9 Oktober 2019

ANSCHOBER: Klimaschutz-Mascherl der Atomlobby ist Ablenkungsmanöver

Atomenergie ist schwerer Schaden für Klimaschutz – Bundesregierung muss aktiv gegen Missbrauch der Klimakrise für Renaissance der Atomenergie vorgehen

Bei der derzeit in Wien stattfindenden „Atoms4Climate“ diskutiert die Atomlobby seit Tagen über „Low Carbon Nuclear“ und Klimaschutz – ein Ablenkungsmanöver und ein Versuch das angeschlagene Image der Atomenergie grünzuwaschen.

Oberösterreichs Umweltlandesrat Rudi Anschober: „Von der Atomlobby wird immer wieder versucht, Atomkraft als Option für eine klimafreundliche Energieversorgung darzustellen. Die Diskussionen sind jedoch nur Nebelgranaten, um das angeschlagene Image aufzubessern und von der Misere der Atomwirtschaft abzulenken. Unzählige renommierte Klimawissenschafter/innen bestätigen seit Jahren, dass zur Bewältigung der Klimakrise möglichst schnell und kosteneffizient CO2 eingespart werden muss – und dabei kann die Atomkraft keinerlei Beitrag leisten! Mehr noch: Die Atomenergie ist ein schwerer Schaden für den Klimaschutz, denn sie ist völlig unwirtschaftlich und bindet Milliarden, die für die echte Energiewende zu Erneuerbaren und Energieeffizienz fehlen!“

Wie viel die Atomkraft zur Klimarettung beitragen könnte, hat die Internationale Energieagentur (IEA) untersucht und ist zu einem ernüchternden Ergebnis gekommen. Um das zwei-Grad-Ziel zu erreichen, müssten die weltweiten Emissionen von heute 37 Mrd. Tonnen bis 2050 auf unter 5 Mrd. Tonnen sinken. Fast 40 Prozent der Reduktion kann durch Energieeffizienz erreicht werden. Ein Drittel könnten die erneuerbaren Energien beisteuern. Die Kernkraft käme in diesem Szenario auf einen Anteil von fünf Prozent. Um diesen minimalen Beitrag zu leisten, müssten etwa 1.000 AKWs neu gebaut werden!

„Langwierige AKW-Neubauten können aufgrund der Machbarkeit, der hohen Kosten und des Zeitfaktors keinen Beitrag für den Klimaschutz leisten. Der Schlüssel hin zu ‚Klimaschutz jetzt!‘ liegt in der nachhaltigen Energieerzeugung: Erneuerbare und Energieeffizienz können sofort eingesetzt werden und unmittelbar zum Klimaschutz beitragen“, sagt Anschober.

AKW-Neubauten stellen ein unberechenbares Finanzrisiko dar - internationale Studien beweisen, dass neue AKWs immer unwirtschaftlicher werden. Eine besonders wichtige Weichenstellung ist daher die für Herbst erwartete Entscheidung des EuGH über die von Anschober initiierte Nichtigkeitsklage gegen die Zulassung einer Milliardensubvention für das britische AKW-Projekt Hinkley Point. Der letzten Abschätzung des Kostenbudgets zufolge wird sich das Kraftwerk neuerlich um ca. 15% - also um 2-3 Milliarden Pfund (auf insgesamt 21,5 – 22,5 Milliarden Pfund anstatt ursprünglich 16 Milliarden) - verteuern! Ein Milliardengrab ohnegleichen, für dessen Finanzierung die Stromkonsument/innen zur Kassa gebeten werden.

„Neue AKWs sind in der ganzen EU zum Scheitern verurteilt. Sie sind unsicher, blockieren die Investitionen für die Energieumstellung auf Klimaschutz und erneuerbare Energieträger und sind völlig unwirtschaftlich. Das belegen neben Hinkley Point auch die Milliardengräber in Flamanville und Olkiluoto, wo die aktuellen Baustellen neuer AKWs durch eine Vervielfachung von Bauzeit und Baukosten zum Desaster wurden. Ob die Atomenergie von der EU als Klimaschutztechnologie anerkannt wird, wird sich in den nächsten Monaten entscheiden. Österreichs aktuelle Bundesregierung muss dagegen konsequent Vorgehen und europaweite Initiativen gegen diesen Missbrauch der Klimakrise für eine Renaissance der Atomenergie und gegen diese Milliardensubventionen setzen“, fordert Oberösterreichs Umweltlandesrat und Gründer der „Allianz der Regionen für einen schrittweisen europaweiten Atomausstieg“.