30 Januar 2017

OÖ macht Fortschritte bei Integration von Flüchtlingen am Arbeitsmarkt, braucht aber mehr Unterstützung von der Bundesregierung

Anschober fordert Integrationsoffensive für Asylwerber durch neues Regierungsprogramm

(Linz) Bereits 149 bewilligte Lehrstellen für AsylwerberInnen, massive Steigerung bei Jobs für Asylberechtigte, 93 Prozent der oö. Unternehmen würden Asylberechtigte beschäftigen, drei Viertel sind für eine möglichste frühe Integration am Arbeitsmarkt

"Laufend im Steigen ist die aufrechte Zahl an bewilligten Lehrstellen in Oberösterreich für junge AsylwerberInnen in Mangelberufen - aktuell sind es bereits 149 Stellen, 89 davon für Jugendliche aus Afghanistan. Auf die Bezirke verteilen sich die Lehrstellen, die ja nur für Mangelberufe erteilt werden dürfen, recht unterschiedlich: am erfolgreichsten sind die Bezirke Linz mit 21 und Rohrbach mit 19 Stellen", freut sich Integrationslandesrat Rudi Anschober, dass damit sinnvolle Integration und Perspektiven für junge Menschen entstehen und OÖ fast die Hälfte der bundesweiten Lehrlingszahlen bei AsylwerberInnen erreicht.

Auch bei den Asylberechtigten in Jobs steigen die Zahlen massiv an - derzeit (Nov. 2016) sind bereits über 2.000 Personen aus Afghanistan, Iran, Irak und Syrien in Beschäftigung, das sind 48 Prozent mehr als ein Jahr davor. Die größten Zuwächse hatten dabei Menschen aus Syrien mit Beschäftigung in Oberösterreich zu verzeichnen, sie konnten sich auf über 600 mehr als verdoppeln. Anschober: "Es ist davon auszugehen, dass davon die meisten, wenn auch nicht alle, Asyl- und Schutzberechtigte sind. Bundesweit liegen wir bei rund 11.600 Beschäftigten aus diesen Herkunftsländern. Beschäftigung ist für die Integration in jeder Hinsicht wichtig: sie schafft Selbstständigkeit, bietet die Möglichkeit Deutschkenntnisse weiter zu verbessern und lässt die Menschen in unserer Gesellschaft ankommen."

Das sehen auch die OberösterreicherInnen so: Bei der aktuellen SORA-Befragung im Auftrag des oö. Integrationsressorts sprechen sich drei Viertel für eine schnellere Öffnung des Arbeitsmarktes für Flüchtlinge aus.

Anschober: „Für die Integration am Arbeitsmarkt braucht es mehrere Voraussetzungen: eine davon sind gute Deutschkenntnisse. Daher haben wir 2016 begonnen, Deutschkurse in ganz Oberösterreich auch bereits für AsylwerberInnen, also möglichst früh nach Einzug in ein Asylquartier, anzubieten.
Es braucht zweitens aber auch die Bereitschaft der Unternehmen. Und die ist in Oberösterreich sensationell groß - nach der aktuellen Erhebung von EY wollen 93 Prozent der Betriebe auch Asylberechtigte anstellen. Und auch die tägliche Erfahrung in Oberösterreich bestätigt diese ermutigenden Daten. Danke in diesem Zusammenhang an alle engagierten Unternehmen, aber auch an WKO und AMS, die eine tolle Arbeit machen, und an die HelferInnen für ihre Vermittlungstätigkeit!
Drittens braucht es gute politische Rahmenbedingungen (wie sie etwa in Deutschland bereits vor vielen Monaten geschaffen wurden). Und da mangelt es in Österreich: die Forderungen der oö. Landesregierung, die im September mehrheitlich beschlossen wurden, sind bis heute noch immer großteils nicht umgesetzt. Es fehlt nach wie vor die Arbeitsmarktöffnung in Mangelberufen ab dem 6. Aufenthaltsmonat, die Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten für das AMS, die Gleichstellung mit ÖsterreicherInnen bei der Lehrlingsfreifahrt und dem Jugendticket (um Arbeitsplatz, Ausbildung und Lehrplatz auch erreichen zu können), die Ermöglichung von Schnuppertagen und Praktika und v.a.m. Da braucht es ein umfassendes Paket Arbeitsmarktintegration als Ergebnis der aktuellen Regierungsverhandlungen!"