23 November 2016

Integrations-ReferentInnen der Länder fordern Integrationsgesetz mit klaren Zuständigkeiten, Verantwortungen, Integrationspfad und Integrationscoaches

Bei der heutigen Konferenz in Klagenfurt haben sich die Integrationsreferent/innen der Länder darauf geeinigt, dass von der Bundesregierung ein wirksames Integrationsgesetz eingefordert wird, in dem klare Zuständigkeiten und Verantwortungen festgeschrieben werden und dabei ein klares Integrationsgesetz festgelegt wird, in dessen Zentrum ein einheitlicher Integrationspfad steht, der ganz im Sinne der Neupositionierung Oberösterreichs bereits ab Tag 1 in der Grundversorgung für Asylwerbende beginnt:

 

Maßnahmen entlang des Integrationspfades:

  1. Es werden Deutschintegrationskurse (bei Bedarf Alphabetisierung sowie Deutsch bis inkl. Niveau B1) angeboten, die je nach Bedarf 600 bis 900 Stunden umfassen. Orientierungs- und Systemwissen sowie Wertorientierung, Menschenrechtsbildung und politische Bildung sind in diesen Kursen integriert.
    Daneben gibt es auch bedarfsorientiert eigene Werte- und Orientierungskurse des ÖIF.
  1. Des Weiteren erfolgt eine Erhebung der Qualifikationen und Kompetenzen (Kompetenzcheck) und die Entwicklung eines persönlichen Perspektivenplans.
  1. „Integrationscoaches“ stehen Asylwerbenden -und bei Bedarf am Anfang auch Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten- zur Verfügung. Mit diesen werden  individuell und prozessorientiert Integrationsschritte besprochen, vereinbart und schriftlich festgehalten.
    Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte unterfertigen, wo im Bundesland vorgesehen, eine Integrationsvereinbarung. Passende Kurs- und Bildungsmaßnahmen werden vermittelt. Bestehende Betreuungsmodelle (GVS) sollen eingebunden und sinnvoll ergänzt werden.
  1. Erreichte Bildungsschritte entlang des Integrationspfades (z.B. Deutschkursniveaus) sowie die erfassten Ausbildungen/ Qualifikationen aus dem Herkunftsland werden in eine bundesweit einheitliche Datenbank eingetragen, die von den Ländern in enger Schnittstellenabstimmung mit Bundesorganisationen (BM.I, AMS, etc.) sowie kommunalen und regionalen Akteuren entwickelt und befüllt wird. Aktualisierte Ausdrucke können regelmäßig erstellt und bei Bedarf von der Zielgruppe bei verschiedenen Stellen vorgelegt werden („Integrationspass“).
    Die für die Arbeitsmarktintegration relevanten Daten (Sprachniveau, Qualifikationen, Berufsperspektive, etc.) sollen bei Gewährung von Asyl bzw. subsidiärem Schutz dem AMS via Schnittstelle übermittelt werden. Dadurch wird der Systembruch zwischen Asylverfahren und Asylberechtigung bereinigt. 
  1. Möglichkeiten zu Volontariaten, Praktika und gemeinnütziger Beschäftigung für Asylwerbende auch bei NGOs werden ausgebaut und weiterentwickelt.  Die gemeinnützige Beschäftigung soll keine negativen Verdrängungseffekte auf den Arbeitsmarkt bewirken. (siehe auch Beschluss der Landesflüchtlingsreferent/innen-Konferenz vom 28.9.2016 in Graz)
  1. Jugendliche Asylwerbende können derzeit nur in Mangelberufen eine Lehre absolvieren. Diese Möglichkeit ist auf alle Lehrberufe auszudehnen.
    Weitere Qualifizierungsmaßnahmen für die Erfordernisse des österreichischen Arbeitsmarktes sind zu entwickeln und in ausreichendem Maß zur Verfügung zu stellen. Jugendliche Asylwerbende sollen in die Ausbildungspflicht bis 18 Jahre gemäß Ausbildungspflichtgesetz einbezogen werden.

Anschober abschließend: „Zusätzlich wurden die Beschlüsse der oö. Landesregierung im Bereich der Arbeitsmarktintegration auf meinen Antrag hin nach den Flüchtlingsreferent/innen auch von den Integrationsreferent/innen mitgetragen. Die bisherige Öffnung der Lehrlingsausbildung im Bereich von Mangelberufen funktioniert in Oberösterreich in ersten Schritten relativ gut, mit derzeit  140 Lehrverträgen für junge Asylwerbende sind fast die Hälfte der bundesweit verankerten Lehrverträge in Oberösterreich geschaffen worden. Danke dafür den Unternehmen, den NGOs, dem AMS, der Wirtschaftskammer, denn damit werden für Jugendliche Perspektiven geschaffen. Und daher ist es gut, dass in Zukunft die Möglichkeit einer Lehre für jugendliche Asylwerbende auf alle Lehrberufe ausgedehnt werden soll. Gute Deutschkenntnisse sind dafür eine Grundvoraussetzung."