28 April 2017

Integration am Arbeitsmarkt: Aktuelle Daten & Neues Infoblatt als mehrsprachiger Wegweiser für den Einstieg in den Arbeitsmarkt

Weitere Forderungen Oberösterreichs für besseren Zugang von Asylwerber/innen zum Arbeitsmarkt durchgesetzt: Volontariat, Dienstleistungsscheck und gemeinnützige Tätigkeit – OÖ macht Druck für weitere Verbesserungen

Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist der Schlüssel zur Selbständigkeit aber auch zur Integration von Flüchtlingen. Vieles wurde in der Vergangenheit von der Bundesregierung rechtlich unterbunden, Oberösterreich hat Verbesserungen eingefordert. Umso erfreulicher ist es daher, dass die Möglichkeiten an Arbeit und Beschäftigung um die Bereiche der - weiter gefassten - Volontariate und Dienstleistungschecks für Asylwerber/innen erweitert werden konnten. So gibt es immer mehr Bereiche, in denen Asylwerber/innen schon während ihres Asylverfahrens tätig werden können, Arbeitsmarkt-Luft schnupper dürfen – denn generell ist ein Anstellungsverhältnis nicht erlaubt.
Von den neun zentralen Forderungen Oberösterreichs an die Bundesregierung zur Erleichterung der Arbeitsmarktintegration konnten damit bereits mehrere durchgesetzt werden.

In den Ausnahmebereichen für Arbeit von Asylwerber/innen, etwa Lehre oder gemeinnützige Tätigkeiten ist Oberösterreich recht gut aufgestellt.
Ergänzt um die Deutsch- und Orientierungskurse, die in Oberösterreich schon seit Beginn 2016 bereits für Asylwerber/innen angeboten und gefördert werden, passiert hier eine optimale Vorbereitung auf einen möglichst raschen Job-Einstieg.

Zum Thema Arbeitsmarkt ist jetzt eine neue Informationsunterlage vom Oö. Integrationsressort und dem AMS verfügbar, vorerst online abrufbar unter > zusammen-helfen.at/beschaeftigung.

Diese mehrsprachige Unterlage beschreibt als Wegweiser für den Einstieg in den Arbeitsmarkt im noch laufenden Asylverfahren für Asylwerber/innen selbst, Helfer/innen, Organisationen oder interessierte Arbeitgeber/innen genau, welche Möglichkeiten es gibt, was zu beachten ist und wer beraten kann.
Nach dem „Wegweiser Integration & Arbeit“, online unter www.wegweiser-integration-arbeit.at von AMS OÖ und Integrationsressort OÖ, der seit Herbst 2016 das Netzwerk der Ansprechpartner, Beratungen und Angebote landesweit und in der Region sichtbar macht, ist dies nun der 2. Wegweiser für Arbeitsmarktintegration.

 

Zwischenbilanz Arbeitsmarktintegration

Arbeitsmarktintegration ist der wichtigste Teil der Integrationsoffensive Oberösterreichs. Denn ein Job bedeutet die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben, die Möglichkeit, der Gesellschaft etwas zurück zu geben und erleichtert die Chance, ein wichtiger Teil des neuen Zuhauses zu werden, bedeutet Entlastung des Sozialsystems, bringt Wirtschaftsimpulse.

Etliche Flüchtlinge bringen gute Qualifikationen mit, für viele werden Ausbildung und Qualifikationsmöglichkeiten – entsprechend der österreichischen Anforderungen – angeboten. Der oö. Qualifizierungscheck für tausende Asylwerber/innen war dazu ein wichtiger Schritt. Das Deutsch-Training die zweite Grundvoraussetzung – bereits rund 13.250 Kursplätze für Asylwerber/innen konnten in den letzten 12 Monaten in OÖ angeboten werden.

 

Aktuelle Daten Arbeitsmarktintegration von Asylberechtigten

Die Zahl der jobsuchenden Asylberechtigten ist nach wie vor überraschend gering: so lag in ganz OÖ insgesamt Ende 2015 bei 1.528 Personen und Ende 2016 bei 1.833 - ist also trotz stark gestiegener Zahlen nur gering angewachsen.

Mit Ende März 2017 sind 1.097 Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte in Schulung, 1.718 Personen arbeitslos gemeldet.

Umgekehrt konnten im Jahr 2016 1.738 asylberechtigte und subsidiär schutzberechtigte Personen in Jobs abgehen, gegenüber den 1.216 Abgängen im Jahr 2015 eine Zunahme von rund 500 Personen.

Im ersten Quartal (Jänner bis März) 2017 sind 427 Asyl- und Schutzberechtigte, in Arbeit abgegangen. Im Vergleich zum ersten Quartal 2016 waren es 306 Asyl- und Schutzberechtigte die in Arbeit abgegangen. sind. Diese Zahlen beziehen sich auf Asyl- und Schutzberechtigte die beim AMS arbeitslos oder lehrstellensuchend gemeldet waren oder sich in Schulung befunden haben.

 

Angebote für Asylwerber/innen zur Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt

  • Deutsch- und Orientierungskurse ab Tag 1

    Seit Beginn 2016 finden Deutschkurse samt Inhalten zur Orientierung in Oberösterreich flächendeckend und dezentral in Quartiersnähe statt, schon für Asylwerber/innen ab Tag 1 in der Grundversorgung. Gesamt konnten seit 2016 schon 13.250 Kursplätze vergeben werden. Damit können schon während der Wartezeit auf den Asylbescheid die Sprachkenntnisse wesentlich verbessert werden.
  • Pflichtschulbereich funktioniert gut

    Die Integration in Pflichtschulen von jungen Asylwerber/innen läuft optimal, derzeit sind rund 2.100 Kinder und Jugendliche in Pflichtschulen, weitere 500 in weiterführenden Schulen.
  • Frühzeitiger Kompetenzcheck samt Integrationspass

    Im neuen Integrationsgesetzt der Bundesregierung sind auch ein frühzeitiger Kompetenzcheck, um Abschlüsse, Fertigkeiten und bisherige Erfahrungen abzufragen, sowie ein Integrationspass, in dem sämtliche neu erworbene Kurse und Abschlüsse, etwa Deutsch-Niveaus festgehalten werden, inkludiert. Dies erleichtert die Planungen für den Arbeitsmarkt sowie die Erstellung passender Qualifizierungsmaßnahmen.
    In OÖ wurden 2016 die Ergebnisse eines Qualifikationschecks unter 5.200 Asylwerber/innen in den oö. Quartieren präsentiert, mit folgenden Ergebnissen: 25% haben Matura oder Uni-Abschluss, 80% der Befragten sind alphabetisiert und besuchten zum damaligen Zeitpunkt einen Deutschkurs, 20% wurden in ihrem Herkunftsland jedoch nicht alphabetisiert bzw. beherrschen die lateinische Schrift nicht, die genannten bisherigen Berufe und Ausbildungen waren sehr vielfältig – von Baugewerbe über KFZ, Textil, Soziales bis hin zu Handel oder Bürotätigkeiten.
  • Wegweiser Integration: Arbeit

    Auf der Website werden Informationen und Angebote zum Thema Arbeitsmarkt dargestellt, je nach Zielgruppe Asylwerbende, Asylberechtigte und Migrant/innen und Region in OÖ, etwa Deutschkurse, AMS-Infoabende, AMS-Stellen, Orientierungskurse, etc., www.wegweiser-integration-arbeit.at
  • Infosammlung zusammenhelfen.gv.at

 

OÖs Forderungen an die Bundesregierung von September 2016

Die Oö. Landesregierung hat im September 2016 einen Beschluss gefasst, in dem die Bundesregierung gemäß ihrer kompetenzrechtlichen Zuständigkeit aufgefordert wurde, Maßnahmen zu setzen, nämlich in folgenden Themenfeldern:

  • Qualifikationschecks im Zuge der Erstinterviews des Asylverfahrens
  • Erweiterung der Gemeinnützigen Tätigkeiten
  • Legalisierung von Arbeitserprobungen für Asylwerber/innen
  • Abstimmung der Angebote an Deutschkursen zwischen unterschiedlichen Förderstellen und Zielgruppen
  • Beschleunigung der Nostrifizierungsverfahren
  • kontrollierte Öffnung des Arbeitsmarktes in Mangelberufen ab dem 6. Aufenthaltsmonats von Asylwerber/innen
  • Ausbau von Basisbildungsangeboten
  • Gleichberechtigter Zugang zu begünstigten Fahrmöglichkeiten im Öffentlichen Verkehr

 

Neues Infoblatt als Arbeitsmarkt-Wegweiser für Asylwerber/innen

Asylwerber/innen dürfen in Österreich - leider – mit wenigen Ausnahmen nicht arbeiten und sind somit weitgehend über durchschnittlich eineinhalb Jahre bis zum Bescheid zur Untätigkeit verurteilt. Im Rahmen dieses eingeschränkten Arbeitsmarkt-Zuganges gibt es für Asylwerber/innen dennoch sieben Möglichkeiten, um einer Arbeit oder Beschäftigung nachzugehen.

Diese sind nun in der neuen Broschüre „Arbeit und Beschäftigung für Asylwerbende“ von AMS OÖ und Integrationsressort OÖ aufgezeigt. Folgende Fragen etwa werden darin erklärt: Was darf ich arbeiten, in welchen Bereichen kann ich schon als Asylwerber/in tätig sein? Mit welchen Auflagen? Wer sind meine Ansprechpartner/innen, an wen kann ich mich bzgl. Fragen oder Anmeldung wenden...

Die sieben Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten während des Asylverfahrens:

1. Hilfstätigkeiten im Asylquartier

Tätigkeiten in den organisierten Quartieren, die im unmittelbaren Zusammenhang mit der Unterbringung stehen (inkl. Gewährung eines Anerkennungsbeitrages)

2. Saisonarbeit

möglich in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft bzw. Winter- und Sommertourismus;
Beschäftigungsbewilligung des AMS erforderlich.
Derzeit sind aus Oberösterreich rund 114 Beschäftigungsbewilligungen für Saisonarbeit aufrecht, weitere 17 sind heuer schon abgelaufen.

3. Selbstständige Tätigkeit

Ab dem vierten Monat nach Zulassung zum Asylverfahren, besteht die Möglichkeit, in gewissen Bereichen eine selbstständige Tätigkeit auszuüben.

4. Gemeinnützige Tätigkeiten

Hilfstätigkeiten für Bund, Land oder Gemeinden inkl. Gewährung eines Anerkennungsbeitrages.

Die Liste der Träger und möglicher Tätigkeiten wurde nun erweitert, mehr Angebote konnten so entstehen. Etwa auch bei der Landesgartenschau in Kremsmünster oder in der Stadt Linz kommen so Asylwerber/innen zum Einsatz. In ganz Oberösterreich sind es pro Monat rund 300 Asylwerber/innen, die gemeinnützig arbeiten.

5. Lehre für Jugendliche bis zum vollendeten 25. Lebensjahr

Die Beschäftigung bedarf einer Beschäftigungsbewilligung durch das AMS, die Lehre ist nur in Mangelberufen möglich.

In Oberösterreich wird dies bereits sehr gut angenommen: 167 junge Asylwerber/innen machen aktuell eine Lehre in Mangelberufen in Oberösterreich (von 471 österreichweit), darunter über 100 Personen aus Afghanistan – etwa als Koch/Köchin, Bäcker/in, Elektrotechniker/in, Metalltechniker/in, im Einzelhandel, als Friseur/in u.a.m.

6. Volontariate, Ferial- und Berufspraktika

Nach einer Anzeigenbestätigung durch das AMS dürfen seit Kurzem Asylwerber/innen bis zu drei Monate pro Jahr unbezahlte Schnuppertage machen, um Eignung und Fähigkeiten bzw. Arbeit und Umfeld kennenzulernen. Diese Arbeitserprobung konnte nach monatelanger Forderung durch einen Erlass des Sozialministeriums legalisiert werden.

Seit Jänner 2017 haben in OÖ schon 45 Personen derartige Schnuppertage besucht bzw. besuchen gerade welche.

7. Dienstleistungsscheck für Asylwerber/innen

Vor Kurzem wurde die Zielgruppe des Dienstleistungsschecks auch auf Asylwerber/innen ausgedehnt. Damit können nach dreimonatiger Aufenthaltsdauer Dienstleistungen in Privathaushalten erbracht werden.

Vorerst wird die Broschüre nur online unter zusammenhelfen.ooe.gv.at/beschaeftigung verfügbar sein. Ziel ist es, nachdem in diesem Jahr noch Neuerungen und damit Adaptierungen zu erwarten sind, diese danach flächendeckend in gedruckter Form in die Grundversorgungsquartiere direkt zur Zielgruppe zu bringen.

Mitgewirkt haben neben dem AMS OÖ, der Stelle Grundversorgung des Landes OÖ und dem Integrationsressort von LR Anschober auch

migrare – Zentrum für MigrantInnen OÖ (Übersetzungen), das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (Regionaldirektion Oö), die WKO Oberösterreich und das Land Salzburg.

 

Weitere Reformen bleiben aber nötig

  • die Öffnung des Arbeitsmarktes bei Mangelberufen ab dem 6.Aufenthaltsmonat (eine Forderung, die laut Sora-Befragung von 66 Prozent der Oberösterreicher/innen unterstützt wird)
  • Jugendcolleg mit möglichst flächendeckender Clearing Phase, Beratung und konkreten Angeboten (Deutsch, Basisbildung, PSA, Berufsorientierung)
  • Vereinfachung für Hochqualifizierte durch eine Beschleunigung der Nostrifizierungsverfahren
  • ausreichend Basisbildungsangebote sowie Angebote zum Nachholen des Pflichtschulabschlusses
  • Lösung für das freiwillige 10. Schuljahr bei Migrant/innen (in Bearbeitung beim Ministerium)