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Landesrat Rudi Anschober, Azra Hodzic-Kadic (uugot.it), Philipp Etzlinger (uugot.it), Kamila Akhmadova  (uugot.it)

Landesrat Rudi Anschober, Azra Hodzic-Kadic (uugot.it), Philipp Etzlinger (uugot.it), Kamila Akhmadova (uugot.it)

2 Juli 2019

Deutschlernen ist ein Schlüssel für Integration

Land Oberösterreich geht beim Spracherwerb mit Sprachlern-App uugot.it neue Wege. Schwerpunkt auch für Bürger/innen aus Tschetschenien

Das Erlernen der deutschen Sprache ist der wichtigste Schlüssel für die Integration - Oberösterreich geht dabei wie keine zweite Region voran. Einzigartig in Europa: Bereits 23.106 Asylwerber/innen haben seit 2016 an Sprachkursen teilgenommen - so etwas hat es davor noch nie gegeben. Flächendeckend hat damit praktisch jede und jeder in OÖ eine Grundausbildung in Deutsch erfahren. Denn das ist die Grundvoraussetzung für Integration: für Begegnungen, für soziale Integration, für die Jobintegration u.v.a.m.

In tausenden ehrenamtlichen Kursen und seit 2016 in mittlerweile drei großen Sprachpaketen wurde flächendeckend und dezentral Deutsch gelernt. Und die Arbeit wird fortgesetzt: Durch Zusatzqualifikationen für höheres Sprachniveau, die in den kommenden Monaten starten. Weiteres Ziel sind fachspezifische Sprachkurse für den verbesserten Zugang zum Arbeitsmarkt. Das Land Oberösterreich beschreitet darüber hinaus nun innovative Wege bei der Integration und beauftragt im Rahmen der Integrationsoffensive uugot.it – eine digitale Lösung zum Deutschlernen mittels TV. Dabei werden TV-Sender auf ein Smartphone oder Tablet gestreamt und mit interaktiven Untertiteln versehen. Wird ein Wort nicht verstanden, kann auf dieses geklickt werden, woraufhin simultan die Übersetzung in der gewünschten Sprache eingeblendet wird. Menschen mit Migrationshintergrund wird damit die Teilhabe am öffentlichen Diskurs erleichtert. Im Fokus stehen vorerst insbesondere Migrant/innen mit tschetschenischer Herkunft und russischer Muttersprache.

 

Die Erfolgsgeschichte Deutsch und Bildung in Oberösterreich

 

Eine flächendeckende Deutschausbildung für alle hat es in Oberösterreich zuvor noch nie gegeben - zuerst wurde durch hunderte Ehrenamtliche und ab 2016 zwei Jahre lang mit Sprachkursen dezentral im ganzen Land für alle Asylwerber/innen - 2017 in Ko-Finanzierung mit dem Bund, die bisher größte Offensive des Deutschlernens und der Basisausbildung umgesetzt. Jeweils kombiniert mit offensiver Werte- und Orientierungsschulung. Somit konnte der allergrößte Teil der nach Oberösterreich gekommenen Asylwerber/innen eine erste Deutschausbildung erhalten – 23.106 Asylwerber/innen haben seit Beginn der Offensive an Deutschkursen inklusive einer Orientierungsschulung mit den Schwerpunkten „Verfassung“ und „Gleichstellung von Mann und Frau“ teilgenommen. Nach dem Ausstieg des Bundes mit Ende 2017 aus dieser gemeinsamen Finanzierung wurde der eingeschlagene Weg des Deutschlernens durch das oö. Integrationsressort weitergegangen, der sich auch am Integrationsleitbild orientiert.

Insgesamt haben im aktuellen Sprachpaket III bisher 4.095  Personen einen Deutschkurs besucht.

Angebote der aktuell laufenden Sprachkurse im Sprachpaket III:

- Alphabetisierung: 18 Kurse

- A1: 74 Kurse

- A2: 95 Kurse

- B1: 107 Kurse

An diesen Zahlen lässt sich eine Verlagerung zu höheren Sprachniveaus erkennen, die für einen Erfolg der bisher geförderten Deutschkurse durch das Integrationsressort sprechen. Eine Anfang des Jahres 2019 durchgeführte Auswertung der in Grundversorgung befindlichen Personen zeigt, dass ein Großteil – 27% haben A1-Niveau und 30% A2-Niveau erreicht – bereits Basiskenntnisse besitzt.


Abbildung 1: Deutschniveau Grundversorgung (Quelle: GVS OÖ)

Aus diesem Grund wird das Integrationsressort wie schon in den Jahren davor auch 2019 weiterhin Landes-Deutschkurse fördern. LR Anschober: „Wir hätten uns eine Weiterfinanzierung der Deutschkurse für Asylwerber/innen gemeinsam mit dem Bund gewünscht, doch leider wurde dies nach den Wahlen dann nicht realisiert, was ich für einen großen Fehler halte. Mit der Übergangsregierung gibt es nun eine Chance die Finanzierung durch den Bund wieder zu ermöglichen. Ich werde dafür das Gespräch mit den zuständigen Stellen suchen.“

 

Sprachförderpaket I Land OÖ

 

Erstmals in der Landesgeschichte wurde im Frühling 2016 ein umfassendes Deutschförderpaket von Integrations-Landesrat Anschober gestartet, das vollständig vom Land finanziert wurde. Es gab zuvor kein institutionalisiertes Deutschkursnagebot für Asylwerber/innen. Entsprechend den dezentralen Quartieren wurden beim Sprachförderpaket I bis Sommer 2016 flächendeckend 338 Deutschkurse angeboten, an denen 4.192 Asylwerber/innen teilgenommen haben. Im Sprachpaket I wurden Kurse in Summe von 789.006,- Euro gefördert.

 

Sprachförderpaket II von Land OÖ und Bund

 

Parallel dazu wurde mit dem Innenministerium eine Kofinanzierung für ein umfassendes Deutsch-Paket verhandelt, das bereits im Oktober 2016 gestartet und bis Ende 2017 verwirklicht wurde. Ebenfalls dezentral umgesetzt, nahmen 14.819 Asylwerber/innen an 1.232 Deutschkursen teil. Im Rahmen der beiden Pakete wurden auch Alphabetisierungsschulungen durchgeführt, an denen rund 2.600 Asylwerber/innen teilgenommen haben. Die Fördersumme für das Sprachförderpaket II beläuft sich auf insgesamt (Bund + Land) 5.419.221,85 Euro, wobei hier Sprachkurse, Prüfungen und Fahrtkosten gefördert wurden. Der Landesanteil für das Sprachpaket II beträgt 2.698.971,85 Euro.

 

Sprachförderpaket III vom Land Oberösterreich

 

Das Sprachförderpaket III wurde im Oktober 2018 gestartet. Das Angebot richtet sich an dieselbe Zielgruppe wie beim Sprachförderpaket II - rund 1.500 Asylwerber/innen haben bislang noch kein Angebot eines Deutschkurses erhalten, dieser Bedarf wird mit dem dritten Sprachpaket nun abgedeckt. Umgesetzt wird das Paket von denselben Bildungsträgern wie bisher. Auch die Kriterien bleiben unverändert. Im Sprachpaket III sind seit 01.10.2018 bisher weitere 294 Kurse abgehalten worden, die von rund 4.095 angemeldeten Teilnehmer/innen besucht wurden. Die durchschnittliche Zahl der angemeldeten Teilnehmer/innen liegt pro Kurs bei 14 Personen.

Die Landesförderung für das Sprachpaket III beläuft sich bisher auf 749.084,- Euro. 

Das Sprachförderpaket IV wird voraussichtlich ab Herbst 2019 starten und vor allem in Richtung von höheren Sprachniveaus gehen, die gerade für den Job eine wichtige Grundvoraussetzung darstellen.

 

Land Oberösterreich geht beim Spracherwerb mit Sprachlern-App uugot.it neue Wege

 

Das Land Oberösterreich beschreitet einen neuen Weg bei der Integration und beauftragt im Rahmen der Integrationsoffensive II für Menschen aus Tschetschenien uugot.it –eine digitale Lösung zum Deutschlernen mittels TV. Menschen mit Migrationshintergrund wird damit die Teilhabe am öffentlichen Diskurs erleichtert.

Im Fokus stehen insbesondere Migrant/innen mit tschetschenischer Herkunft und russischer Muttersprache. Die Applikation ist an Fernsehsender angebunden und fügt den Sendungen interaktive Untertitel hinzu. Nicht verstandene Begriffe werden simultan in andere Sprachen übersetzt.

Ziel dieser Maßnahme ist es, das Aufeinanderzugehen von Menschen diverser Herkunft zu fördern, sie an die Mehrheitsgesellschaft heranzuführen und beim Erwerb der deutschen Sprache zu unterstützen. Sie hilft zugezogenen Mitbürger/innen, an regionalen und nationalen Themen teilzuhaben.

Das österreichische Technologie-Start-up uugot.it hat sich bereits bewährt. So bekräftigte eine Studie der Universität Wien die positiven Effekte auf das Sprachenlernen mit Untertiteln. Mittlerweile wird das Tool von mehreren nationalen und internationalen Universitäten und Bildungsinstituten eingesetzt. Zuletzt wurde die VHS Linz mit uugot.it ausgestattet. Im Rahmen der Integrationsoffensive II wurde zusätzlich Russisch als weitere Übersetzungssprache implementiert.

Im Rahmen der Integrationsoffensive II wird ein niederschwelliges Konzept umgesetzt. Es soll der Gruppe der Tschetschen/innen in Oberösterreich einen besseren Zugang zur Mehrheitsgesellschaft ermöglichen, Vorbehalte gegenüber öffentlichen Stellen ab- und Vertrauen aufbauen. „Ein charakteristisches Merkmal für ein Gros der Zielgruppe ist eine Skepsis bzw. Misstrauen gegenüber staatlichen Einrichtungen, der Exekutive und Behörden, was durch unterschiedliche Strukturen und Erfahrungen im Heimatland erklärbar ist. Das Vertrauen in die Systeme in Oberösterreich braucht Zeit. Der Zugang von uugot.it könnte Teil einer Lösung sein“, so LR Rudi Anschober.

Eine große Herausforderung stellt dies insofern dar, als dass sich viele Angehörige dieser Gruppe schon seit dem Tschetschenien-Krieg gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts in Österreich befinden. Bislang wurden keine gezielten Integrationsmaßnahmen gesetzt. Dies führte teilweise zu einer parallelen Integration – man ist nicht Teil der Mehrheitsgesellschaft, hat sich damit aber in einer tschetschenischen Gemeinschaft arrangiert.

uugot.it wurde bei anderen Gruppen, wie etwa der syrischen Community, sehr gut angenommen. Wer sich nicht integrieren will, den wird man auch mit einem innovativen Tool wie uugot.it nicht erreichen. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Gruppe der Tschetschen/innen öffnen kann,“ so Philipp Etzlinger, Geschäftsführer von uugot.it.

Unterstützt wird uugot.it bei der Bekanntmachung der neuen Applikation in den Regionen auch durch die Regionalen Kompetenzzentren für Integration und Diversität (ReKI) von Volkshilfe und Caritas, die bei konkreten Bedarfen in Integrationsfragen in den Gemeinden und Regionen beratend zur Seite stehen. Kommunen, Integrationsbüros und -vereine werden in den nächsten Wochen ebenfalls über das Angebot informiert.uugot.it kann im Early-Access-Mode im Google Play Store für Android heruntergeladen werden.

 

Über uugot.it

 

uugot.it verwandelt jede Fernsehsendung in einen Sprachkurs und hilft dabei, dass Zuwanderer Themen, die uns beschäftigen, (besser) verstehen. Das beschleunigt den Integrationsprozess und fördert das kulturelle Verständnis.

Dabei werden TV-Sender auf ein Smartphone oder Tablet gestreamt und mit interaktiven Untertiteln (same language subtitling) versehen. Wird ein Wort nicht verstanden, kann auf dieses geklickt werden, woraufhin simultan die Übersetzung in der gewünschten Sprache eingeblendet wird. Jedes angeklickte Wort wird in der personalisierten Lernumgebung des Users/der Userin gespeichert und kann im Anschluss als interaktive Learning Card aufgerufen und gelernt werden. Dadurch lernt man mit stark individualisiertem Lerncontent in authentischer Sprache. Eine Auftragsstudie, die von der Universität Wien durchgeführt wurde, bestätigt den verbesserten Lernerfolg durch den Einsatz von uugot.it (Meta-Studie).

uugot.it geht aber weiter: Fernsehen vermittelt, was eine Nation bewegt, ihre Kultur und Geschehnisse, News.

Mit uugot.it erhalten Migrant/innen ein Werkzeug, um mitzubekommen, was in ihrem Gastland passiert, was die Bevölkerung ihres Gastlandes bewegt und bietet Anknüpfungspunkte beziehungsweise eine Hilfestellung, um in die Gesellschaft eintauchen zu können. 

uugot.it geht damit weit über ein reines Sprachlern-Tool hinaus und wird so zu einem hilfreichen Begleiter, der bei der Integration unterstützt.

uugot.it wurde 2017 mit dem Integrationspreis der Stadt Linz ausgezeichnet, 2018: 3. Platz beim Digital Business Trend Award der Austria Presse Agentur.