18 März 2015

Tag des Wassers am 22. März

Schutz-Maßnahmen für unser Lebensmittel Nr. 1: Die neue OÖ. Pestizid-Strategie liegt vor

Presekonferenz mit

  • LR Rudi Anschober
  • LR Max Hiegelsberger
  • LK OÖ-Vizepräsident Karl Grabmayr

Österreich ist mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 1.100 Millimetern (92 Mrd. m³) pro Jahr eines der wasserreichsten Länder Europas. Diese gewaltige Menge entspricht rund dem doppelten Volumen des Bodensees. 1,2 Millionen Oberösterreicher/innen verbrauchen täglich über 280.000 m³ Trinkwasser – zu 100% aus Grundwasservorkommen. Wasser ist das Lebensmittel Nr. 1.  Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe und Haushalte benötigen es, z. B. als Lebensmittel, zur Energieerzeugung, für den Tourismus, die Freizeitgestaltung und Erholung.

Damit das Allround-Talent Wasser in höchster Qualität für die Bevölkerung erhalten bleibt, ziehen das Land OÖ und die Landwirtschaftskammer OÖ mit der Boden.Wasser.Schutz.Beratung mit ihrer Arbeit für das Trinkwasser an einem Strang. Die Landesstrategie „Zukunft Trinkwasser“ bildet den Rahmen für zahlreiche Maßnahmen zum Schutz von Grund- und Trinkwasser  - auch für die kommenden Generationen. Einer der wichtigsten Beiträge: Bewusstseinsbildung für einen wasserschonenden, nachhaltigen Pflanzenschutz. Die neue oö. Pestizid-Strategie 2015 soll mit einem 8-Punkte-Programm auf aktuelle Entwicklungen und neueste Erkenntnisse reagieren. Diese Strategie ist einmalig in Österreich.

Der jüngste Erfolg: ein bundesweites Verbot für „Bentazon“ auf oö. Druck hin.

 

Wasser-Landesrat Rudi Anschober:  Schutz unseres Lebensmittels Nr. 1

„Trinkwasser ist unser Lebensmittel Nummer1. Sein Wert für unsere Ernährung, unsere Gesundheit, aber auch seine wirtschaftliche Attraktivität haben in der letzten Zeit stark zugenommen. Die Versorgung der Bevölkerung mit einwandfreiem Trinkwasser hat in der politischen Agenda absolute Priorität. Um sauberes Trinkwasser auch für die nächsten Generationen anbieten zu können, braucht es ein entsprechend hohes Schutzniveau, mit unterschiedlichen Maßnahmen, etwa Schutz- und Schongebieten, Reduktionsprogrammen oder einer umfassenden Überwachung, soll dies gewährleistet werden“, betont Umwelt-Landesrat Rudi Anschober anlässlich des Tages des Wassers, der alljährlich am 22. März begangen wird.

Für die Erhaltung der Trinkwasserqualität gibt es in Oberösterreich eine Reihe von Maßnahmen: z. B. regelmäßige Wasseruntersuchungen sowohl in der öffentlichen Wasserversorgung als auch bei Hausbrunnen, Boden- und Gewässerschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft wie z. B. die Umsetzung eines gewässerschonenden Pflanzenschutzes oder auch Maßnahmen zur Verbesserung der Abwasserqualität in Industrie und Gewerbe. 

Eine wesentliche Rolle spielen die hunderten Pestizide, die am Markt sind: 468 Wirkstoffe, die EU-weit zugelassen sind, 1.115 Pflanzenschutzmittel-Präparate von rund 140 verschiedenen Herstellern allein ein Österreich (lt. Bundesamt für Ernährungssicherheit, Stand 16. März 2015). Hier ist dringender Handlungsbedarf: die Zulassungskriterien müssen so verschärft werden, dass diese Zahl in den nächsten Jahren drastisch verringert wird. Der Grüne Bericht des BMLFUW weist für gesamt Österreich im Jahr 2013 insgesamt über 3.100 Tonnen Wirkstoffmengen an Pflanzenschutzmitteln aus, die in Verkehr gebracht wurden – überwiegend Fungizide und Herbizide.

In landwirtschaftlich stark genutzten Gebieten bzw. als Folge ihrer Produktion und Entsorgung (siehe Ohlsdorf) hinterlassen diese ihre Spuren im Grundwasser bzw. in der Umwelt generell – für Generationen. In den Entsorgungsbetrieben Simmering wurden allein 2014 über 315 Tonnen an Altbeständen von Pestiziden verbrannt plus weitere 120 Tonnen an Produktionsabfällen von Pestiziden.

Schon kleine Dosen und Fehler oder Unachtsamkeiten in der Handhabung mit Pestiziden und erst recht kriminelle Akte können gravierende Umweltkatastrophen mit enormen Folgekosten auslösen.

 

Gewässerschonender Pflanzenschutz durch die neue Oö. Pestizid-Strategie

„Besonderes Anliegen ist dem Land OÖ daher der gewässerschonende Pflanzenschutz und damit die Umsetzung der oö. Pestizidstrategie“, so Anschober, „denn Wasser hat ein Gedächtnis wie ein Elefant – ist ein Schadstoff erstmal ins Grundwasser vorgedrungen, dauert es Jahrzehnte bis unser Wasser wieder frei von diesem Schadstoff bzw. dessen Metaboliten ist.“

Die Pestizidstrategie, die seit dem Jahr 2011 besteht und jetzt neu gemeinsam mit der LK OÖ überarbeitet wurde, sieht eine Verringerung bzw. Vermeidung der Gewässerbelastung mit Pflanzenschutzmittelwirkstoffen und -metaboliten vor. Seitens der Landwirt/innen kann dies durch die Umsetzung der Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes verwirklicht werden. Das Land OÖ bekennt sich zu diesen Grundsätzen einerseits, zu einer starken Landwirtschaft andererseits. Deshalb unterstützt die Boden.Wasser.Schutz.Beratung in enger Zusammenarbeit mit den Expert/innen des Landes OÖ im Zuge ihres Beratungsschwerpunktes bei Infoveranstaltungen mit Ortsbauernschaften, bei der Erstellung von Fachartikeln und Infomaterialien über problematische Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln und deren Abbauprodukte (z.B. Bentazon, Terbuthylazin, Metazachlor, Chloridazon und S-Metolachlor) oder zeigt alternative Unkrautregulierungsstrategien anhand etlicher Versuchsergebnisse auf. 2013 und 2014 ist es erstmals gelungen, auch den Handel zu diesem Thema umfassend zu sensibilisieren; zahlreiche Informationsveranstaltungen wurden durchgeführt.

Durch rechtliche Vorgaben autorisiert, kontrolliert das Land OÖ die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln, überwacht die Grundwasserqualität und spricht – falls nötig – Verbote oder Anwendungseinschränkungen aus.

 

Die neu überarbeitete Pestizidstrategie 2015 für OÖ enthält  folgende  acht Punkte:

Oö. Pestizidstrategie 2015: 8-Punkte-Programm zum Schutz des Grundwassers

1. Beratungsinitiative

Beratungen zum gewässerschonenden Pflanzenschutz für eine freiwillige Reduktion des Pflanzen­schutzmitteleinsatzes

Handelnde: Boden.Wasser.Schutz.Beratung, LK OÖ, in Kooperation mit Handel

  • Genereller Verzicht auf die Wirkstoffe Bentazon, Chloridazon, s-Metolachlor, Terbuthylazin
  • Minimierung des Einsatzes von Metazachlor
  • Weiterentwicklung von Alternativstrategien zu problematischen Pflanzen­schutz­mitteln
  • Initiierung der Kooperation zwischen Wasserversorgern und Landwirtschaft

2. Wassermaßnahmen im ÖPUL-Programm

Breite Umsetzung der Wassermaßnahmen im ÖPUL-Programm „Vorbeugender Grund­wasserschutz" (GRUNDWasser 2020) und „Vorbeugender Oberflächengewässerschutz auf Ackerflächen“

Handelnde: Boden.Wasser.Schutz.Beratung, LK OÖ

  • Verzicht auf die Wirkstoffe Bentazon, Chloridazon, Metazachlor, s-Metolachlor und Terbuthylazin in den Kulturen Soja, Mais, Zuckerrübe und Raps

3. Gewässeraufsicht

Schwerpunktaktionen bei landwirtschaftlicher Gewässeraufsicht

Handelnde: Land OÖ

  • Blatt- und Bodenproben zur Kontrolle der Ausbringungsverbote in Problemgebieten sowie in Schutz- und Schongebieten
  • Landwirtschaftliche Gewässeraufsicht der AMA, Auftrag des Landes OÖ

4. Reaktive Maßnahmen

Anwendungsverbot der jew. problematischen Pflanzenschutz-mittel im Einzugsgebiet belasteter Wasserversorgungsanlagen

Handelnde: Land OÖ

  • Handlungsempfehlung „Pflanzenschutzmittel im Einzugsbereich von Trinkwassergewinnungsanlagen, Jänner 2015“

5. Wasserrechtliche Bewilligungspflicht

Prüfen einer möglichen wasserrechtlichen Bewilligungspflicht des Pflanzenschutzmittel-Einsatzes folgender Wirkstoffe:

Handelnde: Land OÖ

  • Terbuthylazin
  • s-Metolachlor

6. Nachhaltige Anwendung

Umsetzung des „Aktionsplans des Landes Oberösterreich zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln“

Handelnde: Land OÖ

  • Verbote bzw. Anwendungseinschränkungen gemäß § 18 Abs. 2 Oö. Bodenschutz­gesetz in belasteten Gebieten

7. Einschränken oder Aufheben der Zulassung

Hinwirken auf bundes- / EU-weite Einschränkung oder Aufhebung der Zulassung von problematischen Pflanzen­schutz­mitteln bei den Zulassungsstellen für folgende Wirkstoffe:

Handelnde: Land OÖ

  • Bentazon
  • Terbuthylazin
  • Metazachlor (in Abhängigkeit des Auftretens von Metaboliten im Grundwasser)

8.    Monitoring

Pflanzenschutzmittel - und Metaboliten-Monitoring im Grund- und Trinkwasser

Handelnde: Land OÖ

  • Monitoringnetz gemäß Gewässerzustandsüberwachungs-verordnung (GZÜV)
  • Zusätzliches Monitoring in Problemgebieten
  • Anpassung des Parameterumfanges bei Trinkwasserversorgungs-anlagen in belasteten Gebieten

 

Erfolg: Nach Ennser Umweltskandal wurde wassergefährdendes Pestizid „Bentazon“ nach jahrelangen oö. Bemühungen nun aus dem Verkehr gezogen

Im Jahr 2009 hat Bentazon für einen Umweltskandal in Enns gesorgt, bis heute wird das Wasser aufgemischt, um Sicherheit für die Konsument/innen garantieren zu können.

Nun haben wir die Aufhebung der Zulassung des letzten noch zugelassenen Bentazon-Pestizids erreicht: Nach jahrelangen Bemühungen durch LR Anschober entzog das Bundesministerium die Zulassung für das Pflanzenschutzmittel „Artett“.

Anlässlich des Erneuerungsverfahrens zur Genehmigung des Wirkstoffes Bentazon auf EU-Ebene hat Oberösterreich eine Stellungnahme gegen eine erneute Zulassung eingebracht. LR Anschober hat kontinuierlich auf die Gefahren von Bentazon hingewiesen und so beim Bundesministerium ein generelles Verbot erreicht.

In einem Schreiben des Lebensministeriums heißt es: „(...) [Es] wurden von zahlreichen Experten Probleme im Zusammenhang mit einer möglichen Grundwasserkontamination – auch bei korrekter Anwendung – gesehen. Aufgrund dieses Sachverhaltes wurde seitens der dafür zuständigen Behörde, dem Bundesamt für Ernährungssicherheit, entschieden, die Zulassung des letzten noch zugelassenen Pflanzenschutzmittels (Handelsbezeichnung „Artett“) mit dem Wirkstoff Bentazon, von Amts wegen aufzuheben.“

Laut Information von Bundesminister Rupprechter hat es 2013 in Österreich an über einem Prozent der rund 2.000 Grundwassermessstellen eine Überschreitung des Trinkwassergrenzwertes bei Bentazon gegeben. Auch in OÖ sind vor allem Regionen mit starkem Sojaanbau betroffen.

LR Anschober: „Es ist ein wichtiger und richtiger Erfolg, dass Bentazon nach jahrelangem Engagement nun aus dem Verkehr gezogen wurde. Unser langfristiges Ziel muss aber sein, dass die EU insgesamt strengere Zulassungsbestimmungen für Pestizide erlässt und damit der großen Gefahr für unser Lebensmittel Nr. 1 – somit auch für die menschliche Gesundheit – Rechnung trägt. Die Zulassung und der Einsatz von Pestiziden müssen drastisch verringert werden!“

 

Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger:
Qualitätssicherung, Wasserversorgung, und -verbrauch in Oberösterreich

Die Trinkwasserqualität in der öffentlichen Wasserversorgung ist (abgesehen von seltenen Ereignissen) in Oberösterreich gewährleistet. Für die Hausbrunnen und -quellen ist der Laborbus mit der Aktion „Für unser Trinkwasser unterwegs“ seit 1991 in den oberösterreichischen Gemeinden zur Begutachtung, Trinkwasserprobenahme und der Untersuchung des Wassers im Einsatz. „Jährlich werden ca. 1.100 Hauswasserversorgungsanlagen untersucht. Für die dabei festgestellten Mängel und Qualitätsprobleme werden von den Wassermeistern von , OÖ Wasser‘ Sanierungs- und Verbesserungsvorschläge gemacht“, erläutert Landesrat Max Hiegelsberger.

 

Die Grundwasserqualität in Oberösterreich

Die aktuellen Messwerte laut Gewässerzustands-überwachungsverordnung zeigen eine weitgehend zufriedenstellende Entwicklung der Nitratwerte im Grundwasser des oberösterreichischen Zentralraums Lediglich im Grundwasserkörper Traun-Enns-Platte liegen noch höhere Nitratbelastungen vor. Die Traun-Enns-Platte erfordert –  bedingt durch die hohe Bewirtschaftungsintensität sowie der speziellen geogenen Gegebenheiten –  eine gesonderte Betrachtung. „Deswegen hat das Land OÖ im Rahmen eines Projektes speziell für die Traun-Enns-Platte eine Ursachenermittlung durchgeführt. Die Ergebnisse dieses Projektes fließen unmittelbar in die Beratung mit ein. Dem Land OÖ und der Landwirtschaftskammer OÖ ist die Grundwassersituation in der Traun-Enns-Platte ein besonderes Anliegen und deswegen legen die Beraterinnen und Berater der Boden.Wasser.Schutz.Beratung in diesem Bereich einen besonderen Schwerpunkt“, so Hiegelsberger.

 

Einzelwasserversorgungsanlagen haben in Oberösterreich große Bedeutung

Einzelwasserversorgungen (Hausbrunnen und Hausquellen) haben in Oberösterreich im Bundesländervergleich eine überdurchschnittlich hohe Bedeutung. Dies hängt einerseits mit der sehr aufgelockerten Siedlungsstruktur mit Gebäuden in Einzellage (Streulage) zusammen, andererseits verfügen mehrere Gemeinden weder in den Ortszentren noch in größeren Siedlungen über eine öffentliche Wasserversorgung. Besonders bedeutsam ist der Hausbrunnen in der Landwirtschaft für die Viehhaltung.

Rund 260.000 Einwohner/innen werden in Oberösterreich aus 90.000 Hausbrunnen versorgt, das sind 19 Prozent der oberösterreichischen Bevölkerung. Dies ist der höchste Prozentsatz in Österreich.

„Unsere Informationsoffensive und verstärkte Beratung sollen dazu beitragen, die bauliche Qualität der Brunnen zu heben. Durch fachkundiges Personal (OÖ Wasser) sollen nicht nur Wasserproben besorgter Bürger analysiert werden, sondern durch die Beratung werden Lösungswege aufgezeigt und mit Unterstützung des Landes vorangetrieben", hält Hiegelsberger fest.

 

Wasserverbrauch ist enorm

Pro Jahr stehen Österreich rund 77 km³ (= Milliarden Kubikmeter) Wasser zur Verfügung. Der gesamte jährliche Wasserbedarf in Österreich beträgt ca. 2,5 Milliarden Kubikmeter, was etwa drei Prozent der pro Jahr verfügbaren Menge entspricht. Davon werden ca. zwei Drittel in Gewerbe und Industrie verwendet. Ein knappes Drittel geht in die Haushalte. In der Landwirtschaft werden lediglich knapp sieben Prozent verbraucht.

Der durchschnittliche Verbrauch (ohne Einbeziehung von Gewerbe, Industrie oder Großverbrauchern) liegt bei etwa 130 Litern pro Tag und Person (Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach, ÖVGW, 2009). Das bedeutet, dass ein Vier-Personenhaushalt ca. 200 Kubikmeter Wasser pro Jahr verbraucht.

In Österreich werden pro Einwohner/in täglich 53 Liter Trinkwasser für Baden, Duschen und Körperpflege verbraucht. Die restlichen zwei Drittel brauchen wir nicht für Ernährung oder Lebenserhaltung. Mit 44 Liter pro Tag und Einwohner fließt ein weiteres Drittel als funktionales Spülmedium direkt in die Kanalisation. Für Wäschewaschen, Putzen und Geschirrspüler werden weitere 29 Liter benötigt. Lediglich drei Liter pro Tag verbraucht der Durchschnittsösterreicher für Essen und Trinken.

Mit ca. 295 Liter/Tag und Einwohner verbrauchen Nord- und Südamerika nahezu die doppelte Wassermenge pro Tag. Im Gegensatz dazu werden in Afrika lediglich 20 Liter pro Tag und Einwohner verbraucht. Vom weltweiten Wasserverbrauch werden lediglich zehn Prozent in den Haushalten verbraucht. Der Großteil wird in der Industrie für technologische, prozesstechnische u.a. Zwecke verwendet.

 

Wasser in der Industrie und im Gewerbe

Wasser ist für Industrie und Gewerbe ein wichtiger Standort- und Produktionsfaktor. In den letzten Jahrzehnten hat sich gezeigt, dass auch bei Großverbrauchern in zunehmendem Ausmaß die Einsparung von Wasser notwendig wurde. Ursache dafür war – neben ökologischen Aspekten – vor allem der wirtschaftliche Druck der Ver- und Entsorgungskosten.
Diese Sparmaßnahmen erfolgten einerseits durch Umstellung der Produktionsverfahren und andererseits durch Kreislaufführung bereits gebrauchten Wassers (Nutzwasser). Durch die in Industrie und Gewerbe gesetzten Maßnahmen konnten die Belastungen der Wasserqualität in den letzten Jahrzehnten nachhaltig reduziert werden. Dies spiegelt sich am deutlichsten in der durchwegs guten Qualität unserer Flüsse wider. 

 

Land OÖ setzt im Agrarbereich Maßnahmen für den Grundwasserschutz: Neues Landesgrünlandprogramm für Grundwasserschutz

„Der Schutz des Grundwassers wird von der oberösterreichischen Agrarpolitik sowie den Bäuerinnen und Bauern ernst genommen. Als Oö. Landesregierung setzen wir alles daran, dass hier noch mehr Maßnahmen gesetzt werden und koppeln die bisherigen Grünlandförderungen gezielt an Maßnahmen, die aktiv zum Grundwasserschutz beitragen“, berichtet Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger. So wird aus dem bisherigen Grünlandsicherungsprogramm ab 2016 das „Landesgrünlandprogramm für Grundwasserschutz“.

Die Auflagen sind so gestaltet, dass das oberösterreichische Landesgrünlandprogramm möglichst flächendeckend angeboten werden kann.

Folgende Kriterien sind jedenfalls notwendig:

  • Mindestanteil am gesamten Grünland 40 %
  • Hangneigung der Grünlandflächen unter 25 %
  • Mindestviehbesatz 0,5 RGVE je Hektar Grünland
  • Absolutes Grünlandumbruchsverbot (Parzellenscharf; mit sehr engen Ausnahmen)

Zahlengerüst:

  • 180.000 ha Grünlandflächen bei Betrieben mit mehr als 40 % Grünlandanteil in OÖ; abzüglich Steilflächenmahd 19.000 ha, ergibt sich eine förderfähige Grünlandfläche von 160.000 ha;  
  • Flächenprämie von 40 Euro je Hektar
  • Prämienvolumen 6,4 Mio. Euro je Jahr

Dieses oberösterreichische Grünlandprogramm wird flächendeckend als Regionalprogramm bzw. Grundwasserprogramm im ÖPUL angeboten.

Die Genehmigung durch Brüssel wird in den kommenden Monaten erfolgen.

Das neue Programm soll ab 2016 laufen – mit dem Herbstantrag 2015 soll die Antragsstellung bereits möglich sein.

 

Karl Grabmayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer OÖ:
Wasser in der Landwirtschaft

Wasser ist ein ganz wesentlicher Produktionsfaktor in der Landwirtschaft. Neben der Versorgung der bäuerlichen Familie mit einwandfreiem Trinkwasser spielt das Vorhandensein ausreichender Wassermengen für das Pflanzenwachstum, für das Tränken der Tiere und für die Sauberkeit und Hygiene im landwirtschaftlichen Betrieb eine entscheidende Rolle. Der Landwirtschaft kommt in der Bewirtschaftung der Flächen und in dem Einsatz von möglichen wassergefährdenden Stoffen eine hohe Verantwortung für die Wasserreserven zu. Im Zusammenwirken mit den Gesetzen zum Schutz des Grundwassers kommt den Förderungsmaßnahmen eine wichtige Bedeutung zu.

„Im Sinne eines vorbeugenden Gewässerschutzes werden Bewirtschaftungsbeschränkungen bzw. -auflagen gefördert. Das Agrar-Umweltprogramm (ÖPUL = Österreichisches Programm für eine umweltorientierte Landwirtschaft) fördert Maßnahmen wie die biologische Landwirtschaft,  die Reduktion von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln und Begrünungen“, erläutert Karl Grabmayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer OÖ. 

 

Gewässerschutzmaßnahmen im Österr. Umweltprogramm für Landwirtschaft

Ziel der Gewässerschutzmaßnahmen im Österreichischen Umweltprogramm für Landwirtschaft (ÖPUL) ist eine Reduktion des stofflichen Eintrags in das Grundwasser durch eine standortangepasste Bewirtschaftung von Ackerflächen. Durch eine reduzierte Düngeintensität sowie schlagbezogene Düngebilanzierungen in Kombination mit der Ziehung von Bodenproben und der verpflichtenden Teilnahme am Bildungsangebot zum Thema Grundwasserschutz wird diese Maßnahme in Ackerbaugebieten wieder einen wichtigen Beitrag zum Gewässerschutz leisten.

Mit folgenden drei ÖPUL-Programmen wird der Gewässerschutz nachweislich umgesetzt:

  • Vorbeugender Grundwasserschutz auf Ackerflächen (GRUNDWasser 2020)
  • Bewirtschaftung auswaschungsgefährdeter Ackerflächen (GRUNDWasser 2020)
  • Vorbeugender Oberflächengewässerschutz auf Ackerflächen

 

Oö. Landesaktionsplan über die nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln

Die Oö. Landesregierung hat am 26. November 2012 aufgrund von bundes- und landesgesetzlichen Bestimmungen einen Aktionsplan über die nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln beschlossen.

Der Oö. Landesaktionsplan beinhaltet unter Berücksichtigung der allgemeinen Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes, der Grundsätze der guten Pflanzenschutzpraxis und der Anwendung des Vorsorgeprinzips

  • quantitative Vorgaben, Ziele, Maßnahmen und Zeitpläne
  • die Entwicklung und Einführung des integrierten Pflanzenschutzes sowie die Förderung alternativer Methoden und Verfahren
  • die Sammlung vorhandener und künftiger Verwendungs- und Referenzdaten für Indikatoren zur Überwachung der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln.

 

Ziele des Aktionsplans

Die Maßnahmen sollen dazu führen, dass

  • das grundsätzlich umweltgerechte, hohe Niveau im Pflanzenschutz weiterhin gehalten wird.
  • zusätzlich Risiken reduziert werden, die durch die Anwendung insbesondere chemischer Pflanzenschutzmittel entstehen
  • das Risiko durch Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Agrarprodukten weiter reduziert sowie der vorsorgenden Konsumentenschutz gesteigert wird
  • die regionale Produktion und die Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln gesichert wird
  • die Verwendungssituation der nicht beruflichen Verwender verbessert wird
  • das Risiko einer Verunreinigung von Boden, Grundwasser und Oberflächengewässern weiter reduziert wird.

Maßnahmen sind in folgenden Bereichen geplant:

  • Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und Reinigung der Pflanzenschutzgeräte
  • Einschränkungen oder Verbote der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln
  • Fort- und Weiterbildung für berufliche Verwender und Berater
  • Information und Sensibilisierung der allgemeinen Öffentlichkeit
  • Kontrolle von bereits in Gebrauch befindlichen Pflanzenschutzgeräten
  • Verringerung der Risiken und der quantitativen Verwendung Pflanzenschutzmittel
  • Entwicklung und Einführung des integrierten Pflanzenschutzes sowie alternativer Methoden    oder Verfahren
  • Anlegen von unbehandelten Kontrollflächen (Spritzfenstern)
  • Indikatoren zur Überwachung der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln

 

„Die Ziele und Maßnahmen wurden mit der Landwirtschaftskammer OÖ intensiv abgestimmt und werden von ihr mitgetragen“, betont Vizepräsident Grabmayr.

Die gesamte Broschüre zum Download unter: www.land-oberoesterreich.gv.at/files/publikationen/lfw_landesaktionsplan_pflanzenschutzmittel.pdf

 

Kostenlose Beratungsangebote der Boden.Wasser.Schutz.Beratung nutzen

Die Themen Wasser- und Bodenschutz sind elementare Bereiche für den landwirtschaftlichen Betrieb. Sauberes Trinkwasser und leistungsfähige Böden sind für die landwirtschaftliche Produktion eine wichtige Voraussetzung. Eine produktive Landwirtschaft unter den Gesichtspunkten von Boden- und Wasserschutz sind kein Gegensatz. Die Boden.Wasser.Schutz.Beratung hat sich als Beratungsorganisation im Auftrag das Landes Oberösterreich in diesen Bereichen etabliert und steht den Landwirten in Fragen des Boden- und Gewässerschutzes mit ihrem Beratungsangebot zur Seite.

 

Arbeitskreise Boden.Wasser.Schutz ,Betriebsberatungen zum Wasserschutz

In der Gebietskulisse des Grundwasser 2020 bietet die Boden.Wasser.Schutz.Beratung regional Arbeitskreise an. Dort werden Themen wie boden- und gewässerschonende Düngung und Pflanzenschutz anhand von Vorträgen und Feldbegehungen mit den Teilnehmern diskutiert. Der Erfahrungsaustausch zwischen den Landwirten ermöglicht eine praxisnahe Aufarbeitung wichtiger Themenbereiche. Im Jahr 2014 wurden 55 Arbeitskreise Boden.Wasser.Schutz von 43 Wasserbauern und den Boden.Wasser.Schutz.Beratern betreut. 2.175 Personen sind Mitglieder in den Arbeitskreisen Boden.Wasser.Schutz. Im Jahr 2014 wurden 397 Arbeitskreistreffen (inkl. Feldbegehungen) mit 3.231 Teilnehmern abgehalten.

Die Boden.Wasser.Schutz.Beratung führt kostenlose Betriebsberatungen zum Boden- und Wasserschutz in bäuerlichen Betrieben durch. Mittels einer Checkliste werden alle für den Betrieb relevanten Regelungen erläutert. Die ordnungsgemäße Ausführung des Pflanzenschutzmittellagers, der Düngerlagerstätten und des Befüll- und Reinigungsplatzes der Feldspritze werden bei einem gemeinsamen Betriebsrundgang besprochen. Die betrieblichen Aufzeichnungen sind ein weiterer Schwerpunkt, der intensiv beraten wird. Fragen zu Düngung und Pflanzenschutz entlang von Gewässern (Abstandsauflagen) können bei einer Begehung direkt am Schlag diskutiert und erläutert werden.

 

Beratung an Sprechtagen

Jeden Dienstag stehen in den Bezirksbauernkammern Perg, Linz, Steyr, Wels, Eferding und Kirchdorf die Berater der Boden.Wasser.Schutz.Beratung für ein Beratungsgespräch zur Verfügung. Dabei kann intensiv über einzelbetriebliche Fragen diskutiert werden. Die ÖPUL-Maßnahmen Grundwasser 2020, Oberflächengewässerschutz auf Ackerflächen, Begrünung und Mulchsaat oder das betriebliche Düngemanagement (ÖDüPlan) sind häufig Bestandteil von Beratungsgesprächen.

Die Boden.Wasser.Schutz.Beratung der LK OÖ und die Bezirksbauernkammern im Projektgebiet (Telefonnummer 050/6902 – 1600) beantworten gerne Fragen zu Maßnahmen:

  • Vorbeugender Grundwasserschutz auf Ackerflächen (GRUNDWasser 2020)
  • Bewirtschaftung auswaschungsgefährdeter Ackerflächen (GRUNDWasser 2020)
  • Vorbeugender Oberflächengewässerschutz auf Ackerflächen

Umfassende  Informationen sind auf der Homepage der Boden.Wasser.Schutz.Beratung (www.bwsb.at) abrufbar.