeitslos gemeldet, 225 aus Afghanistan, 102 aus dem Irak (gesamt 1796 aus dem Bereich der Fluchtbewegung). Diese Zahlen bleiben trotz rund 300 Positivbescheiden pro Monat aktuell relativ konstant. Österreichweit sind es hingegen insgesamt 29.489 Arbeitssuchende.

 

Verhandlungen mit der Bundesregierung zur Beseitigung der Behinderungen bei der Arbeitsmarktintegration

Großteils gemeinsam mit Wirtschafts-Landesrat Strugl hat Integrations-Landesrat Rudi Anschober in den vergangenen Wochen Gespräche mit den für die Arbeitsmarktintegration wichtigsten Mitgliedern der Bundesregierung geführt.

Zuerst mit Wirtschaftsminister Mahrer, dann mit Familienministerin Karmasin, telefonisch mit Innenminister Sobotka und aktuell am Dienstag für die SPÖ-Regierungsressorts mit Staatssekretärin Duzdar.

 

Die zentralen Reformnotwendigkeiten

Welche Behinderungen der Arbeitsmarktintegration korrigiert werden müssen, z.B.:

  • Erleichterungen bei Lehrstellen durch die Gleichstellung von Asylwerbenden mit österreichischen Lehrlingen bei der Zufahrt zur Lehrstelle und Berufsschule durch Zuerkennung eines Lehrlingstickets
  • Behinderungen bei der Nostrifizierung, damit diese Verfahren schneller und leistbarer werden
  • Berufsspezifische Sprachausbildung
  • Qualifizierungsoffensive für Analphabeten und schlecht Qualifizierte- Alphabetisierung, Basisbildung und Nachholen des Pflichtschulabschlusses
  • Öffnung des Arbeitsmarktes ab dem 6.Monat der Anwesenheit in Mangelberufen
  • Praxiserwerb: Praktikumsmöglichkeiten sind nicht ausreichend vorhanden. Ohne österreichischen Praxisbezug wird häufig ein Einstieg in qualifikationsadäquate Beschäftigung erschwert. Weitere Einbindung der Seite der Arbeitgeber/innen ist notwendig, ebenso wie die Schaffung von Trainings- und Praktikumsplätzen.

In einigen Punkten wurden Zusagen auf Reformen in Aussicht gestellt. So stellt z.B. Innenminister Sobotka die Gratis-Zufahrt zur Berufsschule und den Erhalt der Schulbücher in der Berufsschule in Aussicht.

Anschober hofft daher entweder auf rasche Reformschritte in den Ministerien oder einen Beschluss einer Integrationsoffensive noch vor den Nationalratswahlen.