6 Februar 2015 ,

Erfolg: wassergefährdendes Pestizid „Bentazon“ nach jahrelangen Bemühungen aus dem Verkehr gezogen!

OÖ. Umweltlandesrat will strengere Zulassungsverfahren und eine drastische Verringerung der derzeit hunderten verschiedenen Pestizide

Anlässlich des Erneuerungsverfahrens zur Genehmigung des Wirkstoffes Bentazon auf EU-Ebene hat Oberösterreich eine Stellungnahme gegen eine erneute Zulassung eingebracht. LR Anschober hat kontinuierlich auf die Gefahren von Bentazon hingewiesen und nun beim Bundesministerium ein generelles Verbot des letzten in Österreich noch zugelassenen Pflanzenschutzmittels („Artett“) mit Wirkstoff Bentazon erreicht!

In einem Schreiben des Lebensministeriums heißt es: „(...) [Es] wurden von zahlreichen Experten Probleme im Zusammenhang mit einer möglichen Grundwasserkontamination – auch bei korrekter Anwendung – gesehen. Aufgrund dieses Sachverhaltes wurde seitens der dafür zuständigen Behörde, dem Bundesamt für Ernährungssicherheit, entschieden, die Zulassung des letzten noch zugelassenen Pflanzenschutzmittels (Handelsbezeichnung „Artett“) mit dem Wirkstoff Bentazon, von Amts wegen aufzuheben.“

 

Nutzungsdruck auf unser Trinkwasser

Der Nutzungsdruck auf unser wichtigstes Lebensmittel, das Trinkwasser, steigt: durch Industrie, intensive Landwirtschaft, Siedlungsbau, u.a.

LR Anschober: „Eine wesentliche Rolle spielen die hunderten Pestizide, die am Markt sind und in landwirtschaftlich stark genutzten Gebieten ihre Spuren im Grundwasser hinterlassen – für Generationen. Aber auch in Fällen wie Korneuburg oder Ohlsdorf als Folge der Produktion von Pestiziden. Denn Wasser hat ein Gedächtnis wie ein Elefant. Schon kleine Dosen und Fehler oder Unachtsamkeiten in der Handhabung mit Pestiziden und erst recht kriminelle Akte können gravierende Umweltkatastrophen mit enormen Folgekosten auslösen.“

Laut Information von Bundesminister Rupprechter hat es 2013 in Österreich an über einem Prozent der rund 2000 Grundwassermessstellen eine Überschreitung des Trinkwassergrenzwertes beim vorwiegend im Sojaanbau eingesetzten Herbizid Bentazon gegeben. Auch in Oberösterreich sind vor allem Regionen mit starkem Sojaanbau betroffen. Bentazon war vor 5 Jahren Ursache für die Wasserkontaminierung in Enns. Nach umfangreichen Ermittlungsarbeiten von Umweltbehörde und Umweltkripo konnte der Verursacher zur Rechenschaft gezogen und nach einem Schuldspruch zu hohen Ausgleichszahlungen verurteilt werden. Noch heute muss das Ennser Trinkwasser mit Trinkwasser aus Linz gemischt werden.

Anschober abschließend: „Die Zulassung und der Einsatz von Pestiziden müssen drastisch verringert werden. Es ist ein wichtiger und richtiger Erfolg, dass Bentazon nach jahrelangem Engagement nun aus dem Verkehr gezogen wurde.“

Grafik: Pestizide in OÖ/Bentazon (c) Land OÖ

 

Bentazon-Kriminalfall Enns

Einen Umweltkriminalfall hinsichtlich des Pestizids Bentazon hat sich im Jahr 2009 in Enns ereignet: In der ohnehin mit Bentazon belasteten Region wurden die Grenzwerte 2009 stark überschritten. Für das Trinkwasser war es nötig, eine Ersatzwasserversorgung durch die LinzAG zu errichten, um durch Mischen der Wässer die Trinkwassergrenzwerte einhalten zu können. Aufgrund der Untersuchungen und Erhebungen hat die Staatsanwaltschaft Anklage erheben können und der Verursacher – ein Landwirt, der mit Bentazon versetzte Waschwässer in einer undichten Senkgrube entsorgt hatte – wurde zu Schadensersatzzahlungen verurteilt.  

LR Anschober: „Das Verbot von Bentazon, wie es BM Rupprechter nun eingeleitet hat, ist daher der einzig richtige Schritt. Unser langfristiges Ziel muss aber sein, dass die EU insgesamt strengere Zulassungsbestimmungen für Pestizide erlässt und damit der großen Gefahr für unser Lebensmittel Nr. 1 – somit auch für die menschliche Gesundheit – Rechnung trägt.“

 

Anschober fordert Aktion scharf gegen wassergefährdende Pestizide

Einen Reihe von weiteren Pestiziden sollte zusätzlich aus dem Verkehr gezogen, die Kriterien für Neuzulassung verschärft werden. Das muss vor allem auf EU-Ebene geschehen!

LR Anschober: “In Oberösterreich schützen wir durch besondere Verbote die Wasserschongebiete und -schutzgebiete und verringern den Einsatz von Pestiziden durch die mit der Landwirtschaftskammer akkordierte Pestizidstrategie, die derzeit überarbeitet und weiter verstärkt werden soll.“ Im Mittelpunkt stehen eine Intensivierung der Grundwasserkontrolle, verstärkte Beratungen der Landwirtschaft, z. B. für Alternativen zu Bentazon, die Umsetzung der Strategie „Grundwasser 2020“, ein neues ÖPUL-Programm mit einem Fokus auf wasserschonender Landwirtschaft sowie der Ausbau von Schon- und Schutzgebieten in Anbetracht eines immanenten Restrisikos für Verunreinigungen seitens Gewerbe und Industrie.

Die neue Pestizidstrategie für OÖ wird verstärkt folgende 8 Punkte enthalten:

  1. Beratungsinitiative Gewässerschonender Pflanzenschutz – Freiwillige Reduktion des Pflanzen­schutzmitteleinsatzes
  2. Fördervoraussetzung für die Wassermaßnahmen im ÖPUL-Programm „Vorbeugender Grund­wasserschutz" (GRUNDWasser 2020)
  3. Umsetzung des Landesaktionsplans über die nachhaltige Verwendung von Pestiziden
  4. Schwerpunktaktionen Gewässeraufsicht Landwirtschaft
  5. Anwendungsverbot der jeweiligen problematischen Pflanzenschutzmittel im Einzugsgebiet belasteter Wasserversorgungsanlagen
  6. Prüfen einer möglichen wasserrechtlichen Bewilligungspflicht des Pflanzenschutzmitteleinsatzes
  7. Hinwirken auf bundesweite / EU-weite Einschränkung / Aufhebung der Zulassung von Pflanzen­schutz­mitteln bei BMLFUW / AGES / EU (EFSA)
  8. Pflanzenschutzmittel - und Metaboliten-Monitoring im Grund- und Trinkwasser