31 Januar 2018

SORA-Integrationsmonitor Oberösterreich

Teil 1: Bewertung des Zusammenlebens in OÖ vor dem Hintergrund von Asyl und Migration – Vergleich zum letzten Jahr

Zum zweiten Mal hat das SORA-Institut aktuell die Stimmung und Einstellung in OÖ zu Flucht, Asyl und Integration detailliert erhoben – im Oö. Integrationsmonitor. Ziel ist es, Stimmungslagen zu sehen, Trends frühzeitig zu erkennen und den Rückhalt der Bevölkerung für politische Entscheidungen und Entwicklungen abzuklären.

Kurz zusammengefasst: Die generelle Stimmung in der oö. Gesellschaft ist prinzipiell sehr gut, hat sich gegenüber dem letzten Jahr auch merklich gebessert. Konkret das Zusammenleben mit Zuwanderern stufen zwei Drittel der Befragten als sehr oder ziemlich gut ein. Die Auswirkungen von Zuwanderung auf Vielfalt und Wirtschaft werden „eher gut“ gesehen, für Sozialsystem und Bräuche als „eher schlecht“. Beim Arbeitsmarkt gab es die stärkste Veränderung: 2016 sahen um  39% mehr Befragte „eher schlechte“ als „eher gute“ Auswirkungen, dieser Vorsprung beträgt nur mehr 10 Prozentpunkte, d.h. das Bild beim Arbeitsmarkt ist im Gegensatz zum Vorjahr, relativ  ausgeglichen. Gleich 7% mehr als bei der ersten Befragung stufen die Aufnahme von Flüchtlingen als „eher besser“ für die Entwicklung ihrer Gemeinde ein. Zugleich haben Befürchtungen in Richtung offener Grenzen und vor religiösem Terrorismus zugenommen.

Insgesamt ein sehr gutes Zeugnis für das gute Miteinander in Oberösterreich und die gelungene Integrationsarbeit. LR Rudi Anschober: „Damit zeigt sich eine doppelte Welt: die veröffentlichte Meinung von Politik und teilweise Medien, die ein relativ negatives Bild zeichnet und die reale Situation vor Ort in den Gemeinden, die viel positiver ist. Wo Begegnung stattfindet und die Integration erfolgreich ist, ist auch die Stimmung positiver."

Maßgeblich verantwortlich für die gute Annahme von Flüchtlingen in der Mehrheitsgesellschaft macht LR Rudi Anschober zwei Grundsätze, die in Oberösterreich von Beginn an der aktuellen Fluchtbewegung gelebt wurden: dezentrale Verteilung der Asylquartiere und Integration ab Tag 1.

So wurden in OÖ ab 2015 keine Massenquartiere für Flüchtlinge bereit gestellt, sondern kleine Quartiere mit aktuell rund 20 Personen pro Quartier, dezentral verteilt in ganz Oberösterreich, zum Höhepunkt in rund 80% der Gemeinden. Jede Gemeinde hat ihren solidarischen Beitrag geleistet, die Bevölkerung wurde nicht überfordert und die Asylwerbenden konnten möglichst selbstständig und gut leben. Begegnung fand tagtäglich statt.

Auch hat sich Oberösterreich für Integration ab Tag 1 entschieden, sodass – bei jahrelang dauernden Asylverfahren – eine Teilhabe an der Gesellschaft erleichtert wird, etwa durch geförderte Deutsch-Kurse samt integrierten Werte-Schulungen.

Wesentlichen Anteil an der positiven Stimmungslage in Oberösterreich haben zudem rund 10.000 Helfer/innen im Integrationsbereich, die sich zuerst um Spenden und Quartiere gekümmert, später um Behördengänge und Deutsch angenommen haben und jetzt bei Deutsch, Ausbildung, Jobs und Wohnen wesentliche Stützen sind. Sie sind auch die Brücken zwischen neuen und alten Einwohner/innen, kennen Chancen, Hürden und Probleme direkt aus der Praxis und sind damit wesentliche Meinungsbildner/innen in ihren Ortschaften, am Arbeitsplatz oder in Vereinen. Sie sind Teil des breiten Netzwerks Integration in OÖ.

LR Rudi Anschober: „Immer häufiger wird in Österreich versucht, ein Bild der Verängstigung und der Bedrohung im Zusammenhang mit Flüchtlingen zu zeichnen. Das ist falsch. Die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher haben offenbar einen sehr pragmatischen Zugang zum Thema Flucht und bewerten das aktuelle Zusammenleben als durchaus positiv – wenngleich Hürden und konkrete Herausforderungen natürlich gesehen werden.“

„Mein Appell an die Bundesregierung: Meine Grundsätze der Solidarität, der dezentralen und kleinen Quartiere und der Integration ab Tag 1 haben sich bewährt, jetzt ist es das oberste Gebot, diese Erfolgsmodelle weiter zu fördern und auszuweiten. Wer diese Grundregeln der Integration zerstört, gefährdet das gute Zusammenleben."

Hintergrund: Aktuell leben 9.604 Personen in 375 Quartieren des Landes OÖ in der Grundversorgung OÖ (gesamt 9.891 Personen mit der Grundversorgung des Bundes). Insgesamt sind im Rahmen der aktuellen Fluchtbewegung ab 2015 rund 20.0000 Menschen nach Oberösterreich gekommen, viele davon haben mittlerweile einen Asylbescheid erhalten und wohnen außerhalb der Grundversorgung.