Bilder

Downloads

5 Juni 2019

OÖ blüht auf: Schluss mit Bienengiften

Neue internationale Studie zeigt: Honigbienen leiden unter Kombination von Insektengift und Milben. Erfahrungsberichte des OÖ Imkereiverbandes über aktuellen Stand des Bienensterbens in diesem Winter. Initiative bei der Übergangsregierung

Unsere Bienen, unsere Wildbienen, unsere Insekten sind in Gefahr. Zwei Stressfaktoren setzen den Bienen besonders zu: Insektizide und die Varroa-Milbe. Die Hauptbedrohung ist eine Kombination dieser beiden Faktoren, haben Forscher/innen einer internationalen Studie in der Schweiz nun belegt. Besonders die langlebigen Winterbienen sind davon betroffen. Sie werden im Herbst geboren, um das Überleben der Kolonie im Winter zu sichern. In OÖ fällt die Winterbilanz auch heuer nach den Beobachtungen und Einschätzungen der Imker/innen dramatisch aus: Die Winterverluste betragen 23 Prozent, das sind 14.000 Bienenvölker. Die aktuellen Zahlen des Landesverbandes der Imker/innen beziffern umgerechnet einen Schaden von ca. 2,5 Mio. Euro. Es ist daher höchste Zeit, dass ein konsequentes Verbot von Bienengiften in Österreich ausgesprochen wird. Dies ist eine der Hauptforderungen, die Umweltlandesrat Anschober bei Gesprächen mit Mitgliedern der neuen Übergangsregierung in den nächsten Wochen vorlegt. Ein Verbot von Bienengiften ist eine von zehn zentralen Forderungspunkten der von Anschober initiierten Petition „Rettet die Bienen - für den Schutz von Insekten, Böden und Artenvielfalt“

„Was der Biene und den Insekten schadet, hat am Acker und im Garten nichts verloren! Ich appelliere an die Übergangsregierung das überfällige Verbot von Glyphosat und anderen Bienengiften endlich durchzusetzen und entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um den Pestizideinsatz schrittweise zu verringern. Wir haben nun die Chance dem Insektensterben entscheidend entgegenzuwirken und einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten. Ich lade die Übergangsregierung herzlich zu konstruktiven Gesprächen ein!“, sagt Anschober und lädt die Übergangsregierung zum Dialog.

Wie groß das Interesse der Oberösterreicher/innen an der Bienenrettung ist, zeigt der großartige Start der Initiative „Rettet die Bienen - für den Schutz von Insekten, Böden und Artenvielfalt“ mit bereits über 16.000 Unterstützer/innen: www.ooebluehtauf.at  Die Bienenpetition ist überparteilich - an ihr beteiligen kann sich jede und jeder mit einem ernsthaften Interesse an der Bienenrettung. Bereits 24 oberösterreichische Gemeinden mit über 100.000 Einwohner/innen haben die Petition im Gemeinderat beschlossen und viele Promis unterstützen sie. Darunter etwa Dirigent Franz Welser-Möst, Bio-Pionier Werner Lampert, Genetiker Josef Penninger, Michael Rosenberger, der Umweltsprecher der Diözese Linz, Franz Maier, Präsident des österr. Umweltdachverbandes, Hanna Simons, Stv. Geschäftsführerin des WWF, viele prominente Köch/innen, Wirtesprecher Thomas Stockinger u.v.a.m. 

Bilanz Winterverluste Oberösterreich 

Die Honigbiene ist, wie viele andere Insektenarten, bedroht. In Europa können Bienenvölker in freier Wildbahn nicht mehrere Saisonen überleben. Aus vielen Ländern, etwa den USA, werden seit einigen Jahren auch bei von Menschen gepflegten Bienenvölkern sehr hohe Überwinterungsverluste von 30 Prozent gemeldet, die Gründe dafür sind eine Kombination verschiedener Faktoren: Parasiten, wie die aus Asien eingeschleppte Varroa-Milbe und Krankheiten, Pestizide, Nahrungsmangel, Verlust von Lebensraum und Witterung. 

In Österreich werden seit zehn Jahren die Winterverluste von Honigbienenvölkern erfasst. Die Verlustraten der eingewinterten Völker reichen von 8,1 bis 28,4 Prozent (Quelle AGES). Dabei werden auch die geografische Verteilung, Nahrungsquellen und die imkerliche Betriebsweise bspw. Varroa-Behandlung untersucht. So konnte ein negativer Zusammenhang zwischen Winterverlusten und der Seehöhe der aufgestellten Bienenvölker gefunden werden. Bzgl. Futterpflanzen stellen Mais, aber auch Raps und Buchweizen einen Risikofaktor dar. 

OÖ-Daten Winterverluste 2018/19

In OÖ fällt die Winterbilanz auch heuer nach den Beobachtungen und Einschätzungen der Imker/innen dramatisch aus: Die Winterverluste betragen 23 Prozent, das sind 14.000 Bienenvölker. Die aktuellen Zahlen des Landesverbandes der Imker/innen beziffern umgerechnet einen Schaden von ca. 2,5 Mio. Euro. 

Pestizide: Bienengifte mit fatalen Folgen

Pestizide sind chemische Substanzen, die Pflanzen vor Schädlingen schützen, indem sie diese abtöten, vertreiben oder hemmen. Der Grüne Bericht 2018 des BMNT weist für gesamt Österreich 1.294 zugelassene Pflanzenschutzmittel-Präparate aus. So werden Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten durch die Intensivierung der Landwirtschaft und den Einsatz von Pestiziden bedroht. Forschungen zeigen, dass sich bei intensiver industrieller Landwirtschaft mit dem massiven Einsatz von Risikopestiziden das Vorkommen von Wildbienen um bis zu 90 Prozent verringert.  

Glyphosat ist der weltweit am häufigsten verwendete Wirkstoff für sog. Pflanzenschutzmittel. 2002 wurde es erstmals EU-weit zugelassen. Glyphosat wurde 2015 von der WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ beim Menschen eingeordnet. Trotzdem haben EU-Mitgliedstaaten und –Kommission eine Zulassungsverlängerung um weitere 5 Jahre bis 2022 beschlossen. 

Studienergebnisse zeigen, dass Glyphosat das Orientierungsverhalten von Bienen beeinträchtigt und sich negativ auf das Immunsystem von Bienen auswirkt – durch die Anfälligkeit für Krankheiten erhöht sich die Sterblichkeit. Darüber hinaus schädigt Glyphosat Bienen und andere Insekten auch indirekt. Da der Einsatz des Unkrautvernichters zum Ausräumen von Landschaften und somit zur Verringerung von Nahrungsquellen für Insekten und Bienen beiträgt. 

Die sogenannten Neonicotinoide werden als Insektenvernichter weltweit auf Äckern ausgebracht. Nach langen Jahren der Untätigkeit bestätigte letztes Jahr ein Bericht der EFSA: Die Mehrzahl der Anwendungen von neonicotinoidhaltigen Pestiziden stellt ein Risiko für Hummeln, Wild- und Honigbienen dar. 

Der Bericht zeigt klar, dass Neonicotinoide, ausgebracht als Granulat oder SaatgutBeizmittel, sich negativ auf die Gesundheit der Bienen auswirken und speziell ihre Orientierungsfähigkeit und Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.   Daraufhin hat eine Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten im April 2018 dem Vorschlag der EU-Kommission zugestimmt, die drei Neonicotinoide Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin im Freiland zu verbieten.  

Sogenannte Notfallzulassungen machen es aber für die Mitgliedsstaaten möglich, das Verbot auszuhebeln. Viele EU-Länder machen davon Gebrauch. Auch in Österreich ist eine entsprechende Zulassung in Kraft getreten.   Das Bundesamt für Ernährungssicherheit hat mit Bescheid vom Dezember 2018 eine Notfallzulassung für die Beizung von Zuckerrübensaatgut mit drei neonicotinoidhaltigen Pflanzenschutzmitteln erteilt. 

Aktuelle Studie bestätigt Kombi-Effekt von Bienengiften und Milben-Befall als Grund für Winterverluste

Seit Längerem wird vermutet, dass ein Zusammenwirken von verschiedenen Stressfaktoren Grund für die hohen Verluste von Bienenvölkern in den vergangenen Jahren sein könnte. Eine Studie der Universität Bern und des Honigbienen-Forschungsnetzwerks COLOSS bestätigt nun den Verdacht: zwei Stressfaktoren setzen den Bienen zu, Insektizide und die Varroa-Milbe und eine Kombination dieser beiden Faktoren ist besonders bedrohlich. 

Die Wissenschaftler/innen behandelten Arbeiterinnen im Bienenvolk mit zwei ausgewählten Neonicotinoid-Wirkstoffen, bei einem zusätzlichen Befall mit der Varroa-Milbe wurden Schädigungen der Bienen nachgewiesen – besonders betroffen die langlebigen Winterbienen, die das Überleben des Bienenvolks über den Winter sichern sollen. Festgestellt wurde eine verkürzte Lebenszeit und eine Reduktion der Köpergröße, mit negativen Auswirkungen auf die Kälteresistenz.

Die Forscher plädieren für nachhaltige Lösungen in der Landwirtschaft, wie ein reduzierter Einsatz von Insektiziden sowie verbesserte Kontrolle der Varroa-Milbe. 

„Die vorliegende Studie bestätigt unseren Verdacht. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Pestizideinsatz und Wintersterblichkeit von Bienenvölkern. Die Zeit des massiven Pestizid-Einsatzes in Österreich muss ein Ende haben“, sagt Imkerpräsident Johann Gaisberger. 

Initiative an die Übergangsregierung: Aus für Bienengifte & Glyphosat-Verbot

Nach jahrelangen Verhandlungen konnte im Frühjahr letztes Jahr endlich ein europaweites Verbot der drei für Bienen am schädlichsten Neonicotinoide, durchgesetzt werden. Aber noch bevor dieses Verbot überhaupt wirksam wird, wurde der Einsatz dieser Bienengifte über Notfallzulassungen wieder erlaubt.   

Weiterhin in Verwendung, auch in Oberösterreich, ist das umstrittene Pestizid Glyphosat, das unter dem Namen „Roundup“ am Markt ist. Nach mehreren Urteilen und hohen Schadenersatzforderungen gegen den nun zum deutschen Bayer-Konzern gehörendem US-Saatgutriesen Monsanto, wonach der Unkrautvernichter Roundup krebserregend ist, muss Österreich endlich handeln. Auf das in den USA erfolgte Urteil zur Gesundheitsgefahr durch Glyphosat rasch reagiert hat die luxemburgische Regierung, die bekannt gab, Glyphosat im eigenen Land bis Ende des Jahres 2020 vollständig zu verbieten. Bisher galt ein Verbot der Anwendung auf öffentlichen Flächen.  

In Österreich hat der Bund eine Machbarkeitsstudie und einen Aktionsplan für den Glyphosat-Ausstieg für das Frühjahr angekündigt. Österreich hat, wie auch Luxemburg, 2017 gegen eine weitere Zulassung von Glyphosat in der EU gestimmt.  

Anschober appelliert an die Übergangsregierung rasch einen Komplettausstieg aus Glyphosat auf den Weg zu bringen und das Aus für Risikopestizide sicher zu stellen: „Die Kommission hat eindeutig formuliert, dass es einen Weg zu nationalen Verboten von Glyphosat gibt. Luxemburg geht nun voran, Österreich muss sich anschließen. Das schont die Gesundheit der Arbeiter/innen und schützt Bienen und Insekten. Auch das Verbot der Neonicotinoide darf nicht aufgeweicht werden, denn Risikopestizide sind nicht die Lösung sondern das Problem – es braucht jetzt Anreize für eine bienenschonende pestizidfreie Landwirtschaft!“ 

OÖ blüht auf: Unterstützung für Petition wächst täglich

Immer mehr Unterstützung erfährt die Initiative „Rettet die Bienen – Petition zum Schutz von Boden und Artenvielfalt“. Bereits mehr als 16.000 Menschen haben die Online-Petition unterzeichnet, die bis 30.September fortgesetzt wird. Bereits 24 Gemeinden mit über 100.000 Einwohner/innen haben eine Resolution zum Schutz der Insekten, Böden und der der Artenvielfalt im Gemeinderat beschlossen. Prominente als Werbeträger sind besonders wichtig für die Kampagne zur Bienenrettung, um die Botschaft möglichst breit und weit zu kommunizieren. 

Anschober: „Ich freue mich daher ganz besonders über die Unterstützung von sehr unterschiedlichen prominenten Menschen aus Oberösterreich und bedanke mich für das Engagement ganz besonders herzlich!"

Einige prominente Unterstützer/innen – Fotos und Zitate sind auf www.ooebluehtauf.at abrufbar: 

  • Stardirigent Franz Welser-Möst
  • Bio-Gärtner Karl Ploberger
  • Hanna Simons (Geschäftsführerin WWF Österreich)
  • Bio-Pionier Werner Lampert 
  • Monika Langthaler (Unternehmerin)
  • Unternehmer Rainer Reichl 
  • Genetiker Josef Penninger
  • Franz Maier (Präsident des Umweltdachverbandes)
  • Michael Rosenberger (Umweltsprecher der Diözese Linz)

Und folgende Gemeinden haben die Petition bereits in ihren Gemeinderäten beschlossen: 

Gemeinde Ampflwang | Gemeinde Bad Goisern | Gemeinde Hochburg Ach | Gemeinde Luftenberg | Gemeinde Ottnang am Hausruck | Gemeinde Pucking | Gemeinde Reichraming | Gemeinde Riedau | Gemeinde St. Johann am Walde | Gemeinde Unterweitersdorf | Gemeinde Walding | Gemeinde Zell am Pettenfirst | Marktgemeinde Hofkirchen im Mühlkreis | Marktgemeinde Molln | Marktgemeinde Ottensheim | Marktgemeinde Ried in der Riedmark | Marktgemeinde Schwertberg | Marktgemeinde St. Florian | Marktgemeinde St. Oswald bei Freistadt | Marktgemeinde Taiskirchen | Marktgemeinde Vorchdorf | Stadtgemeinde Kirchdorf a.d. Krems | Stadtgemeinde Ried im Innkreis | Stadtgemeinde Vöcklabruck