24 März 2017

Oberösterreichs neuer Trend zum Bio-Garteln hilft unserem Boden

neue Initiativen & Leitfaden fürs Garteln ohne Gift mit den wichtigsten Handlungsanleitungen für Bio-Gärtner/innen

Jetzt geht‘s los! Der Startschuss für die Gartensaison ist gefallen. Immer mehr Oberösterreicher/innen werden zu Bio-Gärtner/innen und schützen damit Boden, Wasser und sich selbst. Das oö. Umweltressort verstärkt die Informationsoffensive für  giftfreies Garteln. Bereits 10.000e Bio-Gärtner/innen sind im eigenen Garten aktiv oder in einem der bereits 75 Gemeinschaftsgärten in Oberösterreich. Sie schützen Natur und Böden und schaffen gesunde Lebensmittel und grüne Oasen im verbauten Siedlungsgebiet. Für sie gibt es nun wichtige neue Tipps fürs Bio-Garteln, gratis ab sofort bestellbar beim Bodenbündnis und hier. Denn sie sind auch die Botschafter für die Wichtigkeit gesunder Böden. Ein politisches Ziel, für das Umwelt-Landesrat Anschober auch eine neue Initiative startet.

Ob im Privatgarten oder gemeinsam, auf Balkon oder Terrasse – für immer mehr Menschen lautet das Ziel, naturnah ohne die Verwendung von Pestiziden und ohne Torf zu garteln – für die eigene Gesundheit, den unbekümmerten Genuss von Obst und Gemüse direkt aus dem Garten, zur Erhaltung der Artenvielfalt und den Schutz von Nützlingen und Böden. Gesunde Gartenböden nutzen Mensch und Klima, sie sind ein wichtiger Baustein zum Bodenschutz. Praxis-Tipps für Hobby-Gärtner/innen geben die Broschüren „Garteln ohne Gift“, „Bodenschutz im Garten“ und Vorträge des Bodenbündnis in Oberösterreich.

Umwelt-Landesrat Rudi Anschober: „Den Garten ökologisch zu bewirtschaften ist ein Beitrag zur Erhaltung natürlicher Kreisläufe und einer intakten Natur. Insbesondere der Boden dankt uns mit einer Fülle an wichtigen Funktionen, wenn auch wir ihm Gutes tun: Er ist die Basis für unsere Lebensmittelproduktion, die Trinkwasserreinigung, den Hochwasserschutz und trägt auch zum Klimaschutz bei. Damit das so bleibt, braucht er unseren Schutz, tun wir auch etwas für ihn! Umfassende Aufklärung ist dabei ein wesentlicher Baustein.“

 

Unser Boden braucht Schutz

Der Boden spielt in unserem Ökosystem eine sehr wichtige Rolle – ohne ihn wäre kein Leben möglich. Durch zahlreiche Entwicklungen verliert der Boden vielerorts aber immer mehr seiner positiven Eigenschaften:

  • Bodenversiegelung für Siedlungs- und Verkehrszwecke: Über 2 ha Land, das sind ca. 4 Fußballfelder werden in OÖ täglich umgewidmet
  • Intensive Nutzung durch die Landwirtschaft und übermäßiger Einsatz von Düngemitteln
  • Verdichtung durch schwere Maschinen
  • Erosion durch Wind und Wasser

Damit gefährden wir tagtäglich wertvolle Böden, die Garant sind für unsere souveräne Ernährung, für sauberes Trinkwasser, für Biodiversität und einen Schutz bei Starkregenereignissen.

Das Oö. Umweltressort steigert mit verschiedenen Aktionen und Projekten das Bewusstsein der Bevölkerung für die Wichtigkeit der Ressource Boden, und immer mehr Gemeinden und Betriebe engagieren sich im Bodenbündnis für den Schutz dieser wertvollen Ressource.

 

Maßnahmen zum Bodenschutz

OÖ Landesregierung unterstützt Ziele und Forderungen der Bodencharta

Im Mai 2015 hat die OÖ Landesregierung auf Antrag von Umwelt-Landesrat Anschober die Unterstützung der Bodencharta beschlossen. Die Unterstützer der Charta, die 2014 von zehn namhaften Organisationen wie z. B. Gemeindebund, Lebensministerium, Landwirtschaftskammer Österreich oder Hagelversicherung gestartet wurde, bekennen sich dazu, den massiven Bodenverbrauch zu stoppen und die Ressource Boden nachhaltig zu schützen. Ziel der Bodencharta ist es,

  • die Bebauung hochwertiger landwirtschaftlicher Flächen in Zukunft soweit als möglich zu vermeiden und
  • die Nutzung bereits entwickelter Flächen zu steigern.

 

Die Bodencharta nennt dazu vier Forderungen, die dieses Ziel unterstützen:

  1. Den Wert des Bodens einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen.

  2. Den Bodenschutz bei Bauvorhaben, besonders solchen die einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterliegen, stärker zu beachten und dabei den Bodenverbrauch sowie den Verlust an Bodenfunktionen zu minimieren.

  3. Ortskerne zu beleben und Leerflächen stärker zu nutzen. Forcierung der Innenentwicklung von Orten, der Wiederinstandsetzung von Industrie-, Gewerbe- und Verkehrsbrachen sowie die Nutzung von Leerflächen verbunden mit entsprechenden Anreizsystemen.

  4. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu verbessern. Dazu wird eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern vorgeschlagen, die eine verbindliche Zielsetzung zum Bodenverbrauch und ein entsprechendes Monitoring beinhaltet. Die Reduktion des Bodenverbrauchs sollte als Ziel in bodenrelevanten Gesetzen verankert werden.

LR Anschober wird die Umsetzung der Ziele der Bodencharta auch bei der heurigen LandesumweltreferentInnenkonferenz, die im Juni unter dem Vorsitz von Oberösterreich in Gmunden stattfinden wird, zum Thema machen.

 

Bodenfunktionskarten und deren Verwendung

Als erstes Bundesland hat Oberösterreich landesweit Bodenfunktionskarten erstellt: Sie zeigen zum Beispiel, wo in Oberösterreich die fruchtbarsten Böden zu finden sind, welche Böden besonders viel zur Abflussregulierung beitragen oder den Lebensraum für Bodenorganismen. So wird transparent, welche Flächen besonders wertvoll sind und unbedingt vor Verbauung geschützt werden sollen. Hier können Sie die Karten selbst ausprobieren: www.doris.at > Karten > Umwelt und Natur > Boden > Bodenfunktionen

Bodenlehrpfade

In Oberösterreich gibt es bereits 7 Bodenlehrpfade, die Wissen über heimische Böden, Bodenentstehung, Bodenlebewesen, Bodengefährdungen, Bodenfunktionen u.v.m. vermitteln. Sie befinden sich in Linz, Thalheim/Wels, Krenglbach, Steinerkirchen, Laakirchen, Ottenschlag und zwischen Steinbach am Attersee und Altmünster am Traunsee.

 

Bodenbündnis als wichtiges Rückgrat für Bodenschutz

Das Bodenbündnis ist ein Zusammenschluss europäischer Städte, Gemeinden und Regionen. Diese haben sich zum Ziel gesetzt, aktiv für einen nachhaltigen Umgang mit Böden einzutreten, eine sozial gerechte Landnutzung und eine verantwortliche kommunale Bodenpolitik zu forcieren. Das Bodenbündnis wurde in enger Kooperation mit dem Klimabündnis im Jahr 2000 in Bozen gegründet. In Oberösterreich sind derzeit das Land OÖ sowie zwei Betriebe und 53 Städte und Gemeinden, in denen rund ein Drittel der OÖ. Bevölkerung lebt, beim Bodenbündnis.

Das Bodenbündnis bietet für Gemeinden, Schulen und Betriebe in Oberösterreich attraktive Workshops, Vorträge und Ausstellungen zur Bodenbewusstseinsbildung an. Seit 2006 haben rd. 21.500 Schüler/innen und Kinder aus 944 Klassen an den Bodenworkshops teilgenommen.

Auch der Gartenwettbewerb für Schulen, Horte, Kindergärten und Kindergruppen regt jedes Mal viele Gruppen an, sich mit dem Thema Boden aus verschiedenen Perspektiven zu beschäftigen. Bereits 140 Gruppen haben sich in den letzten Jahren beteiligt, die nächste Ausschreibung ist für 2018 vorgesehen.

Immer mehr Menschen haben Lust, ein Stück Boden zu bewirtschaften – auch wenn sie keinen eigenen Garten besitzen. Verschiedene Garteninitiativen und Gartenformen sind in den letzten Jahren auf Initiative von LR Anschober in Kooperation mit Klimabündnis und Bodenbündnis OÖ entstanden. Aktuell sind rd. 75 Projekte am Laufen, die einen wertvollen Beitrag zum Bewusstsein für den Boden leisten. LR Anschober: „In diesen ‚Gärten der Vielfalt‘ gedeiht viel mehr als nur selbstgezogenes Gemüse, oft entsteht eine Gemeinschaft, die im sozialen Miteinander Kommunikations- und Integrationsprozesse ermöglicht.“

 

Alle Angebote unter: www.bodenbuendnis.or.at

 

Torffreie Erde als Beitrag zum Boden- und Klimaschutz

Die ersten Arbeiten und Pflanztage stehen an – im eigenen Garten, gemeinsam oder auch am Balkon. Mancherorts wurden dazu bisher erhebliche Mengen an Pestiziden, mineralische Dünger oder auch Torf eingesetzt – zu Lasten von Mensch und Umwelt mit der Gefahr langfristiger Schäden.

Wer auf Torf in Blumentopf, Garten oder Glashaus verzichtet, trägt zum Klimaschutz bei und hilft, gefährdete Moore und seltene Arten zu schützen und tut zudem auch seinem Boden was Gutes.

Die meisten handelsüblichen Gartenerden bestehen überwiegend aus Torf, auch biologische Blumen- oder Gartenerde enthält zum Teil große Mengen Torf. Achten Sie daher beim Kauf auf die Beschreibung torffrei oder auf das Österreichische Umweltzeichen - diese Produkte sind garantiert torffrei. Torfreduzierte Produkte können bis zu 60 % Torf enthalten!

Die Gewinnung von Torf trägt zur Zerstörung der Moore bei, viele seltene Pflanzen und Kleintiere verlieren in der Folge ihren Lebensraum. Torf bindet außerdem große Mengen des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid, das beim Torfabbau wieder freigesetzt wird und in die Atmosphäre gelangt. Zuviel Torf im Garten versauert außerdem den Boden. Derzeit werden jährlich in Österreich  rund 160.000 Tonnen Torf vor allem aus Osteuropa importiert -  abgebaut aus noch intakten Moorlandschaften. Dabei kann Torf durch richtig aufbereitete Holzfasern, Rindenhumus, Kompost, Tonmineralien, Lavagranulaten und biogenen Abfällen ersetzt werden.

Vortragsangebot: Was jede und jeder Einzelne tun kann

Gesunde Gartenböden haben viele wichtige Funktionen. Sie speichern Wasser, filtern Schadstoffe und versorgen die Gartenpflanzen mit Nährstoffen. Gartenböden recyceln ihre „Abfälle“ selbst und bilden dabei den fruchtbaren Humus. Im Humus wird Kohlenstoff dauerhaft gebunden und so auch das Klima geschützt.

Konkrete Hilfestellung bekommt man beim Bodenbündnis OÖ - es unterstützt mit Vorträgen, Bodenberatung und neuem Folder „Garteln ohne Gift“ sowie „Bodenschutz im Garten“ (s. unten).

Vorträge mit den Titeln „Natürlich Gärtnern ohne Gift und Chemie“, „Schnecken! Schrecken aus dem Boden“ oder „Bodenschutz bei der Gartengestaltung“ werden von Bodenbündnis-Gemeinden stark nachgefragt. Aktuell können z.B. folgende Vorträge besucht werden:

Alle Angebote und Termine unter: www.bodenbuendnis.or.at

 

Aktuelle Infofolder „Garteln ohne Gift“ und „Bodenschutz im Garten“

Garteln ohne Gift:

Umwelt- und Konsument/innenschutz-Landesrat Rudi Anschober appelliert an die oö. Konsument/innen, auf Gift im Garten und auf die Verwendung von Torf zu verzichten, stattdessen die ökologischen Kreisläufe zu unterstützen (etwa mit einem Insektenhotel)  und dort, wo Eingriffe dennoch erforderlich scheinen, auf völlig unbedenkliche Präparate zurückzugreifen. Gemeinsam Klimabündnis OÖ und Bodenbündnis OÖ sowie Global2000 ist im Oö. Umweltressort die Borschüre „Garteln ohne Gift“ entstanden, mit vielen Praxis-Tipps, Dos und Don’ts, Informationen über Gifte etc.

LR Anschober: „Das schützt die Gärtner/innen, die Tiere, die essbaren Pflanzen und die Böden. Unser Ziel ist der giftfreie Garten. Folgen wir dem Trend und setzen auf einen echten grünen Daumen.“

 

Gelungenes Garteln: 10 Hausmittel für den Garten

Die folgenden Hausmitteln werden in der Broschüre genauer beschrieben:

  • Mit Kräuteraufgüssen tun Sie Ihren Gartenpflanzen Gutes!
  • Bekämpfen Sie Schnecken umweltschonend!
  • Verwenden Sie übrig gebliebenen Kaffeesatz als Dünger.
  • Mit Knoblauch halten Sie Läuse fern.
  • Nutzen Sie Fliegengitter.
  • Unkraut natürlich vermeiden.
  • Basteln Sie ein Nest für Ohrenschlüpfer.
  • Machen Sie Ihre Pflanzen widerstandsfähig.
  • Gesunde Tomaten.
  • Richtig einkaufen.

Gratis Bestellung: bodenbuendnis@klimabuendnis.at, 0732-772652, www.bodenbuendnis.or.at

 

Bodenschutz im Garten:



Durch schonende Bodenbearbeitung, Kompostierung und den planvollen Einsatz von Pflanzen kann das Bodenleben gezielt gefördert werden. Der fruchtbare und lebendige Boden ist ein wichtiger Beitrag zum Klima- und Grundwasserschutz. Die Gartenbesitzer/innen profitieren von ertragreichen Pflanzen und gesunden Lebensmitteln.

 

Tipps für einen gesunden Gartenboden

  1. Bodenverbesserung durch Kompost

  2. Gartenböden schonend bearbeiten

  3. Gartenböden kontrolliert gießen

  4. Mulchen schützt vor Austrocknung

  5. Auf Vielfalt setzen

  6. Auf Torf verzichten – Moore schützen

  7. Garteln ohne Gift

  8. Versiegelung minimieren

Gratis Bestellung: bodenbuendnis@klimabuendnis.at, 0732-772652, www.bodenbuendnis.or.at