23 Februar 2017

Ergebnisse der Befragung von Helfer/innen im Flüchtlingsbereich & Neue Landkarte

OÖ hilft hervorragend zusammen. Tausende Unterstützer/innen machen es möglich, dass Integration gelingt.

In OÖ konnten die Herausforderungen, die die Fluchtbewegung aus Kriegsgebieten nach Oberösterreich ausgelöst haben, gut bewältigt werden. Die Quartiere wurden für alle rund 20.000 Asylwerber/innen seit 2017 geschaffen, nun sind wir in die Integration gut gestartet. Eine große Mehrheit der oö. Bevölkerung unterstützt dies. Hauptverantwortlich dafür ist die breite Allianz des ZusammenHelfens von NGOs, Bildungsinstitutionen, Kirchen, Gemeinden, Behörden und vor allem der großartigen Zivilgesellschaft, die Integration aktiv mitgestaltet.

LR Rudi Anschober: „Dieses Netzwerk Integration in Oberösterreich ist einzigartig in ganz Europa, rund 10.000 Helfer/innen sind bei uns aktiv. Oftmals haben sie ihre Hilfe an den Bahnhöfen und Grenzübergängen gestartet und unterstützen heute Menschen in den Asylquartieren in OÖ z.B. beim Deutschlernen, bei Arbeits- oder Wohnungssuche, bei der Integration. Bereits rund 200 Initiativen sind aktiv, auch 2016 sind viele neu dazu gekommen. Mir ist wichtig, dass diese Helfer/innen als große Stütze der Integration in OÖ, auch die passende Unterstützung bekommen, nämlich punktgenau da, wo gerade ihr Bedarf besteht. Auch deshalb wurde im November 2016 eine Befragung der Initiativen im Flüchtlingsbereich gestartet – nun liegen, nach tollem Rücklauf, die ersten Ergebnisse samt einer Landkarte, die Initiativen in ganz OÖ aufzeigt, vor.“

Die Erkenntnisse und Forderungen der Helfer/innen aus der Befragung werden von LR Anschober bestmöglich in seine tägliche Arbeit eingebaut und entsprechende Maßnahmen gesetzt bzw. geschaffen.

 

Initiativen-Befragung von „ZusammenHelfen in OÖ“

Ablauf der Befragung

Um alle freiwilligen Initiativen flächendeckend in Oberösterreich zu erfassen, hat die Stelle „ZusammenHelfen in OÖ – Gemeinsam für geflüchtete Menschen“ am 23. November 2016 den Startschuss für die „Initiativen-Befragung“ gegeben. Die Initiativen wurden per Mail, Post oder telefonisch informiert. Bis zum 10. Februar 2017 konnten VertreterInnen der Initiativen das Online-Formular ausfüllen und die Fragen beantworten. Teilweise wurde auch postalisch und telefonisch bei den Initiativen nachgefragt, um möglichst viele zu erreichen und in die Befragung aufzunehmen. Da sich noch weitere Initiativen gemeldet haben, wird die Befragung fortgesetzt.

 

Allgemeine Daten

Von den rund 200 Initiativen in ganz OÖ haben bis einschließlich 10. Februar 2017 bereits 118 an der Befragung teilgenommen, die nun auch für den vorliegenden Bericht ausgewertet wurden. Aber täglich beteiligen sich noch weitere Initiativen.

Berücksichtigt wurden bei der Auswertung zudem die Ergebnisse der „1. HelferInnenbefragung 2016“, um mögliche Parallelen und/ oder Veränderungen aufzuzeigen.

 

Initiativen nach Bezirken

In Oberösterreich wurde von Beginn an der Fokus auf möglichst kleine Quartiere, möglichst dezentral verteilt auf alle Bezirke gelegt. Dies zeigt sich nun auch bei der Verteilung der Initiativen, die quer durch OÖ verteilt sind.

LR Anschober: „Aus den bisherigen Erfahrungen und Rückmeldungen wissen wir, dass sich bei den allermeisten Quartieren rund um den Bezug auch eine Gruppe an Unterstützer/innen gegründet hat, die beim Alltag der neuen Mitbewohner/innen in den Gemeinden behilflich waren.“

Abbildung 1: Initiativen nach Bezirken; n=118, (c) ZusammenHelfen in OÖ

 

Zeitpunkt der Gründung

Mehr als die Hälfte der freiwilligen Initiativen in Oberösterreich, nämlich 70 Gruppierungen, wurden im Jahr 2015 gegründet. 20 Initiativen wurden bereits vor 2015 gegründet und sind nach wie vor tätig. 28 Gruppen gründeten sich im Jahr 2016.

Aus diesen Angaben ist ersichtlich, dass viele der Freiwilligen sehr rasch reagiert haben und sich schon 2015 – also am Beginn der dramatischen Fluchtbewegung – zusammengeschlossen haben.

Abbildung 2: Gründungsjahr der Initiativen; n=118, (c) ZusammenHelfen in OÖ

 

Anzahl der Unterstützer/innen in den Initiativen

Im Online-Formular wurden Fragen zur Anzahl der Freiwilligen der Kernmannschaft gestellt. Um hier eine Differenzierung vornehmen zu können, wurde die Anzahl der Freiwilligen zu Beginn der Initiative und die aktuelle Anzahl der Freiwilligen abgefragt.

Abbildung 3: Anzahl der Freiwilligen zu Beginn der Initiative; n=114, (c) ZusammenHelfen in OÖ

Abbildung 4: Aktuelle Anzahl der Freiwilligen je Initiative; n=115, (c) ZusammenHelfen in OÖ

 

Mag.a Nicole Sonnleitner (ZusammenHelfen in OÖ): „Viele Initiativen konnten zu Beginn gleich mehr als 10 Freiwillige motivieren – 17 Initiativen hatten zu Beginn sogar gleich mehr als 50 Freiwillige. Aktuell können die meisten Initiativen auf 11 bis 30 Freiwillige zurückgreifen. 23 Initiativen haben derzeit mehr als 50 Freiwillige.  Zusätzlich können sich die meisten Initiativen noch auf bis zu 10 weitere Unterstützer/innen verlassen, die z.B. punktuell bei Veranstaltungen aushelfen oder finanziell mitwirken.“

 

Aktivitäten und Angebote der Initiativen

Für geflüchtete Menschen bieten die freiwilligen Initiativen in OÖ vielfältigste Aktivitäten und Hilfeleistungen an. Die Antwortmöglichkeiten wurden offen, punktuell formuliert – und danach Überbegriffen zugeordnet, siehe Grafik 5. Die breite Palette an aufgelisteten Aktivitäten zeigt, wie viele Lebensbereiche von geflüchteten Menschen durch freiwillig Engagierte gestaltet werden.

Im Vergleich zur 1. Helfer/innen-Befragung, bei der 800 Teilnehmer/innen konkrete Unterstützungsnotwendigkeiten für geflüchtete Menschen genannt haben, zeigt sich heute, dass genau in diesen Bereichen heute gearbeitet wird. Beispiel: 2016 wurde die Sprachförderung als umfassendste Notwendigkeit der Unterstützung erkannt, 2017 liegt der Fokus der Arbeit der Initiativen auf Sprachkursen.

Abbildung 5: Aktivitäten der Initiativen; n=117, (c) ZusammenHelfen in OÖ

 

Besondere Projekte

Auf die Frage, auf welche drei Projekte die Initiative besonders stolz ist, antworteten 111 Initiativen mit unterschiedlichen Angaben, die sich meistens mit den vorher angeführten Aktivitäten decken. Dennoch wurden auch Projekte wie Filmabende, Integrationsfeste, eine Sommerschule für Kinder, der Aufbau von Buddy-Systemen, Benefizkonzerte und ähnliches angegeben. Diese Auflistung zeigt die Vielfalt an Ideen und Angeboten!

 

Vernetzung: Netzwerk Integration in OÖ – ZusammenHelfen in OÖ

Ziel von LR Anschober ist es, dass die Integrationsarbeit von Land OÖ bis zu den freiwilligen Helfer/innen mit allen Partner/innen und Ebenen bestmöglich koordiniert abläuft. Aus diesem Grund wurde schon früh die Plattform „ZusammenHelfen in OÖ“ als Anlaufstelle für sämtliche Infos im Integrationsbereich gegründet sowie in allen Bezirken die Regionalen Kompetenzzentren für Integration (ReKIs) eingerichtet.

Nun sind die Strukturen noch weiter fortgeschritten: In Steuerungsgruppen von Land OÖ, allen oö. Bezirken und in vielen Gemeinden werden mit den jeweiligen Partner/innen vor Ort – von Quartiergeber/innen bis Bildungseinrichtungen, Exekutive und freiwilligen Initiativen – werden die Fragen der Integration, Trends und Herausforderungen regelmäßig besprochen und weitergegeben.

Dass diese Strukturen greifen und willkommen sind, zeigen die Antworten auf folgende Fragen:

Die Frage, ob die Plattform „ZusammenHelfen in OÖ“ und ihre Angebote bekannt sind, wurde von einer großen Mehrheit bejaht. 102 Initiativen ist die Anlaufstelle mit den Angeboten bekannt. Lediglich 15 Initiativen ist die Plattform „ZusammenHelfen in OÖ“ nicht bekannt. Als Anregung zur Optimierung wurde v.a. der Wunsch nach mehr Regionalisierung deutlich.

81,48 Prozent der Initiativen sind an einer Vernetzung mit anderen freiwilligen Initiativen in Oberösterreich interessiert. Exakt 20 der befragten Initiativen, haben kein Interesse an einer Vernetzung.

45 freiwillige Initiativen haben zusätzlich die bevorzugte Art und Weise der Vernetzung mit anderen Initiativen angegeben. Die meisten Initiativen wünschen sich einen Austausch per E-Mail, knapp gefolgt von Austausch- bzw. Bezirkstreffen zur Vernetzung.

 

Optimierungen, Wünsche, Bedürfnisse, Herausforderungen

Die Frage nach Hindernissen bzw. Verbesserungsvorschlägen betreffend der eigenen Initiative, wurde von 57 Initiativen beantwortet. Davon haben 15 Initiativen angegeben, dass es aktuell keine Verbesserungsvorschläge oder Hindernisse gibt.

Die kommunizierten Vorschläge betreffen v.a. Asylverfahren und den Mangel an Ressourcen, viele Nennungen gab es auch in Bezug auf die Freiwilligen selbst: die zeitliche Belastung sowie die Motivation neuer Freiwilliger steht dabei im Vordergrund.

Abbildung 6: Hindernisse bzw. Verbesserungsvorschläge; n=57, (c) ZusammenHelfen in OÖ

 

Zu den genannten Kategorien einige Antworten der Initiativen:

 

Räumlichkeiten:

„Unsere größte Herausforderung ist es, mehr ehrenamtliche Mitarbeiter für die über 200 Personen im Quartier zu finden und dass es vor Ort KEINEN Gemeinschaftsraum gibt. […]“

„Wir brauchen unbedingt Räumlichkeiten für unseren Kost-Nix-Laden und unser Möbellager. […]“

 

Ressourcen:

„Zeitliche Belastung auf Dauer für Berufstätige manchmal schwierig“

„Hindernisse nein, Verbesserungsvorschläge viele: aber aus einem einzigen Grund nicht durchführbar: aus ZEITMANGEL bei ALLEN“

 

Mehr Freiwillige:

„Es braucht immer wieder neue MitarbeiterInnen im Laufe der Jahre - Ein- und Ausstiegsszenarien sind immer wichtiger.“

„Einbindung der städtischen Jugendlichen, Wiederaktivierung der Ehrenamtlichen.“

 

Finanzielle Mittel:

„Finanzielle Unterstützung für öffentliche Verkehrsmittel zu den Sprachkursen und für Fahrten zum Sozialmarkt.[…]“

„Mehr freiwillige Helfer, mehr finanzielle Mittel um Projekte umzusetzen.“

 

Mangel an Kooperation:

„Zusammenspiel NGO (nur mobile Betreuung!)/privater Betreiber/Ehrenamtliche ist sehr mühsam […]“

„Kooperationsbereitschaft mancher privater Quartiergeber“

 

Bundesamt für Fremdwesen und Asyl:

„Schwierigkeit, dass im Asylverfahren sehr wenig weiter geht.“

„Zu lange Wartezeiten für das 1. Interview.“

„Wir leiden sehr darunter, dass wir Großteils Menschen mit Dublin Status haben. Immer wieder werden Menschen früh morgens abgeholt, ohne dass man sich verabschieden kann. Dann kommen wieder neue nach und es kostet viel Zeit und Energie, sich wieder "anzufreunden". Es fällt schwer, sich auf Dauer zu motivieren.“

 

Arbeitsmöglichkeit

„Beschäftigung schaffen.“

„Arbeitsmöglichkeiten für Asylwerber erleichtern.“

 

Landkarte mit den Initiativen in OÖ

Um möglichst viele Initiativen samt Kontaktdaten in den oö. Gemeinden bestmöglich darzustellen, wurde eine Landkarte installiert, die aktuell 120 Initiativen abbildet, weitere sollen folgen.

Online unter zusammenhelfen.ooe.gv.at

(c) Land OÖ

 

Aktuelle Angebote des Landes OÖ für Helfer/innen

Folgende Anlaufstellen, Angebote und Initiativen sollen Vernetzung und Know-how-Weitergabe ermöglichen:

  • ZusammenHelfen in OÖ: zusammenhelfen.ooe.gv.at
  • Integrationsstelle OÖ: integrationsstelle-ooe.at
  • Regionale Kompetenzzentren für Integration und Diversität „ReKIs“: eingerichtet von Caritas und Volkshilfe je Bezirk

Auf Initiative der Ist OÖ wurden Expert/innenpools zu verschiedenen Themenbereichen eingerichtet, etwa Arbeitsmarkt, Freiwilligenarbeit, Rechtsinfo, Bildung, Sprachförderung oder Umgang mit Traumatisierung. Die Workshops werden – nach Anfrage – bezirksweise angeboten, können aber auf Anfrage auch konkret in einer Gemeinde stattfinden – und sind kostenlos.

Regelmäßige Fachkonferenzen wie die Integrationskonferenz, die Konferenz der Integrationsbeauftragten der Gemeinden, die Helfer/innenkonferenz, die Quartiergeber-Konferenz etc. vernetzen alle Beteiligten, geben Ideen und vermitteln Inhalte.

Newsletter „Integration“ von LR Rudi Anschober mit monatlich neuen Infos zu Integration & Asyl in Oberösterreich – aktuelle Entwicklungen, Hintergrundinfos, neue Initiativen und Tipps zu Artikeln und Broschüren hilfreich für die tägliche Arbeit. Anmeldung über www.anschober.at > Asyl & Integration

Sämtliche Broschüren zu relevanten Themen im Bereich der Flüchtlingshilfe stehen unter zusammenhelfen.ooe.gv.at zum kostenlosen Download zur Verfügung.