19 Juni 2017

Weiterentwicklung und Optimierung der Integrationspolitik in OÖ

Zum Start der Evaluierung sind die Bürger/innen am Wort - Weltflüchtlingstag am 20.Juni

Erstmals in der Landesgeschichte wird aktuell in Oberösterreich eine flächendeckende Integrationsoffensive durchgeführt. Erstmals ab dem ersten Tag der Anwesenheit von Asylwerbenden und erstmals dezentral, erstmals mit flächendeckendem Sprachtraining ganz am Beginn, Orientierungsarbeit und Arbeitsmarktintegration, mit einem landesweiten Netzwerk Integration und in einer engen Kooperation mit einer europaweit einzigartigen Zivilgesellschaft. Aus der Vergangenheit hingegen gibt es etliche Mängel in der Integrationsarbeit. Deshalb wird derzeit eine Integrationsoffensive auch für Teile früherer Fluchtbewegungen geplant.

Das Integrationsressort will daher genau wissen, was gut funktioniert und wo nachgebessert werden muss. Und daher fragen wir möglichst viele Betroffene: durch Bürgermeisterkonferenzen, einem Integrationsmonitor, Befragungen der Zivilgesellschaft, Befragungen auch der Asylwerbenden. Und ab morgen, am Weltflüchtlingstag, startet eine politisch breit abgestimmte Online-Umfrage zur Integration in Oberösterreich als Startpunkt für die Evaluierung und Weiterentwicklung der oö. Integrationsarbeit. Ziel dabei ist, die Integrationsarbeit weiter zu optimieren und noch stärker auf breite Beine zu stellen – auch die Bürger/innen gut einzubinden. Denn allein rund 10.000 Helfer/innen arbeiten tagtäglich direkt mit Asylwerbenden bzw. Asylberechtigten zusammen, darunter viele im Rahmen ihrer Tätigkeit in Institutionen, wie Schulen, Gemeinden oder auch in Betrieben.

 

Ziel: Einbeziehung möglichst vieler Oberösterreicher/innen in die Integrationsarbeit – Optimierung der weiteren Integrationsarbeit auf Basis deren Erfahrungen

Tagtäglich sind rund 10.000 Helfer/innen in Oberösterreich aktiv, die zu Beginn der aktuellen Fluchtbewegung z.B. Spenden gesammelt oder an Bahnhöfen Nahrungsmittel verteilt haben, Quartiere gesucht oder das Ankommen von Flüchtlingen in den oö. Gemeinden erleichtert haben. Nun sind diese Helfer/innen noch immer aktiv, fördern Spracherwerb und Orientierung, ein Miteinander der Gesellschaft, helfen bei Behördengängen, Job- oder Wohnungssuche nach dem Asylbescheid.

Hier ist eine große Expertise bei vielen Menschen entstanden. Oftmals aufbauend auf dem Wissen des oö. Netzwerks Integration, etwa bei Bürgermeister/innen und Bezirkshauptleuten, bei NGOs, Exekutive, Bildungseinrichtungen und Schulbehörden, AMS, Wirtschaftskammer u.v.a.m., die für die Weiterentwicklung und Optimierung der Integrationsarbeit genützt werden soll. Auch aufgrund dieses starken Netzwerks, auf das LR Rudi Anschober seit Ressortübernahme ab November 2015 gesetzt hat, hat Oberösterreich die Integrationsarbeit bei der aktuellen Fluchtbewegung so gut gestartet.

 

Die Grundsätze der aktuellen Integrationsarbeit:

  • Integration dezentral und ab Tag 1 in der Grundversorgung in OÖ
  • Fokus auf Spracherwerb und Orientierung schon von Beginn an und nicht erst, wie früher, ab Erhalt des Positivbescheids nach einigen Jahren
  • Maßnahmen zu einer raschen Arbeitsmarkt-Integration, von Ausbildungen über gemeinnützige Tätigkeiten und Schnuppertage bis hin zu Lehrplätzen für junge Asylwerbende schon während ihres Verfahrens in Mangelberufen, um ein selbstständiges Leben in Österreich sofort nach dem Asylbescheid zu erleichtern.

 

Grundsatz 2 - genau hinschauen, was anderswo funktioniert - von den Besten lernen:

Wir schauen uns daher auch sehr genau an, was in anderen Regionen funktioniert - um von diesen zu lernen. Deshalb führte die erste Studienreise von LR Anschober vor einem Jahr nach Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, wo klar wurde, wie wichtig offensive Bildungs- und Qualifizierungsarbeit ist und dass es mit großen Strukturen und Zentralisierung Probleme  gibt. Nun haben wir uns zwei Tage lang die Integrationsarbeit in Schweden angesehen und gemerkt, dass der Grundsatz der Arbeitsmarktintegration ab dem ersten Tag wichtig und richtig ist (>Ziel daher, verstärkt Beschäftigung für Asylwerbende zu ermöglichen u.a. durch mehr Lehrplätze für junge Asylwerbende, durch eine generelle Öffnung des Arbeitsmarktes in Mangelberufen ab dem 6.Aufenthaltsmonat). Gleichzeitig wird aber in Schweden der frühzeitige Spracherwerb im Vergleich zu OÖ stark vernachlässigt und die soziale Integration funktioniert nicht so gut wie in OÖ - vor allem aufgrund der schlechteren Verteilung und der viel schwächeren Zivilgesellschaft in Schweden.

LR Rudi Anschober: „Nach dem Grundsatz ,Integration dezentral und von Beginn an‘ hat sich das Miteinander von neuen und alten Bewohner/innen in Oberösterreich recht gut entwickelt. Die Arbeit der Freiwilligen und die starke Einbeziehung vieler verschiedener Interessensgruppen sowie der Besuch von Modellregionen über Grenzen hinweg hat sich als der richtige Weg zur Strukturierung der Integrationsarbeit in OÖ herausgestellt. Dies soll auch die Grundlage für unsere nun startende große Evaluierung und Weiterentwicklung sein. Mit dem Gesamtpaket der aktuellen Fluchtbewegung sollen auch damals vergessene, heute teils problematische Gruppen, wie etwa ein Teil der Tschetschen/innen, angesprochen und endlich in die Mitte unserer Gesellschaft geholt werden. Das war ein Versäumnis der damaligen Regierenden, das wir heute korrigieren wollen.“

 

Helfer/innen-Befragung: Gemeinsame Grundpfeiler der Integrationsarbeit

Um jene Menschen in die Weiterentwicklung der Integrationspolitik in OÖ einzubinden, die tagtäglich mit Asylwerbenden zusammenarbeiten, hat die Stelle „ZusammenHelfen in OÖ – Gemeinsam für geflüchtete Menschen“ zwei Umfragen unter Helfer/innen (2016) und von Initiativen (2017) durchgeführt.

Bei der 1. Helfer/innen-Befragung im Jahr 2016 haben 800 Befragte konkrete Unterstützungsnotwendigkeiten für geflüchtete Menschen genannt, v.a. Deutschkurse. Im Zuge der Steuerungsarbeit von LR Anschober wurden diese durch die an Budgetmitteln stark aufgestockte Förderung von Kursen bereits für Asylwerber/innen während ihres Verfahrens und möglichst in allen Regionen Oberösterreichs umgesetzt.

Bei der 2. Befragung von Initiativen aus dem Flüchtlingsbereich wurden von November 2016 bis Mitte Februar 2017 Online-Fragebögen bekannt gemacht und ausgewertet. Weit über die Hälfte der 200 damals registrierten Initiativen hat an der Befragung teilgenommen – als sichtbares Ergebnis wurde daraufhin eine Landkarte mit allen Initiativen, Ansprechpartnern und Kontaktmöglichkeiten erstellt, um z.B. eine Mitarbeit für Interessierte zu erleichtern – abrufbar online unter www.zusammenhelfen.ooe.gv.at.

Die Hauptergebnisse der Befragung: Die Initiativen arbeiteten großteils mit 11-30 Personen mittelfristig, v.a. in den Bereichen Spracherwerb, Begegnung und Freizeit. Viele Initiativen hatten bereits aktiv an einem Miteinander und der Begegnung von Einheimischen und neuen Mitbewohner/innen gearbeitet, etwa durch Begegnungsfeste. Über 80% der Initiativen strichen die Notwendigkeit zur Vernetzung hervor. Als Herausforderungen bzw. Verbesserungsvorschläge wurden v.a. Asylverfahren und der Mangel an Ressourcen, sowie in Bezug auf die Freiwilligen selbst die zeitliche Belastung sowie die Motivation neuer Freiwilliger genannt.

Auch diese Rückmeldungen sind z.B. durch das von LR Anschober ausgerufene „Jahr der Vielfalt“ mit einer Sammlung von hunderten Veranstaltungen der Begegnung in ganz OÖ schon verwirklicht – alle Infos unter www.jahrdervielfalt.at.

 

Ergebnisse des SORA-Integrationsmonitors Jänner 2017

Im Jänner 2017 zeigte der SORA-Integrationsmonitor OÖ die Einstellungen der Oberösterreicher/innen zu Flucht, Asyl und Integration detailliert auf – 704 Oberösterreicher/innen wurden dazu von SORA im Zeitraum von Oktober bis November 2016 befragt.

Einige Kernaussagen zusammengefasst: Die Oberösterreicher/innen sehen die aktuelle Fluchtbewegung als Herausforderung, aber als machbare Herausforderung an und sind auf das bisher Geleistete in OÖ und in ihren Wohngemeinden stolz. Keineswegs bestätigen konnte sich das oft zitierte Bild einer „gespaltenen Gesellschaft“ – im Gegenteil: 46 Prozent sind in Flüchtlingsfragen überwiegend positiv eingestellt, 31 Prozent sowohl positiv als auch negativ, 23 Prozent sind überwiegend negativ eingestellt.

Hinsichtlich des Zusammenlebens und der Integration bewerteten 71 Prozent das Zusammenleben zwischen Einheimischen und Zuwanderer/innen in ihrer Gemeinde als ziemlich oder sehr gut, 30 Prozent geben an, allein in ihrer Freizeit mehrmals pro Woche, wenn nicht täglich Kontakt mit Zuwanderern zu haben. Rund 60 Prozent sind froh, dass ihre Wohngemeinde den Mut hatte, Flüchtlinge aufzunehmen.

Für die konkrete Integrationsarbeit zeigte sich Bestätigung der Befragten für den Weg von LR Anschober: 87 Prozent hielten es für sehr oder ziemlich wichtig, neben Asyl zu geben auch Fluchtursachen nachhaltig zu bekämpfen; drei Viertel waren für einen möglichst schnellen Zugang von Flüchtlingen zum Arbeitsmarkt; 56 Prozent sehen dabei eine Chance, den Facharbeitermangel auszugleichen. Jeweils über die Hälfte der Befragten stimmte auch dafür, leerstehende Wohnungen von gemeinnützigen Bauträgern für Asylberechtigte zu öffnen und sehen es langfristig als Profit für das ganze Land an, wenn OÖ heute in die Integration investiert.

 

Intensiver Kontakt mit den Bürgermeister/innen unter anderem durch Bürgermeister/innenkonferenzen in allen Bezirken

Aktuell werden mit Grieskirchen, Gmunden und Linz-Land in den letzten Bezirken die Bürgermeister/innenkonferenzen durchgeführt, in denen Integrations-Landesrat Anschober über die Integrationsarbeit informiert, für eine offensive Beteiligung motiviert und natürlich zum persönlichen Gespräch zur Verfügung steht.

LR Anschober: „Denn Integration wird dann gelingen, wenn sie in den Gemeinden vor Ort gelingt. Gerade aufgrund unseres sehr dezentralen Integrationsansatzes. Es ist 2015 und 2016 gelungen, durch Solidarität zwischen den Gemeinden eine gute Verteilung der Asylwerbenden zu erreichen, daran wollen wir nun mit offensiver Integrationsarbeit vor Ort anschließen - denn das bringt viele Vorteile, unter anderem soziale Integration. Und im Regelfall hat sich das Miteinander in den Gemeinden dadurch auch verbessert, frühere Ressentiments sind weitgehend verschwunden, Begegnung und Kennenlernen wirken.“

 

Einbeziehung auch der Erfahrungen von Asylberechtigten in Asylquartieren

Besonders interessant ist natürlich auch die Erfahrung von Menschen, die in OÖ angekommen sind. Diese Erfahrungen werden daher in der zweiten Jahreshälfte mieingebunden. Was hilft ihnen bei ihrem Neustart besonders gut, was behindert die Integration.

 

Starkes Netzwerk Integration: ständiger Austausch

Das oö. Netzwerk für Integration wurde stark aufgestellt – und soll noch weiter wachsen. Nach der Landes-Steuerungsgruppe, in der Integrations-Landesrat Rudi Anschober die Integrationsarbeit zweiwöchentlich mit 30 Organisationen abstimmt und den schon flächendeckend verwirklichten Bezirks-Steuerungsgruppen, in denen unter Leitung der Bezirkshauptfrau/ des Bezirkshauptmannes die Integrationsarbeit im Bezirk koordiniert wird, arbeitet LR Anschober derzeit an der weiteren Stärkung der Integrationsarbeit in den Gemeinden.

Ziel ist es, dass auch die Gemeinden in die Struktur und Kernziele der Integrationsarbeit des Landes OÖ gut eingebunden sind, dass alle an einem Strang ziehen. So hat LR Rudi Anschober in den letzten Monaten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aller 442 oö. Gemeinden persönlich über Aktuelles aus dem Bereich Asyl, Grundversorgung und Integration informiert – im Rahmen der Bürgermeister-Konferenzen in allen Bezirken.

Eines der Ziele ist das Schaffen einer/s Integrationsbeauftragten in jeder Gemeinde, einer Ansprechperson aus den Reihen des Gemeinderates oder des Gemeindeamtes, die speziell informiert und unterstützt wird.

Des weiteren wird die Schaffung von einer Integrations-Steuerungsgruppe in jeder Gemeinde als zukünftiges Zentrum, einer Drehscheibe für Integration dargestellt – in rund 250 Gemeinden ist dies bereits verwirklicht.

LR Anschober: „Damit haben wir laufend das Ohr auch an den Erfahrungen des Netzwerkes. Ein Fixpunkt in unserer Landessteuerungsgruppe ist daher auch der Erfahrungsbericht der Institutionen und Gruppen. Wenn etwas nicht gut läuft und Probleme entstehen bzw. neue Bedarfe bestehen, dann sollte durch unser enges Netzwerk garantiert sein, dass diese Information rasch zu uns kommt.“

 

Start der großen Evaluierung der Integrationsarbeit des Landes OÖ mit Fachexpert/innen und Bürger/innen

Die oö. Integrationslandschaft ist regionalisiert und von einer Vielzahl unterschiedlicher Akteur/innen und Institutionen geprägt. Dies sind neben dem Land Oberösterreich, die Gemeinden, die unterschiedlichsten Vereine und Organisationen, etc., aber auch die Bevölkerung von Oberösterreich im Allgemeinen. Die Integrationsarbeit Oberösterreichs baut als grundlegendem Rahmen auf dem Integrationsleitbild OÖ auf, das vor acht Jahren beschlossen wurde.

Fest steht aber, vieles hat sich in den letzten Jahren seit der Implementierung des Integrationsleitbildes in OÖ getan und verändert: Über das, WAS sich WIE und WARUM verändert hat, wo man sowohl in TEILFELDERN wie auch GESAMTHAFT steht und was sich daraus PERSPEKTIVISCH ABLEITEN lässt, beseht Klärungsbedarf. Es braucht daher eine systematische, wissenschaftlich fundierte Evaluation der Integrationsarbeit im Gesamten wie auch in Teilfeldern, um Besonderheiten, Stärken, Qualitäten, Schwächen und Entwicklungsbedarfe in der Integrationsarbeit aufzuzeigen und Empfehlungen und strategische Schwerpunkte für eine zukünftige Integrationspolitik zu schaffen.

Das Integrationsressort bereitet daher seit einem Jahr eine umfassende externe Evaluierung der oö. Integrationsarbeit vor. Gleichzeitig hat es auch von einer Mehrheit der oö. Landesregierung Initiativen für eine Evaluierung und Weiterentwicklung gegeben. Diese Schritte wurden nun in einer engen Zusammenarbeit mit der Zukunftsakademie zusammengeführt. 

In der ersten Phase wird die Integrationsarbeit in Oberösterreich durch das Büro Think:Difference evaluiert. In einer zweiten Phase wird das Integrationsbild durch die Zukunftsakademie weiterentwickelt.

 

Die Evaluierung setzt sich mit drei Themenbereichen auseinander:

  1. Analyse und Bewertung der Integrationsarbeit und -politik
  2. Beschreibung der integrationspolitischen Entwicklungen samt ihrer relevanten Faktoren und Wirkungsmechanismen
  3. Veränderungen der Rahmenbedingungen, Akteur/innengruppen, Netzwerke wie auch der Haltungen und Diskurse

 

Die Evaluierung umfasst drei unterschiedliche Teilstudien

  • Analyse und Bewertung der Integrationsarbeit und –politik
  • Onlinebefragung der integrationsrelevanten Institutionen
  • Fokusgruppeninterviews

 

Nach einigen Vorüberlegungen und Vorbereitungen mit Stakeholdern und der Einsetzung des Evaluationsbeirats wird nun als erster Schritt ein Fragebogen an einen großen Adressat/innenkreis aus dem Umfeld von Integrationsarbeit, etwa an Politik, Kommunen, Gemeinden, Behörden, Verwaltung, NGOs, Initiativen, Migrant/innenselbstorganisationen (MSOs), Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, Wirtschaft, etc. ausgeschickt. Die bis zu 5.000 integrationsrelevanten Adressaten werden im Fragebogen viele Detailfragen zu Bewertung, Erfahrung und gewünschten Erweiterungen und Optimierungen der Integration beantworten können.

Start ist in den nächsten Tagen. Die Auswertung der Rückmeldungen des Fragebogens wird im Sommer 2017 vorgenommen. Ab Herbst sollen dann Fokusgruppen zu dem Themenbereich arbeiten.

Als übergeordnetes Abstimmungs- und Reflexionsorgan wurde der Evaluationsbeirat eingesetzt, der sich aus Politiker/innen aller in der Landesregierung vertretenen Parteien, den wichtigsten institutionellen Vertreter/innen aus der Verwaltung, den Sozialpartner/innen und NGOs zusammensetzt. Der Evaluationsbeirat wird an vier Sitzungen tagen: Erstmals am 24. Mai zur Vorstellung der Vorgehensweise und Diskussion.