25 August 2015

Grüne Jobs in Oberösterreich - Prognose der Jobentwicklung 2015 & Untersuchung der Job-Auswirkungen der Umwelt- und Energieförderungen in Oberösterreich durch die JKU Linz

Oberösterreich hat sich in den vergangenen 12 Jahren in vielen Bereichen zu einer Modellregion der Umweltqualität in Europa entwickelt – Energiewende,  Klimaschutz, Entwicklung der Abfallwirtschaft in Richtung Kreislaufwirtschaft, Miteinander von Umwelt und Wirtschaft, grüne Jobs – Oberösterreich ist vorne.  Umweltschutz ist in einer Industrieregion ebenso erfolgreich umsetzbar, vielmehr noch, Umwelttechnologien bieten eine tolle Zukunftschance für den Wirtschaftsstandort. Oberösterreich ist auf dem Weg zu Europas Kompetenzzentrum für grüne Technologien. Schon jetzt zählen Oberösterreichs Unternehmen aus den Bereichen Biomasseheizkessel oder Wechselrichter zu den Technologie- und Weltmarktführern.  Oberösterreich erspart sich durch die Energiewende bereits jährlich über 1 Mrd. Euro an Energieimporten und 8 Mio. Tonnen CO2-Emissionen. Vor sechs Jahren hat Landesrat Rudi Anschober 50.000 Ökojobs (incl Handel und Öffentlicher Verkehr) bis Ende 2015 für Oberösterreich als sehr ambitionierten Richtwert definiert. Eine aktuelle Untersuchung des Energie-Instituts und Instituts für Volkswirtschaft an der JKU zeigt, dass dieses Ziel trotz einer globalen Wirtschafts- und Finanzkrise der letzten Jahre erreichbar scheint und prognostiziert 49.200 Beschäftigte in diesen Bereichen für Ende 2015. Weltweit steigen die Regionen in Energiewende und Klimaschutz ein - das schafft große neue Märkte für grüne Technologien auch aus Oberösterreich. So wird alleine im Bereich der Bioenergie der Bedarf an neuen Green Jobs in Europa mit einer Million beziffert.

Grüne Jobs

green jobs werden sowohl national als auch international als vielversprechende Beschäftigungsform angesehen, welche durch klima- und umweltpolitische Maßnahmen und Regelungen stimuliert werden kann. Somit werden – analog zur Theorie der doppelten Dividende umweltpolitischer Maßnahmen – mehrere Ziele (ökologische und ökonomisch) gleichzeitig abgedeckt. Welchen Umfang jedoch dieses Arbeitsmarktsegment tatsächlich besitzt, welche Berufe erfasst werden und welche sozioökonomischen Konsequenzen dies impliziert, kann je nach angewandter Definition unterschiedlich ausgelegt werden. Eine standardisierte Arbeitsdefinition von green jobs für Institutionen, Regierungen und Wirtschaft ist notwendig, um eine bessere Arbeitsmarktpolitik zu führen und Veränderungen in der (grünen) Wirtschaft zu messen bzw. zu vergleichen.

 

Aktuelle statistische Definition unzureichend

Die aktuelle sogenannte „EGSS“ Definition (Umweltorientierte Produktion und Dienstleistungen) von Eurostat spart jedenfalls so wichtige Bereiche wie den Handel mit Umweltprodukten oder auch den öffentlichen Verkehr aus. So werden hierbei nur die Technologien, Produkte und Dienstleistungen berücksichtigt, welche den Umwelt- und Ressourcenschutz als ihr oberstes Produktionsziel haben. Waren und Dienstleistungen, welche nicht in erster Linie für Umweltzwecke zur Verfügung gestellt werden, werden durch dieses Konzept nicht erfasst. Produkte, die hauptsächlich menschliche, technische oder wirtschaftliche Anforderungen für Gesundheit und Sicherheit erfüllen, sind demnach ausgeschlossen. Aber auch zB Trinkwasserversorgung oder der Schutz von Naturkatastrophen sind nicht enthalten. Und auch der öffentliche Verkehr fällt nach dieser Definition heraus, da sein Hauptzweck nicht im Umweltschutz liegt [1]. Bei „gemischten“ (nicht-spezialisierten) Unternehmen, welche nicht ausschließlich im Bereich des Umweltschutzes und des Ressourcenmanagements produzieren, wird jährlich der Umweltanteil an Umsatz und Beschäftigten telefonisch erhoben. Für eine detaillierte Darstellung der Erhebung der Anteile von green jobs in den jeweiligen Wirtschaftssektoren sei auf Statistik Austria (2012) oder die Langfassung der Studie verwiesen.

 

UNO (UNEP) kritisiert diese Darstellung

Die Organisationen International Labour Organisation (ILO) und United Nations Environment Programme (UNEP) hinterfragen diesen Ansatz kritisch, da es zwar viele Technologien, Arbeitsprozesse, Produkte und Dienstleistungen gibt, welche den ökologischen Fußabdruck verringern können, jedoch der nachhaltig ökologisch positive Effekt auf die Wirtschaft nur marginal sein kann [2]. Ideal wären somit wirtschaftliche Aktivitäten, welche einerseits keine Verschmutzung generieren und andererseits Effizienz mit Ressourcen, Wasser und Energie gewähren. Demnach ist es für die Einteilung einer Beschäftigung als green job wichtig, dass diese sichtlich zur Erhaltung bzw. Erneuerung des Ökosystems beisteuert und zukünftige Umweltschäden hemmt. Dabei handelt es sich laut UNEP et al. (2008) um Arbeitsplätze in den Bereichen Landwirtschaft, Produktion, Installation und Instandhaltung, ebenso wie wissenschaftliche, administrative und serviceorientierte Aktivitäten, die hauptsächlich zur Erhaltung und Stärkung der Umwelt unterstützen, indem die Nutzung von Energie, Ressourcen und Wasser verringert wird. Im Vergleich zu den Definitionen der Eurostat werden in UNEP et al. (2008) ebenfalls soziale Kriterien eingeführt. Dies führt dazu, dass für eine Einstufung einer Arbeit als green job eine angemessene Entlohnung, ein sicherer Arbeitsplatz, die Wahrung von ArbeitnehmerInnenrechten und die Möglichkeit zur Organisation von Gewerkschaften notwendig sind, sodass ebenfalls die Eigenschaften eines decent job erfüllt sind.

 

green jobs in Oberösterreich

Im Auftrag des Umwelt- und Energieressorts des Landes Oberösterreich haben das  Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität Linz und das Institut für Volkswirtschaftslehre an der JKU eine Untersuchung zum Status Quo der green jobs in Oberösterreich durchgeführt. Weiters wurden auch Berechnungen und Prognosen bis zum Jahr 2020 vorgenommen.

Unter Berücksichtigung des öffentlichen Verkehrs sowie des Groß- und Einzelhandels ergab sich im Zeitraum 2008-2011 eine Anzahl an green jobs in Oberösterreich von ca. 43.500.

 

Status Quo in Österreich

Laut Statistik Austria ergibt sich für das Jahr 2013 eine vorläufige Anzahl von Beschäftigten im Bereich der umweltorientierten Produktion und Dienstleistung von 185.122 Beschäftigten bei einem Umsatz von 36,2 Mrd. € (siehe Tabelle 1). Dabei wurden ca. 36% des Umsatzes (ca. 13,1 Mrd. €) durch etwa 51 % der Beschäftigten (ca. 95.150 Beschäftigte) durch Umweltschutzaktivitäten erzielt und 64% (ca. 23,1 Mrd. €) des Umsatzes durch das Ressourcenmanagement mit 49 % des Beschäftigtenniveaus (bzw. 89.970 Beschäftigte) generiert.

Tabelle 1: Umsatz und Beschäftigung in der Umweltwirtschaft und im Ressourcenmanagement, Österreich, 2008-2013

Quelle: Statistik Austria

 

Status Quo in Oberösterreich

Zum Zeitpunkt der Erstellung der Studie sind seitens der Statistik Austria Daten bezüglich des Umsatzes und der Beschäftigung des Umweltschutzes / Ressourcenmanagements auf der Ebene Oberösterreichs nur für den Zeitraum 2008-2011 verfügbar. Die Ergebnisse weisen für Oberösterreich im Jahr 2011 im Bereich der umweltorientieren Produktion und Dienstleistung einen Umweltumsatz von 7,7 Mrd. € und ein Beschäftigungsniveau von 34.736 Personen auf. 27 % des Umsatzes (ca. 2,1 Mrd. €) entfallen auf Umweltschutzaktivitäten, welche mit 48 % (ca. 16.690 Beschäftigte) zum Beschäftigungsniveau des Segmentes Umweltwirtschaft beitragen. Somit wurden 73 % des Umsatzes (ca. 5,6 Mrd. €) von 52 % der Umweltbeschäftigten (ca. 18.100 Beschäftigte) im Ressourcenmanagement erwirtschaftet.

  • 39 % der Umweltbeschäftigten (ca. 13.590 Beschäftigte) waren 2011 im Dienstleistungsbereich [3] tätig und erzielten dabei 32 % (ca. 2,5 Mrd. €) des Umweltumsatzes.
  • 42 % (ca. 3,3 Mrd. €) des Umsatzes und 38 % der Beschäftigten (ca. 13.190 Personen) betrafen die Herstellung umweltfreundlicher Güter [4].
  • Verbundene Güter [5] kamen auf 5 % des Umsatzes (ca. 0,4 Mrd. €) und 5 % der Beschäftigten (ca. 1.790 Personen).
  • End-of-pipe-Technologien [6] erbrachten 5 % (ca. 0,4. Mrd. €) des Umsatzes mit 5 % der Beschäftigten (ca. 1.820 Beschäftigte).
  • Integrierte (saubere) Technologien [7] erwirtschafteten 16 % (ca. 1,2 Mrd. €) des Umsatzes. 13 % der Beschäftigten (ca. 4.460 Personen) waren in diesem Bereich aktiv.

Nach internationaler Definition wird der öffentliche Verkehr sowie der Groß- und Kleinhandel nicht als Teil der EGSS ausgewiesen. Da der öffentliche Verkehr (Personenbeförderung im Eisenbahnfernverkehr, die Güterbeförderung im Eisenbahnverkehr sowie die relevanten Anteile an der sonstigen Personenbeförderung im Landverkehr) aber umweltfreundlicher als der Individualverkehr ist, ist die Quantifizierung der Umweltbeschäftigten im öffentlichen Verkehr durchaus zu rechtfertigen.

Auf oberösterreichischer Ebene können nach eigenen Berechnungen basierend auf Daten der Statistik Austria ca. 4.900 Umweltbeschäftigte im öffentlichen Verkehr im Jahr 2011 gemessen werden. Der relative Anteil von möglichen green jobs im öffentlichen Verkehr lag somit 2008 und 2011 bei ca. 11 %.

Der Handel mit Umweltprodukten ist in dem Konzept von Eurostat ebenfalls nicht enthalten. Dieser wird deshalb ausgeschlossen, da die Integration zu einer Überschätzung des Umweltumsatzes durch Doppelzählungen führen könnte, falls die entsprechenden Umwelterzeugnisse bereits bei ihrer Produktion berücksichtigt wurden. Bei der Betrachtung der Umweltbeschäftigten ist dieses Phänomen allerdings kaum relevant.

Auf oberösterreichischer Ebene können nach eigenen Berechnungen basierend auf Daten der Statistik Austria ca. 3.700 Umweltbeschäftigte im Groß- und Kleinhandel im Jahr 2011 gemessen werden. Der relative Anteil von möglichen green jobs des Groß- und Kleinhandels lag somit 2008 und 2011 bei ca. 9 %.

Tabelle 2 bietet einen Überblick dazu.

Tabelle 2: Beschäftigung in der Umweltwirtschaft und im Ressourcenmanagement (=green jobs) inkl. öffentlichen Verkehr sowie Groß- und Kleinhandel , Oberösterreich, 2008-2011

 Quelle: Statistik Austria und eigene Berechnungen

 

Wachstumspotenzial in Oberösterreich von green jobs

Mittels verschiedener Wachstumsprognosen ergibt sich in 2020 eine Anzahl zwischen 47.100 bzw. 55.700 Umweltbeschäftigten (inkl. öffentlichen Verkehr und Handel).

Insgesamt wurden drei verschiedene Szenarien für das Wachstumspotenzial von green jobs aufbereitet:

  • Szenario 1: Weiterführung eines gewichteten geometrischen Mittelwertes der Wachstumsraten der österreichischen Umweltbeschäftigten von 2008 bis 2013

    Es werden die letzten Jahre höher gewichtet (d.h. beginnend bei der Wachstumsrate der Periode 2008 auf 2009 mit einer Gewichtung von 10 %, steigt die Gewichtung jedes Jahr um 5 % an, bis, bei der Wachstumsrate der Periode 2012 auf 2013, eine Gewichtung von 30 % erreicht ist).
  • Szenario 2: Weiterführung der Prognose der Gesamtarbeitsmarktstatistik für Oberösterreich des AMS und WIFO und Beibehaltung der konstanten Anteile an green jobs in den Wirtschaftssektoren des Jahres 2011
  • Szenario 3: Weiterführung der Prognose der Gesamtarbeitsmarktstatistik für Oberösterreich mit dynamischen Anteilen an green jobs in den Wirtschaftssektoren

    Die dynamischen Anteile beziehen sich darauf, dass die Anteile an green jobs in den oberösterreichischen Wirtschaftssektoren mit der Wachstumsrate der Anteile an green jobs in den österreichischen Wirtschaftssektoren von 2008 bis 2013 wachsen bzw. sinken.

Insgesamt kommt es durch das inkludieren der Beschäftigten des öffentlichen Verkehrs sowie den Umweltbeschäftigten im Groß- und Einzelhandel in allen drei Szenarien zu einem Anstieg der Beschäftigtenanzahl zwischen 8.200 und 9.000 Personen im Jahr 2020. Bis zum Jahr 2020 beläuft sich die Anzahl an green jobs (inkl. der Beschäftigten des öffentlichen Verkehrs sowie die Umweltbeschäftigten im Groß- und Einzelhandel) auf 47.600 bis 55.700 Personen in Oberösterreich.

Tabelle 4-2: Wachstumsprognosen für green jobs inkl. öffentlichen Verkehr und Umweltbeschäftigten des Groß- und Einzelhandels in Oberösterreich

Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Daten von Statistik Austria AMS/WIFO (2014)
WIE WIRKEN SICH DIE UMWELT- UND ENERGIEFÖRDERUNGEN IN OBERÖSTERREICH  AUS

Doppelte Dividende für Oberösterreich: die Umwelt- und Energieförderung in OÖ bringen signifikante Wertschöpfungs- und Beschäftigungszuwächse

Über den Zeitraum von 2009 bis 2013 wurden 19.554 Förderungsfälle mit einem Förderbarwert von ca. 64 Mio. € und einem Investitionsvolumen von ca. 322 Mio. € positiv erledigt. Dies bedeutet, dass für den Beobachtungszeitraum durchschnittlich 3.911 Förderungsfälle pro Jahr mit einem Förderbarwert von durchschnittlich 13 Mio. € pro Jahr und einem Investitionsvolumen von durchschnittlich 64 Mio. € pro Jahr durchgeführt wurden (siehe Tabelle 1).

Die Studie zeigt, dass die Umwelt- und Energieförderung des Landes Oberösterreich signifikant positive volkswirtschaftliche Effekte im Zeitraum 2009 bis 2013 generiert hat. (siehe Tabelle 2) Parallel dazu wurden CO2-Emissionen eingespart, sodass eine doppelte Dividende des Förderprogramms vorliegt. Folgende Punkte sind für den Zeitraum 2009 bis 2013 festzuhalten: 

  1. Es zeigen sich positive Auswirkungen der Investitionen infolge der Umwelt- und Energieförderung auf das oberösterreichische Bruttoregionalprodukt (BRP). Insgesamt ergibt sich ein durchschnittlich um 105 Mio. € höheres jährliches BRP. Für die Anzahl der Beschäftigten ist eine durchschnittliche Steigerung von ca. 950 Personen pro Jahr zu verzeichnen.
  2. Durch den Anstieg der Beschäftigung kommt es zu einem Anstieg des Masseneinkommens, sodass über die Erhöhung des privaten Konsums wiederum positive Effekte auf die Volkswirtschaft generiert werden. Die Investitionen infolge des Förderprogramms sowie der Anstieg des privaten Konsums der Haushalte um 27 Mio. € pro Jahr infolge induzierter Effekte der Investitionsimpulse sind Auslöser der volkswirtschaftlich positiven Entwicklungen.
  3. Die Wertschöpfungsabflüsse durch den Import ausländischer Materialien und Technologien werden durch den Anstieg der Exporte infolge der allgemein positiven Wirtschaftsentwicklung überlagert. Durch den Anstieg der Beschäftigung kommt es zu einem Anstieg des Masseneinkommens, sodass über die Erhöhung des privaten Konsums wiederum positive Effekte auf die Volkswirtschaft generiert werden.
  4. Der ökologische Lenkungseffekt des Förderprogramms äußert sich in der Einsparung von ca. 88.000 t CO2 pro Jahr
  5. Im Rahmen des Förderprogramms wurden durch die Beschäftigungseffekte ca. 610 green jobs (ausgehend von der aktuellen Eurostat-Definition zur Umweltbeschäftigung) pro Jahr generiert (siehe Tabelle 3).

Tabelle 1: Investitionsvolumen, Fördervolumen und Investitionsvolumen ohne Förderungen im Rahmen der Umwelt- und Energieförderungen des Landes Oberösterreich im Zeitraum von 2009 bis 2013

Quelle: Eigene Darstellung basierend auf Land Oberösterreich (2010, 2011, 2012, 2013, 2014)

Tabelle 2: Auswirkungen auf zentrale makroökonomische Größen der oberösterreichischen Volkswirtschaft und ökologischer Lenkungseffekt infolge der Investitionen durch die Umwelt- und Energieförderung, 2009-2013

Anmerkungen: Investitionen = Ausgaben der Unternehmen; privater Konsum = energetischer + nicht energetischer Konsum; Nettoexporte = (energetische + nicht-energetische) Exporte - (energetische + nicht-energetische) Importe; Erfassung der direkten, indirekten und induzierten Effekte. Gerundete Werte.CO2-Emissionen inkl. Mehrrundeneffekte.

Quelle: Eigene Berechnungen anhand des Simulationsmodells MOVE2, Energieinstitut an der JKU Linz, Linz, August 2015 und Daten der Förderberichte der Abteilung Umweltschutz (Land Oberösterreich (2010, 2011, 2012, 2013, 2014).

Tabelle 3: green jobs infolge der Umwelt- und Energieförderung in OÖ, 2009-2013

Anmerkung: Die Anzahl der green jobs in OÖ für 2012 und 2013 wurden den Prognosen aus Schneider et al. (2014) entnommen. Die angeführten green jobs beziehen sich auf die Definition nach Euorstat und schließen Umweltbeschäftigte des öffentlichen Verkehrs und jene des Groß- und Einzelhandels nicht mit ein.

Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Schneider et al. (2014) und Statistik Austria

 

Internationale politische Schwächen erschweren Ausbau der Grünen Jobs

Weltwirtschaftskrise und globale Finanzkrise sind auch an der Entwicklung des grünen Marktes nicht spurlos vorbei gegangen. Auch der niedrige Ölpreis hat das Tempo der Umsetzung der Energiewende verzögert. Hauptproblem für den Ausbau der Grünen Jobs sind jedoch teilweise international fehlende Stabilität der Rahmenbedingungen - wenn zum Beispiel in einem Hauptexportland über Nacht die Förderungen vollständig gestrichen werden, dann kann dies zu schweren wirtschaftlichen Problemen führen.

Insgesamt wachsen die Märkte massiv:

So lag der Weltmarkt bei Erneuerbaren Energien (nur bei EE!!) 2004 bei 45 Mrd. Dollar, so erreicht er heuer die 300 Mrd. Dollar und wird 2020 auf 400 Mrd. Dollar anwachsen. 

Der angestrebte Abschluss eines Weltklimavertrages im Dezember bei der Weltklimakonferenz in Paris wird darüber hinaus zu einem weiteren massiven Marktwachstum führen.

 

8-Punkte-Programm für mehr Grüne Jobs in OÖ in der Zukunft

Landesrat Anschober will mit einem Schwerpunkt der Landespolitik in der bevorstehenden Legislaturperiode den Beschäftigungsmotor der sogenannten Grünen Jobs weiter forcieren und stellt hierfür ein 8-Punkte-Programm vor, welches die nationalen und internationalen Möglichkeiten dieses Wirtschaftsfeldes für Oberösterreich bestmöglich erschließen soll.

 

Die acht Eckpfeiler der „Initiativen für die Green Jobs der Zukunft“:

  1. OÖ zum europäischen Kompetenzzentrum grüner Technologien machen (verstärkter Forschungsschwerpunkt, Intensivierung und Forcierung der Exportoffensiven, Ausbau des Heimmarktes)
  2. 10% Photovoltaikanteil am Stromverbrauch 2020 – Verzehnfachung bestehender Anlagen; Dachflächenpotential für Sonnenwärme und – strom bis 2030 ausschöpfen und intelligente vernetzte Speichertechnologien forcieren.
  3. Umsetzung des Luxemburger Modell bei der thermischen Sanierung: temporäre Reduktion des Steuersatzes auf 1%
  4. Massiver Ausbau der Windkraftzulieferindustrie
  5. „Öffi-Milliarde“: eine Mrd. € in Ausbau des Öffentlichen Verkehrs und die E-Mobilität bis 2030 investieren.
  6. Steigerung der Sanierungsrate bei Wohn- und Dienstleistungsgebäuden auf 3 % bis zum Jahr 2020
  7. Energiezukunft 2030: 100% Erneuerbare Energie bei Raumwärme und Strom und damit Ankurbeln des Heimmarktes
  8. Stärkung der Exportoffensive für grüne Technologien

 

Grüne Jobs sind die Arbeitsplätze kommender Generationen

Schon jetzt sind die Green Jobs eine Säule des Arbeitsmarktes, die nicht mehr wegzudenken ist. Ein Boom im Bereich der Nachhaltigkeit – von Ökoenergie über Ernährung bis Green Building – kommt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auf uns zu. Alleine von 2020 bis 2030 wird im Bioenergie-Sektor geschätzt eine Million neue Stellen geschaffen werden. Der Schlüssel hierzu liegt in der Bildung, denn ohne entsprechend ausgebildete MitarbeiterInnen ist dies nicht bewältigbar. 

Die Erzeugung von Bioenergie zählt schon seit Jahren zu den Wachstumsbranchen. 2005 waren in Europa nach einer Studie des Fraunhofer Institut rund 875.000 Menschen im Bioenergie-Sektor tätig, von 2020 bis 2030 wird noch eine weitere Million ArbeitnehmerInnen in Europa hierfür benötigt. Bioraffinerien, wie sie etwa in Skandinavien oder auf Sardinien bereits existieren, erzeugen aus biologischen Ausgangsprodukten, wie Holz oder stärkehaltigen Pflanzen durch chemische Prozesse Produkte von Futtermitteln über Chemikalien bis zu Energie in Form von Kraftstoff, Wärme oder Strom.

So engagiert sich in diesem Bereich etwa verstärkt die Technische Universität Graz im Europäischen Netzwerk für nachhaltige Energieinnovationen (Eseia) und hat hierfür auch zwei neue Masterstudien konzipiert, die ab 2017 starten werden: Biorefinery Engineers und Bioresource Value Chain Managers.

Die FH Wels wiederum bietet das Studium Öko-Energietechnik an. Hierbe wird ein breites Wissen um die Energiezukunft vermittelt, von Elektrotechnik und Maschinenbau bis zur Speicherung, Verteilung und effizienten Nutzung von Energie. Eine Schwerpunktlegung gibt es auf energieeffiziente Gebäude und erneuerbare Energien.

 

green jobs – Globale Entwicklungen

ILO (2008): Green jobs – Facts and Figures. International Labour Organization.

 

  1. Der globale Markt für Umweltprodukte und Dienstleistungen bzw. dessen Handelsvolumen wird bis 2020 auf 2.740 Milliarden US$ steigern
  2. Millionen grüne Arbeitsplätze gibt es bereits in den Industrieländern, Schwellenländern und den Entwicklungsländern, dh: in der Energieversorgung (erneuerbare Energiequellen), Energieeffizienz (vor allem in Gebäuden und Bau), Transport, Grundstoffindustrie und Recycling, Landwirtschaft, Abfall, Wasser.
  3. 2,3 Millionen Personen haben in den letzten Jahren neue Arbeitsplätze im Sektor erneuerbare Energien gefunden. Das Potential für einen Beschäftigungszuwachs in der Branche ist groß. Die Beschäftigung im Segment der alternativen Energien kann auf 2,1 Millionen im Bereich der Windkraft und 6,3 Millionen im Bereich Solarstrom bis zum Jahr 2030 steigen.
  4. Erneuerbare Energie erzeugt mehr Arbeitsplätze als die Beschäftigung in fossilen Brennstoffen: Projizierte Investitionen von US$ 630 Milliarden im Jahr 2030 würde mindestens 20 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien schaffen.
  5. In der Landwirtschaft könnten 12 Millionen Menschen im Bereich „Biomasse zur Energiegewinnung“ und verwandten Bereichen eingesetzt werden.
  6. Ein weltweiter Übergang zu energieeffizienten Gebäuden würde Millionen von Arbeitsplätzen generieren. Derweil bestehenden schätzungsweise 111 Millionen Beschäftigten in der Baubranche, welche als green job einzuordnen sind.
  7. Investitionen in eine verbesserte Energieeffizienz in Gebäuden könnten zusätzlich 2-3,5 Millionen green jobs in Europa und in den USA erzeugen, wobei in Entwicklungsländern ein höheres Potential existiert.

[1]Der Bau von Infrastruktur für die gesamte Elektrizitätswirtschaft wird jedoch sehr wohl erfasst.

[2]Vgl. UNEP et al. (2008).

[3]Unter verbundenen Dienstleistungen werden solche verstanden, die direkt und ausschließlich dem Umweltschutz bzw. dem Ressourcenmanagement dienen, z.B. die Installation von Solaranlagen. Spezielle Umweltdienstleistungen sind „charakteristische“ Tätigkeiten. Ihr eindeutiger Zweck ist der Umweltschutz bzw. das Ressourcenmanagement, z.B. Abfall- oder Abwasserbeseitigungs-dienstleistungen.

[4]Umweltfreundliche Güter sind bei der Produktion, dem Verbrauch oder bei der Entsorgung weniger belastend für die Umwelt bzw. werden deutlich ressourceneffizienter hergestellt als vergleichbare herkömmliche Güter (z.B. biologische Lebensmittel, Recyclingprodukte).

[5]Verbundene Güter dienen direkt und ausschließlich dem Umweltschutz bzw. dem Ressourcenmanagement, z.B. Komponenten von Abwasseranlagen wie etwa Filter.

[6]End-of-pipe (nachsorgende) Technologien dienen der Kontrolle, Behandlung und Beseitigung von Umweltverschmutzung und Ressourcenabbau (beispielsweise Kläranlagen).

[7] Integrierte („saubere“) Technologien sind weniger umweltverschmutzend bzw. ressourceneffizienter als entsprechende konventionelle Technologien und Produktionsprozesse (z.B. Solaranlagen).