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v.l.: Mag. Stefan Thurner (Regionale Kompetenzzentren für Integration), Mag.a Theresa Lackner (Regionale Kompetenzzentren für Integration), Mag.a Elisabeth Paruta-Teufer (Bürgermeisterin Freistadt), Mag.a Elisabeth Gierlinger (Integrationsstelle des Landes OÖ), LR Rudi Anschober

30 November 2018

Integrations-Turbo durch neue Integrationsoffensive in den OÖ - Gemeinden - erstes Gemeindeförderprogramm, neue Ausbildungsinitiative, Best Practice-Beispiele und Best Practice-Gemeinden

Integration heißt, Voraussetzungen für ein gutes Zusammenleben zu schaffen. In den vergangenen drei Jahren war es vor allem die Integration jener 20.000, die über die aktuelle Fluchtbewegung nach Oberösterreich gekommen sind und die großteils viel besser als erwartet funktioniert. 

Nun will Integrationslandesrat Rudi Anschober diese Integrationsoffensive auch auf schon länger hier lebende zugewanderte Gruppen ausdehnen. Für dieses Ziel werden neue Schwerpunkte verwirklicht – z.B. die kürzlich gestartete Initiative für schon länger hier lebende Tschetschen/innen. Und gleichzeitig soll die Integrationsoffensive nun massiv in den Gemeinden ausgebaut werden. Durch mehr Einbindung der Gemeinden, durch klare Verantwortung in den Gemeinden, durch eine verstärkte Beratung der Gemeinden, durch ein umfassendes Ausbildungsangebot für Gemeindeverantwortliche und durch ein umfassendes erstes Gemeindeförderprogramm. Und auch durch eine Stärkung der Zivilgesellschaft, die in fast einem Drittel der Gemeinden wesentlich die Integration vorantreibt. Unter anderem durch eine große Integrationskonferenz morgen in Puchberg bei Wels.

Migration in Oberösterreich

In Oberösterreich leben rund 250.000 Menschen mit Migrationshintergrund. Das entspricht ca. 17 Prozent der oberösterreichischen Gesamtbevölkerung. Migrationshintergrund bedeutet, dass Menschen, die in Oberösterreich leben, entweder:

  • eine ausländische Staatsbürgerschaft besitzen, oder
  • nach und nach eingebürgert wurden, d. h. die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten haben, oder
  • in Österreich geboren wurden, aber – aufgrund der ausländischen Staatsangehörigkeit der Eltern – keine österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, oder
  • die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, wobei der Geburtsort der Eltern im Ausland liegt.

Die Top-10 der Herkunftsländer in OÖ (Stand 01.01.2018)

1.    Deutschland:                                     23.571 Personen

2.    Bosnien und Herzegowina:                  21.090 Personen

3.    Rumänien:                                         17.764 Personen

4.    Türkei:                                               15.191 Personen

5.    Kroatien:                                            13.013 Personen

6.    Ungarn:                                              11.433 Personen

7.    Serbien:                                              10.001 Personen

8.    Afghanistan:                                         7.242 Personen

9.    Kosovo:                                                6.549 Personen

10.  Syrien:                                                  5.551 Personen

 

Oberösterreichs einzigartiges Netzwerk Integration

Fast 20.000 Menschen sind über die aktuelle Fluchtbewegung nach Oberösterreich gekommen. Die Integrationsoffensive für diese Gruppe funktioniert in Oberösterreich viel besser als erwartet - trotz massiver Behinderungen durch die Bundesregierung. Nun will Integrationslandesrat Rudi Anschober diese Integrationsoffensive schrittweise auf alle Zugewanderten ausdehnen.

Auf Landesebene sind alle Beteiligten an der Integrationsarbeit von den Vertretern der Zivilgesellschaft bis zu den NGOs, von den ReKIs bis zum AMS, von den Fachabteilungen des Landes bis zum Landesschulrat und der Integrationssprecherin der Bezirkshauptleute in der Landes-Steuerungsgruppe vertreten. Auf einer zweiten Ebene konnten die Bezirkshauptleute für die Koordination der Integrationsarbeit in ihren Bezirken gewonnen werden. Auch sie arbeiten mit einer Bezirkssteuerungsgruppe. Und nun startet Anschober nächsten Integrationsturbo - die Integrationsarbeit in den Gemeinden soll flächendeckend massiv ausgeweitet werden. Etliche Gemeinden machen dies bereits vorbildlich - nun soll diese entscheidende Arbeit flächendeckend ausgebaut werden - durch Information, durch Struktur, durch Förderungen, durch Beratung.

 

Förderung von Integrationsmaßnahmen in Oö. Gemeinden – Gemeindeförderpaket

Die Integrationsstelle Oberösterreich fokussierte in den letzten Jahren das Thema der regionalen bzw. kommunalen Integrationsarbeit in Oberösterreich, da die Gemeinde selbst die Lebenswelt der in ihr lebenden Menschen ist. Daher wird mit dem ersten Gemeindeförderpaket eine Unterstützungs- und Angebotsstruktur geschaffen:

  1. Aufruf an die Gemeinden zur Einbringung von Integrationsmaßnahmen (bereits laufend, oder in Entwicklung) und Integrationsstrategien – „Kick-Off Phase“
    Für die ersten 50 Gemeinden, die eine kurze nachvollziehbare Maßnahmenbeschreibung einreichen, werden jeweils € 5.000,00 im Budget der Integrationsstelle vorgesehen. Die Maßnahmenbeschreibung soll eine nachvollziehbare und wirkungsorientierte Einbettung der jeweiligen geplanten Maßnahmen (z.B. Sprachkurse, Begegnungsfeste, etc.) enthalten.
  2. Förderung von bestehenden Angeboten für Gemeinden
    Bestehende Angebote zu den Themen Sprache, Bildung, Sport, etc. werden weiterhin bzw. werden erstmalig gefördert. Diese Vorgehensweise dient dazu, gute Angebote auch in jenen Gemeinden zu ermöglichen, die eine Finanzierung bisher nicht aufbringen konnten. Eine Finanzierungsbeteiligung der Gemeinden ist gängige Praxis, da die Gemeinden selbst Verantwortung für die angebotenen Maßnahmen übernehmen sollen.
  3. Förderung von Maßnahmen aus Gemeindebegleitungsprozessen
    Maßnahmen, die im Zuge der Prozessbegleitung durch die Integrationsstelle OÖ, ReKI oder Begleiterinnen vor Ort (BvO) bei einzelnen Gemeinden entwickelt werden, sollen auch finanziell unterstützt werden.
  4. Förderung von Bildungsangeboten für Gemeindebedienstete bzw. Gemeindepolitiker
    Um Integrationsarbeit in den Gemeinden leisten zu können, braucht es neben Engagement des oder der Einzelnen auch unterschiedliche, auf das Aufgabengebiet abgestimmte, Kompetenzen und Fertigkeiten. Die Bildungsangebote für Gemeindebedienstete und Gemeindepolitiker/innen fokussieren einerseits Themenbereiche rund um Integration, Vielfalt und Zusammenleben und andererseits auch Themen wie Öffentlichkeitsarbeit und Administration.

Good Practice Gemeinden

In den oö. Gemeinden wird schon viel Integrationsarbeit geleistet. Als exemplarische Beispiele für eine intensivere Auseinandersetzung mit der Gestaltung des Zusammenlebens im Rahmen kommunaler Entwicklungsprozesse können Städte bzw. Gemeinden wie Ansfelden, Attnang-Puchheim, Braunau, Freistadt, Mauthausen und Steyr genannt werden.

Integrationsprozesse in Freistadt

Als eines der ersten Ergebnisse konnte bereits heuer zu Schulbeginn das Projekt „Griffbereit“ eingeführt und auch „Mama lernt Deutsch“ Kurse angeboten werden. Im Herbst fand der 1. Direktorinnen-Stammtisch mit Kindergartenleiterinnen statt. Ab Dezember wird eine Bildungsoffensive in Freistadt, die aus zwei Teilen besteht, gestartet:

  1. Mit einer Art Messe, dem sogenannten „Marktplatz Bildung“ für außerschulische Bildungseinrichtungen, die abgestimmt mit den Elternsprechtagen in den öffentlichen Pflichtschulen und in Kooperation mit anderen Bildungseinrichtungen, wie Schülerhilfe, Volkshochschule, Eltern-Kind-Zentrum, Jugendzentrum, Pfadfinder, Rotes Kreuz stattfindet, soll gewährleistet werden, dass beinahe alle Eltern im Haus sind und in Zusammenarbeit mit den Schulleitungen wird damit eine niederschwellige
    Form der Kontaktmöglichkeit für die Eltern und den Kooperationspartnern.
  2. Der zweite Teil der Bildungsoffensive findet dann im Frühjahr statt und hat den Arbeitstitel „Der österreichische Bildungsweg“. In den Schulen wird den Eltern das österreichische Bildungssystem vorgestellt und dabei folgende Fragen erörtert werden: Welche Möglichkeiten gibt es? Was bringt ein Lehrabschluss? Was braucht man zum Studieren?

In den Kindergärten wird auf sogenannte Brückenbauer/innen gesetzt, also Eltern mit Migrationshintergrund, die gut Deutsch sprechen und die in den Communities gut vernetzt sind. Die Brückenbauer/innen sind im Prozess eingebunden und tragen so die Inhalte auch nach außen. Ein erster positiver Effekt davon ist, dass sich bei ausgeschriebenen Stellen der Stadt seit dem Herbst auch verstärkt Frauen mit Migrationshintergrund bewerben.

Im Jugendbereich wurden die Jugend von Freistadt befragt, was sie sich für ihre Stadt wünschen, welche Bedarfe haben sie und wie können Plätze geschaffen werden, damit sich die Jugend wohlfühlt. Die Jugendtage, die es früher gegeben hat, sollen unter neuem Konzept wieder stattfinden.

Im Bereich Wohnen wurden die Hausbesorgerinnen und auch die Wohnungsgenossenschaften eingebunden. Vielfach waren Mülltrennung und das Spielen von Kindern auf öffentlichen Straßen ein großes Thema. Als Konsequenz wurde vermehrt auf das Thema hingewiesen und auch Spielplatzpläne verteilt, denn viele Eltern wussten nicht, wo sich die öffentlichen Spielplätze befinden und was man dort vorfindet.

Freistadt hat ein „Mobiles Rathaus“ eingerichtet. Damit werden Bürgeranliegen zum Beispiel bereits bei der Schlüsselübergabe von Wohnanlagen sehr ernst genommen und die neuen Mieter oder Wohnungseigentümer können so ihre Behördengänge gleich vor Ort erledigen.

 

Begleitung von Entwicklungsprozessen auf regionaler und kommunaler Ebene

Ein Schwerpunkt der regionalen und kommunalen Integrationsarbeit der Integrationsstelle Oberösterreich ist die Begleitung von Entwicklungsprozessen auf regionaler und kommunaler Ebene. Das bedeutet, dass die Unterstützungsangebote im Bereich der Integrationsarbeit an die jeweiligen Gegebenheiten bzw. Ausgangssituationen vor Ort angepasst werden müssen und in weiterer Folge die Grundlage des Handelns bilden. Fokus liegt dabei darauf, sich auf politischer Ebene mit dem Thema auseinanderzusetzen und bedarfsorientierte Angebote zu entwickeln bzw. auf dafür passende, bestehende Angebote zurückzugreifen. Es zeigt sich auch, wie wichtig die Etablierung von nachhaltigen Strukturen auf der Ebene der Politik und der Verwaltung sowie der Blick auf Integration als Querschnittaufgabe und folglich eine vernetzte und koordinierte Vorgehensweise sind. Gerade in größeren oder städtisch geprägten Gemeinden ist in dieser Hinsicht das Bewusstsein im Steigen.

Die für die Entwicklungsprozesse notwendige fachlich-inhaltliche Expertise und die Kompetenz zur Moderation und Strukturierung werden unterstützend für die Gemeinden von der Integrationsstelle Oberösterreich und den Kompetenzzentren für Integration und Diversität (ReKI) zur Verfügung gestellt.

Regionale Kompetenzzentren für Integration und Diversität

Als flächendeckendes Angebot zur Begleitung kommunaler Integrationsprozesse in Oberösterreich unterstützen die Regionalen Kompetenzzentren für Integration und Diversität (ReKI) Gemeinden bei der aktiven Gestaltung des Zusammenlebens von Einheimischen und Personen mit Migrationshintergrund. Die Regionalen Kompetenzzentren begleiten lokale Akteur/innen bei der Entwicklung von Vernetzungsstrukturen und sind Ansprechpartner/innen zu den Themen Integration, Migration und Interkulturalität.

Gemeinnützige Tätigkeiten für Asylwerber/innen und Dienstleistungsscheck

In der Vergangenheit zeigte sich die Bereitschaft der Gemeinden Beschäftigungsmöglichkeiten auf kommunaler Ebene für Personen im Asylverfahren zu schaffen. Neben der Möglichkeit von gemeinnützigen Tätigkeiten auf Gemeindeebene stellt auch die Nutzung des Dienstleistungsschecks für haushaltsnahe Tätigkeiten in Privathaushalten eine Beschäftigungsmöglichkeit mit Arbeitscharakter dar. Während im Bereich gemeinnütziger Tätigkeiten auf Remunerationsbasis die Gemeinde vor allem als Arbeitgeberin auftritt, ist sie beim Dienstleistungsscheck wichtig als Anlaufstelle und Vermittlerin, um einen niederschwelligen Zugang zu ermöglichen. Dienstleistungsscheck und gemeinnützige Tätigkeiten stellen gerade im kommunalen Umfeld eine wichtige Basis für Zusammenleben, Beschäftigung und Teilhabe dar.

Zahlen zum Dienstleistungsscheck:

August 2018: 176 Personen

September 2018: 168 Personen

Oktober 2018: 185 Personen

 

Gemeinnützige Tätigkeit von Asylwerber/innen

Seit April 2018 werden Zahlen zu gemeinnütziger Tätigkeit von Asylwerber/innen in den oö Gemeinden quartalsmäßig erhoben. Dabei ist anzumerken, dass diese Arbeitsmöglichkeit schon seit 2016 breit und erfolgreich von Gemeinden mit Asylquartieren angeboten wird.

Bis Ende September 2018 wurden 1 823 Personen, die im Rahmen von Remunerationstätigkeiten arbeiteten, von den Gemeinden gemeldet. Im zweiten und dritten Quartal 2018 waren insgesamt 2 205 interessierte Asylwerber/innen bei den Gemeinden vorgemerkt, von denen 1 350 für Tätigkeiten herangezogen werden konnten. Limitierend sind dabei vor allem die „Zuverdienstgrenzen“ für Asylwerber/innen in der Grundversorgung und die Definition als vorübergehende, anlassbezogene und nicht auf Dauer ausgerichtete Hilfstätigkeiten mit gemeinnützigem Charakter.

Die 2018 beobachtete Entwicklung zeigt bisher einen Rückgang der im Pool der Interessent/innen befindlichen Personen, jedoch einen Anstieg bei der Anzahl von Personen in gemeinnütziger Tätigkeit:

 

 

Während der Rückgang der Summe von Personen im Interessent/innenpool wohl im Zusammenhang mit der Reduktion von Plätzen in der Grundversorgung steht, kann der Anstieg bei den Personen in gemeinnütziger Tätigkeit ev. durch eine bessere Einbindung derjenigen Asylwerber/innen, die noch in den Gemeinden sind, erklärt werden. In jedem Fall ist eine andauernde Motivation der Gemeinden hinsichtlich der Einbindung von Asylwerber/innen durch Remunerationstätigkeiten zu beobachten.

 

Zivilgesellschaft leistet bei der Integration in den Gemeinden Großartiges

140 Vereine sind in Oberösterreich im Bereich der Zivilgesellschaft aktiv, mit rund 10.000 Mitmachenden. Sie sind für die Integration in den Gemeinden besonders aktiv und besonders wichtig. Ziel ist eine Zusammenarbeit von Gemeinden, NGOs und Zivilgesellschaft bei der Integrationsarbeit in den Gemeinden.

“Daher wollen und werden wir die Unterstützung der Zivilgesellschaft weiter verstärken. Unter anderem durch die einzigartige Organisation „Zusammenhelfen“, die extra für die Stärkung und Begleitung der Zivilgesellschaft in Integrationsfragen gegründet wurde und diese Arbeit professionell verwirklicht. Eine dieser Unterstützungsmaßnahmen sind Regionalkonferenzen. Die nächste für den Großraum Wels findet Morgen, Samstag, ab 12.30 im Bildungshaus Puchberg bei Wels statt.“

Inhalte der 3. Regionalkonferenz für Integration in Puchberg bei Wels: