12 Oktober 2017

Asylwerbende bei den oö. Feuerwehren – eine große Integrationschance

Erste Erfolgsbeispiele & Neue Broschüre: "Gemeinsamer Einsatz verbindet"

Pressekonferenz mit

  • Landesrat Rudi Anschober
  • Landes-Feuerwehrkommandant Dr. Wolfgang Kronsteiner
  • Marchtrenks Feuerwehrkommandant Markus Ortmair
  • Ali und Mohamed, Mitglieder der FF Marchtrenk mit Asylstatus

  

Um eine möglichst gute Aufnahme in die Mehrheitsgesellschaft, mit intakten Integrationsmöglichkeiten, Begegnung und gegenseitiger Unterstützung zu ermöglichen, hat Oberösterreich bei der aktuellen Fluchtbewegung auf eine möglichst dezentrale Verteilung der Asylquartiere geachtet. So konnten rund 20.000 Menschen bisher in rund 85% der Gemeinden untergebracht werden, in Wohneinheiten mit einer Belegung von durchschnittlich nur 23 Personen. Weiters werden Integrationsmaßnahmen, wie Deutsch- und Alphabetisierungskurse flächendeckend angeboten und vom Land OÖ gefördert, sodass von Beginn an eine gemeinsame Sprache gelernt wurde. Als dritte Komponente hat LR Anschober ein starkes, breit aufgestelltes „Netzwerk Integration“ etabliert – von den 10.000 Freiwilligen über NGOs, Gemeinden und Bezirkshauptleute, bis hin zu Bildungseinrichtungen, Sozialpartnern, Exekutive und Unternehmen.

Aufgrund dieser drei Schritte kann eine optimale Unterstützung und gelingende Integration in der Region stattfinden, unter denselben Zielen. Die ersten Früchte können bereits geerntet werden: Begegnungen mit bereits gut Deutsch sprechenden Asylwerbenden nach z.B. 1,5 oder 2 Jahren in Oberösterreich – früher schlichtweg undenkbar; Top-Leistungen von Kindern und Jugendlichen mit Fluchthintergrund in den oö. Pflichtschulen; die höchste Zahl Österreichs an jungen Asylwerbenden in Lehre; eine breite Nutzung der wenigen Beschäftigungsmöglichkeiten von Dienstleistungsschecks über gemeinnützige Tätigkeiten.

Hier zeigt sich ebenso wie in vielen persönlichen Gesprächen, dass viele Asylwerbende jener Gesellschaft, die sie vor rund 2 Jahren aufgenommen hat, etwas zurückgeben möchten. So sind einige Asylwerbende schon bei den oö. Rettungsdiensten ehrenamtlich tätig, helfen bei der Schulwegsicherung oder bei Tätigkeiten in ihren Gemeinden, etwa bei der Grünraumpflege oder am Bauhof. In vielen Fußballclubs laufen Asylwerbende regelmäßig auf, darunter auch Kickerinnen.

Einen wesentlichen Beitrag leistet dazu das "Jahr der Vielfalt", das heuer stattfindet: in bisher über 100 Veranstaltungen wird Begegnung möglich, erfolgt das Kennenlernen.

Integration, das heißt, ein gutes Miteinander finden. Dazu braucht es Wissen über den jeweils anderen, Kennenlernen der Spielregeln in der neuen Gesellschaft, sich einbringen können und einen Beitrag leisten können. Die Vereine in einer Gemeinde, z.B. der Fußballverein und die Feuerwehr, bilden dabei besonders geeignete Möglichkeiten für ein gutes Miteinander auf Augenhöhe. Daher haben wir diese nun zu einem Schwerpunkt gemacht. Im November präsentieren wir Ergebnisse im Bereich des Fußballs, heute bei der Feuerwehr.

LR Rudi Anschober: „Heute steht die Tätigkeit von Asylwerbenden für die Freiwillige Feuerwehren im Mittelpunkt, immer mehr Asylwerbende sind in den oö. Gemeinden gemeinsam bei FF-Einsätzen unterwegs. Das ist gelebte Integration: Asylwerbende finden Einzug in die Traditionsvereine unserer Gesellschaft, finden eine neue Aufgabe, lernen Freunde und Bekannte kennen, verbessern Deutsch und Fertigkeiten und schlussendlich profitieren alle Seiten von einer gelungenen Integration. Jede/r, der/die erstmals bei der Feuerwehr integriert ist, ist bei uns definitiv angekommen. Findet Begegnung und persönliches Kennen statt, fallen umgekehrt Vorurteile und Pauschalisierungen. Danke an den Feuerwehrverband und die Feuerwehr-Mitglieder in OÖ, die sich nun auch immer mehr der Integration annehmen.“

Um die Möglichkeiten des Ehrenamts bei der Freiwilligen Feuerwehr, Voraussetzungen und Positivbeispiele aufzuzeigen, haben Integrationsstelle OÖ und Landesfeuerwehrkommando eine gemeinsame Broschüre „Gemeinsamer Einsatz verbindet“ erarbeitet: Der Versand ergeht an alle Feuerwehren, Gemeinden und Initiativen in OÖ, Bestellungen sind über die Integrationsstelle OÖ möglich.

Diese Broschüre informiert über die Feuerwehr, zeigt die Mitmachmöglichkeiten auf und ruft auf zum Andocken und Mitmachen. Viele Asylwerber/innen bringen Erfahrung mit der Feuerwehr aus ihren Herkunftsländern mit, die Broschüre ist ein Appell sich einzubringen, die Türen der Feuerwehr sind weit geöffnet.

LR Anschober: „Danke für diese Bereitschaft, Danke für das Mitmachen. Danke für das Miteinander. Gemeinsamer Einsatz verbindet!"

Zwei Beispiele für Integration bei der Feuerwehr OÖ: Vasyl bei der Feuerwehr St. Georgen an der Gusen und Mohamad und Ali von der Feuerwehr Marchtrenk.

 

Gemeinsamer Einsatz verbindet

Ehrenamt – Die Feuerwehr hält zusammen

Das flächendeckende Feuerwehrnetz in Oberösterreich ist ein Eckpfeiler des  gesellschaftlichen Zusammenlebens und ist getragen von einem ganz besonderen Geist der Hilfsbereitschaft und des Zusammenhalts. Ob am Land oder in der Stadt, ob Jung oder Alt – die große Feuerwehr-Familie verbindet. Jeder 16. Oberösterreicher – in Summe mehr als 90.000 – engagiert sich freiwillig in der Feuerwehr und investiert seine Freizeit für die Hilfe am Nächsten.

Über 900 Feuerwehren sorgen täglich für Sicherheit in unserem Bundesland. Wird eine Feuerwehr über den Notruf zu einem Einsatz alarmiert, verlassen die Feuerwehrmitglieder ihren Arbeitsplatz oder werden nachts aus dem Schlaf gerissen, um Straßen nach einem Sturm wieder freizumachen, einen Wohnungsbrand zu löschen oder eine vermisste Person zu suchen. Das Ganze ehrenamtlich und freiwillig – ob bei Tag oder Nacht.

 

Schutz und Sicherheit brauchen ein großes Herz und viel Zeit

Mehr als 6 Millionen ehrenamtliche Stunden investieren Oberösterreichs Feuerwehren jährlich. Fast kein Tag vergeht, an dem nicht Verletzte zu retten, eine Unfallstelle zu räumen, ein Brand zu löschen oder ein Umweltschaden zu beheben ist. Dies ist aber nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. Die tägliche, unermüdliche Arbeit im Bereich der Einsatzvorbereitung, Organisation und Ausbildung bleibt der Öffentlichkeit jedoch weitgehend verborgen.

 

Feste verbinden

Die Freiwilligen Feuerwehren fördern das gesellschaftliche Zusammenleben und sind ein wichtiger Kulturträger in den Städten, Dörfern und Ortschaften unseres Landes. Unzählige Veranstaltungen wie Sommerfeste, Maibaumfeiern, Peters- oder Sonnwendfeiern sind Treffpunkt und Austauschort über alle Generationen hinweg. Die Feste leisten nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung des freiwilligen Feuerwehrwesens, sie sind auch Ausdruck oberösterreichischer Tradition und laden ein, diese kennenzulernen.

 

Die Feuerwehr – eines der größten Integrationsprojekte im Land

Die Feuerwehr verbindet nicht nur über Generationen hinweg, sondern auch über alle Glaubensrichtungen und Nationen. Gerade der Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft, sich für andere einzusetzen, zu helfen und freiwillig zusammen für die Allgemeinheit Gutes zu tun, zeichnen Feuerwehrleute seit Jahrzenten aus. Den Kern dazu bilden das Ehrenamt und die Kameradschaft.

„Sicherheit ist ein reales Bedürfnis und wird gerade deshalb auch oft missbraucht. Umso wichtiger ist es, jede und jeden davon zu überzeugen, dass sie oder er selbst ein Teil dieser Sicherheit ist, zu ihr beitragen kann, sie aber auch gefährden kann. Menschen für die Idee der Gemeinsamkeit und Gemeinschaft zu gewinnen, egal in welcher gesellschaftlichen Rolle sie sich befinden, egal woher sie kommen und egal welcher Religion sie zugehören, ist wohl einer der wichtigsten Sicherheitsstifter. Das ist Integration“, betont Landes-Feuerwehrkommandant Dr. Wolfgang Kronsteiner und fügt hinzu: 

„Die Feuerwehren Oberösterreichs sind eines der größten Integrationsprojekte des Landes. Sie vereinen alle persönlichen, wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede und bündeln sie in einem freudvollen, solidarischen, oft gefährlichen und anstrengenden aber immer kameradschaftlichem Miteinander. Alle, die ein solches Miteinander leben und zu ihm beitragen wollen, haben hier einen Platz. Es ist ein schönes und wertvolles Gefühl, dabei zu sein und zu helfen.“

 

Jede/r ist willkommen

Ob Koch oder Mechanikerin, Hausfrau oder Unternehmer, Arzt oder Schülerin – alle sind engagiert und ganz vorne mit dabei, wenn es ums Helfen geht. Die Feuerwehr vereint alle Berufsgruppen, entsprechend vielfältig gestalten sich auch die Aufgaben innerhalb der Feuerwehr. Einzig die Bereitschaft zu helfen, Teamgeist, eine regelmäßige Teilnahme bei Einsätzen, der Aus- und Weiterbildung sind Voraussetzungen für eine kostenlose aktive Mitgliedschaft in der Feuerwehr.

„Jeder ist herzlich willkommen und eingeladen, Teil dieser einzigartigen Gemeinschaft der Feuerwehr zu sein. Mit der erstellten Broschüre möchten wir dazu einen Beitrag leisten sowie Tipps zum richtigen Verhalten im Brandfall geben“, so Kronsteiner.