19 Juni 2018

Weltflüchtlingstag am Mittwoch

Vorschau auf die Integrationsreferent/innen-Konferenz in Linz, Aktionstag „Kinderrechte“ in Linz und an den oö. Schulen, Integrationsfest „Vielfalt.in.Concert“

Weltweit wird am Mittwoch der Weltflüchtlingstag begangen. Und leider ist seine Thematik aktueller denn je: Der aktuelle Global-Trend-Bericht des UNHCR zeigt erneut eine Höchstzahl an Menschen, die 2017 wegen Krieg, Gewalt und Verfolgung zur Flucht gezwungen wurden, nämlich 68,5 Millionen Menschen. Die meisten Flüchtlinge sind Binnenflüchtlinge oder bleiben in der – meist ärmlichen – Region rund um ihren Kriegsherd. Nur wenige schaffen es nach Europa, wo die Flüchtlingszahlen seit 2015 kontinuierlich sinken. Und gleichzeitig versuchen sich immer mehr Länder in der EU - nun auch Italien, Österreich und Bayern - abzuschotten.

Waren es 2015 in Österreich noch 88.340 Asylanträge, sank die Zahl 2016 auf 42.285 und weiter auf 24.296 Anträge im Jahr 2017. Derzeit werden nur etwas über 200 Asylanträge pro Woche in ganz Österreich gestellt. Die Haupt-Herkunftsländer der Asylwerbenden sind Syrien und Afghanistan.

Mehr als 50 Prozent der Flüchtlinge sind Kinder. Deswegen liegt ein Schwerpunkt des Integrationsressorts auf der Stärkung von Kindern und der Bewusstseinsmachung ihrer Rechte. Dazu finden die ganze Woche über in ganz Oberösterreich Schul-Workshops von Caritas, SOS Menschenrechte und Land der Menschen statt, morgen, Mittwoch sind Eltern und Kinder gleichermaßen zu einer Aufführung der „Traumfänger“ im Linzer Schlossmuseum zum Thema Kinderrechte eingeladen.

Groß und Klein, egal welcher Herkunft, werden am Mittwoch Nachmittag und Abend dann beim Fest „Vielfalt.in.Concert“ gemeinsam feiern und sich bei einer Vielfalt an Musik-Bands, Rahmenprogramm und Schmankerln am Main Deck des Ars Electronica Centers „begegnen“. Der ganze Tag steht im Fokus von Workshops, Infoständen, Theatervorführungen - Informationsarbeit auf allen Ebenen.

Politisch nützt LR Anschober diese Woche für die Konferenz der Integrations-Landesrät/innen aller Bundesländer in Linz, um zentrale Forderungen, wie Deutschkurse für Asylwerbende, Arbeitsmarktöffnung in Mangelberufen ab dem 6. Aufenthaltsmonat oder eine neue Sicherheits-Bewertung für Afghanistan auf den Weg in die Bundesregierung zu bringen.

 

Neuer Global-Trends-Bericht des UNHCR: 68,5 Millionen Menschen auf der Flucht

Der heute veröffentlichte Global-Trends-Bericht des UNHCR zeigt: 68,5 Millionen Menschen sind derzeit auf der Flucht. Krieg, Gewalt und Verfolgung haben zum 5. Mal hintereinander eine neue Höchstzahl an weltweiten Flüchtlingen gebracht, zurückzuführen v.a. auf die Krisen in Syrien, Afghanistan, Südsudan, Myanmar und Somalia. Allein 16,2 Millionen Menschen sind im Jahr 2017 neu zur Flucht gezwungen worden. Weltweit ist jeder 110. Mensch auf der Flucht. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder.

Während die überwältigende Mehrheit der Flüchtlinge in armen Ländern aufgenommen wird, 80% in den Nachbarländern, gehen die Flüchtlingszahlen in Europa hingegen zurück. Zehn Länder weltweit nehmen fast zwei Drittel aller Flüchtlinge auf. Die Türkei blieb mit 3,5 Millionen aufgenommenen Flüchtlingen (hauptsächlich Syrer), nach absoluten Zahlen das weltweit größte Aufnahmeland im Jahr 2017. Relativ zur eigenen Bevölkerung hat der Libanon die meisten Flüchtlinge aufgenommen.

 

Asyl in Österreich: aktuelle Zahlen

Im vergangenen Jahr wurden 24.296 Asylanträge in ganz Österreich gestellt, über 40% weniger als noch im Jahr 2016 mit gesamt 42.285 Asylanträgen, so die Auswertungen des Innenministeriums. Im Jahr 2015 waren es noch 88.340 Anträge und damit fast 4 Mal so viele wie im letzten Jahr. Der Trend sinkender Antragszahlen hält an, auch im ersten Quartal 2018 sank die Zahl gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr um fast 42 Prozent – von 8.532 Anträgen von Jänner bis Ende April 2017 auf 5.011 Anträge heuer.

Letzte Woche wurden österreichweit 237 Asylanträge gestellt, zusätzlich wurden 64 Einreiseanträge von Familienangehörigen gestellt. Derzeit die Hauptnationen von Asylantragssteller/innen in Österreich: Syrien, Afghanistan, russ. Föderation, Nigeria, Iran/Irak

In der oö. Grundversorgung werden derzeit 8.745 Personen betreut, davon 8.553 in Landes- und 192 in Bundesquartieren.

 

Konferenz der Integrationsreferent/innen diese Woche in Linz

Auf Einladung von LR Anschober treffen am Mittwoch und Donnerstag die Integrations-Landesrät/innen aller Bundesländer in Linz zusammen, auch Integrationsministerin Kneissl ist eingeladen.

LR Anschober wird dabei auf die brennendsten Themen im Integrationsbereich hinweisen und versuchen, Anträge durchzubekommen und so auf Bundesebene Fortschritte zu erreichen. Die wesentlichsten Punkte aus Oberösterreich sind dabei die Forderung nach einer kontrollierten Öffnung des Arbeitsmarktes für Asylwerbende ab dem 6. Aufenthaltsmonat in Mangelberufen sowie eine Lösung für Lehrlinge in Mangelberufen mit Negativbescheid, die Weiterfinanzierung von Deutschkursen in der Grundversorgung, die Aufstockung von Mitteln für Aus- und Weiterbildung von Flüchtlingen sowie eine Neubewertung der Sicherheitslage in Afghanistan als Basis für Asylbescheide – denn derzeit sind die Aussagen des Außen- und Integrationsministeriums für Flüchtlinge (Abschiebung möglich) und Österreicher/innen (dringende Reisewarnung) mehr als widersprüchlich.

LR Anschober: „Wir wollen eine klare Linie der Bundesländer gegen die immer stärkere Zerstörung der Integrationsarbeit durch die Bundesregierung."

 

Weltflüchtlingstag in Oberösterreich: Schwerpunkt „Kinderrechte“

Kinder sind die verletzlichste Gruppe unter den Flüchtlingen, daher sollen sie besonders im Fokus stehen. Derzeit leben in Oberösterreich 3.003 Kinder bis 13 Jahre und 620 Jugendliche von 14-17 Jahren in der oö. Grundversorgung. Die Mehrheit davon stammt aus Afghanistan (990 Burschen und 742 Mädchen), gefolgt von Irak (236 Burschen und 189 Mädchen) und Syrien (105 Burschen und 90 Mädchen).

213 Kinder und Jugendliche mit Fluchthintergrund sind allein in Oberösterreich (die Mehrheit mit 189 Personen zwischen 14 und 17 Jahren). Sie sind entweder schon die Flucht alleine angetreten oder haben währenddessen Angehörige verloren und sind nun auf sich allein gestellt.

Von den derzeit rund 34.000 Personen, die im Jahr 2018 über das Mittelmeer nach Europa geflüchtet sind, ist ein Viertel Kinder.

Nach ihrer Ankunft in Europa warten dennoch oft miserable Bedingungen, schaut man etwa nach Griechenland ins Camp Moria, wo Kinder mitten in Europa unter widrigsten hygienischen Umständen voller Gewalt in Zelten überleben müssen. LR Anschober hat sich diesbezüglich schon an EU-Kommissar Hahn gewandt.

In Oberösterreich wird derzeit gemeinsam mit den NGOs an einem Gewaltschutzkonzept gearbeitet, das besonders auch auf vulnerable Personengruppen abstellt, wie eben Kinder. Ziel dabei ist es, in den Quartieren einen Schutz zur Einhaltung der Kinderrechte, Frauenrechte etc. zu erhalten/ schaffen. Die Fertigstellung und komplette Umsetzung ist für September 2018 geplant.

Parallel dazu wurde der Kinderrechte-Schwerpunkt auch im Bereich der migrantischen Vereine als Zuständigkeitsbereich des Integrationsressorts forciert. So werden Förderungen zu Projekten explizit zu den Themenfeldern Gleichstellung Mann-Frau und Kinderrechte vergeben.

Landesrat Rudi Anschober: „Klar ist, Kinderrechte gehen uns alle etwas an – dazu ist es wichtig auch bei der Einhaltung der Kinderrechte in unserer Gesellschaft unabhängig von der Herkunft  eine Kultur des Hinsehens und Handels zu fordern und zu fördern. Mit Aufklärung, Bewusstseinsbildung und klaren Regeln sowie Betreuung setze ich dahingehend einen Schwerpunkt in meinem Ressort – gemeinsam mit tollen Partner/innen.“

Neben internationalen Organisationen wie UNHCR, UNICEF oder IOM konnte mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft in Oö ein verlässlicher Partner für das Integrationsressort zur Sensibilisierung im Bereich der Kinderrechte gefunden werden. Jahrelang bestehende erfolgreiche Strukturen und Maßnahmen finden nun auch verstärkt bei der Zielgruppe der Flüchtlinge  und Migrant/innen Anwendung.

 

Starker Partner für Kinder: Die Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ

Der zentrale Aspekt der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen ist das Verbot jeglicher Diskriminierung: Alle Kinder und Jugendlichen haben die gleichen Rechte auf Schutz, Versorgung und Beteiligung. Auch Kinder mit Flucht- und Migrationshintergrund haben in vollem Umfang Anspruch auf alle Menschenrechte, die einheimischen Kindern zustehen: sie müssen z.B. vor Gewalt geschützt und gut versorgt werden, und sie müssen die Möglichkeit haben, in die Schule zu gehen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Kinder, die in ihren Heimatländern oder auf der Flucht traumatisiert wurden, haben das Recht auf besondere Unterstützung.

„Ein gleichberechtigtes, gewaltfreies Zusammenleben in Familie und Gesellschaft muss uns ein gemeinsames Anliegen sein. Daher sollen alle Menschen über die Kinderrechte informiert werden“, so die Oö. Kinder- und Jugendanwältin Mag. Christine Winkler-Kirchberger.

Beratungen zu kinderrechtlichen Fragen können anonym, vertraulich und kostenlos in Anspruch genommen werden. Daneben zählen Gewaltprävention (z.B. Workshops an Schulen und in Kindergärten), Interessensvertretung und zielgruppenorientierte Informationsarbeit auf Basis der UN-Kinderrechtskonvention zu den gesetzlichen Aufgaben der KiJA.

Die KiJA OÖ hat eine Reihe von Informationsmaterialien, die kostenlos auf der Website www.kija-ooe.at zur Verfügung stehen, zusammengestellt, darunter auch spezielle Broschüren für Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund in einfacher Sprache.

 

Aktionstage zum Weltflüchtlingstag in Oberösterreich

Kinderrechte-Musical am Mittwoch

Die Theatergruppe „Traumfänger“ aus Niederösterreich führt schon jahrelang Stücke zum Thema Kinderrechte, welche im Auftrag und mit fachlicher Begleitung der Kinder- und Jugendanwaltschaften entwickelt wurden, in den österreichischen Schulen, aber auch in Vereinen auf. Anlässlich des Weltflüchtlingstags am Mittwoch sind Flüchtlingsfamilien aus ganz Oö dazu eingeladen, an dem Musical „Kinder haben Rechte – oder?“ teilzunehmen. Das Stück informiert in altersgerechter Form über die Inhalte der UN-Kinderrechtskonvention und vermittelt konkrete Hilfsbotschaften. Rund 150 Kinder und Eltern sind derzeit für die Aufführung im Linzer Schlossmuseum schon angemeldet.

Im Rahmen der Kinderrechts-Offensive des oö. Integrationsressorts wurde das Musical in den vergangenen Wochen bereits in Migrant/innenvereinen aufgeführt, wo auch Elternvorträge über Kinderrechte mit anschließender Diskussionsrunde abgehalten wurden.

 

Schul-Workshops zum Thema Flucht

In der Woche vor dem Weltflüchtlingstag am 20. Juni werden von SOS-Menschenrechte, Land der Menschen und Caritas kostenlose Schulworkshops zum Thema Flucht und Asyl angeboten.

Die Themen gehen dabei von der kindgerechten Vermittlung der Menschenrechte über Zivilcourage und Vielfalt bis hin zu Geschichten und Hintergründen zu Flucht allgemein. Kinder ab 6 Jahren bis ins jugendliche Alter lernen dabei spannende Persönlichkeiten mit Fluchtgeschichte sowie die Dimensionen von Flucht kennen, erfahren etwas über ihre Kinderrechte, lernen mit Werten umzugehen, Vielfalt als Chance zu sehen oder über den Tellerrand zu blicken.

 

Aktionstag in der Linzer Landstraße: Flucht kennenlernen

Am Weltflüchtlingstag finden europaweit viele Veranstaltungen statt, die das Bewusstsein für den benötigten Schutz von Flüchtlingen schärfen sollen. Deshalb wird die Plattform Solidarität OÖ, die ein Zusammenschluss engagierter NGOs und Vereine in OÖ ist, am 20. Juni 2018 von 14-16 Uhr auf der Linzer Landstraße aktiv sein. Gemeinsam mit Betroffenen wird in Gesprächen auf die Situation von Flüchtlingen und die Bedeutung der Menschenrechte hingewiesen. Jede beteiligte NGO wird dabei ein spezielles Menschenrecht thematisieren, zu dessen Umsetzung sich die Republik Österreich durch Unterzeichnung der Menschenrechtskonvention verpflichtet hat. Diese Menschenrechte, wie z.B. das Recht auf Arbeit, das Recht auf Bildung, das Recht auf Familie gelten nicht nur für Menschen mit österreichischer Staatsbürgerschaft, sondern auch für Menschen, die hier in Österreich Schutz suchen. Dafür wird sich die Plattform Solidarität nicht nur am Weltflüchtlingstag, sondern auch in Zukunft stark machen.

 

Integrationsfest „Vielfalt.in.Concert“ am MI vor dem Ars Electronica Center

Unter dem Motto „Zusammen.leben – Gemeinsam.feiern“ findet am MI, 20. Juni nach dem erfolgreichen Startschuss 2017 heuer das zweite VIELFALT.in.CONCERT statt – organisiert von einem NGO-Zusammenschluss unter „ZusammenHelfen in OÖ“ auf Initiative von LR Rudi Anschober.

Von von 15:30 Uhr bis 22 Uhr bei freiem Eintritt am Main Deck des Ars Electronica Centers laden kunterbunte Musik-Acts von A wie Attwenger bis S wie Soulcat E-Phife, spannende Redner/innen und Kulinarik quer über den Globus zum miteinander Feiern, austauschen und kennenlernen ein. Zudem können Gäste ihren persönlichen Vielfalts.Drink kreieren.

 

Alle Infos online unter zusammen-helfen.at/vic

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