22 Februar 2018

Integrationsarbeit in Oberösterreich: Evaluierungsbericht liegt vor

Im Rahmen der aktuellen Fluchtbewegung und der Übernahme des Integrationsressorts durch LR Anschober im Herbst 2015 wurde die Integrationsarbeit in OÖ Schritt für Schritt auf neue Beine gestellt. Wesentliche Grundsätze dabei: Integration ab Tag 1 und dezentral in den Regionen. Aber auch klare Strukturen und eine Stärkung der Zivilgesellschaft wurden etabliert.

Und erstmals wurde auch eine Integrationsoffensive für schon lange hier Lebende gestartet, in einem ersten Schritt für die Gruppe der Tschetschen/innen.

Im April 2017 hat die Oö. Landesregierung die Evaluierung der Integrationsarbeit beschlossen. Ein umfassender Evaluierungsprozess mit mehreren methodischen Ansätzen hat unter der Führung des Instituts „think.difference“ unter der Leitung des Soziologen und Integrationsexperten Kenan Güngör gestartet – heute liegt der Endbericht samt 25 Empfehlungen vor. Er bildet die Grundlage für die nun in Arbeit befindliche Weiterentwicklung des vor zehn Jahren fixierten Integrationsleitbildes.

 

 

Integrationsarbeit in OÖ – seit Ressortübernahme von LR Anschober

Mit Übernahme des Integrationsressorts im Herbst 2015 hat LR Anschober schrittweise massive Veränderungen bei der Integrationsarbeit in Oberösterreich verwirklicht:

  • Klare Struktur: Lage-Updates und Rahmensetzung erfolgen in der Steuerungsgruppe des Landes OÖ rund um LR Anschober mit NGOs, Bildungseinrichtungen, Exekutive, Behörden-vertreter/innen. Danach gibt es klare Strukturen bis hin zu den Engagierten in den Gemeinden: Die Bezirkshauptleute agieren als Bezirkskoordinatoren, klare Rollen und Verantwortungen obliegen auch den Gemeinden.
  • Beratung und Begleitung für Gemeinden, Zivilgesellschaft, Helfer/innen durch die flächendeckende Arbeit der Rekis (Regionale Kompetenzzentren Integration) sowie durch die Plattform „ZusammenHelfen in OÖ“ in allen oö. Bezirken, online, telefonisch, bei diversen Workshops oder Konferenzen.
  • Dezentrale Struktur der Integration: Der neue Grundsatz wurde bei Quartierbeschaffung, Wohnen, Arbeitsmarkt, Deutschausbildung verwirklicht und verhinderte erfolgreich die bisherige starke Zentralisierung auf wenige Großstädte.
  • Integration ab dem ersten Tag der Anwesenheit: Bisher hieß es, Integration ab dem Asylbescheid – angesichts der oft jahrelang dauernden Verfahren setzte OÖ als erstes Bundesland auf „Integration ab Tag 1“, z.B. mit Orientierungsausbildung und geförderten Deutschkursen. 19.233 Plätze in geförderten Deutschkursen wurden bisher von Asylwerbenden seit 2016 besetzt, weitere 4.912 schon Asylberechtigte haben ebenso Kurse besucht. Rund 2.000 Kinder und Jugendliche gehen ab ihrem ersten Tag in OÖ in die Pflichtschulen und Kindergärten, teilweise auch in weiterführende Schulen.
  • Neue Schwerpunkte: Deutsch und Arbeitsmarktintegration. Aufgrund der langen Asylverfahren und guter Deutsch-Fortschritte hat LR Anschober stark auf eine kontrollierte Öffnung des Arbeitsmarktes gesetzt, etwa im Bereich der Lehrlinge in Mangelberufen oder bei gemeinnützigen Tätigkeiten, Volontariaten u.a.m. Gerade im Bereich der Lehrlingsmangelstellen ist OÖ sehr erfolgreich, hat mit 311 Asylwerbenden in Lehre fast die Hälfte der bundesweiten Stellen. Dies vergünstigt die Kosten der öffentlichen Hand, sorgt für Beschäftigung, Ausbildung, Selbstständigkeit, rasche Deutsch-Fortschritte und für eine ideale Eingliederung in die Gesellschaft.
  • Nachholen der Integration für Gruppen, die schon lange hier leben: Integrationsoffensive 2 für Tschetschen/innen, Start des Dialogforums Islam, Arbeitsprozess mit den Migrant/innenorganisationen auf Basis konkreter inhaltlicher Schwerpunkte (2017: Gleichstellung von Mann und Frau)

 

Evaluierung der Integrationsarbeit des Landes OÖ: Methoden

Am 24. April 2017 hat die Oö. Landesregierung die Evaluierung der aktuellen Integrationsarbeit, aufbauend auf dem Integrationsleitbild des Jahres 2008, beschlossen.

In den letzten Monaten wurden daher diverse Maßnahmen gesetzt, die zur Evaluierung beitragen, unter der Führung des Integrationsexperten Kenan Güngör (Institut think.difference).

 

Der Methodenmix:

  1. Onlinebefragung (Juni 2017)

    Breite Aussendung an alle potenziell integrationsrelevanten Institutionen: 3.050 Aussendungen, 409 Antworten, Rücklaufquote: 16,3%

  2. Acht Fokusgruppen zu verschiedenen Themen (Oktober 2017):

    Bildung und Sprache
    Arbeitsmarkt und Qualifizierung
    Gleichstellung und Gender
    Migrantinnen-Selbst-Organisationen
    Religion, Säkularisierung und Extremismus
    Vielfalt und Diversität
    Integration & Zusammenleben im urbanen und ländlichen Raum
    Integrationsbezogene Entwicklungen, Strukturen und Prozesse

  3. Evaluationsbeirat

    Sitzungen und Austausch an bisher drei Terminen: 24.05.2017, 13.09.2017, 15.11.2017

 

Evaluierungsbericht liegt vor

Sämtliche Ergebnisse der Methoden wurden wissenschaftlich zusammengeführt – und liegen nun als Endbericht vor, darin auch 25 Empfehlungen:

 

Gemeinsame Basis ist gefragt

1. Menschen- und Grundrechte als Basis

2. Integrationsleitbild 2018: Kontinuität und Zukunftsfähigkeit

 

Institutionellen Rahmen und Akteur/innen stärken

3. Bestehende Strukturen und Steuerungsinstrumente beibehalten

4. Positiven Einfluss von AkteurInnen stützen

5. Verstärkung der bewusstseinsbildenden Medienarbeit

 

Erweiterte Integrationslandschaft festigen

6. Regelsysteme tragen Hauptverantwortung

7. Freiwillig Engagierte weiter unterstützen

8. Kreis von Migrant/innen-Selbst-Organisationen um Nicht-Organisierte erweitern

 

Kompetenzen fördern und Weiterbildungen anbieten

9. Interkulturelle Kompetenzen und Weiterbildungen vertiefen

10. Wissensmanagement und Expertise ausbauen

 

Nachhaltigkeit stützen und Kooperationen ausbauen

11. Finanzielle Sicherheit ist gefragt

12. Wirkungsmessung verstärken

13. Institutionelle Übergänge erleichtern

 

Gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern

14. Zusammenhalt in polarisierter Gesellschaft stärken

15. Gesellschaftlicher, interreligiöser sowie innerislamischer Dialog notwendig

16. Verständnis für Solidargesellschaften intensivieren

 

Alte und neue Zielgruppen inkludieren

17. Mehrheitsgesellschaft verstärkt im Fokus

18. Integration von Anfang an nicht als Bleibeversprechen

19. Gesteigertem Integrationsbedarf entgegenkommen

 

Konkretes angehen und Chancen nutzen

20. Spracherwerb: früh ansetzen und solide ausbauen

21. Bildung: integrative Elternarbeit gefragt

22. Arbeit: nachhaltige Wege eröffnen

23. Qualifikationen: gecheckt aber nicht anerkannt

24. Gender: Aufklärung und Vorbilder benötigt

25. Gleichstellung: Antidiskriminierungsarbeit zugänglicher machen

 

Der gesamte Bericht zur Evaluierung der Integrationsarbeit in OÖ steht unter folgendem Link zum Download zur Verfügung: integrationsstelle-ooe.at