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&copy Land OÖ/ Stinglmayr

14 Februar 2017

Integration von Flüchtlingen am Arbeitsmarkt - Zwischenbilanz, überraschende Erfolge und neue Initiativen

Die Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt ist der entscheidende Schlüssel für die Integration. Das fordert auch eine große Mehrheit der oö. Bevölkerung. Oberösterreichs Integrationsoffensive setzt daher stark auf diesen Schwerpunkt: Deutschkurse bereits am Beginn des Aufenthalts in Oberösterreich sind flächendeckend angelaufen, die Anzahl der Jobs und Lehrverträge ist höher als erwartet und nun konnten bei der Bundesregierung wesentliche Voraussetzungen für eine gute Arbeitsmarktintegration durchgesetzt werden.

Die oö. Integrationsoffensive ist überraschend positiv gestartet. Das sieht auch die Bevölkerung so: laut SORA-Analyse sagen 60 Prozent der Oberösterreicher/innen, die Integration sei in unserem Bundesland gut angelaufen, 33 Prozent sehen das nicht so.
Integrations-Landesrat Rudi Anschober setzt dabei auf zwei zentrale Schwerpunkte: Integration vom ersten Tag in der Grundversorgung anstatt Zuwarten über durchschnittlich eineinhalb Jahre bis zum Bescheid sowie dezentrale Integration in den Gemeinden statt Zentralisierung auf wenige große Städte wie Linz und Wien.

Dazu braucht es Jobs und Wohnungen in der Region sowie ein Vorbereiten der Betroffenen für eine gelungene Arbeitsmarktintegration ab dem ersten Tag im Quartier.
In den vergangenen 2 Jahren sind rund 20.000 Schutzsuchende nach Oberösterreich gekommen, aktuell stellen durchschnittlich 73 Personen pro Tag einen Asylantrag in Österreich. 16,8 Prozent der Asylanträge werden OÖ zugewiesen.

Die erste Zwischenbilanz bei der Arbeitsmarktintegration

Arbeitsmarktintegration ist der wichtigste Teil der Integrationsoffensive Oberösterreichs. Denn ein Job bedeutet die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben, die Möglichkeit, der Gesellschaft etwas zurück zu geben und erleichtert die Chance, ein wichtiger Teil des neuen Zuhauses zu werden, bedeutet Entlastung des Sozialsystems, bringt Wirtschaftsimpulse.

Dies zeigt auch die aktuelle Studie der Forschungsgesellschaft Joanneum Research, im Auftrag von Rotem Kreuz und Caritas, die die Auswirkung von Asylberechtigten auf das Land in den vergangenen zehn Jahren – die aktuelle Fluchtbewegung ist also nicht voll einbezogen – aufzeigt. Erkenntnis: Österreich bleibt durch Steuern, die erwerbstätige Flüchtlinge zahlen, durch Konsum-ausgaben und durch Jobs, die Asylberechtigte schaffen, rund 3.050 Euro pro Jahr und anerkanntem Flüchtling – konservativ geschätzt.

Die Zahl der jobsuchenden Asylberechtigten ist nach wie vor überraschend gering: so lag in ganz OÖ insgesamt Ende 2015 bei 1.528 Personen und Ende 2016 bei 1.833 - ist also trotz stark gestiegener Zahlen nur gering angewachsen.

Mit Ende Jänner 2017 sind 1.036 Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte in Schulung, 1.681 Personen arbeitslos gemeldet.

Quelle: AMS

Umgekehrt konnten im Jahr 2016 1.738 asylberechtigte und subsidiär schutzberechtigte Personen in Jobs abgehen, gegenüber den 1.216 Abgängen im Jahr 2015 eine Zunahme von rund 500 Personen.

 

Zahlen zu Menschen aus den vier stärksten Herkunftsländern

Von den Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irak und Iran waren Ende November 2015 765, Ende November 2016 944 und im Jänner 2017 1.094 arbeitslos gemeldet.

Quelle: AMS OÖ, Arbeitslos Gemeldete nach Herkunft und Alter

Im Gegensatz dazu waren aus diesen vier Herkunftsländern im November 2016 2.043 Personen in Jobs, das ist ein Zuwachs von 663 gegenüber dem November 2015 - ein Zuwachs von 48 Prozent, bei Syrern sogar um 128 Prozent.

Quelle: AMS OÖ: Unselbstständig beschäftigte Ausländer/innen, ausgewählte Nationalitäten, in Oberösterreich

 

Jobeintritt über Lehre in Mangelberufen

Asylwerber/innen dürfen in Österreich - leider – mit wenigen Ausnahmen nicht arbeiten und sind somit weitgehend über durchschnittlich eineinhalb Jahre bis zum Bescheid zur Untätigkeit verurteilt.

Ausnahme sind Saisonarbeit, Selbständigkeit, in eingegrenzter Form gemeinnützige Tätigkeiten und Lehrstellen in Mangelberufen, wo insgesamt aktuell 432 Beschäftigungsbewilligungen aufrecht sind. Gerade bei den Lehrstellen in Mangelberufen geht es gut voran: mit 151 besetzten Stellen ist rund die Hälfte aller österreichweiten Lehrstellen für junge Schutzsuchende in Oberösterreich - und die Zahl steigt laufend an. 89 dieser Lehrlinge kommen aus Afghanistan, die Bezirke Linz und Rohrbach sind am stärksten. 

 

Offensive: Vorbereitung der Arbeitsmarktintegration in den Quartieren

Seit vergangenem Jahr werden gezielt in ganz Oberösterreich Deutschkurse dezentral in Quartiersnähe angeboten, damit die Zeit des Wartens bis zum Asylbescheid gut für das Schaffen von Jobvoraussetzungen genutzt wird. 2016 haben über 8.000 Asylwerber/innen an diesen Deutschkursen teilgenommen. Damit wird Oberösterreich eine zentrale Hürde für den Arbeitsmarktzugang, die fehlenden Sprachkenntnisse, rasch verbessern.

Auch das große Engagement der freiwillig Engagierten wirkt hier ergänzend: Tausende Helfer/innen organisieren mit einem hohen Level an Professionalität Deutschkurse vor Ort, die eine unabdingbare Ergänzung zu den institutionalisierten Deutschkursangeboten darstellen. Die Möglichkeit zur Absolvierung einer zertifizierten Prüfung kann und soll hier von Asylwerber/innen genutzt werden. Somit besteht die Möglichkeit auch durch die Teilnahme an nicht-institutionalisierten Deutschkursen einen zertifizierten Sprachlevel-Nachweis zu erlangen.

 

Weitere notwendige Schritte für Asylwerbende:

Qualifizierungsoffensive für all jene, die mit geringer Ausbildung gekommen sind, Alphabetisierung, Basisbildung und Nachholen des Pflichtschulabschlusses für möglichst jede/n Betroffene/n,  Beschleunigung der Anerkennung von mitgebrachten Qualifikationen, Arbeitserprobung, rasche gemeinnützige Tätigkeiten.

Die Ausbildung von jungen Schutzsuchenden im Pflichtschulbereich funktioniert in Oberösterreich sehr gut, ein wichtiger Meilenschritt. Derzeit sind 2.100 dieser Jugendlichen in den oö. Pflichtschulen, weitere 500 in weiterführenden Schulen.

Für ein derartiges Qualifizierungs- und Arbeitsmarktprogramm sind aber auch wesentliche Reformen auf Bundesebene erforderlich: Zehn konkrete Punkte wurden auf Initiative von LR Anschober von der oö. Landesregierung mehrheitlich im vergangenen September beschlossen: vier konnten mittlerweile durchgesetzt werden (Qualifikationschecks, Ausweitung der Gemeinnützigen Tätigkeiten, Arbeitserprobung, abgestimmte Deutschkurse ab Tag 1)!

Mit dem im Arbeitsübereinkommen der Bundesregierung skizzierten, nun in Begutachtung befindlichen, neuen Integrationsgesetz in Österreich kommen:

  • ein frühzeitiger Kompetenzcheck,
  • ein Integrationspass,
  • weiterführende Deutschkurse,
  • Qualifizierungsmaßnahmen,
  • Arbeitstrainings,
  • gemeinnützige Tätigkeiten.

Falls das Integrationsjahr, so wie nun in Begutachtung gegangen, auch rasch beschlossen wird, kann es mit 1.September in Umsetzung gehen.

Oberösterreich arbeitet bereits mit vollem Engagement daran, diese neuen Möglichkeiten für eine gute Vorbereitung für die Arbeitsmarktintegration bestmöglich zu nützen.

  

Erfolg auf Bundesebene: Volontariate (Arbeitserprobungen) sind nun auch für Asylwerberende rechtlich möglich

Durch einen Erlass des Sozialministeriums ist nun auch die Arbeitserprobung legalisiert - eine seit Monaten vorgebrachte Forderung von Unternehmen, Wirtschaftskammer und Integrations-Landesrät/innen der Bundesländer. Bis zu drei Monate pro Jahr wird es möglich, bei unbezahlten Schnuppertagen, einerseits Eignung und mitgebrachte Fähigkeiten zu überprüfen, andererseits Arbeit, Beruf und Umfeld kennenzulernen. Ein großer Fortschritt. Noch müssen in Gesprächen in den nächsten 2,3 Wochen alle Betroffenen eingebunden werden und dann kann gestartet werden. Unternehmern wird empfohlen, vor einer Umsetzung Kontakt mit der Wirtschaftskammer aufzunehmen.

 

Oberösterreich will weiter auf Reformen drängen

Einige erforderliche Maßnahmen für Arbeitsmarktintegration fehlen durch den Bund aber nach wie vor:

  • die Öffnung des Arbeitsmarktes bei Mangelberufen ab dem 6.Aufenthaltsmonat (eine Forderung, die laut Sora-Befragung von 66 Prozent der Oberösterreicher/innen unterstützt wird)
  • die Gleichstellung von Asylwerber/innen bei der Mobilität - etwa Zuerkennung des Lehrlingstickets, damit die Lehrstelle auch erreicht werden kann
  • Jugendcolleg mit möglichst flächendeckender Clearing Phase, Beratung und konkreten Angeboten (Deutsch, Basisbildung, PSA, Berufsorientierung)
  • ausreichend Basisbildungsangebote sowie Angebote zum Nachholen des Pflichtschulabschlusses
  • Lösung für das freiwillige 10. Schuljahr bei Migrant/innen
  • Vereinfachung für Hochqualifizierte durch eine Beschleunigung der Nostrifizierungsverfahren

  

Integrationsoffensive setzt auch auf die Gemeinden

Die neue, bereits funktionierende Struktur der Integrationsoffensive („Steuerungsgruppen“) ist ein Trumpf des Landes OÖ bei der Umsetzung von Integrationsoffensive und Arbeitsmarktintegration.

  1. Die Planung und landesweite Koordination erfolgt in der Landes-Steuerungsgruppe, in der 30 Organisationen jeden zweiten Dienstag mit Integrations-Landesrat Anschober tagen.
  2. Diese Informationen und Planungen gehen an die Bezirkssteuerungsgruppen, die unter Leitung der Bezirkshauptleute in allen Bezirken unter Beiziehung von ReKis (Regionale Kompetenzzentren für Integration und Diversität), AMS, WKO und anderen die Integrationsarbeit im Bezirk koordinieren.
  3. Besonders wichtig schließlich ist die Integrationsarbeit in den Gemeinden. LR Anschober tourt daher derzeit zu den Bürgermeisterkonferenzen in allen Bezirken, um die Bürgermeister/innen zu motivieren, zu informieren und ihnen konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Diese Konferenzen werden bis Ende April abgeschlossen sein. Ziel ist es, dass alle 442 Gemeinden offensiv an der Integration und Arbeitsmarktintegration mitarbeiten, möglichst alle eine Steuerungsgruppe für die Integrationsarbeit gründen (in 220 Gemeinden bereits erfolgt) und alle einen Integrationsbeauftragten nominieren. Gelingt dies, dann besitzt Oberösterreich ein einzigartiges Netzwerk Integration, das im direkten Kontakt mit den Unternehmen die Arbeitsmarktintegration weitertreiben kann.

  

Oberösterreichs Unternehmer sind sehr engagiert

Die tagtägliche Arbeit wird von einer aktuellen Umfrage von EY bestätigt: 93 Prozent der oö. Unternehmer geben dabei an, dass sie bereit sind, Asylberechtigte zu beschäftigen.