19 Februar 2018

Deutschoffensive & Basisausbildung

Zwischenbilanz über die bisher größte Qualifizierungsoffensive für Flüchtlinge in der Geschichte Oberösterreichs

Seit zwei Jahren verwirklicht das Integrationsressort OÖ gemeinsam mit den Bildungsinitiativen die größte Offensive des Deutschlernens und der Basisausbildung, die Oberösterreich bisher gekannt hat. Erstmals hat praktisch jeder nach Oberösterreich gekommene Asylwerber eine erste Deutschausbildung erhalten – 19.233 Asylwerber haben seit Beginn der Offensive an Deutschkursen teilgenommen. Teil dieser Kurse ist eine Orientierungsschulung mit den Schwerpunkten Verfassung und Gleichstellung von Mann und Frau. Tausende Asylwerber/innen haben bisher zusätzlich eine erste Basisausbildung verwirklicht – 2.400 haben zum Beispiel an Alphabetisierungskursen teilgenommen. Und weitere 4.912 Asylberechtigte haben in den vergangenen zwei Jahren bereits Deutschkurse für Asylberechtigte, meist bereits Vertiefungskurse, absolviert. Ein bisher einzigartiger Integrationsschub, über den wir nun erstmals Zwischenbilanz legen. Die Bundesmitfinanzierung dieses Qualifizierungsschubs ist mit Jahreswechsel ausgelaufen, bisher hat es keine Entscheidung der Bundesregierung über eine Verlängerung gegeben. Anschober appelliert vehement an die Bundesregierung, diese Investitionen in die Ausbildung nicht zu beenden, sondern sehr rasch fortzusetzen. Jede vertane Woche ohne Ausbildung ist eine verlorene, schadet der Integration, der Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt und zerstört die mühevoll aufgebauten Strukturen und die Jobs der Trainer/innen.

Vergangenen Donnerstag besuchte Integrationslandesrat Rudi Anschober im Rahmen eines Lokalaugenscheins die aktuellen Deutschkurse des Vereins "Arcobaleno". Der Eindruck wie bei allen anderen Besuchen in anderen Bildungsinstitutionen: die Asylwerber sind extrem engagiert beim Lernen, kennen ganz genau die Bedeutung des Spracherwerbs für ihre Zukunft und wollen die Sprache in einem möglichst schnellen Tempo erlernen. Gleiches gilt für den besuchten Alphabetisierungskurs: auch hier gute Stimmung und enorme Anstrengungen.

In Briefen an den Integrationslandesrat und vielen Gesprächen übermittelten die Asylwerber/innen Anschober ihren Hauptwunsch: die Kurse sollen fortgesetzt werden, "wir möchten möglichst rasch Deutsch lernen".

In Schreiben an Innenminister, Außenministerin, Bildungsminister und Bundeskanzler formuliert Anschober in seiner Funktion als diesjähriger Vorsitzender der Integrationsreferent/innen-Konferenz diesen Appell vehement an die Bundesregierung: das im Jahreswechsel ausgelaufene Kofinanzierungsprogramm für die Deutschkurse muss mehrjährig verlängert werden, um das Sprachniveau und die Alphabetisierung zu ermöglichen, die erforderlich ist für die Integration. Aktuell laufen die 2017 begonnenen Kurse aus, die letzten Prüfungen werden abgehalten, die letzten Maßnahmen werden im März beendet. Spätestens dann muss die Fortsetzung garantiert sein.

"Es wurde praktisch aus dem Nichts von den Anbietern eine tolle Struktur für die Umsetzung hunderter Kurse aufgebaut, diese werden dezentral durchgeführt, hunderte Trainer/innen wurden engagiert - das darf jetzt nicht durch eine Entscheidungsunfähigkeit oder ein Ende der Kursangebote zerstört werden. Oberösterreich, die Asylwerber/innen und die Asylberechtigten haben in diesen zwei Jahren Großartiges geleistet - wir reden nicht und fordern, sondern wir handeln. Die Sprache und die Basisausbildung sind der Schlüssel und die Voraussetzung für Integration. Danke allen, die bisher aktiv waren. Und ein dringender Appell an die neue Bundesregierung, das Aufgebaute nicht zu zerstören, sondern der Integration eine Chance zu geben!", richtet Anschober klare Worte an Wien. "Dieser Kurs darf nicht abgewürgt werden!"

 

Der Start von Deutschkursen für Asylwerber im Frühling 2016

Sprachförderpaket I LandOÖ

Erstmals in der Landesgeschichte wurde im Frühling 2016 ein umfassendes Deutschförderpaket von Integrationslandesrat Anschober gestartet, das vollständig vom Land finanziert wurde. Es gab zuvor kein institutionalisiertes Deutschkursnagebot für Asylwerber/innen. Entsprechend den dezentralen Quartieren wurde beim Sprachförderpaket I bis Sommer 2016 äußerst dezentral 315 Deutschkurse angeboten, an denen 3.780 Asylwerber/innen teilgenommen haben.

 

Sprachförderpaket II von Land OÖ und Bund

Parallel dazu wurde mit dem Innenministerium eine Kofinanzierung für ein umfassendes Deutsch-Paket verhandelt, das bereits im Oktober 2016 gestartet und bis Ende 2017 verwirklicht wurde. Ebenfalls dezentral umgesetzt, nahmen 15.453 Asylwerber/innen an 1.284 Deutschkursen teil. Im Rahmen des Pakets wurden auch Alphabetisierungsschulungen durchgeführt, an denen 2.400 Asylwerber teilgenommen haben.

Im Rahmen beider Sprachförderpakete wurden neben den Kursen auch die entsprechenden Prüfungen für alle Sprachniveaus  angeboten/finanziert.

 

Basisbildung und Pflichtabschluss für Asylwerber/innen

Rund 20 Prozent der Asylwerber/innen sind nach einer Erhebung des Integrationsressorts schlecht qualifiziert bzw. fehlt ihnen die Alphabetisierung. Daher wurde in den vergangenen beiden Jahren die Alphabetisierung in beide Sprachförderpakete aufgenommen.

Zusätzlich wurde das Angebot im Bereich der Basisbildung und des Pflichtschulabschlusses für Asylwerber/innen ausgeweitet. Im Bereich der Basisbildung, im Zuge welcher unter anderem Alphabetisierung, Mathematik und Informations- und Kommunikationstechnologien gelehrt werden, haben in den letzten zwei Jahren 634 Asylwerber/innen teilgenommen. Dafür wurde unter anderem durch das Projekt Bildungsministeriums „Bildung für junge Flüchtlinge“ die Möglichkeit geschaffen. Neben der Sprach- und Lernkompetenz werden in der Basisbildung soziale Kompetenzen vermittelt, Anschlussmöglichkeiten in das österreichische Bildungssystem und den Arbeitsmarkt ermöglicht und schlussendlich die gesellschaftliche Teilhabe gefördert.

Anschober: "Wir müssen diesen Bereich der Basisbildung rasch ausbauen und möglichst rasch alle Betroffenen mit einer Basisbildung ausstatten. Darüber bin ich mit der Bundesregierung bereits im Gespräch. Ebenso muss die Möglichkeit des Nachholens des Pflichtschulabschlusses massiv ausgebaut werden. Beides ist die Grundvoraussetzung für die Arbeitsmarktintegration. Bisher haben 165 Asylwerber/innen den Pflichtschulabschluss nachgeholt.“

Die Fortsetzung dieser Bildungsoffensive ist auch für Asylberechtigte notwendig, um ihnen die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln und somit auch einen raschen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

 

Basisbildung und Pflichtschulabschlüsse

Von 2015 bis 2017 haben insgesamt 1.377 Personen mit Migrationshintergrund an einer Basisbildung teilgenommen und 468 den Pflichtschulabschluss nachgeholt.

Anschober: "Ein tolles Programm liegt hinter uns, vieles ist geschafft, große Schritte in Richtung Integration wurden verwirklicht, eine tolle Vorbereitung für die Arbeitsmarktintegration umgesetzt. Jetzt brauchen wir eine weitere Verstärkung dieses Programms. Die Weichen dafür müssen in den nächsten Wochen gestellt werden."