Klimakonferenz Cancun

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Klimakonferenz Cancun

06.12.2010 - 10.12.2010 - Cancun

 

Der Erfolg der Weltklimakonferenz ist mehr als ungewiss: OÖ will sich daher in einem Netzwerk der Vorreiterregionen einbringen, die beweisen, dass Klimaschutz keine Last ist, sondern eine große Chance für mehr Lebensqualität, mehr Sicherheit vor Naturkatastrophen und mehr Arbeitsplätze. In Cancun wird OÖ auch der Climate Group beitreten und seine neue Erfolgsbilanz bei der Energiewende präsentieren.

Auch wenn die Verhandlungen der Staatschefs scheitern sollten: Vorreiterregionen wollen neue Dynamik für Klimaschutz erzeugen und beweisen, dass Klimaschutz eine Chance ist.

Der "Climate Leaders Summit" - dreitägige Konferenz zur Vernetzung von 60 Regionen der Welt

Im Rahmen der Weltklimakonferenz im mexikanischen Cancun treffen sich Modellregionen des Klimaschutzes um - gerade in Zeiten der nationalstaatlichen Klimaschutz-Lethargie - Druck auf die Nationalstaaten zu machen und um sich in einem Netzwerk gegenseitig auszutauschen und die wirksamsten Klimaschutzmaßnahmen und -­technologien weiter zu verbreiten und zu forcieren. Oberösterreich ist ebenso mit dabei wie beispielsweise Quebec (Kanada), die US-Bundesstaaten Illinois, Connecticut und Kalifornien, das Baskenland, Ile-de-France, Provinzen Indiens und Afrikas und viele andere mehr. Insgesamt sind in diesem Netzwerk bereits deutlich mehr als 100 Regionen der Erde aktiv (da jede Partnerregion sich mittelfristig einen Partner aus den Schwellen- und Entwicklungsländern nehmen wird, um Technologietransfer ganz konkret lebbar zu machen) und fordern verbindliche Klimaschutzziele und einen Weichenstellung in Richtung eines Weltklimavertrag, welcher die Zukunft nachfolgender Generationen sicher stellt.  Oberösterreichs Umweltlandesrat Rudi Anschober, der an diesem Treffen der Exzellenzregionen im Klimaschutz teilnimmt wird dort den heimischen Erfolgskurs einer Klimaschutzoffensive durch die schrittweise Umstellung der Energieerzeugung und des Energieverbrauches von fossilen auf erneuerbare Energieträger und Energieeffizienz auch als große Chance für den Arbeitsmarkt präsentieren.

Oberösterreich engagiert sich seit Jahren in einem Netzwerk von Regionen der °Climate Group, welche sich die "low carbon economy", also die klimafreundliche CO2-reduzierte Wirtschaft zum Ziel gesetzt haben. Die United Nations Development Program UNDP schätzt, dass 50-70 Prozent der umzusetzenden Maßnahmen eines globalen Klimaschutzabkommens auf subnationaler Ebene - in Österreich auf Ebene der Bundesländer - zu erfolgen haben. Dies liegt daran, dass die Regionalregierungen für die hierfür wichtigen politischen Bereiche wie die Erzeugung, Lieferung und Verteilung von Strom, die den Umweltschutz, die Abfallwirtschaft und die Raumordnung zuständig sind.

"Wir arbeiten in diesem Netzwerk seit der Gründung in Montreal 2005 mittlerweile mit mehr als 60 anderen Regionalregierungen - von Kalifornien über Südaustralien, New York,  Sao Paulo bis Manitoba zusammen, tauschen best-practice Beispiele aus und beraten uns gegenseitig in Energie-, Klimaschutz- und Wirtschaftsfragen der Gegenwart und Zukunft. Diese Zusammenarbeit möchte ich auch noch weiter ausbauen, weshalb Oberösterreich nun in Cancun nach einigen Jahren der intensiven Zusammenarbeit im Beobachterstatus auch den offiziellen Beitritt zur Climate Group begehen wird ", so Anschober.

Die inhaltlichen Schwerpunkte dieser Regionenkonferenz liegen auf einem intensiven Austausch mit dem Wirtschaftsimperium China ebenso wie auf dem Bereich der E-Mobilität und den Chancen einer Green Economy, worin Oberösterreich auch seine Bestrebungen als Vorreiter ganz klar darlegen wird.

Beispiel Grüne Jobs: in OÖ bereits 36.000 Green Jobs - OÖ klare Nummer 1 der Bundesländer

Bereits an die 36.000 grüne Arbeitsplätze sind in Oberösterreich laut Umweltminister entstanden. 6,8 Milliarden Euro werden pro Jahr erwirtschaftet. Das ist aber erst der Beginn. Bis Jahresende soll ein umfassendes zusätzliches Ökojobprogramm erarbeitet werden, das weitere Tausende grüne Jobs schaffen und Oberösterreich zum internationalen Mekka der Umweltwirtschaft machen soll. Aber schon heute ist die Umweltwirtschaft eine zentrale Säule für den oö Arbeitsmarkt, die boomende Branche und der starke Beschäftigungsmotor.

Beispiel Biomasse: in OÖ bereits so stark wie die Wasserkraft Biomasse ist neben der Wasserkraft, die derzeit wichtigste regional verfügbare Energieform. Mit jeweils 14 Prozent Anteil am Gesamtenergieaufkommen in Oberösterreich liegen sie ex aequo an der Spitze der erneuerbaren Energie in Oberösterreich. Seit 2000 ein Plus von 48 Prozent.

38.000 Biomasse-Zentralheizungen, 13 Biomasse KWK-Anlagen, 298 Nah- und Fernwärme-Kraftwerke - 1,35 Millionen Tonnen Biomasse werden in OÖ jährlich verarbeitet, damit werden über 4 Millionen MWh Energie erzeugt und 1,2 Millionen Tonnen CO2 eingespart.

Oberösterreich ist in Österreich das Biomasseland Nummer eins und

weltweit unter den Spitzenregionen. Eine weitere Steigerung auf 25

Prozent des Gesamtenergieverbrauchs ist möglich.

Mit der Biomassebilanz liegen jetzt Detailergebnisse über die

Biomassenutzung in OÖ vor. Zwischenbilanz:

Biogas

Anlagen in Betrieb: 74 als Ökostromanlage anerkannt (davon 1 neue Anlage 2009 in Betrieb gegangen) + 8 Klärgas/Deponiegas durchschnittliche elektrische Engpassleistung: ca. 200 kW erzeugte Energie: ca. 60.000 MWh + (25.000 MWh aus Klär­/Deponiegas)

Biomasse-Heizanlagen ab 100 kW (plus Gemeinschaftsanlagen)

Anlagen in Betrieb: 948 Stk. (davon Fern-/Nahwärme 298)  Kesselleistung: ca. 460 MW erzeugte Energie: ca. 740.000 MWh Biomasseeinsatz: ca. 300.000 to / 1.200.000 Srm / 395.000 fm

Biomasse KWK-Anlagen

Anlagen in Betrieb: 13 erzeugte Energie: ca. 1.450.000 MWh Brennstoff-Bedarf: 500.000 to /2.000.000 Srm / 665.000 fm

automatische Kleinfeuerungsanlagen - Zentralheizungen

Anlagen in Betrieb: ca. 38.000 (davon ca. 18.000 Pellets) installierte Leistung: ca. 1.100 MW erzeugte Energie: 1.760.000 MWh Brennstoffeinsatz: 550.000 to / 2.200.000 Srm / 725.000 fm

Zusätzlich wurden ab 2001 etwa 8.500 Stk. typengeprüfte Stückholzkessel installiert.

Brennstoffeinsatz

In Summe kommen für diese energetischen Biomasseanwendungen etwa 1.350.000 to bzw. 5.400.000 Srm feste Biomasse (inkl. Sägenebenprodukte) jährlich zum Einsatz (klimabereinigt). Wird  für die Energiemenge von 4.010.000 MWh ein CO2-Faktor von 0,3 kg/kWh angesetzt, ergibt das eine Emissionsreduktion dieser Biomasseanwendungen von ca. 1.200.000 to pro Jahr.

Beispiel E- Mobilität: Oberösterreich - Vorreiter in Sachen E-Mobilität Elektro-Mobilität boomt in Oberösterreich: bereits 8500 OberösterreicherInnen sind mit landesgeförderten Elektrofahrzeugen umweltfreundlich unterwegs (davon alleine 6500 E-Bike): kein Lärm, keine Emissionen, viele neue grüne Arbeitsplätze sind die Folge. Unter anderem bei ktm-bike, einem der erfolgreichsten e-bike-Produzenten Europas. KTM beschäftigt derzeit rund 330 Mitarbeiter/innen und erzielt einen Umsatz von rund 90 Mio. Euro. Insgesamt wird in OÖ heuer eine Wertschöpfung von knapp 200 Mio. Euro mit dem Radverkehr geschaffen, bereits 3500 grüne Jobs sind im Radverkehr entstanden. Mit stark steigendem Trend. Die Initiative von LR Anschober, einen neuen Lehrberuf Fahrradmechaniker zu schaffen, wird mittlerweile breit unterstützt.

Oberösterreich bleibt Vorbild und setzt kreativ Modellregion konsequent fort. Anschober: "Alle Welt redet vom Klimaschutz und bedauert dessen scheitern - und gleichsam steigen die Emissionen drastisch an, bzw. sinken diese auch in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht einmal so wie erwartet. Wir in Oberösterreich lassen den Worten Taten folgen: als erste Region Europas setzen wir die Energiewende um - schrittweise wollen wir bis 2030 bei Raumwärme und Stromvöllig unabhängig werden, die Kosten für Energieimporte um zwei Milliarden Euro verringern und dieses Geld in Wertschöpfung in der Region investieren. Das zu verwirklichen ist realistisch - wir haben die Potentiale untersucht, können rund ein Drittel der Energie durch neue Technologien einsparen und die dann für Raumwärme und Strom noch benötigte Energie durch Sonnenenergie, Biomasse, Biogas, Geothermie, Wind und Wasser selbst erzeugen. Dass das der richtige Weg ist, bin ich überzeugt."

Sommer 2010: Sommer der Naturkatastrophen

2010 - Jahr der Naturkatastrophen (Quelle: "Dartmouth Flood Observatory")

Die globale Analyse des "Dartmouth Flood Observatory" in den USA, in der Daten von allen größeren Überflutungen zwischen Jänner und August 2010 (siehe Felder in pink) zusammengestellt wurden, illustriert das verheerende Ausmaß der Naturkatastrophen. Neben Pakistan zählten vor allem China, aber auch Mittel- und Osteuropa sowie Teile der USA zu den am stärksten betroffenen Regionen der Welt. Ergänzt man diese Werte mit den Zonen, wo Hitzewellen, Rekordtemperaturen und extreme Dürre registriert wurden, wird die Zuspitzung der Lage anschaulich.

13 Regionen der Welt wurden im Sommer diesen Jahres von unvorstellbaren Katastrophenereignissen heimgesucht, welche menschliches Leid in einem unvorstellbaren Ausmaß - mit etwa 30 Mio. Obdachlosen weltweit - und Schäden von gesamthaft 100 Milliarden US-Dollar zeitigten.

Die globale CO2 Reduktion betrug im Jahr 2009 trotz Wirtschaftskrise nur 1,3 Prozent (Quelle:

http://www.guardian.co.uk/environment/2010/nov/21/carbon-emissions­fall-report) - diese Entwicklung muss eine Warnung - vor allem für alle VerhandlerInnen in Cancun - sein. Da die Reduktion innerhalb der EU jedoch deutlich höher ist als im globalen Mittel, zeigt dies dramatisch die Bedeutung der Einbindung wirtschaftlich prosperierender Staaten wie etwa China oder Indien auf. Ein Folgeabkommen für Kyoto, für welches in Cancun wichtige Weichenstellungen vorgenommen werden müssen, muss deshalb sämtliche wichtigen Wirtschaftskräfte und Großemittenten - von China bis zu den USA - umfassen, alles andere käme einem Verrat an unseren Kindern und Kindeskindern gleich.

EU muss Vorreiter sein - Zielsetzungen den Realitäten anpassen 30 statt 20 Prozent!

Die Wirtschaftkrise hat bereits beinahe zwei Drittel des 20% Zieles der Europäischen Union realisiert, so sind innerhalb der EU die CO2 Emissionen im Rahmen der Berechnungen des 2020-Zieles bereits um 14 Prozent gesunken - dieses Ziel muss nun auf 30% angehoben werden, um ein globales Zeichen zu setzen und den stockenden Verhandlungen eine neue Dynamik zu geben.

Anschober tritt an die Bundesregierung erneut heran mit einem 5 Punkte-Programm für einen Beitrag Österreichs für mehr Klimaschutz

1. Die internationalen Verhandlungen für einen Weltklimavertrag stocken, weil sich derzeit keiner der großen CO2-Verursacher bewegt. Die bisherigen freiwilligen Zusagen der Länder auf Klimaschutz reichen bei weitem nicht aus

-sie würden nach Berechnungen der UNO zu einer Temperaturerhöhung von mehr als 3,5 Grad Celsius führen. Österreich sollte daher innerhalb der EU eine Initiative ergreifen, die Klimaschutzziele der EU bis 2020 von derzeit 20% auf 30% zu erhöhen, um damit eine neue Dynamik auszulösen. 14 Prozent dieser zusätzlichen Reduktion ist durch die Wirtschaftskrise bereits erbracht.

  1. Österreich selbst muss seine eigenen Klimaschutzbemühungen endlich verstärken - der Schlüssel dazu muss ein neues Klimaschutzgesetz sein, das der Bund gemeinsam mit den Bundesländern schnüren soll. Eine erste Grundsatzeinigung zwischen Umweltminister und UmweltreferentInnen der Bundesländer gibt es, doch der Umweltminister setzt auf Zeit und informiert die Länder nicht über eine weitere Vorgehensweise hierbei.
  2. Österreich muss dafür vor allem den Umstieg weg von fossilen Energieträgern hin zu Erneuerbaren Energieträgern und Energieeinsparung deutlich verbessern und in diesem Sinn auch die Ziele des Nationalen Aktionsplans Erneuerbare Energie deutlich nachjustieren.
  3. Österreich muss als weiteren Schritt die Erzeugung von Ökostrom deutlich verstärken und bei Solarstrom die Förderungsregelungen Deutschlands übernehmen.
  4. Österreich muss als fünften Schritt eine Energiesparmilliarde mit dem Schwerpunkt thermische Sanierung für die Jahre nächsten zwei Jahre starten, um den Energieverbrauch deutlich zu verringern.

"All diese Schritte würden sich als wirksamer Jobmotor erweisen und sich durch zusätzliche Steuereinnahmen und verringerte Arbeitslosengelder selbst finanzieren", so Anschober abschließend.





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