27 März 2015

Mit ganzjähriger Sommerzeit mehr Lebensqualität und hohe Einsparungen

Zeitumstellung am Sonntag: Folge-Studie zeigt sozio- und makroökonomische Vorteile bei Umstellung auf ganzjährige Sommerzeit

Am Sonntag ist es wieder soweit: Um 2:00 Uhr werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt, der Wechsel von der Winter- auf die Sommerzeit erfolgt – und damit auch die Frage, ob die halbjährliche Zeitumstellung noch zeitgemäß ist. Die Antwort ist eindeutig: Bereits die zweite Studie ergibt Millioneneinsparungen und mehr Lebensqualität bei einer Umstellung auf ganzjährige Sommerzeit. 

LR Rudi Anschober hat im Herbst 2013 Teil 1 einer Studie des Energieinstituts an der JKU Linz präsentiert, in der erstmals eine gesamte Quantifizierung von energetischen (für Strom, Raumwärme und Treibstoff) und nicht-energetischen Auswirkungen (Biorhythmus, Wert Freizeitverhalten) der Zeitumstellung dargestellt werden. Fazit: Die Energieeinsparungen in der Winterzeit sind nur minimal, stattdessen wiegen die Biorhythmus-Störungen schwer.

Aktuell liegen die neuen Ergebnisse des 2. Teils der Studie vor: Hier wurden die sozio- und makroökonomischen Effekte einer halbjährlichen Umstellung bzw. einer potentiellen Umstellung auf reine Sommerzeit berechnet. Das Idealmodell der ganzjährigen Sommerzeit wurde bestätigt: Der monetäre Wohlfahrtseffekt in OÖ durch permanente Sommerzeit beläuft sich durch BIP und weitere Zahlungsbereitschaften auf 77,5 Mio. Euro jährlich. Und: Besonders Frauen würden davon profitieren.

LR Anschober: „Durch die neue EU-Kommission haben wir eine neue Chance, dieses Thema auf die Agenda zu bringen. Ich werde diese Studie an die Bundesregierung, die Fraktionen im EU-Parlament und die EU-Kommission übermitteln, um zu erreichen, dass endlich eine ehrliche Evaluierung in der EU gemacht wird. Ich habe den Eindruck, dass die Kritik zu greifen beginnt und wir eine Umstellung auf eine ganzjährige Sommerzeit erreichen können.“

 

Historisch: Zeitumstellung ein Relikt aus der Ölkrise der 1970er Jahre

Erstmals stellte Österreich schon im Jahr 1916 auf die Sommerzeit um, seit 1980 dann jedes Jahr – hauptsächlich aus Gründen der Energieeinsparung als Folge der Energiekrise 1974. Die EU vereinheitlichte die Sommerzeitregelung schließlich im Jahr 1994. Die Sommerzeit wird am letzten Sonntag im März eingeführt (plus 1 Stunde) und am letzten Sonntag des Oktobers (minus 1 Stunde) wieder umgestellt.

 

Studie Teil 1, Herbst 2013: Energetische und nicht-energetische Auswirkungen der Zeitumstellung

Im Herbst 2013 hat Energie-Landesrat Rudi Anschober eine von ihm beauftragte Studie des Energieinstituts an der JKU Linz präsentiert, die erstmals eine gesamte Quantifizierung von energetischen (für die Bereiche Strom, Raumwärme und Treibstoff) und nicht-energetischen Auswirkungen (Biorhythmus, Wert des veränderten Freizeitverhaltens) der Zeitumstellung darstellt. Die Ergebnisse: Das ursprüngliche Argument der Energieeinsparung in der Winterzeit ist nur minimal ausgeprägt, stattdessen sollte aus wohlfahrtsökonomischer Sicht die nun startende Sommerzeit ganzjährig beibehalten werden.

Die Studie zeigte, dass theoretisch durch die Winterzeit eine Ersparnis im Bereich Strom zwar möglich ist, sich dies durch höhere Treibstoff- und Raumwärme-Aufwendungen aber nahezu kompensiert. Besonders schwer wiegen die nicht-energetischen Effekte – gegen – eine Zeitumstellung: Biorhythmusstörungen, die vermehrt zu Schlafstörungen und Verkehrsunfällen führen. Besonders viel wert ist den Oberösterreicher/innen die Attraktivierung der Freizeitgestaltung am Abend während der Sommerzeit.

Landesrat Anschober: "Das klare Ergebnis der Studie, Teil 1 war daher: Um Biorhythmusstörungen zu vermeiden, die Vorteile der Sommerzeit zu nutzen, müsste die ganzjährige Sommerzeit eingeführt werden. Dadurch könnte ein monetärer Nutzen von bis zu max. 110 Mio. Euro jährlich, im Mittel jährlich 85 Mio. Euro, in Oberösterreich generiert werden und somit ein signifikant positiver wohlfahrtsökonomischer Effekt erreicht werden."

 

Teil 2, neu: Sozioökonomische und makroökonomische Effekte einer permanenten Sommerzeit

Ziel der Studie

Im nun vorliegenden Teil 2 der Studie des Energieinstituts werden die sozioökonomischen und die makroökonomischen Auswirkungen durch die Umstellung von Winterzeit auf das aktuelle Zeitsystem der Sommer- und Winterzeit und durch die Umstellung des aktuellen Zeitsystems auf permanente Sommerzeit für Oberösterreich analysiert. Dabei wird, aufbauend auf den Ergebnissen der Vorgängerstudie, eine makroökonometrische Simulationsanalyse durchgeführt, um die die dynamischen Effekte auf die Wirtschaft zu quantifizieren. Diese Effekte werden hinsichtlich ihrer Wirkung für die zentralen makroökonomischen Variablen Bruttoinlandsprodukt, Beschäftigte, Leistungsbilanz, privater Konsum und Investitionen sowie der zentralen sozioökonomischen Variablen Einkommen, Alter und Geschlecht der Beschäftigten ermittelt.

 

Genderperspektive: Frauen stärker betroffen

Ergänzend zu Teil 1 der Studie wurde eine Genderperspektive integriert, um geschlechterspezifische Aussagen in Hinblick auf die Auswirkungen der Zeitumstellung zu treffen. Durch die Schlafrhythmusstörungen werden – je nach Geschlecht und Alter – unterschiedliche Auswirkungen sichtbar: Frauen weisen generell eine höheren negativen Effekt in diesem Kontext auf, sie nehmen einen Anteil von 62% der von Schlafstörungen Betroffenen ein. Hinsichtlich des Alters ist die Gruppe der 45- bis 59-Jährigen hauptbetroffen.

Da sich Schlafstörungen auch auf die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz auswirken, sind in Oberösterreich über 160.000 Personen von einer Leistungsminderung am Arbeitsplatz ausgelöst durch die Zeitumstellung betroffen – rund 95.000 Frauen.

Wie bereits im ersten Teil der Studie statisch berechnet, ergeben sich positive Auswirkungen auf das oberösterreichische Wohlfahrtsniveau durch die Zeitumstellung von permanenter Winterzeit auf das aktuelle Zeitregime. Diese belaufen sich, nach statischer und dynamischer Berechnung, pro Jahr auf ca. 10,8 Mio. Euro.

 (c) Energieinstitut an der JKU Linz

 

Eine Umstellung vom aktuellen Zeitsystem auf eine permanente Sommerzeit würde einen zusätzlichen positiven Impuls für das oberösterreichische Wohlfahrtsniveau bedeuten, da weitere Tageslicht-Freizeitstunden für die Bevölkerung vorhanden wären und sämtliche nicht-energetische Kosten durch Schlafstörungen und deren Folgen (Verkehrsunfälle, verringerte Leistungsfähigkeit) entfallen würden.

Insgesamt würde der Zeitregimewechsel die oberösterreichische Wohlfahrt nach statischer und dynamischer Berechnung um 77,5 Mio.Euro pro Jahr erhöhen (siehe Tabelle unten). Neben den monetären Effekten kommt es durch den Wechsel des aktuellen Zeitregimes auf permanente Sommerzeit zu einem Anstieg der Beschäftigung von ca. 60 Arbeitsplätze pro Jahr.

Die statische sozioökonomische Betrachtung ergibt, dass es durch das aktuelle Zeitsystem vor allem bei Frauen zu Schlafrhythmusstörungen und verringerter Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz kommt und die Schlafrhythmusstörungen in der Altersgruppe zwischen 45 und 59 Jahren am häufigsten auftreten. Die Ergebnisse der dynamischen sozioökonomischen Betrachtung einer Umstellung des aktuellen Zeitsystems auf eine permanente Sommerzeit zeigen, dass vor allem zusätzliche Arbeitsplätze für Personen mittleren Alters geschaffen werden, diese zum größten Teil niedrige bzw. mittlere Einkommen beziehen und diese relativ neutral gegenüber dem Geschlecht sind.

(c) Energieinstitut an der JKU Linz

         

Möglichkeiten zur Änderung der Zeitumstellung

Mit der geltenden Richtlinie wurde die bereits achte Richtlinie zur Regelung der Sommerzeit auf EU-Ebene verlängert, und zwar anders als alle vorhergehenden Richtlinien, um eine unbegrenzte Dauer. Schließlich komme es für einige Sektoren, wie in den Erwägungsgründen der Richtlinie erläutert, auf eine langfristige Planungssicherheit an. Allerdings, und darauf wird auch verwiesen, sollte die Anwendung der Richtlinie weiterhin beobachtet werden, weshalb die Kommission hierüber einen Bericht vorlegen wird.

Eine Änderung der Richtlinie durch Rat und Parlament – auf Basis eines Berichts der Kommission – sollte somit jederzeit möglich sein. Eine Änderung des aktuellen europäischen Rechtsrahmens, müsste jedenfalls über eine Änderung der bestehenden Richtlinie erfolgen, welche die Mitgliedstaaten danach in innerstaatliches Recht zu transformieren hätten. Basis für eine solche Richtlinienänderung sollte ein entsprechender Bericht der Kommission sein.

 

Die nächsten Schritte: Informationen an EU-Stellen

LR Anschober: „Die beiden Teile der oö. Studie des Energieinstituts über die Effekte der Zeitumstellung zeigen klar, dass eine Änderung auf durchgängige Sommerzeit das Idealmodell für das oö. Wohlfahrtsniveau darstellt. Es ist klar, dass Oberösterreich alleine die Zeitumstellung nicht reparieren kann, weshalb ich nun mit den Zuständigen der Bundesregierung sowie in der neuen EU-Kommission umgehend Kontakt aufnehmen werde, um für eine EU-weite Lösung zu werben."

Im Vorjahr hieß es auf Anfrage bei der zuständigen Kommission noch: „ ... dass die Sommerzeit abgesehen von verstärkten abendlichen Freizeitaktivitäten und kleinen Energieeinsparungen nur wenig Auswirkungen hat“. Es habe aber bisher kein Mitgliedsstaat die Kommission gebeten, eine Änderung der geltenden Regeln in Erwägung zu ziehen.

"Ich werde daher nochmals mit Nachdruck unsere Studie an die zuständigen Stellen, die Bundesregierung und die neue EU-Kommission übermitteln, sodass es hoffentlich bald zu einem Evaluierungsprozess der Zeitumstellung kommt. Die Studie zeigt klar, dass auch keine ökonomischen Argumente für eine Umstellung sprechen, im Sinne von Gesundheit und Umwelt wird eine Zeitumstellung ohnehin abgelehnt", so Landesrat Rudi Anschober.