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&copy Land OÖ/ Dedl

7 März 2018

Weltfrauentag – Geflüchtete Frauen in Oberösterreich: Lebenssituation & Herausforderungen

Samira S. (Asylwerberin aus der Ukraine) und Zarah S. (Asylwerberin aus Afghanistan) erzählen von ihren Erfahrungen

Rund 20.000 Menschen sind im Zuge der aktuellen Fluchtbewegung über die Grundversorgung nach Oberösterreich gekommen, knapp 40 Prozent davon sind kontinuierlich Frauen und Mädchen. Aktuell befinden sich 3.394 Frauen in der oö. Grundversorgung, darunter 183 Alleinreisende.

Frauen und Kinder sind im Krieg, auf der Flucht, aber auch in einem neuen „sicheren“ Land speziellen Gefahren ausgesetzt. Es geht daher noch gezielter um eine Stärkung der Frauen mit Flucht- bzw. Migrationshintergrund, um eine Aufklärung um Recht und Rechte und um besondere Schutzmaßnahmen. In Oberösterreich passiert dies durch eigene Quartiere bzw. Vorkehrungen in gemischten Quartieren ganz grundlegend, in einem ebenso wichtigen Schritt aber über die Integrationsmaßnahmen. Vor allem bei den Orientierungskursen wird „Gleichstellung von Mann und Frau“ als Thema vermittelt, auch bei allen Deutschkursen – und damit werden praktisch alle Asylwerbenden erreicht, haben in den letzten beiden Jahren doch 19.233 Asylwerbende an den geförderten Deutschkursen des Landes OÖ teilgenommen.

Zwei Frauen mit Migrations- bzw. Fluchthintergrund erzählen heute von ihren Erfahrungen und Gefühlen zum Thema Frausein und Frauenrechte in ihrem Herkunftsland, auf der Flucht, in Oberösterreich.

Der Evaluierungsbericht der oö. Integrationsarbeit gibt als Empfehlung die weitere Stärkung von Frauen vor – dahin arbeiten wir in den nächsten Monaten und Jahren mit aller Kraft. Ein Beispiel: ein gemeinsames Projekt mit der Wirtschaft, um noch deutlich mehr Lehrstellen für junge Asylwerberinnen zu schaffen.

 

Für alle Menschen auf der Flucht ist die Situation sehr schwierig. Gerade für allein reisende Frauen aber meist  besonders dramatisch. Denn ihre Fluchtgründe sind über andere Fluchtursachen wie Krieg, Terror und Verfolgung hinausgehend oft auch private Verfolgung, Gewalt durch den Ehemann, Zwangsheirat oder das Kriegsmittel Vergewaltigung. Und eine noch schwierigere Fluchtsituation.

In der Landes-Grundversorgung in Oberösterreich leben derzeit (Stand 6. März 2018) 3.394 Frauen bzw. Mädchen ab Säuglings-Alter. Der Anteil der weiblichen Bewohner/innen liegt damit aktuell bei 36 Prozent. 2.535 Frauen und Mädchen leben in organisierten Quartieren, 859 im Privatverzug. 183 Frauen über 18 Jahren sind ohne Familie oder Angehörige in der Grundversorgung in Oberösterreich untergebracht.

LR Rudi Anschober: „Mir ist es wichtig, dass Frauen nach ihrer Flucht nun in Österreich sicher, friedlich und gleichberechtigt leben können. Wir haben in der Grundversorgung bei alleinreisenden Frauen für entsprechende Sicherheits- und Privatsphäre-Maßnahmen eingeführt und fördern jetzt den gleichen Zugang für alle zu Deutschkursen und anderen Bildungsmaßnahmen – für eine absolute Gleichstellung in unserer Gesellschaft.“

 

Frauen in den Grundversorgungsquartieren

In den Quartieren ist es Vorgabe, dass für Männer und Frauen (Ausnahme Familien) versperrbare, getrennte Schlafräume und Sanitärbereiche vorliegen.

Mehrere Quartiere stehen ausschließlich für Frauen zur Verfügung – diese sind weitgehend ausgelastet.

Bei Problemen/ Übergriffen auf Frauen wird rasch mit Verlegungen in andere Quartiere reagiert. Gleichzeitig beobachten wir regelmäßig, ob und wo es Übergriffe gibt. Treten hier Häufungen auf, dann wir mit Projekten gegengesteuert.

 

Gleichberechtigung als Thema bei Deutschkursen und Orientierung

Bei Deutsch- und Orientierungskursen ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau großes Thema – um die rechtliche Ausgangslage in Österreich von Beginn an groß und deutlich darzustellen.

Mit 19.233 Plätzen in geförderten Deutsch-Kursen des Landes OÖ in den beiden letzten Jahren ist sichergestellt, dass nahezu jede/r einzelne Asylwerber/in zumindest einen ersten Kurs besucht hat. Hier gelingt ein gleichberechtigter Zugang sehr gut.

Innerhalb der Betreuungssituation kommt es zudem speziell zur Aufklärung von Frauen, z.B. auch über muttersprachliche Infomaterialen, welche Formen von Gewalt es gibt, wie man sich gegen körperliche Gewalt wehren kann, dass manche Verhaltensformen zwischen Männern und Frauen in Österreich aber ganz alltäglich sind, aber z.B. Zwangsheirat oder Menschenhandel in Österreich strafbar sind.

http://www.integrationsstelle-ooe.at/Mediendateien/Folder_Hilfe_IST_Print.pdf

Bei persönlichen Problemen bzw. bei Gewalt an Frauen stehen auch für Flüchtlinge das „Frauenzentrum Olympe“ sowie das Gewaltschutzzentrum OÖ jederzeit zur Verfügung.

 

Integration: Unterstützungsmaßnahmen und aktuelle Daten

Im schulischen Bereich der Kinder und Jugendlichen bis 15 Jahre herrscht auch für Asylwerbende Schulpflicht, Burschen und Mädchen besuchen gleichermaßen ihre jeweiligen Schulklassen – und werden alters- und sprengelgerecht in die Schulen integriert. Aktuell sind es rund 1.500 Schüler/innen im Asylverfahren in Pflichtschulen und weitere rund 500 in weiterführenden Schulen.

Der Zugang zur Schulpflicht erfolgt gleichberechtigt, ebenfalls jener zu weiterführenden Schule und zu den Deutschkursen.

Über Gleichberechtigung bei den  restlichen Zugängen zu Ausbildung und Qualifizierung und zu anderen Integrationszugängen lassen wir eine externe Evaluierung durchführen, um bei Ungleichheiten gegenzusteuern zu können.

 

Projekt Lehre – Nachholbedarf durch Schwerpunkt Lehre für Mädchen

Bei der Lehre in Mangelberufen hat Oberösterreich derzeit 312 junge Asylwerbende in Ausbildung, davon sind 14 Mädchen, die schon einen Beruf lernen.

Integrationsressort, WKO und AMS arbeiten daher gemeinsam an einem Projekt von Lehrstellen für junge Asylwerberinnen, das am kommenden Montag startet.

LR Rudi Anschober: „Mein Ziel ist es, Sicherheit für Lehrlinge vor der Abschiebung zu erzielen, z.B. durch eine Duldung. Gibt es diese Rechtssicherheit, dann steht auch einem starken Ausbau weiterer Lehr-Plätze für Asylwerbende nichts im Wege. Denn die Wirtschaft sucht motivierte Fachkräfte der Zukunft, die sie aktuell in Österreich nicht mehr findet. Mein Ziel ist es, im Zuge dieser Ausbau-Initiative v.a. noch viel mehr Mädchen in Mangel-Lehrstellen zu bekommen.“

 

Aktuelle Daten: Asylwerbende am Arbeitsmarkt

Merkbar in der Überzahl sind männliche Asylwerbende bei der Arbeitsmarktintegration.

Beim AMS Oberösterreich waren mit Ende 2017 600 Frauen und 1.131 Männer mit Fluchthintergrund (Asylberechtigte oder Subsidiär Schutzberechtigte) als arbeitslos gemeldet. Während 225 Frauen im Jahr 2017 eine Arbeit vom AMS weg aufgenommen haben, waren es knapp 1.500 Männer.

LR Anschober: „Bei der aktuellen Evaluierung der Integrationsarbeit ist eine Empfehlung, die Gleichstellungspolitik weiter zu verstärken. Eine Evaluierung wird von uns derzeit extern in Auftrag gegeben. Sie soll Grundlage für eine verstärkte Gleichstellung beim Zugang zum Arbeitsmarkt sowie zur Qualifizierung sein."

 

Beispiele: Frauen erzählen von ihren Rechten und Erfahrungen

Zarah S. erzählt: „Ich bin seit November 2015 mit meinem Mann und meinen Kindern in Oberösterreich, stamme ursprünglich aus Afghanistan, habe dann im Iran gelebt. Frausein in Afghanistan ist geprägt von Ungerechtigkeit, Rauheit, Diskriminierung – Selbstmord. Mir tut es leid um afghanische Frauen, weil niemand ihre Stimme hört. Ihnen wird in den allermeisten Fällen Bildung – Schule, Studium – verwehrt. Ich hatte Glück und bin meinem Vater sehr dankbar: Er hat eine andere Einstellung und ich durfte Hebamme werden. Als Hebamme würde ich auch in Österreich gern im Spital arbeiten, meine gesamten Urkunden sind schon übersetzt. Aber jetzt habe ich einen negativen Bescheid und muss zuerst hoffen, dass die zweite Instanz für mich entscheidet. Österreich wäre ideal zur Verwirklichung meiner Träume.“

Samira S. erzählt: „Ich stamme aus der Ukraine und warte seit mehr als drei Jahren auf meinen Bescheid in Österreich. In Österreich habe ich guten Zugang zu Ausbildungen, z.B. habe ich schon Deutsch auf B2-Niveau und kann dank eines Lehrganges auch Alphabetisierung unterrichten. Aber ein großes Problem ist das Arbeitsverbot für Asylwerbende – egal ob Männer oder Frauen. Ich bin gelernte Lebensmittel-Technikerin, würde gern arbeiten, in diesem Bereich oder auch als Kellnerin oder ähnliches – aber ich DARF nicht arbeiten.“