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&copy Land OÖ/ Dedl

19 Januar 2018

Skandal um Abschiebung von Lehrlingen: Fakten, Kampagne, Lösung

Integration darf nicht zerstört werden, Zuwanderung ist auch Chance!

 Pressekonferenz mit

  • LR Rudi Anschober
  • Martina Gusenbauer und Lehrling Amir Hussaini, Malerei Hauser
  • Barbara Kocher-Oberlehner, Revita Hotel Kocher
  • Helga Longin, Verein „Unser Bruck hilft“
  • Dr. Ferdinand Maier, Flüchtlingskoordinator a.D. und Autor „Willkommen in Österreich“
  • Schauspielerin Katharina Stemberger, Vorsitzendes des Vorstandes des Integrationshauses

Nachdem die Suche nach ausreichend menschenwürdigen Quartieren für Asylwerbende ab 2015 mit großem Engagement v.a. von Zivilgesellschaft und Gemeinden gelungen ist, geht es nun um Integration.

Wir haben es jetzt in der Hand, die Basis für ein gutes Miteinander zu legen - und so aus der Fluchtbewegung auch eine Chance für Österreich zu machen. Dabei geht es stark um Beschäftigung und Arbeitsmöglichkeiten für Asylwerbende, auch schon während ihres oft jahrelangen Asylverfahrens. Aktuell herrscht aber ein weitgehendes Arbeitsverbot für Asylwerbende in Österreich, anders als in vielen anderen EU-Staaten.

Ausgenommen vom Arbeitsverbot sind u.a. Lehrlingsmangelstellen für junge Asylwerbende bis 25 Jahre. Hier hat die Politik eine Öffnung ermöglicht, v.a. aufgrund des wirtschaftlichen Drucks in Branchen mit Fachkräftemangel, etwa in der Gastronomie. Österreichweit sind aktuell 727 Asylwerbende in Lehre, angeführt von Oberösterreich mit 294 Lehrlingen. Jedoch wären viele tausende weitere Lehrlingsmangelstellen noch frei.

Aktuell häufen sich jedoch die Negativbescheide für Asylwerbende in Lehre, die Angst von Lehrlingen und Betrieben vor Abschiebungen macht sich breit - und sorgt für Verunsicherung und breitestes Unverständnis. Allein in OÖ sind aktuell rund 50 der 300 Lehrlinge nach einem Negativbescheid bedroht.

LR Anschober: „Das sind top-integrierte junge Menschen mit Freunden, Aufgaben und Zielen, gutem Deutsch, die sich ihr Leben schon jetzt eigenständig bezahlen - und die auch die Wirtschaft dringend benötigt. Es braucht hier in einem ersten Schritt sofortige Sicherheit für Menschen in Ausbildung und Lehre, damit es zu keinen Abschiebungen kommt, z.B. durch ein Aussetzen der Asylverfahren. Vorbild kann das deutsche 3+2-Modell sein, das Lehrlingen während Ausbildung und zumindest zwei Jahren Arbeit einen sicheren Status gewährt.  In einem zweiten Schritt sollte die schon geleistete Integration im Asylbescheid generell stärker beachtet werden. Denn Abschiebungen von Top-Integrierten versteht niemand!"

Diesen Wunsch nach einer humanen Lösung für Menschen in Ausbildung verdeutlichen aktuell schon über 26.000 Unterzeichner/innen bei der von LR Anschober ins Leben gerufenen Initiative "Ausbildung statt Abschiebung- Petition gegen Abschiebungen unserer künftigen Fachkräfte." Das Bündnis hinter der Initiative ist breit, Sozialminister a.D. Alois Stöger, Schauspielerin und Integrationshaus-Vorsitzende Katharina Stemberger, Flüchtlingskoordinator a.D. und Buchautor Ferdinand Maier oder Schauspieler Josef Hader unterstützen die Petition genauso wie viele NGOs und Wirtschaftstreibende. Heute starten zudem Kinospots in allen oö. Kinos.

www.anschober.at/Petition, Laufzeit bis 1. Februar 2018.

Im Februar folgen die Übergabe der Unterschriften und politische Verhandlungen. Anschober-Appell an die Bundesregierung: „Dieser Katastrophe für viele Betroffene und für viele engagierte Unternehmen darf nicht weiter zugesehen werden. Es braucht eine Allianz von Politik und Wirtschaft und eine klare Entscheidung der Bundesregierung wie in Deutschland, um weitere Abschiebungen während der Ausbildung zu verhindern."

Stellvertretend für alle Fälle von Negativbescheiden bei Top-Integrierten in Ausbildung oder Lehre haben die Malerei Hauser (Martina Gusenbauer und Amir Hussaini), das Revita Hotel Kocher (Barbara Kocher-Unterberger und Nader Ansari) und freiwillige Helferin Helga Longin vom Verein "Unser Bruck hilft" (Aref Sarwari in Schubhaft) ihre Situation geschildert.