13 Oktober 2016

Neue landesweite Kampagne gegen Lebensmittel im Müll: „Is nu guat“

Unmengen guter Lebensmittel werden auch in OÖ weggeworfen. Seit 2 Jahren hat Umwelt-Landesrat Rudi Anschober die Halbierung der Lebensmittel im Abfall zum Ziel – das spart Ressourcen und Treibhausgase, schont die Geldbörse der Konsument/innen und ist nicht zuletzt auch aus ethischer Sicht eine Notwendigkeit. Seither wurden Initiativen für diverse Zielgruppen gesetzt – für Landwirtschaft, Produktion, Großküchen, Gastronomie und die einzelnen Haushalte.

Mit einer neuen Kampagne der oö. Umwelt-Profis mit dem Umweltland OÖ wird nun Bewusstsein geschaffen bei den Konsument/innen von morgen, nämlich bei den oö. Jugendlichen – zum sicheren, aber nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln. Zwei Sujets erwecken v.a. online unter dem Motto „Is nu guat!“ die Aufmerksamkeit und sollen einen Anstoß zum Nachdenken und Umdenken liefern.

LR Anschober: „Derzeit landen pro Haushalt in OÖ Lebensmittel im Wert von rund 300 Euro im Restmüll – das schadet uns allen. Österreichweit ist es die unfassbare Menge von 276.000 Tonnen jährlich. Wir können hier als Konsument/innen tagtäglich eine politische Entscheidung treffen, indem wir uns bewusst ernähren, bestenfalls zu biologischen, regionalen Produkten greifen und mit Lebensmitteln achtsam umgehen. Klar, jedem von uns passiert es mal, dass Restln übrigbleiben und weggeworfen werden müssen, aber mit der nötigen Aufmerksamkeit lässt sich dies schrittweise reduzieren. Mit der neuen Kampagne „Is nu guat“ wollen wir dieses Bewusstsein bei Jugendlichen, also den Konsument/innen der Zukunft, stärken. Die beste Einordnung, ob ein Produkt noch genießbar ist, schaffen unsere Sinne, also einfach am Joghurt, das schon das Mindesthaltbarkeitsdatum knapp überschritten hat, riechen und schmecken – in vielen Fällen wird es noch einwandfrei genießbar sein.“
Das Umweltland OÖ arbeitet am Trend weg von der Wegwerfgesellschaft: durch Reparieren statt wegwerfen, durch 18 ReVital-Shops in ganz OÖ, durch Reparatur-Cafés und auf Reparatur ausgerichtete Unternehmen, vor allem aber auch durch viel weniger Essen im Abfall.

 

Hintergründe: Lebensmittel im Abfall, Daten und Motive

Mehr als ein Fünftel der Treibhausgase in Österreich ist auf die Ernährung zurückzuführen. Diese ernährungsbezogenen Treibhausgase entstehen fast zur Hälfte durch die energieintensive Landwirtschaft und Tierhaltung sowie den hohen Anteil von tierischen Lebensmitteln in unserer Ernährung.

Abbildung 1: Beitrag der Ernährung zum Treibhauseffekt
Quelle: Lebensministerium

Jede/r Oberösterreicher/in wirft jährlich rund 16 kg an Lebensmitteln in den Abfall – das sind jährlich rund 40 kg pro Haushalt und das sind Lebensmittel im Wert von ca. 300 Euro. Ein Drittel der Lebensmittel wird gar originalverpackt bzw. unangetastet, also im Kaufzustand, entsorgt. Die Hälfte der Lebensmittelabfälle besteht aus angebrochenen, verpackten Lebensmitteln. Bei einem Siebtel handelt es sich um Speisereste.

Abbildung 2: Lebensmittelabfall in OÖ nach Zustand
Quelle: Land OÖ, ABF BOKU

Betrachtet man österreichische Haushalte, so gelten mehr als die Hälfte aller Lebensmittelabfälle als vermeidbar. Folgende Tabelle zeigt die Anteile an der Gesamtheit der derzeit bezifferbaren Lebensmittelabfälle auf, jedoch liegen derzeit über die Verluste in Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Großhandel noch keine verlässlichen Daten vor.

 

Tabelle 1: Mengen und vermeidbare Anteile von Lebensmittelabfällen in diversen Bereichen (ohne LW, Großhandel, Produktion)

* ohne Daten zur Eigenkompostierung, Verfütterung oder Entsorgung über den Kanal

Quellen: Lebersorger / Schneider (2014): Aufkommen an Lebensmittelverderb im österreichischen Lebensmittelhandel; www.united-against-waste.at; Schneider et al. (2012): Sekundärstudie Lebensmittelabfälle in Österreich.

 

Abbildung 3: Lebensmittelabfälle nach Produktgruppen

Quelle: Land OÖ, ABF BOKU

 

Abbildung 4: Warum entsorgen Haushalte Lebensmittel?

Quelle: Selzer, M. (2010): Die Entsorgung von Lebensmitteln in Haushalten: Ursachen - Flüsse – Zusammenhänge. Diplomarbeit. Wien.

 

41% der Lebensmittel werden also weggeworfen, weil schlichtweg zu viel davon gekauft wurde. Die Lebensmittel können nicht alle konsumiert werden, bevor das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten wird, es fehlt die Übersicht über Lagerung und Vorrat, und lockende Angebote und Werbung fördern zudem den gesteigerten Konsum.

38% der Lebensmittel werden weggeworfen, weil sie nicht (mehr) der Einstellung der Konsument/innen entsprechen. Grundsätzlich werden zu große Mengen gekauft und gegenüber übriggebliebenen Lebensmitteln herrscht oft Unsicherheit, ob diese noch genießbar sind oder entsorgt werden sollten.

Es herrscht ein Informationsdefizit darüber, wie man mit Lebensmitteln im Hinblick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum umgehen sollte und weiters, welche ökologischen und ökonomischen Folgen das achtlose Wegwerfen von Lebensmitteln hat.

 

Aktuelle Initiativen des Umweltressorts

  • Info-Kochshow „Kochtopf statt Mistkübel“

    Die Info-Kochshow von LR Anschober zeigt, wie einfach und schmackhaft Lebensmittelmüll vermieden werden kann. Krumme Karotten schmecken genauso gut wie gerade, und Joghurt ist oft sogar noch Wochen nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums ein Genuss. Bei der Kochshow wird gezeigt, informiert und gekostet, was man aus Lebensmitteln kocht, die sonst im Müll landen würden.
  • Beratungsangebot für die Gastronomie: „Küchenprofi[t]“

    Mit dem von United Against Waste und Klimabündnis OÖ gestarteten Programm „Küchenprofi[t]“ soll sich die Situation der Lebensmittelabfälle in Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben deutlich verbessern: Erfahrene Küchenprofis ermitteln zuerst die Abfallursachen im Betrieb und erarbeiten dann gemeinsam vor Ort Lösungsmöglichkeiten – von der Warenlieferung bis zur Essensausgabe. Dabei werden durchschnittlich 25% der Lebensmittelabfälle eingespart. Die Hälfte der Beratungskosten fördert das Land OÖ.
  • FoodCoops / Appetit auf Zukunft

    Im Zuge des Projektes „Appetit auf Zukunft“ werden direkte Beziehungen zwischen Konsument/innen und Produzent/innen geschaffen. Dadurch steigt die Wertschätzung gegenüber den Produkten, die kleinstrukturierte Landwirtschaft wird unterstützt, regionale Netzwerke werden gestärkt und Lebensmittelmüll vermieden.
  • Aufklärung für ein neues Bewusstsein der Konsument/innen

    Für eine neue Wertschätzung gegenüber unseren Lebensmitteln und ihren Produzent/innen sorgen auch folgende Initiativen aus dem oö. Umweltressort: das Koch- und Lesebuch „Besser Essen – Mit Genuss die Welt verändern“, Urban Gardening-Gemeinschaftsgärten, Schulgartenwettbewerb, die Initiative FleischfreiTag, die Handy-App „Gutes Finden“, ...

 

Neue Kampagne „Is nu guat“

Mit der Kampagne „Is nu guat“ haben sich die OÖ. Umwelt Profis und das Umweltressort des Landes OÖ das Ziel gesetzt, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Insbesondere wird dabei eine Entsorgung aufgrund der Fehlinterpretation des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) thematisiert. Ein überschrittenes Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet nicht, dass das Lebensmittel tatsächlich schon ungenießbar ist bzw. ist oftmals das Mindesthaltbarkeitsdatum von Lebensmitteln überschritten, die noch völlig in Ordnung sind. Die Kampagne „Is nu guat“ soll Bewusstsein für diese Tatsache schaffen und den Konsumentinnen und Konsumenten in Oberösterreich das Selbstbewusstsein geben, selbst zu entscheiden, ob ein Lebensmittel noch genießbar ist. Das Vertrauen in die eigenen Sinne, wie das Riechen an einer Milch, das Schmecken eines Joghurts oder das Betrachten eines Brotes soll den Menschen zurückgegeben werden.

 

Die Zielgruppe

Die Kampagne richtet sich vordergründig an junge Menschen, deren Verhaltensweisen noch weniger gefestigt sind, deren Einkaufs-gewohnheiten erst entstehen und denen es somit leicht fällt, nachhaltige Verhaltensweisen in ihren alltäglichen Umgang mit Lebensmitteln einzubauen. Es geht um die Konsument/innen der Zukunft.

Als Sekundärzielgruppen sollen Erwerbstätige und Hausfrauen/-männer erreicht werden. Die Tonalität und das Design der Kampagne orientieren sich an der jungen Zielgruppe. Mit dem Slogan „Es heißt übrigens ‚mindestens haltbar bis‘ und nicht ‚sofort tödlich ab‘. Abgelaufen heißt nicht zwingend verdorben.“ wird der Mythos Mindesthaltbarkeitsdatum pointiert dargestellt.

„Schönheitsfehler sind nicht tödlich! Nicht ganz frisch heißt nicht verdorben.“ bezieht sich auf den Einsatz der menschlichen Sinne zur Beurteilung eines Lebensmittels. Die Kommunikationskanäle und Maßnahmen sind auf die junge Zielgruppe abgestimmt: Facebook, Landing Page, Blog, Videos usw. erreichen die Zielgruppe dort, wo sie sich am liebsten aufhält: im Internet.

Die Kampagne „Is nu guat“ startet heute und bietet über die Landing page www.is-nu-guat.at auch laufend Tipps zum Vermeiden von Lebensmittelabfällen.

So wird über das Mindesthaltbarkeitsdatum ebenso wie über das Verbrauchsdatum aufgeklärt und die Überprüfung von Lebensmitteln hinsichtlich Genießbarkeit thematisiert. Rezepte für die Verwertung von Resten, Tipps zu Einkauf und Lagerung, Informationen zur richtigen Entsorgung und allgemein zu Abfallthemen runden das Angebot ab. Und auch dem Wert von Lebensmitteln wird ein eigenes Kapitel gewidmet.

Damit bieten die Umwelt Profis in Kooperation mit dem Land Oö ein breites Informationsangebot für alle Oberösterreicher/innen – damit es wieder öfter heißt: „das is ja nu guat“.