7 August 2018

Die massiven Auswirkungen der Hitzewelle in OÖ

die nun notwendigen Sofortmaßnahmen zum Klimaschutz

Weltweit haben die letzten Monate Rekordtemperaturen und Rekorddürre gebracht. Auch in Teilen Oberösterreichs - in Linz etwa war die Phase April bis Juli die trockenste seit 1852. Auch die nächsten August-Wochen bringen laut ZAMG noch keine endgültige Entwarnung.

Klimaschutz-Landesrat Rudi Anschober will durchsetzen, dass  Konsequenzen aus dem Hitzesommer gezogen werden und endlich ein ernsthafter Neubeginn des Klimaschutzes international und auch in Österreich gestartet wird. In Oberösterreich sollen die Klimaanpassungsmaßnahmen überprüft und weiter verbessert werden, in Österreich bis Jahresende ein Klimaplan für ausreichend Maßnahmen für eine Verringerung der CO2-Emissionen um zumindest 36% bis 2030 erarbeitet und an die EU-Kommission gemeldet werden. Darin wird sich OÖ offensiv einbringen. Für 17.Oktober wird Anschober Politik, Wirtschaft und die führenden Klimaforscher/innen zum Klimagipfel nach Linz einladen und zur letzten Überzeugung im kommenden Sommer auf den Dachstein zum Lokalaugenschein am sterbenden Gletscher einladen. Anschober: „Wann, wenn nicht jetzt, wer, wenn nicht wir: die Politik muss endlich dem Klimaschutz Vorrang geben und von den Worten zu den Taten kommen. Sonst verspielen wir verantwortungslos die Zukunft unserer Kinder."

Erst gestern haben Forscher/innen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) ein neues Szenario des Klimawandels gezeigt: In einer Zusammenfassung zahlreicher Einzelstudien weisen sie darauf hin, dass sogar die Gefahr einer Heißzeit -selbst beim Einhalten des Pariser-Klimaabkommens- nicht ausgeschlossen werden kann. Bisher wurde stets der Begriff „Warmzeit“ geprägt.

Nach Angaben der Autoren könnte es aber schwieriger werden als bislang angenommen, die globale Erwärmung wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart zwischen 1,5 und unter zwei Grad Celsius zu stoppen. Man könne sich nicht darauf verlassen, dass das Erdsystem bei 2 Grad langfristig sicher "geparkt" werden könne.

Den Wissenschafter/innen zufolge könnte sich die Erde langfristig um etwa vier bis fünf Grad Celsius erwärmen und der Meeresspiegel um zehn bis 60 Meter ansteigen. Ausschlaggebend dabei seien "Kippelemente" im Klimasystem. Diese sind Bestandteile des Klimasystems, die bereits durch kleine äußere Einflüsse ihren Zustand verändern - häufig unumkehrbar, etwa auftauende Permafrostböden in Russland oder sich erwärmende Methanhydrate auf dem Meeresboden und die großen Ökosysteme wie der Amazonas-Regenwald. Sie könnten sich wie eine Reihe von Dominosteinen verhalten, sagte Mitautor Johan Rockström, Direktor des Stockholm Resilience Centre und designierter Ko-Direktor des PIK. "Wird einer von ihnen gekippt, schiebt dieses Element die Erde auf einen weiteren Kipppunkt zu."

Auch alarmierend ist eine neue Studie, die aktuell in der Zeitschrift Nature Climate Change publiziert wurde: erwärmt sich die Erde um drei Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit, wird sich die Fläche der europäischen Dürregebiete im Vergleich zum Referenzzeitraum von 1971 bis 2000 von 13 auf 26 Prozent verdoppeln. Besonders dramatisch ist die Prognose für den Mittelmeerraum: bei einer Erwärmung um 1,5 bis 2 Grad sei die im mediterranen Raum zu erwartende Trockenheit größer als je zuvor im vergangenen Jahrtausend, über 3 Grad würde die Entwicklung von Wüsten drohen.

 

Teil 1: Hitze und Dürre 2018 - was bisher geschah und wie die Prognosen sind/

ZAMG Oberösterreich, Bernhard Niedermoser (Grafiken (c) ZAMG):

1. Hitzeperiode 2018

Im Vergleich der ersten sieben Monate ist das Jahr 2018 derzeit unter den wärmsten Jahren der Messgeschichte. „Für den Zeitraum Jänner bis Juli liegt 2018 um 1,6 °C über dem vieljährigen Mittel und damit auf dem dritten Platz der 252-jährigen Messgeschichte", sagt ZAMG-Klimatologe Orlik. „In der Auswertung der ersten sieben Monate waren nur die Jahre 2007 und 2014 wärmer als 2018."

Der Juli ist heuer schon der fünfte Monat, der außergewöhnlich warm ausfällt: Drittwärmster Jänner der Messgeschichte, Februar und März deutlich zu kühl, zweitwärmster April, viertwärmste Mai, einer der zehn wärmsten Juni-Monate und jetzt einer der 15 wärmsten Juli-Monate der 252-jährigen Messgeschichte. Zu Beginn des Monats Juli war es stellenweise noch ungewöhnlich kalt, aber durch die Hitzewelle am Monatsende wird der Juli um 1,3 °C deutlich über dem vieljährigen Mittel liegen.

Die Zahl der Hitzetage (mindestens 30 °C) liegt in diesem Juli im Großteil Österreichs über dem Durchschnitt, im Osten sogar deutlich darüber.

Seit 11 Tagen durchlaufen wir eine Hitzewelle, die noch bis Donnerstag andauern wird – dann also 14 Tage erreichen wird. Mit dem Höhepunkt am Donnerstag mit 36 bis 37 Grad. Bisheriges Temperaturmaximum dieses Sommers war der 1. August mit 35 Grad in Oberösterreich.

Am Freitag und gegen Beginn/ Mitte der nächsten Woche werden zwei Kaltfronten die Trockenheit in Teilbereichen dämpfen, danach wird es mit Hitze und Trockenheit voraussichtlich weitergehen.

Aktuell warnt die ZAMG auf ihrer Website für die nächsten Tage vor „starker Hitzebelastung“:

 

 

In einigen Regionen setzt sich die seit Monaten dauernde Trockenheit fort. An der ZAMG-Wetterstation in Linz zum Beispiel gab es seit Jänner nur 265 Millimeter Niederschlag. So trocken war es hier seit Messbeginn im Jahr 1852 noch nie. Zum Vergleich: In einem durchschnittlichen Jahr fallen von Jänner bis Juli in Linz 526 Millimeter Niederschlag.

 

2. Ende Juli 2018: dringender Hinweis der ZAMG - Trockenheit

Österreichweite Abweichung des Niederschlages für das ganze Jahr und den bisherigen Sommer (Juni, Juli):

 

Die Zentralanstalt für Meteorologie ZAMG weist auf die akute Hitzewelle in Oberösterreich hin sowie auf deren Auswirkungen v.a. in den Bereichen Trinkwasser, Wald- und Flurbrand und Landwirtschaft hin:

„Aus gegebenen Anlass möchten wir darauf hinweisen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit die kommenden 4 Wochen kaum Niederschlag bringen.

Die Modelle zeigen, dass bis Mitte August - abgesehen von ganz wenigen und lokalen Gewittern – sogar überhaupt kein Niederschlag fällt.

Dazu wird der August durchgehen überdurchschnittlich warm bis heiß...“

 

Dürreindex für Juli (SPEI)

Hintergrund:

In Teilen Oberösterreichs ist es ungewöhnlich trocken. Vor allem in einigen Bereichen des Zentralraums, im Innviertel und Alpenvorland ist das aktuelle Jahr als eines der drei trockensten (April-Juli) seit 1852 einzuordnen. Vergleichbar mit 1865 und 1992. (Quelle HISTALP/ZAMG; ZAMG Messnetz)

Im dokumentierten Zeitraum gab es bisher v.a. drei große Klimaperioden, in denen es im Zentralraum immer wieder relativ trocken war:

  • 1900-1920 sehr trockene Periode
  • 1865-1890 sehr trockene Periode
  • 2000-2020 dürfte eine ähnlich trockene Klimaperiode sein, allerdings auf einem insgesamt höheren Temperaturniveau

Für die Stadt Linz ist aktuell der Vergleichszeitraum April bis Juli sogar das trockenste Jahr seit 1852!

Weniger stark ausgeprägt ist das Niederschlagsdefizit im Mühlviertel und am Alpenrand.

Diagramme zum Niederschlagsdefizit in Linz (1. Grafik) und Ried (2. Grafik):

 

Legende zu den Grafiken Linz und Ried oben.

Ausblick:

Die trockene Hitzewelle (Obergrenze bis zu 34/35 Grad an einzelnen Tagen) dauert noch in etwa bis zum Wochenende des 10. bis 12. August 2018. Abgesehen von seltenen und kleinräumigen Gewitterregen fällt in dieser heißen Phase weiterhin kein Niederschlag.

Rund um dieses Wochenende vom 10. bis 13. August könnte es vorübergehend regnen. Die Mengen sind derzeit noch unsicher, um die Trockenheit zu kompensieren aber wahrscheinlich zu gering.

Die zweite Monatshälfte wird wahrscheinlich nicht mehr ganz so heiß. Die Langfristprognosen des ECMWF zeigen aber weiterhin eine hohe Wahrscheinlichkeit  für tendenziell wenig Niederschlag.

 

Teil 2: Der Sommer 2018 muss Konsequenzen haben - Überprüfung der Klimaanpassungsmaßnahmen und Erarbeitung eines neuen Klimaplans

2018 zeigen sich derartige Rekordwerte bei Temperaturen und Dürre weltweit. Einige Beispiele: Temperaturen in Ortschaften Algeriens erreichten Anfang Juli 51,3 Grad – Afrika-Rekord. Ebenfalls Rekord zum selben Zeitpunkt in Montreal mit 36,6 Grad, in Nordsibirien ebenfalls ein Rekordwert von 32 Grad, in der Arktis Rekordtemperaturen seit 2000 Jahren.

Klar ist, dass die Temperaturrekorde erahnen lassen, was langfristig auf uns zukommt, wie wir in einigen Jahrzehnten leben werden.

Das zeigt sich auch für Oberösterreich: Die Jahresmitteltemperatur in OÖ lag im Zeitraum von 1971 bis 2000 bei 7,9 Grad Celsius. Bis 2050 wird die durchschnittliche Jahrestemperatur um weitere 1,3 bis 1,4 Grad ansteigen. Bis Ende des Jahrhunderts kann die mittlere Temperatur in Oberösterreich sogar um 3,9 Grad zunehmen, wenn Treibhausgase auch künftig weitgehend ungebremst freigesetzt werden. Nur durch einen massiven Rückgang der Treibhausgasemissionen kann die Temperaturzunahme bis zum Jahr 2100 auf plus 2,3 Grad begrenzt werden.

Die BOKU Wien zeigt im Worst-Case-Szenario für Oberösterreich eine Klimalage wie in Südspanien. Ebenfalls auf Rekordniveau sind die Temperaturen im globalen Mittel. Der Juni war der zweitwärmste seit Messbeginn. Besorgniserregend ist dabei, dass 2018 in eine La-Nina-Phase fällt, während dieser der Pazifik viel Wärme schluckt. Während der folgenden El-Nino-Phase passiert genau das Gegenteil.

Die Treibhausgase wurden 2017 in den bisher größten Mengen seit Beginn der Aufzeichnungen emittiert - die Konzentration von CO2 liegt mit 405 ppm auf absolutem Rekordniveau.

Die weltweit überfällige Trendwende konnte bislang also nicht geschafft werden.

Die Welt ist derzeit weit entfernt vom Erreichen der Pariser Klimaziele aus 2015. Auch Österreich: seit 1990 konnten die Emissionen der Treibhausgase nicht gesenkt werden, sie sind sogar leicht gestiegen um 1,2 Prozent. Wesentlicher Hauptverursacher dabei ist der Verkehr mit einem Zuwachs von 13,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent auf 22 Millionen Tonnen 2015. 

 

Der schrittweise Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Energieträger ist der zentrale Hebel für den Klimaschutz - Energiewende und Verkehrswende als Schlüssel

Wir sind derzeit weder weltweit, noch innerhalb der EU, noch in Österreich und Oberösterreich auf Kurs.

Das belegt auch der diesjährige Klima-Index für Oberösterreich (siehe unten).

 

Klimaschutz-Landesrat Rudi Anschober will daher klare Konsequenzen nach diesem Hitze-Sommer ziehen:

  1. Arbeitsprozess zur Überprüfung und Nachschärfung der Klimaanpassungsmaßnahmen
  2. Erarbeitung eines österreichischen Klimaplans bis Jahresende unter umfassender Einbeziehung der Bundesländer. Dieser muss bis Jahresende der EU-Kommission übermittelt werden. Jetzt folgen also die vier entscheidenden Monate für den Klimaschutz in Österreich.
  3. Einberufung eines Klimagipfels am 17. Oktober in Linz mit den führenden Klimaforschern Prof. Dr. Stefan Rahmstorf, Prof.in Dr.in Helga Kromp-Kolb und Prof. Dr. Karl Steininger.
  4.  Einladung der Spitzenpolitik Europas, Österreichs und der Bundesländer zum Lokalaugenschein am Dachstein-Gletscher.

„Seit Jahrzehnten legt die Wissenschaft Prognosen über die drohende Klimaveränderung vor. Jahrelang wurden sie von lahmen Eliten in der Politik ignoriert. Jetzt sind wir mitten in der Klimakrise. Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen direkt spürt. Und wir sind die letzte Generation, die Entscheidendes gegen die drohende Klimakrise unternehmen kann. Wer jetzt nicht handelt, verrät die Zukunft unserer Kinder. Die nächsten vier Monate, die Zeit für die Erstellung des österreichischen Klimaplans wird die letzte Chance für die Bundespolitik, aber auch für die Landespolitik sein.“

 

Vorläufige Ergebnisse der Treibhausgas-Emissionstrends (BLI 2018) in Oberösterreich

Gesamtemissionen

Zwischen 1990 und 2016 nahmen die Treibhausgas-Emissionen Oberösterreichs um 3,1 % zu, wobei der Industriesektor diesen Trend eindeutig dominiert. Im Jahr 2016 wurden Treibhausgas-Emissionen in der Höhe von 22,9 Mio. t CO2-Äquivalent emittiert, und damit um 1,8 % mehr als 2015. Die größten Emissionszunahmen von 2015 auf 2016 wurden in den Sektoren Verkehr (höherer Dieselabsatz) und Energie (Gaskraftwerke) verzeichnet. Das trifft auch auf den Zuwachs von 2014 bis 2016 in der Höhe von 4 % zu. 55 % der Treibhausgas-Emissionen 2016 wurden von Emissionshandelsbetrieben verursacht, das entspricht etwa 12,5 Mio. t CO2-Äquivalent.

Nicht-Emissionshandelsbereich

Seit 2005 erfolgt die Trennung in die Bereiche Emissionshandel und Nicht-Emissionshandel.

Die Treibhausgas-Emissionen abzüglich des Emissionshandelsbereichs betrugen 2016 10,327 Mio. t CO2-Äquivalent, was einem Anteil von 20 % an den österreichischen Treibhausgas-Emissionen entspricht. Die Emissionsmenge (Gesamtemissionen minus THG aus dem Emissionshandel) nahm seit 2005 um ca. 6,9 % ab. Im Jahr 2016 wurde im Vergleich zu 2015 eine Zunahme von 3,1 % verzeichnet, in Bezug auf 2014 eine Zunahme von 6 %. 2014 war das Jahr mit den geringsten Emissionen seit 2005. Während die Zunahme der Emissionen im Gebäudebereich mit einem strengeren Winter zusammenhängen, gibt es im Verkehrsbereich seit 2014 keine Trendwende mehr zu geringeren Emissionen.

 

Erfolge auf der Maßnahmenebene

Die größten Erfolge bei der Emissionsverringerung sind in Oberösterreich in den vergangenen Jahren durch die Energiewende vor allem im Bereich Raumwärme gelungen. So sanken die Treibhausgasemissionen im Zeitraum 1990-2016 um 43 %. Auch bei der Energieaufbringung (Strom, Fernwärme) gelang in diesem Zeitraum eine vergleichsweise hohe Reduktion, exakt um 50 %.

Erfreulicherweise arbeitet die VOEST bereits an der Weiterentwicklung der Prozesse in Richtung einer schrittweisen Dekarbonisierung der Stahlproduktion, um auch für die zukünftigen Herausforderungen in puncto Klima- und Umweltschutz bestmöglich aufgestellt zu sein.

 

Bewertung in Hinblick auf die EU-Ziele 2030

Für das Jahr 2030 wurde für Österreich ein Reduktionsziel bei den Treibhausgasen außerhalb des Emissionshandels von 36 % zugesagt, bezogen auf 2005. Erste Abschätzungen des Umweltbundesamtes zeigen, dass hier im Jahr 2030 eine Lücke von 8 Mio. t CO2-äquiv. bestehen würde, falls keine zusätzlichen Maßnahmen umgesetzt werden. Die am 28. Mai in der Bundesregierung beschlossene Integrierte Klima- und Energiestrategie ist die Basis für eine verstärkte nationale Klimaschutzpolitik, die Konkretisierung der Maßnahmen fehlt. Der laut EU-Governance-VO bis Jahresende zu erstellende Entwurf eines Nationalen Energie- und Klimaplans stellt den Rahmen dar. Die Landesumweltreferent/innen-Konferenz hat Mitte Juni Details zur Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern festgelegt. Die gemeinsame Arbeitsgruppe hat Mitte Juli erstmals getagt.

Eine anteilige Kostentragung der Länder bei einem allfällig notwendigen Kauf von Emissionsberechtigungen bei Zielverfehlungen wurde mit 20% verankert.