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4 Juli 2019

Arbeit als zentraler Schlüssel gelungener Integration: Inwieweit gelingt Jobintegration in Oberösterreich, wo sind die Stärken und die Schwächen, was braucht es in Zukunft

Vorschau auf die 12. Integrationskonferenz des Landes Oberösterreich - internationale Wissenschafter/innen stellen Jobintegration in den Mittelpunkt

Oberösterreichs Wirtschaft sucht Tausende Fachkräfte, Zuwanderer müssen die Chance erhalten, ihren Beitrag zu leisten: Heute ab 14.00 Uhr lädt Integrationslandesrat Rudi Anschober zur 12. Oberösterreichischen Integrationskonferenz in den Ursulinenhof, die in diesem Jahr unter dem Titel „Integration durch Arbeit“ steht. Wo stehen wir bei der Jobintegration von Zuwanderern in Oberösterreich? Welche Weichenstellungen und Reformen braucht es durch die nächste Bundesregierung zur Unterstützung des erfolgreichen oberösterreichischen Wegs der Integration? Renommierte Wissenschafter/innen und Expert/innen werden das integrationspolitische Thema Arbeit auf unterschiedlichen Ebenen diskutieren – zum einen auf der europäischen, österreichischen und volkswirtschaftlichen Ebene, zum anderen Oberösterreich-spezifisch, mit Fokus auf die persönlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen in der Arbeitsmarktintegration. Die Wissenschafter/innen und Expert/innen werden gemeinsam mit Anschober ein Zukunftspaket für notwendige Verbesserungen der Jobintegration durch die nächste Bundesregierung präsentieren.

Aktuell ist die Jobvermittlungsquote von Asylberechtigten in Oberösterreich vergleichsweise sehr gut. Deutlich weniger Asylberechtigte und Subsidiär Schutzberechtigte sind arbeitssuchend. Dieser Wert konnte dadurch erreicht werden, dass die oberösterreichische Allianz für Integration von Wirtschaft über AMS bis Zivilgesellschaft hervorragend zusammenarbeitet und schon während des – leider immer noch meist mehrere Jahre dauernden – Asylverfahrens viel in Spracherwerb und Qualifikation investiert wurde. Der Erwerb von Sprachkenntnissen und Qualifikation ist immer noch der Schlüssel für den Zugang zum Arbeitsmarkt. Dieser wiederum ist ein wesentlicher Motor für die Integration. Wer im Job angekommen ist und die Sprache ausreichend beherrscht, kann in der Regel auch bald Anschluss an die Gesellschaft finden. Und wir arbeiten weiter: Oberösterreich startet nun eine landesweite Offensive in der Pflegeausbildung, die als neuer Schwerpunkt auch Migrant/innen ansprechen soll. Für den Erwerb fehlender Zugangsvoraussetzungen für die Pflegeausbildungen werden ab Herbst 2019 erstmals Vorbereitungslehrgänge speziell für Migrant/innen angeboten.

Unser Motto: Integration ab dem ersten Tag der Anwesenheit durch Deutschkurse, Qualifizierung, Ausbildung und Beschäftigung

Es ist wichtig, den Menschen ab dem ersten Tag in Österreich Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten. Je länger die Menschen untätig und in Unsicherheit über die Zukunft warten müssen, desto mehr gehen Qualifikationen und auch Tagesstrukturen verloren und umso schwerer wird es dann, sie am Arbeitsmarkt unterzubringen. Und daher fordern wir von der nächsten Bundesregierung massive Verbesserungen für die Job-Integration:

  • Massive Beschleunigung der Asylverfahren durch eine Personalaufstockung in der 2. Instanz
  • Integration ab dem 1. Tag durch Bund und Land:

         o   Gemeinsame flächendeckende Deutschkurse, auch auf höherem Niveau

         o   Fachspezifische Sprachkurse

         o   Offensive zum Nachholen des Pflichtschulabschlusses

         o   Beschleunigte Nostrifizierung

         o   Keine Abschiebung während der Ausbildung, Einführung eines 3+2 Modells

         o   Wiederöffnung des Zugangs zur Lehre für Asylwerber/innen in Mangelberufen

         o   Arbeitsmarktzugang in Mangelberufen nach sechs Monaten bei ausreichenden Deutschkenntnissen

  • Beschäftigungsduldung nach bayrischem Vorbild
  • Erarbeitung eines österreichischen Einwanderungsgesetzes für kontrollierte Zuwanderung in den Arbeitsmarkt
  • Gesamtreform der Rot-Weiß-Rot-Card mit massiver Entbürokratisierung, Absenkung der erforderlichen Einkommensgrenzen, Möglichkeit der Antragstellung im Inland 

12. OÖ Integrationskonferenz – das Programm

Die Integrationskonferenz des Landes OÖ findet heute zum 12. Mal statt. Das Land Oberösterreich will mit der Konferenz sowohl neue Impulse und Denkanstöße liefern, als auch einen offenen Diskurs fördern, um Integration in Oberösterreich einerseits zu ermöglichen und andererseits zu ermutigen, den durch Migration veränderten Gegebenheiten mit Mut und Kreativität zu begegnen. 

Die Integrationskonferenz richtet sich an Vertreter/innen der Politik, der Verwaltung, der Interessenvertretungen, der im Bereich Integration tätigen NGOs und an sonstige wichtige Träger sowie Expert/innen. Im Rahmen der Konferenz wird die Möglichkeit geboten, sich über Entwicklungen im Bereich der Integrationsarbeit zu informieren und gemeinsam auszutauschen. Heuer steht das Thema „Integration durch Arbeit“ im Fokus. Erwerbstätigkeit gibt die Möglichkeit, aktiv an einer Gesellschaft mitzuwirken, sich und seine Familie selbst zu erhalten und den Lebensalltag aktiv zu gestalten. Die Teilhabe und Teilnahme an unserer Gesellschaft lebt von dieser Mitbestimmung und der Motivation, sich selbst einbringen zu können. Leider bleibt vielen Menschen mit Migrationshintergrund diese Möglichkeit auf Erwerbstätigkeit aus unterschiedlichen Gründen verwehrt.

Bei der heurigen 12. Integrationskonferenz am 03. Juli im Ursulinenhof befassen sich die wissenschaftlichen Vorträge mit den Auswirkungen von Migration auf den Arbeitsmarkt, der Herausforderung, nach langer Untätigkeit am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen; den Ressourcen (bspw. Bildung, Ausbildung, berufliche Qualifikationen), die Menschen mit Migrationshintergrund und Fluchtgeschichte mit sich bringen und nicht zuletzt mit den volkswirtschaftlichen Auswirkungen und der Notwendigkeit der Integration und Inklusion am Arbeitsmarkt. Der Fokus der Vorträge liegt dabei auf Arbeit und einer breiten Zielgruppe, darunter auch Asylsuchende bzw. Asylberechtigte. Die Vortragenden sind renommierte Fachexpert/innen, die in unterschiedlichen Bereichen umfassende Forschungsarbeit in den Bereichen Migration, Integration und Arbeitsmarkt leisten:

  • Univ-Prof. Dr. Rudolf Winter-Ebmer 
  • Dr.in Judith Kohlenberger
  • Mag. August Gächter
  • Univ.-Prof.in Dr.in Doris Weichselbaumer

Die Fachvorträge des Nachmittags werden am Abend durch eine Podiumsdiskussion mit Vertreter/innen von AMS und Wirtschaft abgerundet. Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion sind:

  • Landesrat für Integration Rudi Anschober
  • Iris Schmidt, AMS OÖ
  • KommRin Ursula Krepp, Unternehmerin, Spartenvertreterin Gewerbe und Handwerk OÖ
  • Univ-Prof. Dr. Rudolf Winter-Ebmer, JKU Linz
  • Dr.in Judith Kohlenberger, WU Wien 

Arbeitsintegration von Geflüchteten seit 2015 in Österreich und Oberösterreich 

Aktuell funktioniert die Integration in den Arbeitsmarkt in Oberösterreich gut; die erhobenen Zahlen des Arbeitsmarktservice zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten zeigen eine gute Ausgangslage in Oberösterreich auf. Die Beschäftigungsaufnahmen sind infolge zielgerichteter Integrationsmaßnahmen im Zeitraum von 2015 bis Mai 2019 kontinuierlich gestiegen; in Oberösterreich sowie österreichweit.

Beschäftigungsaufnahmen

Oberösterreich

2015

954

2016

1.281

2017

1.704

2018

2.439

2019 (bis Ende Mai)

1.194

Quelle: AMS, Mai 2019

Arbeitslose Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte in Oberösterreich und Österreich seit 2015 bis Mai 2019

Die Zahl der Asylberechtigten, die beim Arbeitsmarktservice arbeitslos gemeldet sind, ist im Vergleichszeitraum in etwa gleich geblieben, zuletzt wieder leicht angestiegen. Für diese Menschen werden Sprachkurse und Qualifizierungsmaßnahmen angeboten.

Arbeitslose

Oberösterreich

Österreich

2015

1.250

12.344

2016

1.483

15.647

2017

1.731

16.029

2018

1.581

17.417

2019

1.627

20.029

Quelle: AMS, Mai 2019

 

Asylwerbende Lehrlinge in Arbeit in Oberösterreich und Österreich

Eine aus integrationspolitischer Sicht auf mehrfache Weise sinnvolle Maßnahme war es, Asylwerbenden den Zugang zur Lehre zu ermöglichen. So wurde während immer länger dauernden Asylverfahren einerseits Asylwerber/innen eine qualitative Ausbildung, Tagesstruktur und sinnvolle Beschäftigung ermöglicht und andererseits auch dem Ruf nach Fachkräften der heimischen Unternehmen gerecht, die im Zuge des Fachkräftemangels mit Asylwerber/innen wertvolle Arbeitskräfte in ihre Betriebe aufnahmen. Seit 2015 bestanden österreichweit 2.509 Beschäftigungsbewilligungen (durchschnittlich) für asylwerbende Lehrlinge; alleine in Oberösterreich waren es 916. 

Per Ende Mai 2019 bestanden in Oberösterreich 341 Beschäftigungsbewilligungen für Asylwerbende als Lehrlinge – in ganz Österreich sind es noch 922. 

Die in demselben Zeitraum (2015 bis 2019) erteilten Beschäftigungsbewilligungen für Asylwerber/innen stellen sich wie folgt dar:

Erteilte Beschäftigungsbewilligungen: 

Oberösterreich

2015

2016

2017

2018

2019

Erteilte BB für Asylwerber/innen insgesamt

187 

428

560

670

201

darunter: Lehrlinge

35 

142

230

239

3*

Österreich

2015

2016

2017

2018

2019

Erteilte BB für Asylwerber/innen insgesamt

583 

998

1.526

1.615

379

darunter: Lehrlinge

109 

330

694

757

5*

Quelle: AMS, Mai 2019

*Lehrzeit verlängert 

Lehrlinge mit Abschluss in Oberösterreich und Österreich 

Wir gehen mittlerweile von rund 30 abgeschlossenen Lehrausbildungen von Asylwerber/innen aus. Für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte stehen keine Daten zur Verfügung, da der Status nicht als Kriterium erfasst ist. Aufgrund fehlender Aufzeichnungen und Statistiken ist derzeit keine aussagekräftige Schätzung möglich, wie viele asylwerbende Lehrlinge bereits abgeschoben wurden bzw. von der Abschiebung bedroht sind. 

Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte auf Lehrstellensuche in Oberösterreich und Österreich 

Mit Stand Mai 2019 befanden sich österreichweit 1.330 Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte auf Lehrstellensuche, in Oberösterreich waren es lediglich 116. Insgesamt stehen 5.824 offene Lehrstellen in Österreich bzw. 1.356 in Oberösterreich zu Verfügung. 

Statement Dr.in Judith Kohlenberger (Wirtschaftsuniversität Wien) 

Die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten hängt im Wesentlichen von zwei Säulen ab, die miteinander in enger Wechselwirkung stehen: Einerseits sind das die Bildungsabschlüsse und beruflichen Qualifikationen, die Geflüchtete aus ihren Herkunftsländern mitbringen. Dieses „Humankapital“, wie es in der demographischen Forschung genannt wird, ist gerade bei Menschen aus Syrien und dem Irak deutlich vorhanden: Etwa ein Viertel aller Geflüchteten aus diesen Herkunftsländern hat einen post-sekundären Bildungsabschluss. Das entspricht in Österreich einer BHS ab der 4. Schulstufe sowie allen darüber liegenden Ausbildungen, darunter auch universitäre Abschlüsse. Knapp die Hälfte aller Geflüchteten hat einen Abschluss der Sekundarstufe 2, also z.B. eine Matura oder einen Lehrabschluss. Zusätzlich lässt sich eine hohe Erwerbsorientierung erkennen: 90% aller geflüchteten Männer, die im Fluchtherbst 2015 nach Österreich gekommen sind, konnten trotz ihres jungen Alters bereits Arbeitserfahrung im Herkunftsland sammeln (Buber-Ennser et al. 2016). 

Die zweite Säule für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration bilden die Aufnahmebedingungen des Gastlandes, allen voran die konjunkturelle Lage, die Dynamik des Arbeitsmarkts, aber auch die Offenheit von Seiten der Unternehmen und Arbeitgeber/innen. Durch zielgerichtete Investitionen in Sprache, Aus- und Weiterbildung können Geflüchtete dabei unterstützt werden, ihr Humankapital auf die wirtschaftlichen Bedingungen im Gastland abzustimmen und zu übersetzen. Davon profitieren vor allem jene Branchen, die aufgrund der demographischen Entwicklung und ländlichen Abwanderung vom Fachkräftemangel betroffen sind.  

Für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration sind aber auch implizite Faktoren mitzudenken. Dazu zählen persönliche Ressourcen wie die physische und psychische Gesundheit einer Person (Kohlenberger et al. 2019) sowie ihre sozialen Netzwerke, die bei der Jobsuche sehr hilfreich sein können. Hier zeigt sich der Mehrwert der vielen zivilgesellschaftlichen Initiativen, Vereine und NGOs, die seit 2015 Geflüchtete dabei unterstützen, nachhaltige Kontakte zur Aufnahmegesellschaft zu knüpfen.  

Statement Ursula Krepp (Chemische Gewerbe und Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger, Landesinnung Wirtschaftskammer Oberösterreich) 

Wir verzeichnen mit über 680.000 unselbstständig Beschäftigungen und der bundesweit niedrigsten Arbeitslosenquote 4 Prozent Rekordbeschäftigung! Noch nie zuvor befanden sich in Oberösterreich so viele Menschen in Beschäftigung – darauf können wir stolz sein! Diese positive Entwicklung am Arbeitsmarkt verschärft leider den Fachkräftemangel massiv und bringt enorme Herausforderungen für die heimische Wirtschaft mit sich! Der Engpass an Fach- und Hilfskräften ist mittlerweile ein wesentlicher Hemmschuh für das Wirtschaftswachstum am Wirtschaftsstandort Oberösterreich geworden! 

In OÖ fehlen derzeit rund 30.000 Fachkräfte. In rund 10 Jahren stehen dem OÖ Arbeitsmarkt aufgrund der demografischen Entwicklung rund 7 Prozent (das sind 57.000 Personen!) weniger Personen im erwerbsfähigen Alter zur Verfügung. Wer 1 und 1 zusammenzahlen kann, weiß was das für die OÖ Wirtschaft bedeutet! Daher bekennt sich die WKO Oberösterreich zu einer bedarfsorientierten, gesteuerten qualifizierten Zuwanderung sowie zu einer nachhaltigen und raschen Arbeitsmarktintegration.  

Die Wirtschaftskammer hat diese Herausforderungen frühzeitig erkannt und deshalb einen innovativen und nachhaltigen Masterplan „Fachkräftesicherung“ entwickelt. Insgesamt befinden sich derzeit bereits über 400 Einzelmaßnahmen in der konkreten Umsetzung. Die von WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer initiierte „Duale Akademie“ – dabei geht es um praxisnahe und branchenspezifische duale Ausbildung nach der Matura – ist beispielsweise ein Vorzeigeprojekt, das für Wirtschaft und Arbeitnehmer eine absolute Win-Win-Situation erzeugt. Zudem ist die WK mit ihrem Bildungsinstitut WIFI der Ausbildungspartner Nr. 1 in OÖ! In unserer „Fachkräfteschmiede“ werden jährlich in über 10.000 Kursen rund 100.000 Kundinnen und Kunden zu echten Fachkräften qualifiziert!