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28 Februar 2017

Erfolgskurs Deutschlernen in OÖ: dezentral und ab Tag1 – Voraussetzung für Integration und Jobs – aktuelle Ergebnisse

Erstmals wird im Rahmen einer Fluchtbewegung die Integration offensiv vorangetrieben, z.B. durch rund 15.000 Kursplätze für Asylwerber/innen und Asylberechtigte in unterschiedlichen Sprachniveaus in OÖ.

Seit Ressortübernahme setzt LR Rudi Anschober zwei Schwerpunkte der Integration in Oberösterreich durch: Erstens, Integration ab Tag 1 in der Grundversorgung statt des oft jahrelangen Wartens und auferlegten Nichtstuns bis zum Asylbescheid. Zweitens, entsprechend der dezentralen Verteilung der Asylquartiere auch ein möglichst flächen-deckendes Angebot von Deutsch- und Ausbildungskursen in ganz OÖ – denn das ist die Grundvoraussetzung für alle weiteren Integrations-schritte, von Orientierungskursen bis Arbeitsmarktintegration.

Diese Linie wurde nun von der Bundesregierung übernommen, findet sich z.B. beim Entwurf zum Integrationsjahr wieder.

LR Anschober: „Deutsch ist die Grundvoraussetzung für die Teilhabe an der österreichischen Gesellschaft und für ein selbstbestimmtes Leben samt Aufnahme in den Arbeitsmarkt. Rückwirkend seit 1. Jänner 2016 läuft die Förderschiene des Landes OÖ für Kurse bereits für Asylwerber/innen – wie die aktuellen Zahlen zeigen, sehr erfolgreich. Rückenwind gibt es nun durch das Einlenken der Bundesregierung auf diesen international angewandten Weg, ich bin froh, dass die Anträge und Appelle der Bundesländer Wirkung gezeigt haben.“

Erstmals wird seit Frühling 2016 Deutschtraining auch für Asylwerber/innen angeboten. Zusätzlich unterrichten auch hunderte Freiwillige Deutsch, das Integrationsressort übernimmt die Prüfungsgebühren. Heute können wir von einem flächendeckenden Angebot sprechen.

Ein paar Kerndaten: Seit Frühling 2016 schon über 10.000 Asylwerber/innen in geförderten Deutschkursen in OÖ, zusätzlich Training mit Freiwilligen in den Quartieren und Kurse nach dem Asylbescheid sowie schulische Ausbildung.

Weitere Kurse nach dem Asylbescheid werden von AMS OÖ und ÖIF/ BMeiA finanziert. LR Anschober: „Natürlich wäre hierzu ein Bund-Länder-Vertrag wünschenswert, der mittelfristig die Finanzierung und Koordinierung der Förderungen und Kurse festschreibt.“

 

Rückblick: Bisher geförderte Sprachkurse für Flüchtlinge

Die Integrationsstelle OÖ hat, gemeinsam mit oö. Sprachkursanbietern, im Jahr 2008 Sprachförderrichtlinien erarbeitet, um die Qualität der angebotenen Deutsch- und Alphabetisierungskurse zu gewährleisten.

Im Jahr 2015 wurden seitens der Integrationsstelle OÖ Deutschkurse für insgesamt 1.851 Teilnehmer/innen (Voraussetzung: Berechtigung zum dauerhaften Aufenthalt in Ö) in mindestens 74 Kursen von anerkannten Bildungsinstituten finanziell unterstützt – mit gesamt rund 340.000 Euro.

Nach Ressortübernahme wurde sehr schnell eine neue Strategie bei der Förderung umgesetzt: Kurse möglichst niederschwellig, also dezentral und möglichst ab Tag 1 in der Grundversorgung.

 

Neue Sprachförderrichtlinien rückwirkend seit 1. Jänner 2016

In der Sitzung der Oö. Landesregierung vom 29. Februar 2016 wurden die von Integrations-Landesrat Rudi Anschober vorgelegten Sprachförderrichtlinien einstimmig und rückwirkend ab 1. Jänner 2016 beschlossen.

Wesentlichste Änderung: Die Förderung von Sprach- und Alphabetisierungskursen bei gemeinnützigen Einrichtungen auch für Asylwerber/innen.

Zudem darin geregelt: Anforderungen an die Kursleiter/innen, Anzahl der Unterrichtseinheiten, Zielgruppe, Selbstbehalt für die Teilnehmer/innen.

Somit standen ab Frühjahr 2016 aus dem Budget des Integrationsressorts des Landes OÖ  für den Bereich der Sprachförderungen rund 1,3 Millionen Euro zur Verfügung.

Im Herbst wurde, gemeinsam mit dem Bundesministerium für Inneres, eine weitere Förderung von Deutsch- und Alphabetisierungskurse für Asylwerber/innen mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit ausverhandelt und befindet sich derzeit in Umsetzung. Dafür steht bis Ende des Jahres 2017 ein Fördertopf in Höhe von insgesamt 4,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Zusätzlich wurde ein Fördertopf im Integrationsressort von LR Anschober eingerichtet, der das Ablegen von Deutschprüfungen bei zertifizierten Instituten nach ehrenamtlich geführten Deutschkursen für Flüchtlinge finanzierbar machen soll. Denn die rund 10.000 Helfer/innen in ganz OÖ arbeiten in den Asylquartieren auch stark an den Deutschkenntnissen der Bewohner/innen, Überprüfungen und Zertifizierungen sind nötig, damit das Lernen für den weiteren Lebensweg bestmöglich nutzbar und quantifizierbar wird.

Durch diesen Prüfungstopf konnten bereits weitere 3.500 Asylwerber/innen Deutschprüfungen absolvieren.

Unterstützung für die freiwilligen Deutsch-Lehrenden bzgl. Trainingsmethoden gibt es über ein Expert/innentoll und Workshop-Angebot bei der Integrationsstelle OÖ, www.integrationsstelle-ooe.at

 

Aktuelle Zahlen, Daten, Fakten

Das flächendeckende Angebot an Deutsch- und Alphabetisierungskursen funktioniert gut, ebenso die dafür nötige Zusammenarbeit von Betreuungs- und Bildungseinrichtungen.

So wurden allein im Jahr 2016 in ganz OÖ von verschiedenen Anbietern 684 vom Land OÖ geförderte Kurse mit 8.385 Kursplätzen abgehalten.

Derzeit laufen 185 Sprachkurse, verteilt in ganz OÖ, mit 2.114 Teilnehmer/innen.

Rund 30 % der Sprachkurse finden in Linz statt, was der Anzahl von Asylwerber/innen in der Landeshauptstadt geschuldet ist sowie der besseren Erreichbarkeit aus dem Zentralraum, der Rest der Sprachkurse findet in den Regionen statt. Dies können einerseits die Bezirkshauptstädte sein, anderseits aber auch jene Gemeinden, in welchen sich ein Asylquartier befindet.

Aufstellung der derzeit angebotenen, vom Land OÖ geförderten Sprachkurse für Asylwerber/innen nach Bezirken, Stand 15. Februar 2017, (c) Integrationsstelle OÖ

Durchschnittlich besuchen 10 bis 12 Personen einen Sprachkurs, bei  Alphabetisierungskursen etwas weniger.

Bildungsinstitute, die derzeit die meisten Kurse für Asylwerber/innen anbieten in OÖ sind Arcobaleno, BFI OÖ, WIFI OÖ, VHS OÖ, VHS Linz.

Seit Bestehen des Fördertopfs für Deutschprüfungen bzw. Zertifizierungen Mitte 2016 haben rund 3.500 Asylwerber/innen Prüfungen abgelegt, über 3.000 davon erfolgreich. Die meisten davon im Sprachniveau A1 (rund 2.300 abgelegte Prüfungen) und A2 (rund 870 abgelegte Prüfungen). 26 Personen haben aber auch das Niveau B2 schon bestanden.

 

Ergänzende Angebote für andere Zielgruppen

Weitere Sprachkurse für Menschen nach dem Asylbescheid werden durch Förderungen von AMS bzw. ÖIF/ BMeiA in Oberösterreich für jeweils eigene Zielgruppen sowie durch weitere Projekte und freie Finanzierung angeboten. So konnten seither rund 4.000 bis 5.000 Menschen mit Asylbescheid Kurse in OÖ absolvieren.

Die Ausbildung samt Spracherwerb von jungen Schutzsuchenden im Pflichtschulbereich funktioniert in Oberösterreich sehr gut, ein wichtiger Meilenschritt. Derzeit sind 2.100 dieser Jugendlichen in den oö. Pflichtschulen, weitere 500 in weiterführenden Schulen.

Über den ÖIF haben im Jahr 2016 in Summe 1.304 bereits Asylberechtige und Subsidiär Schutzberechtigte in OÖ Sprachkurse erhalten. Davon 1.225 Personen über die beiden Förderschienen „Sonderkontingent“ und seit September 2016 auch „Startpaket Deutsch und Integration“ in den Niveaustufen Alpha bis B2.

Zusätzlich bietet der ÖIF intern Deutschkurse im Integrationszentrum Oberösterreich an. Hier werden neben Standard-Deutschkursen auch Berufssprachkurse und andere Sonderformate angeboten. Dabei konnten im Jahr 2016 79 Personen gefördert werden.

Auch seitens des AMS OÖ werden Sprachkurse für Menschen nach ihrem Asylbescheid gefördert, seit Beginn 2016 in Summe 1.670 Personen. Im Jahr 2016 haben in OÖ 1.231 Personen mit Asyl-Status einen Deutschkurs besucht.
Im Jahr 2017 waren dies in OÖ bisher 439 Personen, davon befinden sich aktuell 313 Personen in Deutschkursen.

Rund 500 Asylberechtigte besuchen Deutschkurse als „freie Kursteilnehmer/innen“ beim BFI, d.h. sie bezahlen die Kursgebühren selbst oder werden aus anderen Projekten unterstützt.

Für Fachkräfte werden zusätzlich eigene Kurse angeboten und finanziert, etwa seitens der OÖ. Ärztekammer Fachsprachkurse von Ärzt/innen für Ärzt/innen.

 

Trendwende auch auf Bundesebene: Förderungen für Menschen ab Tag 1

Einige Monate nach OÖ hat auch das Innenministerium eingelenkt und die Förderung von Sprachkursen der Niveaus A0 (Alphabetisierung) und A1 (elementare Sprachverwendung) bereits für Asylwerber/innen zum Zwecke der Integration gestartet.

In Begutachtung befindet sich gerade der Entwurf zu einem Integrationsjahr für Asylwerber/innen (ArbeitsmarktintegrationsG) mit Kompetenzcheck, Integrationspass, Deutschkursen, Qualifizierungs-maßnahmen und später auch Integrationsbeihilfen für Unternehmen, die Asylberechtigte oder Subsidiär Schutzberechtigte nach dem Integrationsjahr anstellen. Das kann eine Chance sein, hängt jedoch ganz stark von der Umsetzung ab.

LR Anschober: „Ich bin sehr froh, dass die Bundesregierung Bestrebungen auf die Gruppe der Asylwerber/innen ausweiten will, damit wird eine Forderung der Länder erfüllt. Nach wie vor plädiere ich allerdings auch für einen Bund-Länder-Vertrag gerade im Bereich der Sprachkurse: eine klare, langfristige Regelung mit Finanzierungsschlüssel, Zielgruppen, Zuständigkeiten würde die Abwicklung der Kurse zwischen den verschiedenen Stellen maßgeblich erleichtern und vielleicht noch weiße Flecken bei Zielgruppen, Sprachniveaus oder Standorten aufdecken.“