21 März 2017

„Rassismus? Mog i ned!“ Zur Internationalen Woche gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit:

Neues Taschenbüchlein mit Argumenten gegen Hetze, Start der Videokampagne und weitere Aktionen in OÖ

Die Anzeigen und Delikte im Zusammenhang mit Rassismus nehmen in den letzten Jahren in Österreich und auch in Oberösterreich deutlich zu.
Rassismus hat die Spaltung der Gesellschaft zum Ziel, Mitmenschen werden allein aufgrund z. B. ihrer Herkunft oder Religion pauschal angefeindet und abgewertet, sei es in Gesprächen am Stammtisch oder in den Sozialen Medien, aber genauso strukturell bei Job- und Wohnungssuche.

Heute, am 21. März, wird international der Tag gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit begangen. In Oberösterreich startet eine Themenwoche mit dem Ziel, für das Thema Rassismus zu sensibilisieren, zum Nachdenken anzuregen, Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Die Initiativen:

  • das neue Taschenbüchlein „Da mach‘ ich nicht mit!“ mit Argumenten gegen die 15 häufigsten Hetz-Themen samt Videoclips;
  • zwei Pandas – die offiziellen Maskottchen der Anti-Rassismus-Arbeit sind in Linz unterwegs;
  • Spots in den Linzer Öffis machen aufmerksam;
  • und am 24. März widmet sich die Linzer Lesebühne dem Thema.

LR Rudi Anschober: „Es ist ganz normal, dass Menschen auf Neuerungen mit Verunsicherung reagieren, etwa auch, wenn durch Kriege und Terrorismus Menschen aus anderen Kulturkreisen bei uns Schutz suchen. Aus vielen Gesprächen und Besuchen in Gemeinden weiß ich: Da, wo die neuen und die alten Einwohner/innen aufeinander zugehen, werden Vorbehalte ganz schnell abgebaut, ein gutes Miteinander entsteht. Gerade in Oberösterreich hat sich hier vorangetrieben durch die Zivilgesellschaft vielfach eine positive Stimmung entwickelt (siehe SORA-Umfrage). Doch abseits dieser Begegnungen finden wir auch Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Vorurteile.
Diese Woche soll auf das Thema aufmerksam machen, soll uns alle anregen, Aussagen und Handlungen pauschal gegen Personengruppen – sei es in der Klasse, am Stammtisch oder in den Sozialen Medien – zu hinterfragen. Rassismus hat genau ein Ziel, nämlich die Spaltung der Gesellschaft, gemeinsam schaffen wir es aber, dem keine Chance zu geben! Statt Spaltung werben wir für ein gutes Miteinander.“


Rassismus – wachsende Gefahr?

Rassismus und rechtsradikale Tathandlungen sind massiv angestiegen:

 

Rechtsextreme Tathandlungen 2010 – 2015

Abb. 1: Rechtsextreme Tathandlungen 2010 – 2015

 

Arten von Delikten

Abb. 2: häufigste rechtsextreme Delikte, Anzeigen 2015

 

Verurteilungen – Verhetzung

Abb. 3: Verurteilungen nach §283 Verhetzung 1976 – 2015

 

Verurteilungsrate

Abb. 4: Verurteilungen pro Anzeige nach §283 StGB 2015

 

Rassismus

= Menschen werden ausgeschlossen, weil sie anders sind, aussehen oder leben

= einer gesamten Gruppe werden (negative) Eigenschaften zugeschrieben („die Flüchtlinge“)

= Einteilung zwischen »Wir« und den »Anderen«

= es wird die Überlegenheit der eigenen Gruppe gegenüber der anderen Gruppe behauptet

= Abwertung, Ungleichbehandlung und Benachteiligung einer Gruppe

Beispiele:

  • abwertende Äußerungen gegenüber Personen aufgrund von Hautfarbe, Herkunft, Kultur und/oder Religion
  • Menschen aus anderen Ländern bekommen schwieriger eine Wohnung
  • eine Frau mit Kopftuch bekommt keine Arbeit
  • offene Anfeindung von bestimmten Gruppen und Hetze gegen diese.

Für die von Diskriminierung/Rassismus Betroffenen bedeutet das die alltägliche Verletzung ihrer Würde.
Unter bestimmten Voraussetzungen ist Rassismus in Österreich strafbar, etwa wenn jemand zu Gewalt oder Hass gegen Personen aufgrund bestimmter Merkmale (bspw. Religion, Hautfarbe, Weltanschauung, ethnische Herkunft, Geschlecht) aufruft, oder einen Menschen aufgrund dieser Merkmale beschimpft; diese Aussage mindestens 30 Menschen erreicht (Social Media!) und der Vorsatz der Beleidigung erkennbar ist.

 

Kampagne „Rassismus? Mog i ned!“

Die Kampagne Rassismus? Mog i ned! wurde 2012 von migrare, Land der Menschen und ÖGJ OÖ ins Leben gerufen. Mittlerweile wird die Initiative zusätzlich von Arcobaleno, Diakoniewerk Gallneukirchen,  Friedensstadt Linz, Jugendrotkreuz OÖ, SOS-Menschenrechte und Volkshilfe OÖ getragen. Workshopreihen, Ideenwettbewerb, Erstellung von Materialien, Facebook-Kampagne u.a.m. waren Initiativen der letzten Jahre. Vor allem die kostenlos bestellbaren Materialien werden kontinuierlich nachgefragt.

 

Taschenbüchlein gegen Hetze: „Da mach‘ ich nicht mit!“

Dr. Bert Brandstetter, Obmann von Land der Menschen – Aufeinander Zugehen OÖ: „Die 15 Vorurteile, die im Taschenbuch „Da mach´ich nicht mit!“ angeführt werden, sind nichts Neues. Wer immer sich an einen Stammtisch setzt, wird damit konfrontiert. Und oft fällt es schwer, eine brauchbare Antwort zu finden, mit der das Gegenüber etwas anfangen kann. Genau deswegen wurde dieses Heft erstellt und genau deswegen ist es vielleicht nützlich. Weil es Argumente bietet, die Vorurteile gegenüber Ausländern entkräften können. Kurz und bündig, so wie es auf der anderen Seite ja auch die Vorurteile meist sind. Tief sitzende Vorurteile gegen Fremde gibt es in allen Altersgruppen.“

Über Sprache und Parolen, die häufig verwendet und über (Soziale) Medien oftmals verstärkt werden, nehmen Vorurteile und Ressentiments gegenüber Menschen anderer Herkunft ihren Lauf, eine funktionierende Gesellschaft wird erschwert. Mit dem Büchlein „Da mach‘ ich nicht mit“ werden aktuelle Parolen aufgegriffen, hinterfragt, mit Informationen hinterlegt und Gegenstrategien der Kommunikation aufgezeigt. Die Trägerorganisationen von „Land der Menschen“ sowie der Kampagne „Rassismus? Mog i ned!“, mit ZusammenHelfen in OÖ und dem Integrationsressort von Landesrat Rudi Anschober leisten so gemeinsam einen Beitrag zu einem guten, rassismusfreien Zusammenleben in OÖ!
Inhaltliche Inputs stammen auch von AMS, UNHCR, IOM, Integrationsstelle OÖ, der Initiative ZusammenHelfen in OÖ und ZIMT.

Das Taschenbüchlein beinhaltet Tipps, um locker auf  fremdenfeindliche, rassistische, abwertende und auch aggressive Sprüche reagieren und klarer kommunizieren zu können. Bereits 2009 erschien die erste Auflage des Vorgängers unter dem Titel „Da mach´ ich nicht mit! Argumente gegen „rechte“ Sprüche, von dem es bereits vier Auflagen gibt. Seither wurde das kostenlose Taschenbuch von Servicestellen, Schulen, Jugendeinrichtungen und Privatpersonen aus ganz Österreich rund 60.000 mal angefordert. In Wien wurde das Heft in Kooperation mit WienXtra aufgelegt und an tausende Jugendliche verteilt.

Aufgrund der großen Nachfrage, liegt nun die Fortsetzung in OÖ bereit: 7.000 Exemplare des Taschenbüchleins sind via Land der Menschen erhältlich bzw. online unter www.landdermenschen.at abrufbar. Die Broschüren werden nun u.a. an Schulen, Jugendeinrichtungen, Servicestellen herangetragen.  

>Büchlein hier herunterladen, Bestellungen bitte an lr.anschober@ooe.gv.at

Folgende 15 Sprüche und Themenbereiche wurden aufgrund der aktuellen Debatten in Österreich in das Büchlein aufgenommen:

  • „Das kleine Österreich kann nicht die ganze Welt aufnehmen.“
    „Die kommen alle zu uns!“
  • „Wir sind im Krieg auch nicht davongelaufen.“
    „Wir haben unser Land aufgebaut!“
  • „Die meisten Asylanten* sind Wirtschaftsflüchtlinge.“
    „Da könnte ja jeder kommen!“
  • „Die Flüchtlinge sind kriminell.“
    „Sofort abschieben!“
  • „Mit den Flüchtlingen kommt der Terror ins Land.“
    „Der Islamische Staat* unterwandert uns!“
  • „Unsere Frauen trauen sich nicht mehr auf die Straße.“
    „Überall ausländische Sexualtäter!“
  • „Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg.“
    „Österreicher zuerst!“
  • „Die nützen unser Sozialsystem aus.“
    “Ich habe nichts gegen Ausländer, aber ...“
  • „Die wollen sich gar nicht integrieren!“
    „Da entsteht eine Parallelgesellschaft!“
  • „Der Islam passt nicht zu unserer Kultur.“
    „Islamisierung des Abendlands!“
  • „Die Frauen werden gezwungen Kopftuch zu tragen.“
    „Burkaverbot!“
  • „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.“
    „Deshalb ist man doch nicht gleich ein Nazi!“
  • „Am Nationalsozialismus war nicht alles schlecht.“
    „Da muss wieder einer durchgreifen!“
  • „Lügenpresse!“
    „Die Medien sagen uns nicht die Wahrheit.“
  • „Wir haben im eigenen Land nichts mehr zu reden.“
    „Wir sind das Volk!“               

Neben den 15 konkreten Infos zu aktuell häufigen Parolen sind im Büchlein auch Beiträge über Rechtspopulismus und Rechtsextremismus, über Hate Speech im Internet, Strafrahmen bei Hetze und ein Glossar mit schwierigen Begriffen enthalten.

 

Kurzvideos zum Taschenbüchlein über Social Media

Heute geht auch der erste von 5 kurzen Videoclips über Social Media online, mit Botschaften aus dem Taschenbüchlein.

https://www.facebook.com/LandderMenschen/

https://www.facebook.com/rudianschober/


Ab Herbst werden die 5 Kurvideos mit einer begleitenden pädagogischen Handreiche auch für den Einsatz in Schulen zur Verfügung stehen.

 

Vorankündigung: Einreichmöglichkeit von Kurvideos von Jugendlichen

Zum Motto „Da mach´ ich nicht mit! – Argumente für ein gutes Zusammenleben“ haben Jugendliche von 12 – 19 Jahren die Möglichkeit, ihr eigenen Gedanken filmisch zu verarbeiten und bis zum 16. Februar 2018 beim Smart up your Life/Land der Menschen einzureichen.

Die Gemeinschaftsinitiative von Land der Menschen OÖ und Welthaus Linz startet im September 2017 anlässlich des Langen Tags der Flucht mit einem Wanderkino. Anschließend werden Workshops für Schulen angeboten, die von fachlichen Expert/innen und Medienpädagog/innen begleitet werden und bei der Gestaltung der Kurzfilme unterstützen.

Bei der abschließenden Filmgala am Internationalen Tag gegen Rassismus, den 21. März 2018, werden die besten Beiträge gewürdigt und einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert.

 

Internationale Woche gegen Rassismus 2017  in OÖ

Oberösterreichische Organisationen betonen eine Woche lang rund um den Internationalen Tag gegen Rassismus am 21. März umso stärker Respekt und Offenheit gegenüber allen Menschen.

Heute, am 21. März als Auftakt wird die neue Ausgabe des Büchleins mit Argumenten gegen Hetze und für ein gutes Zusammenleben präsentiert samt einhergehender Videokampagne.

Im Anschluss an die Pressekonferenz machen zwei Pandabären, offizielle Maskottchen gegen Rassismus (schwarz – weiß – asiatisch), im Zuge einer Straßenaktion auf der Linzer Landstraße Passant/innen auf das aktuelle Thema Rassismus aufmerksam. Ein neuer Flyer informiert über Rassismus heute und Handlungsmöglichkeiten für jeden einzelnen. Es wird auch vor Ort die Möglichkeit geben, ein Foto-Statement gegen Rassismus abzugeben.

Infoscreens der Linz-AG informieren am 21.3. ebenfalls über den Welttag gegen Rassismus. Und zum Abschluss der Woche macht die Linzer Lesebühne „Original Linzer Worte“ am 24. März, um 20 Uhr Programm zum Thema Rassismus auf dem Salonschiff Fräulein Florentine. Titel der Veranstaltung: „Die Original Linzer Worte schaffen den Rassismus ab“.

 

Was tun gegen Rassismus?

  • diskriminierende Vorfälle erkennen, benennen und melden, z.B. beim Bundesamt für Verfassungsschutz
    (www.bmi.gv.at/cms/bmi_verfassungsschutz/) oder bei ZARA (www.zara.or.at)
  • Rassistische Aussagen polizeilich zur Anzeige bringen
  • Betroffene über ihre Möglichkeiten informieren, z.B. über Hotline des BMEIA (050 11 50 4242) gegen Diskriminierung und Intoleranz aufgrund ethnischer Zugehörigkeit, Herkunft oder Religion, Diskriminierungsstelle des Landes OÖ, Gleichbehandlungsanwaltschaft
  • eigene Vorurteile überdenken
  • Vorurteile gegenüber anderen in Gesprächen diskutieren

Die Integrationsstelle OÖ unterstützt zahlreiche Projekte, deren Ziel unter anderem die Deradikalisierung und Antirassismus ist: In Oberösterreich sind hierzu u.a. Workshops für Kinder und Jugendliche von ISK (Institut für Soziale Kompetenz), Land der Menschen/Rotes Kreuz, SOS-Menschenrechte oder Jugend im Dialog (Volkshilfe) abrufbar.

 

Hintergründe

Land der Menschen – Aufeinander Zugehen in OÖ

Land der Menschen ist ein Zusammenschluss von 12 Organisationen, die sich seit 2000 für ein gutes Zusammenleben in OÖ einsetzen: Caritas OÖ, Diakoniewerk OÖ, Grüne Bildungswerkstatt, Hilfswerk OÖ, Katholische Aktion OÖ, Kinderfreunde OÖ, migrare – Zentrum für MigrantInnen OÖ, ÖGB OÖ, Pädagogische Hochschule des Bundes in OÖ, Rotes Kreuz OÖ, SOS-Menschenrechte und Volkshilfe OÖ.

 

21. März – Internationaler Tag gegen Rassismus

Der 21. März gilt als „Welttag gegen Rassismus“. Er soll nicht nur an die friedliche Demonstration (gegen das Apartheitsregime) von Sharpeville in Süd-Afrika von 1960 erinnern, sondern auch die Sensibilität gegenüber Alltagsrassismus schärfen. Damals wurden bei einer friedlichen Demonstration (gegen das Apartheitsregime) 69 Menschen durch die Polizei getötet und Dutzende verletzt. Im Jahr 1966 wurde als Reaktion auf das Massaker der „Internationale Tag zur Überwindung von Rassendiskriminierung“ von den Vereinten Nationen eingeführt.