21 April 2017

OÖ als Europas Antiatom-Motor setzt in nächsten Tagen rund um Tschernobyl-Gedenktag engagierte Schwerpunkte

Protesttag gegen ein Atommüll-Endlager in Tschechien, Euratom-Ausstiegskonferenz in Linz, Konferenz der Allianz der Regionen für europaweiten Atomausstieg in Brüssel – Initiativen für Verbot von Atomsubvention, Beschränkung der Laufzeitverlängerung und Umbau von Euratom

In seiner Rolle als einer der engagiertesten Antreiber in Europa gegen die Atomenergie setzt Oberösterreich in den nächsten Tagen weitere Schwerpunkte:

  • Kampf gegen grenznahes Atommülllager in Tschechien

    Bereits morgen demonstrieren tausende Bürger/innen aus Tschechien in den möglichen Standort-Gemeinden gegen ein Atom-Endlager. Bereits zum 3. Mal organisiert dazu eine Plattform, aktuell bestehend aus 22 Umkreis-Gemeinden und 11 Vereinen, diverse Veranstaltungen gegen den Endlager-Bau, etwa Märsche, Läufe, Diskussionen, Bäume-Pflanzen, etc. Oberösterreich unterstützt ihre Proteste seit Jahren. Ein Atomendlager wäre in der aktuellen Situation ein weiteres Öffnen der Schleusen für einen Ausbau der Atomenergie in Tschechien. Gerade in Grenznähe darf ein derartiges Lager, das Sicherheit für eine Million Jahre bringen sollte und damit ein programmiertes Hochrisikoprojekt für tausende Generationen ist, nicht errichtet werden. Denn Österreich produziert keinen hochradioaktiven Atommüll, also besitzt Österreich auch das legitime Recht, sich gegen jedes grenznahe Lager aktiv zu wehren und die tschechischen Bürger/innen in ihrem Engagement zu unterstützen. Gelungen ist dies bereits beim nur 18 km von der OÖ Grenze in Boletice (Nahe Moldaustausee) geplanten Standort, der mittlerweile aus den Planungen genommen wurde.
  • Kampf für einen Ausstieg aus der Europ. Atomgemeinschaft EURATOM

    Am Dienstag treffen sich Atomgegner/innen und Fachexpert/innen aus ganz Europa auf Einladung LR Anschobers und der Vereine der OÖ. Antiatom-Offensive im Linzer Schlossmuseum, um die Bewegung für einen Ausstieg atomkritischer Länder aus der Atomfördergemeinschaft oder aber den völlogen Umbau von EURATOM in eine Fördergemeinschaft für die Energiewende voranzutreiben.

LR Anschober: „Es ist eine Farce, dass 60 Jahre nach der Gründung von Euratom über diesen Atomkraftfördervertrag noch immer Geld und Ressourcen, auch aus Österreich, in die Unterstützung der Atomenergie fließen. Ausstieg aus oder Umbau von Euratom ist eine weitere entscheidende Weichenstellung für einen gesamteuropäischen Atomausstieg."

  • Allianz der Regionen für einen europaweiten Atomausstieg

    Diese von LR Anschober mitgegründete Allianz der Regionen hält am Mittwoch in Brüssel ihre zweite Arbeitskonferenz ab. Im Mittelpunkt wird dabei ein Verbot von Subventionen für die Atomenergie stehen, da aufgrund der mittlerweile vollständigen Unwirtschaftlichkeit immer mehr Pro-Atom-Träumer zu Milliardenförderungen greifen wollen. Das aber wäre ein klarer Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht der EU, das von der Allianz der Regionen in den Fokus gerückt werden soll. Zweitens wird die Allianz bei ihrer Konferenz in Brüssel Maßnahmen gegen die immer häufigeren Laufzeitverlängerungen bei alten Atomreaktoren vorlegen, da mit dem Alter auch das Risiko von Atomreaktoren noch weiter zunimmt. Und drittens wird auch hier Euratom ein wesentliches Thema sein.

Anschober abschließend: „Die Atomindustrie ist 60 Jahre nach ihrem Start in ihrer bisher schwersten Krise. Unsere Strategie des Verteuerns von Atomstrom und gleichzeitig der Verbilligung der Erneuerbaren Energieträger durch immer größere Produktionsmengen und Effizienzsteigerungen beginnt zu wirken - dieser wirtschaftliche Hebel hat dazu geführt, dass mittlerweile 2 der 3 großen Atomindustriekonzerne (Areva und Westinghouse) wirtschaftlich völlig im Eck sind. Nun müssen wir die nächsten Schritte für einen schrittweisen europaweiten Atomausstieg durchsetzen, Linz und Brüssel werden dafür Meilensteine."

 

Entwicklung der Reaktoren in der EU

In der EU sind heute noch 128 Meiler am Netz, das sind 50 weniger als beim historischen Höchststand 1988. Seit der Jahrtausendwende haben in der Europäischen Union nur zwei Atomkraftwerke ihren Betrieb aufgenommen, eins in der Tschechischen Republik, und eins in Rumänien, nach 34 Jahren Bauzeit.