20 April 2018

Gelingt in Oberösterreich die Integration von Asylberechtigten am Arbeitsmarkt?

Aktuelle Daten, Fakten und Trends

Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist der Schlüssel zur Selbständigkeit und zur Integration von Flüchtlingen. Die Arbeitsmarktintegration ist der wichtigste Teil der Integrationsoffensive Oberösterreichs. Für Asylwerbende in Österreich herrscht während ihres laufenden Verfahrens größtenteils Arbeitsverbot. Das ist ein großes Problem: Denn aufgrund der jahrelangen Dauer der Asylverfahren droht der Verlust mitgebrachter Qualifikationen und der Tagesstruktur. Erst nach einem Positivbescheid ist der Arbeitsmarktzugang allgemein möglich.

Wir arbeiten in Oberösterreich gezielt daran, die Fitness für den Arbeitsmarkt während der Asylverfahren nicht nur zu erhalten, sondern zu verbessern - durch Deutschkurse für alle Asylwerbenden, durch Beschäftigung, wo immer dies möglich ist, schon für Asylwerbende.

Die ersten Schritte der Arbeitsmarktintegration sind in Oberösterreich auch deshalb erfreulich positiv gelaufen. Alleine 2017 wurden laut den Daten der Grundversorgung OÖ 3.241 Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte aus der Grundversorgung entlassen. In den letzten Jahren schafften laut den Zahlen des AMS OÖ immer mehr Betroffene den Abgang in den Arbeitsmarkt, 2017 waren es bereits 1.704 Personen. Hauptgründe: ein ausgeprägter Wille zum Job, die erstmalige Deutschausbildung bereits für Asylwerber/innen, der Start von Qualifizierungsmaßnahmen für Nichtqualifizierte und einer engagierten Nostrifizierungsberatung für Gutqualifizierte, die starke Mithilfe von NGOs und Zivilgesellschaft, erfolgreiche Arbeitsmarktprojekte, eine gute Konjunktur in Oberösterreich und eine recht positive Stimmung in der Wirtschaft gegenüber Flüchtlingen. Erschwernis: Das weitgehende Arbeitsverbot während der langen Dauer der Asylverfahren und damit Gefahr des Verlustes der Tagesstruktur. Die ersten Schritte sind erfreulich, aber noch ist sehr viel zu tun.

Integrations-Landesrat Rudi Anschober fordert daher eine Arbeitsmarktoffensive, die Integration und Selbstständigkeit schafft und Kosten für Mindestsicherung der öffentlichen Hand verringert. Dazu zählen: Qualifizierungsoffensive für Nichtqualifizierte, Verbesserungen bei der Nostrifizierung, Fortsetzung des Deutschtrainings ab dem ersten Tag, kontrollierter Arbeitsmarktzugang ab dem sechsten Monat, Sicherheit in der Ausbildung (z.B. für Asylwerbende in Lehre). Alleine in Oberösterreich befinden sich über 300 Asylwerbende in Lehre. Knapp 500 Asylwerber/innen gehen einer gemeinnützigen Tätigkeit in den Gemeinden nach.

Die offensive Vorbereitung auf die Arbeitsmarktintegration funktioniert in Oberösterreich: über 20.000 Teilnehmer/innen an Deutschkursen, Offensive bei Alphabetisierung, Basisbildung und dem Nachholen des Pflichtschulabschlusses sowie Beschäftigungsmöglichkeiten, wo immer dies rechtlich möglich ist. Dazu zählen:

  • Lehrausbildung in Mangelberufen für Asylwerbende bis 25 Jahre: bereits über 300 Lehrplätze in Oberösterreich
  • Gemeinnützige Tätigkeiten: knapp 500 Personen
  • Saisonarbeit: mit Mitte April 2018 gibt es 136 aufrechte Beschäftigungsbewilligungen, v.a. für Landwirtschaft und Tourismus
  • Dienstleistungsscheck: allein in Februar 98 Dienstleistungsschecks

 

Allgemeiner Überblick über die Entwicklung der Beschäftigung (Grafiken (c) AMS OÖ)

Seit 2015 ist ein kontinuierliches Wachstum aller Gruppen der Aktivbeschäftigten zu beobachten. Bei Betrachtung nach Nationalitäten  ist der Anstieg  bei Arbeitskräften aus der EU/EWR und Schweiz bzw. aus Drittstaaten durchgehend seit 2012 zu sehen.

Bei Betrachtung des Jahres 2017 zeigt sich dass der Anteil von Drittstaatsangehörigen an den gesamten unselbständigen Aktivbeschäftigten bei 6,6 % liegt. Eine Filterung nach Asylberechtigten unter den Drittstaatsangehörigen bei den Aktivbeschäftigten ist dem AMS nicht möglich.

 

Überblick über arbeitslose oder in Ausbildung befindliche Personen nach Gruppen:

Unter Ausländer/innen sind alle Personen zusammengefasst, die nicht über die österreichische Staatsbürgerschaft verfügen.

Aus der Auswertung ist ersichtlich, dass bei Asylberechtigten mehr Qualifikationen für den Arbeitsmarkt erforderlich sind. Vorrangig in Bezug auf mangelnde Deutschkenntnisse, fehlende zusätzliche Qualifikationen bzw. Teilqualifikationen.  Der Anteil von Personen in Ausbildung belief sich im Jahr 2017 bei den vorgemerkten Asylberechtigten bei durchschnittlich 39%.

Zugang zum AMS nach Nationalitäten:

Abgang in Arbeit und durchschnittliche Vormerkdauer nach Nationalitäten:

Von den 7176 zugegangenen Asylberechtigten im Jahr 2017 meldeten sich  ca.23% aufgrund einer Arbeitsaufnahme vom AMS ab.