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&copy Land OÖ: Mag. Stefan Schulz (Integrationsstelle OÖ) und LR Rudi Anschober präsentieren das Sprachförderpaket III für Asylwerber/innen

© Land OÖ: Mag. Stefan Schulz (Integrationsstelle OÖ) und LR Rudi Anschober präsentieren das Sprachförderpaket III für Asylwerber/innen

4 Juli 2018

OÖ startet neues Paket Deutschkurse für Asylwerber/innen

während auf Bundesebene die Integrationsmaßnahmen gestrichen werden, setzt Oberösterreich konsequent seinen Kurs offensiver Sprachausbildung als Basis für Integration fort

Zwei Jahre lang hat das das Integrationsressort OÖ gemeinsam mit den Bildungsinitiativen und im zweiten Jahr in Kofinanzierung mit dem Bund die bisher größte Offensive des Deutschlernens und der Basisausbildung umgesetzt. Somit konnte der allergrößte Teil der nach Oberösterreich gekommenen Asylwerber/innen eine erste Deutschausbildung erhalten – 19.233 Asylwerberinnen und Asylwerber haben seit Beginn der Offensive an Deutschkursen inklusive einer Orientierungsschulung mit den Schwerpunkten Verfassung und Gleichstellung von Mann und Frau teilgenommen.

Nach dem Ausstieg des Bundes aus dieser gemeinsamen Finanzierung wird der eingeschlagene Weg des Deutschlernens durch das Oö. Integrationsressort weitergegangen. Ab September werden wieder Alphabetisierungs- und Deutschkurse angeboten werden, vor allem um die bis dato noch unbeschulten 1.500 Menschen in der Grundversorgung zu erreichen. Denn die nach wie vor jahrelange Dauer vieler Asylverfahren können und müssen gut für Basiskenntnisse in Deutsch genutzt werden, um Begegnung, Alltagskommunikation und spätere Jobintegration zu ermöglichen.

„Der Bildungsbedarf, aber auch der Bildungshunger der neu zu uns gekommenen Menschen ist groß, Deutschkenntnisse sind - wie auch das neue Integrationsleitbild unterstreicht, eine Grundvoraussetzung für Integration. Ohne Deutschkenntnisse keine Begegnung, kein Kennenlernen, keine Orientierung, kein Verstehen unserer gesellschaftlichen Regeln, keine Jobintegration“, weiß Landesrat Rudi Anschober, der bisher auf fast 20.000 Teilnehmer/innen in Deutschkursen, 2.400 in Alphabetisierungskursen und Tausende an Basisbildungen und fast 5.000 Deutschkursteilnahmen von Asylberechtigten in Oberösterreich verweist.

LR Anschober: „Wir hätten uns eine Weiterfinanzierung der Deutschkurse für Asylwerber/innen gemeinsam mit dem Bund gewünscht, doch leider wurde dies nach den Wahlen im vergangenen Jahr dann nicht realisiert, was ich für einen großen Fehler halte – denn jede vertane Woche ohne Ausbildung ist eine verlorene, schadet der Integration, der Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt und zerstört die mühevoll aufgebauten Strukturen und die Jobs der Trainer/innen. Generell verfolgt die Bundesregierung derzeit die Strategie eines Streichens vieler Integrationsprojekte für Asylwerber/innen. Das ist eine absolut kontraproduktive Vorgangsweise: denn die Asylverfahren dauern nach wie vor oft Jahre, ohne Integrationsschritte werden Konflikte und Probleme geradezu provoziert.
So wurden nicht nur die Deutschkurse für Asylwerber mit einer kleinen Ausnahme gestrichen, auch das verpflichtende Integrationsjahr für Asylwerber wurde gestrichen. Und auch die Übergangsstufen wackeln und sind mit Einstellung bedroht. Hier soll bis Ende dieser Woche die Entscheidung fallen. Ich appelliere neuerlich an Bildungsminister Faßmann, diese wichtige Maßnahme fortzusetzen und gleichzeitig die Maßnahmen der Erwachsenenbildung - Alphabetisierung, Basisbildung, Nachholen des Pflichtschulabschlusses - deutlich zu verstärken. Denn gerade unqualifizierte Personen müssen wir durch Qualifikation und Ausbildung aus diesem Eck herausholen."

Nach Auskunft des Integrationsministeriums bei der Konferenz der Landesintegrationsreferent/innen vor zwei Wochen wird es in Zukunft im Bereich der Asylwerber/innen nur mehr Deutschkurse für Syrer/innen geben - die das Ministeriums zwar vollständig finanzier - allerdings sind die Syrer/innen in der oö. Grundversorgung mittlerweile eine sehr kleine Gruppe, da die meisten bereits das Asylverfahren positiv abgeschlossen haben. Nur 142 Asylwerbende mit syrischer Herkunft (Stand 12. Juni 2018) kommen für Deutschkurse in OÖ grundsätzlich in Frage. Das sind gerade einmal 8,4 Prozent der Gesamtzielgruppe.

Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und die Deutschkurse unverändert als Maßnahme des Landes ab September bis zum Ende dieses Jahres fortzuführen. Damit wollen wir vor allem jene erreichen, die bisher noch keine Deutschbeschulung erhalten haben, denn auch im neuen Oö. Integrationsleitbild ist die Bedeutung der gemeinsamen Sprache und Grundlage des Zusammenlebens manifestiert“, so Anschober, der an dieser Stelle auch einmal mehr den Sprachkursanbietern dankt, die praktisch aus dem Nichts eine tolle und flächendeckende Struktur für die Umsetzung hunderter Kurse aufgebaut haben.

 

Die Erfolgsgeschichte Deutsch und Bildung in Oberösterreich

Sprachförderpaket I LandOÖ

Erstmals in der Landesgeschichte wurde im Frühling 2016 ein umfassendes Deutschförderpaket von Integrationslandesrat Anschober gestartet, das vollständig vom Land finanziert wurde. Es gab zuvor kein institutionalisiertes Deutschkursnagebot für Asylwerber/innen. Entsprechend den dezentralen Quartieren wurde beim Sprachförderpaket I bis Sommer 2016 äußerst dezentral 315 Deutschkurse angeboten, an denen 3.780 Asylwerber/innen teilgenommen haben.

Sprachförderpaket II von Land OÖ und Bund

Parallel dazu wurde mit dem Innenministerium eine Kofinanzierung für ein umfassendes Deutsch-Paket verhandelt, das bereits im Oktober 2016 gestartet und bis Ende 2017 verwirklicht wurde. Ebenfalls dezentral umgesetzt, nahmen 15.453 Asylwerber/innen an 1.284 Deutschkursen teil. Im Rahmen des Pakets wurden auch Alphabetisierungsschulungen durchgeführt, an denen 2.400 Asylwerber teilgenommen haben.

Im Rahmen beider Sprachförderpakete wurden neben den Kursen auch die entsprechenden Prüfungen für alle Sprachniveaus  angeboten/finanziert.

 

Basisbildung und Pflichtabschluss für Asylwerber/innen

Rund 20 Prozent der Asylwerber/innen sind nach einer Erhebung des Integrationsressorts schlecht qualifiziert bzw. fehlt ihnen die Alphabetisierung. Daher wurde in den vergangenen beiden Jahren die Alphabetisierung in beide Sprachförderpakete aufgenommen.

Zusätzlich wurde das Angebot im Bereich der Basisbildung und des Pflichtschulabschlusses für Asylwerber/innen ausgeweitet. Im Bereich der Basisbildung, im Zuge welcher unter anderem Alphabetisierung, Mathematik und Informations- und Kommunikationstechnologien gelehrt werden, haben in den letzten zwei Jahren 634 Asylwerber/innen teilgenommen. Dafür wurde unter anderem durch das Projekt Bildungsministeriums „Bildung für junge Flüchtlinge“ die Möglichkeit geschaffen. Neben der Sprach- und Lernkompetenz werden in der Basisbildung soziale Kompetenzen vermittelt, Anschlussmöglichkeiten in das österreichische Bildungssystem und den Arbeitsmarkt ermöglicht und schlussendlich die gesellschaftliche Teilhabe gefördert.

Die Fortsetzung dieser Bildungsoffensive ist auch für Asylberechtigte notwendig, um ihnen die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln und somit auch einen raschen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Von 2015 bis 2017 haben insgesamt 1.377 Personen mit Migrationshintergrund an einer Basisbildung teilgenommen und 468 den Pflichtschulabschluss nachgeholt.

LR Anschober: "Ein tolles Programm liegt hinter uns, vieles ist geschafft, große Schritte in Richtung Integration wurden verwirklicht, eine tolle Vorbereitung für die Arbeitsmarktintegration umgesetzt. Jetzt brauchen wir eine weitere Verstärkung dieses Programms. Die Bedarfe an Basisbildung und vor allem an der Nachholung des Pflichtschulabschluss sind sowohl bei Österreicher/innen wie auch bei Migrant/innen sehr groß. Mit dem bestehenden Angebot können wir der Nachfrage und dem Bedarf nicht nachkommen. Aus diesem Grund ist es dringend notwendig, dass Bund und Länder die Angebote deutlich nachbessern hierfür. Gerade in Zeiten der Hochkonjunktur müssen diese Maßnahmen der Nachqualifizierungen forciert werden."

 

Integrationsarbeit für Asylwerber/innen wird von der Bundesregierung dramatisch reduziert - Integrationsressort will Integrationsarbeit konsequent fortsetzen

Deutschkurse für Asylwerber/innen wurden weitgehend eingestellt, das Integrationsjahr für Asylwerber/innen de facto gestoppt, die Überbrückungsstufe wackelt. Gerade der Sprachenunterricht ist aber die Grundvoraussetzung für Integration, für Verständigung, Kennenlernen und Begegnung, für Beschäftigung und Selbständigkeit.

Daher legt auch das neue Integrationsleitbild einen zentralen Schwerpunkt auf das Erlernen der deutschen Sprache. Und aus diesem Grund wird das Integrationsressort wie schon 2016 wieder Landes-Deutschkurse starten, um Basiskenntnisse der deutschen Sprache an alle zu vermitteln, die zumindest jahrelang in Oberösterreich leben.

 

Sprachförderpaket III vom Land Oberösterreich

Das Sprachförderpaket III wird im September gestartet. Die Vorbereitungen haben bereits begonnen. Das Angebot richtet sich an dieselbe Zielgruppe wie Sprachförderpaket II - rund 1500 Asylwerber/innen haben bislang kein Angebot eines Deutschkurses erhalten. Dafür werden 120 bis 140 Kurse erforderlich sein, die auch dezentral angeboten werden. Umgesetzt wird das Paket von denselben Bildungsträgern wie bisher. Auch die Kriterien bleiben unverändert.

Für Jahresbeginn 2019 wird eine nächste Stufe des Sprachtrainings vorbereitet.