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11 Januar 2018

Der Skandal um die drohende Abschiebung von Lehrlingen spitzt sich zu

neue Fälle, weitere Betroffene, Lösungsansätze, Erfolgsbezirk Rohrbach, erfolgreiche Petition, prominente Unterstützer/innen - Kampagne jetzt auch im Kino

Schon 299 junge Asylwerbende in ganz Oberösterreich absolvieren eine Lehre in Mangelberufen, wo Unternehmen schon seit Jahren händeringend nach Mitarbeiter/innen suchen. Die Zahl steigt weiter, 14 weitere Anträge sind bereits in Bearbeitung. Aufgrund des Mangels an Lehrlingen und Fachkräften und der dringenden Nachfrage der Unternehmen wurde von Wirtschaft und Politik die legale Arbeitsmöglichkeit „Asylwerbende in Lehre“ in Lehrlingsmangelstellen geschaffen. Das ist eine Win-Win-Win-Situation: Davon profitieren die Asylwerbenden durch Beschäftigung, Ausbildung und Integration, die Unternehmen durch neue Zukunftschancen durch qualifizierte Mitarbeiter/innen und die Gesellschaft durch Integration und geringere Kosten (alleine bei der Grundversorgung 1,3 Mio. Einsparung pro Jahr).

Aber landesweit ist noch viel mehr möglich: In 38 definierten Lehrlingsmangelberufen stehen rund 3.000 Lehrstellen leer und könnten teils sofort besetzt werden.

Die große Verunsicherung nimmt aber aufgrund der Abschiebungen und Negativbescheide zu, wie auch der aktuelle Fall von Amin aus der Malerei Hauser zeigt. Mittlerweile haben bereits 40 Lehrlinge einen Negativbescheid erhalten und stehen damit vor der Abschiebung, falls nach einer Berufung dieser Bescheid von der 2. Instanz bestätigt wird.

Gegen diesen Unsinn drohender Abschiebungen während der Ausbildung entsteht eine immer breitere Protestlawine: Tausende Schreiben und Kommentare sind schon an unser Büro adressiert worden. Anschobers Petition „Ausbildung statt Abschiebung“ hat schon über 23.000 Unterstützer/innen samt tausenden Botschaften. Immer mehr Prominente wie  u.a. Stöger, Maier, Hader, Stemberger unterstützen die Petition. Einzelne im Rahmen der Petition gedrehte Videos über Betroffene erreichen jeweils weit über tausend Likes. Nun wird die Kampagne für die Petition weiter verstärkt: unter anderem durch Kinospots und eine Präsentation in Wien am 19. Jänner.

 

Aktuelle Daten: Asylwerbende in Lehre

Mit Jahresbeginn sind es bereits 299 Asylwerbende in Lehrlingsmangelstellen, 216 davon kommen aus Afghanistan, die stärkste Altersgruppe ist die der 18-Jährigen.

In allen Bezirken Oberösterreichs arbeiten mittlerweile Asylwerbende in Lehrstellen, 52 in Linz (inkl. Urfahr-Umgebung), 33 in Gmunden, 25 in Rohrbach, 23 in Perg, 22 in Vöcklabruck.

Asylwerbende konnten mittlerweile in vielen der Mangel-Bereiche Fuß fassen, wo sich nicht mehr genügend Bewerber/innen aus Österreich bzw. aus der EU finden, am Stärksten im Bereich der Gastronomie (ein Drittel). In den einzelnen Lehrstellen selbst führt mit Abstand der Lehrberuf des Kochs/der Köchin (70 Asylwerbende), Bäcker/in (15), Tischler/in (14), Friseure (14), Einzelhandelskauffrauen/männer im Lebensmittelhandel (12), Gastronomiefachmann/frau (11),  Elektrotechniker/in (11), Maurer/in (9) etc .

Jetzt wollen wir als nächstes vor allem Lehrstellen für Mädchen ausbauen.

 

Ein Vorzeigebezirk und besonders betroffen: Bezirk Rohrbach

Schon sehr früh hat Rohrbach durch das Engagement der Bezirkshauptfrau für eine rasche Arbeitsmarkt-Integration zusammengearbeitet, die Vernetzung von AMS, Wirtschaftskammer, Betrieben und interessierten Asylwerbenden wurde gefördert. So ist der Bezirk Rohrbach mit 25 Asylwerbenden in Lehre trotz der Herausforderungen durch Abwanderung und Fläche unter den Top3. Aktuell gibt es 13 Negativbescheide bei den 25 Lehrlingen in Rohrbach – bei gleichzeitig 246 offenen Lehrstellen.

 

Zunahme der Negativbescheide für Asylwerbende in Lehre

Allein in Oberösterreich sind unter den aktuell 299 Asylwerbenden in Lehre rund 40 von Negativbescheiden betroffen. Abschiebungen und Negativbescheide für diese Gruppe der Asylwerbenden, die schon top integriert sind und auch finanziell selbstständig leben, gibt es in ganz Österreich.

 

Petition „Ausbildung statt Abschiebung“: bereits mehr als 23.000 Unterschriften

Am 1. Dezember 2017 hat LR Anschober die bundesweite Initiative „Ausbildung statt Abschiebung – Petition gegen Abschiebungen unserer künftigen Fachkräfte“ ins Leben gerufen – und damit für viele Engagierte aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft eine Plattform für den Widerstand gegen die absolut unverständliche Abschiebepraxis von Asylwerbenden in Lehre gegründet.

Die Petition läuft großartig, aktuell haben schon über 23.000 Unterstützer/innen online unterzeichnet. Viele weitere Unterschriften werden aktuell auch auf gedruckten Listen gesammelt und erst zu einem späteren Zeitpunkt zur Petition eingereicht. Die Petition läuft noch bis Ende Jänner.

Die Petition läuft unter www.anschober.at/petition bzw. https://www.openpetition.eu/petition/online/ausbildung-statt-abschiebung

LR Rudi Anschober: „Mein Ziel war es, auf diesen Irrsinn, der hier top-motivierten jungen Menschen und alteingesessenen Betrieben angetan wird, hinzuweisen. Die Unterstützung für ein Bleiberecht für Asylwerbende in Lehre bzw. Ausbildung und damit für eine neue Perspektive auch für heimische Betriebe mit Mangellehrstellen, wo diese oft händeringend nach Lehrlingen suchen, ist überwältigend. Mein Stimmen-Ziel konnten wir schon zwei Mal hochschrauben, stehen aktuell bei über 23.000 Unterschriften – und es soll weitergehen. Am 19. Jänner präsentieren wir die Initiative in Wien.“

 

Breiteste Unterstützung: Wirtschaft, Bezirke und Gemeinden, Vereine und Engagierte, Prominente – überparteilich

Mit an Bord sind neben Betroffenen, zahlreichen Wirtschaftsunternehmen, die um ihre Zukunftschance in Bereichen des Lehrlings- und Fachkräftemangels fürchten auch viele Gemeinden und etliche Prominente – von Minister/innen bis zu Schauspieler/innen.

 

Bundesweit kommt mittlerweile die Unterstützung, z.B. durch:

Sozialminister a.D. Alois Stöger

Stadträtin Sandra Frauenberger

Flüchtlingskoordinatoren a.D. Christian Konrad und Ferdinand Maier

Schauspielerin Katharina Stemberger

Schauspielerin Adele Neuhauser

Schauspieler Josef Hader ist zum Gesicht der Initiative geworden

TV-Koch Mike Süsser

 

Aus Oberösterreich:

Josef Weidenholzer, Mitglied des Europäischen Parlaments

Walter Aichinger, Präsident des Roten Kreuzes OÖ, Landtagsabgeordneter

Josef Stockinger, Generaldirektor der OÖ Versicherung

Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer OÖ

Sonja Ablinger, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings

 

Fast alle NGOs aus dem Sozialbereich in Oberösterreich und im ganzen Land sind mit dabei: Volkshilfe, Caritas, SOS Menschenrechte, SOS Mitmensch, Diakonie Flüchtlingsdienst, Integrationshaus Wien, Asylkoordination, Agenda Asyl, Arbeiter-Samariterbund, pro mente, u.a.

Dutzende Unternehmer/innen von KMUs bis hin zu großen Industrieunternehmen melden sich täglich, um ihre Unterstützung bekannt zu geben - Beispiel der Malerei Hauser..

 

Beispiel Negativbescheid: Malerei Hauser, Martina Gusenbauer und Amir Hussaini:

Hrn. Amir Hussaini habe ich vor ca. einem dreiviertel Jahr kennengelernt. Er hat sich bei uns um eine Lehrstelle beworben und konnte gleich beim ersten Gespräch durch seine positive, motivierte Art überzeugen.

Wir vereinbarten, dass er in unserem Betrieb vorab 2 Schnuppertage absolviert. Nach den 2 Schnuppertagen war für beide Seiten klar, dass Amir am 1. September 2017 bei uns eine Lehre beginnt.

Nach anfänglicher Skepsis einiger unserer Mitarbeiter, war er aber schnell in die Belegschaft integriert und alle unsere Fach- und Vorarbeiter arbeiten gerne mit ihm zusammen.

„Asylwerber“ war deshalb bald kein Thema mehr.

Er ist ein gewissenhafter und sehr zuverlässiger Lehrling, wie man sich ihn als Arbeitgeber nur wünschen kann.

Da es auch in unserer Branche immer mehr an Fachkräften mangelt – vor allem im Bereich der Lehrlingsausbildung, wären unsere Bemühungen vergebens, wenn Amir einen negativen Asylbescheid bekommt. Die Idee Flüchtlinge auszubilden und zu integrieren, um so Betriebe mit Mangelberufen zu unterstützen, ist gut, man bräuchte aber die Sicherheit, dass sie auch später als Fachkräfte am österreichischen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

Warum dürfen Menschen, die sich vorbildlich integrieren, Freude an der Arbeit haben, nicht ihre Lehre fertig machen?

Für uns als Arbeitgeber wäre es wichtig, zu wissen, ob ausgebildete Asylwerber nach Abschluss der Lehre auch weiterhin in unserem Betrieb beschäftigt werden dürfen.

Im Falle einer positiven Asylentscheidung würde aus ihm sicherlich ein guter Facharbeiter und eventuell sogar einmal Techniker werden.

Unserer Meinung nach versucht Amir alles in seiner Macht stehende, um sich vorbildhaft in Österreich zu integrieren.

 

Videospots zeigen Schicksale auf

Die Situation der Betroffenen verdeutlichen sollen nun fünf Videoclips aus betroffenen Betrieben, die von LR Anschober beauftragt wurden.

Die Clips zeigen die Realität aus fünf Betrieben, die Asylwerbende als Lehrlinge beschäftigen und nun mit einem Negativbescheid konfrontiert sind – zu sehen sind die Videoclips auf der Facebook-Seite von Rudi Anschober und „ZusammenHelfen in OÖ“:

  • Weberlehrling Javad und die Weberei Vieböck in Helfenberg,
  • Kochlehrling Samir und das Hotel Bergergut Afiesl,
  • Dachdeckerlehrling Shaffi und die Dachdeckerei Hochstöger Pabneukirchen,
  • Einzelhandelslehrling Eltaf und der Spar Neumarkt im Hausruckkreis,
  • Landschaftsbaulehrling Peyman und Garten Zauner Kleinzell

 

Ausweitung der Spots: Bewusstseinsbildung im Kino

Aufbauend auf den Videodrehs in den Betrieben folgt nun ein kurzer Werbespot, der in den oö. Kinos ab 19. Jänner gezeigt wird und auf die Initiative „Ausbildung statt Abschiebung – Petition gegen Abschiebungen unserer künftigen Fachkräfte“ hinweist.

 

Unterschiedliche Motivationen, aber Einigkeit über Zerstörung einer Win-Win-Situation

Tausende Zuschriften haben unser Büro bzw. die Petition mittlerweile erreicht, allesamt mit sachlicher Kritik an der Abschiebepraxis im Falle von Asylwerbenden in Lehrlingsmangelstellen.

Allein auf der Petitionsseite haben über 3.500 Unterzeichner/innen ihre Botschaft hinterlassen, bei diversen Postings in den sozialen Medien gibt es zehntausende Likes und Kommentare.

Drei der meist gelikeden Botschaften auf der Petitionsseite:

Dr. Karl Weichselbaumer (Helfenberg) - 01.12.2017 17:08 Uhr
Ich kenne persönlich mehrere Firmen, die seit Jahren erfolglos versuchen einen Lehrling zu bekommen. Endlich haben sie einen Asylwerber als Lehrling bekommen, die Chefs sind in allen mir bekannten Fällen sehr zufrieden mit ihnen, (einer hat schon das erste Berufsschuljahr erfolgreich absolviert) und nun bekamen sie einen negativen Asylbescheid. Einfach absurd und inhuman!

Dr. Helmut Zeisel (Linz) - 03.12.2017 08:13 Uhr
Wir können nicht Integration fordern und dann gerade die gut integrierten abschieben.

Andrea Brandstetter (Steyregg) - 04.12.2017 17:36 Uhr
Wir haben 3 Patenkinder aus Afghanistan alle 3 machen eine Lehre und sie sind sehr fleißig. Kommendes Wochenende ziehen sie in eine WG und sie finanzieren sich schon selbst! Sie kosten dem Staat nichts und sind künftige Steuerzahler! Und sie sind für uns alle und ihren Firmen ein großer Gewinn!

 

Deutschland zeigt, dass klare Lösung möglich ist

Auch in Deutschland hat es das Problem der Abschiebungen von Lehrlingen gegeben. Hier wurde von der deutschen Bundesregierung allerdings sehr rasch reagiert – im Sinne von Wirtschaft und Menschlichkeit: seit zwei Jahren funktioniert das Modell 3 plus 2 hervorragend und schafft Sicherheit für alle - für die Lehrlinge und für die Wirtschaft. Konkret bedeutet dies, dass für drei Ausbildung und die ersten beiden Jahre im Betrieb Sicherheit vor Abschiebung garantiert ist. Anschober: „Österreich braucht daher nichts erfinden, sondern muss nur eine klare und bewährte Regelung übernehmen. Die Zeit drängt, die Bundesregierung muss Sicherheit schaffen."