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11 Juli 2019

Engagement für Schutz von Bienen, Böden & Artenvielfalt wächst: Einzigartiges Projekt wird immer stärker und breiter

15 neue bienenfreundliche Gemeinden ausgezeichnet und Zuwachs auf 50 Gemeinden im Bienenschutz-Programm gesichert - immer mehr Flächen als Bienenweiden geschützt

Initiative ooebluehtauf.at weiter auf Erfolgskurs – Oberösterreicher/innen fordern Maßnahmen gegen das Artensterben

Weitere Teilnehmer/innen: 

  • Bürgermeister Franz Karlhuber (Wartberg an der Krems)
  • Manfred Mayr (Obmann Imkerverein Wartberg an der Krems)
  • Vizebürgermeister Karl Haas (Regau)

Auf ihren Wiesen und in ihren Parks nimmt das Summen wieder stetig zu: 15 neue „Bienenfreundliche Gemeinden“ sind Dienstag letzter Woche von Umwelt-Landesrat Rudi Anschober im Biologie-Zentrum Linz ausgezeichnet worden.

Insgesamt setzen sich damit schon 27 Gemeinden in Oberösterreich im Rahmen dieses Projekts aktiv für den Bienenschutz und Artenvielfalt ein und es werden täglich mehr. Mit Unterstützung des Bodenbündnis OÖ setzen sie vielfältige Maßnahmen, sie verzichten auf Pflanzenschutzmittel auf öffentlichen Grünflächen, bepflanzen diese bienenfreundlich oder laden die Bevölkerung ein, auch ihre Hausgärten in kleine Oasen für Insekten zu verwandeln.

LR Rudi Anschober: „Unsere ‚Bienenfreundlichen Gemeinden‘ sind Vorbilder im Einsatz für mehr Vielfalt. Aus diesem Grund freut es mich besonders, dass die oberösterreichische Landesregierung mit einem einstimmigen Beschluss dem Ausbau des Projekts zugestimmt hat. Es haben sich bereits über 20 neue Gemeinden für eine Teilnahme gemeldet.“ 

„Ich möchte allen Mitwirkenden in den Gemeinden, insbesondere den Bienenbeauftragten, recht herzlich für ihr bienenfreundliches Engagement danken. Es freut mich sehr, dass wir diese vorbildliche Arbeit in gebührendem Rahmen im Biologiezentrum auszeichnen durften und das Interesse am Programm größer ist denn je“, sagt Georg Wiesinger vom Bodenbündnis OÖ.  

Ein Teil der Arbeit in Bienenfreundlichen Gemeinden ist das Schaffen von neuen Bienenweiden für die vielen Bienenarten - alleine 420 in Oberösterreich. Nach aktuellen Schätzungen konnten im Zuge des Projekts bereits insgesamt 14 Hektar Bienenweiden in Oberösterreich geschaffen und gesichert werden. 

Wie wichtig den Oberösterreicher/innen der Schutz der Bienen und der Artenvielfalt ist, zeigt eine repräsentative Umfrage des SORA-Instituts. Das Ergebnis ist eindrucksvoll: Die Oberösterreicher/innen sehen den Schutz von Bienen, Böden und der Artenvielfalt als eine vorrangige politische Aufgabe und unterstützen mit großen Mehrheiten die Maßnahmen zum Schutz, wie sie in der Initiative „Oberösterreich blüht auf - Rettet die Bienen! Für den Schutz von Insekten, Böden und Artenvielfalt“ gefordert werden.  

Beeindruckend auch die Unterstützung für Anschobers überparteiliche Petition auf ooebluehtauf.at, die bereits von weit über 16.000 Oberösterreicher/innen, von vielen Prominenten und 36 Gemeinden mit 150.000  Einwohner/innen getragen wird. Und täglich werden es mehr! 

Hintergrund: Bienensterben – Artenvielfalt und Umweltschutz

Warum sich Gemeinden für die ökologische Vielfalt einsetzen, hat gute Gründe: Zweifelsohne hat die mediale Aufmerksamkeit für das „Bienensterben“ dazu beigetragen, die Schwächung der europäischen Honigbiene ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Gleichzeitig leben derzeit neben der bekannten Honigbiene 420 weitere Bienenarten in Oberösterreich. Diese Wildbienen kämpfen mit herben Verlusten bzw. sind vom Aussterben bedroht. 

Die Ursachen dafür sind komplex, einer der Hauptgründe ist die sich verschlechternde Umweltsituation – etwa durch Bienengifte, Ausräumen der Landschaften oder den Verlust an Nahrungsquellen durch Bodenversiegelung. Die ökologische Vielfalt sinkt – und mit ihr die regionale Lebens- und Versorgungsqualität. 

SORA-Umfrage: Artenschutz für Oberösterreicher/innen dringliches Thema

Die dramatische Entwicklung ist auch ins Bewusstsein der Bürger/innen gerückt: Die Oberösterreicher/innen sorgen sich um die Artenvielfalt, 90 Prozent der Befragten meinen, dass es in Sachen Artenschutz endlich Zeit ist zu handeln. Für 86 Prozent muss der Schutz von Insekten, Böden und der Artenvielfalt Vorrang im Handeln der oberösterreichischen Landesregierung haben. Das sind die Grundaussagen einer aktuellen SORA-Umfrage im Auftrag des Umweltressorts des Landes.

95 Prozent der Befragten fordern eine Verringerung des Pestizideinsatzes und ein Verbot von Bienengiften, gefolgt von der Förderung der Blütenvielfalt für Insekten im Land (93%) sowie mehr Natur in den Städten und den Ausbau der bienenfreundlichen Gemeinden (93%).

„Die Ergebnisse der aktuellen SORA-Studie zeigen, dass die überwältigende Mehrheit der Oberösterreicher/innen um den Erhalt der Artenvielfalt besorgt ist. Nun muss auf Bundes- und Landesebene endlich gehandelt werden! Beginnend mit einem Verbot von Bienengiften, der Verringerung des Pestizideinsatzes, über die Förderung der Vielfalt, bis hin zu mehr Natur in den Städten. Die Forderungen der Bevölkerung decken sich mit den Inhalten meiner Petition ‚Oberösterreich blüht auf - Rettet die Bienen! Für den Schutz von Insekten, Böden und Artenvielfalt‘. Das ist ein klarer Auftrag an die Politik endlich die nötigen Schritte zu setzen und die dringlichen Maßnahmen umzusetzen“, fordert Anschober Taten von der Landes- und Bundesregierung. 

Bienenfreundliche Gemeinden in OÖ

Bereits 27 Bienenfreundliche Gemeinden in Oberösterreich setzen sich im Rahmen dieses Projektes aktiv für den Bienenschutz und Artenvielfalt ein, über 20 weitere Gemeinden haben sich bereits für eine Teilnahme gemeldet. 

Bienenfreundliche Gemeinden verzichten auf Pestizide auf öffentlichen Grünflächen, bepflanzen diese bienenfreundlich oder laden die Bevölkerung ein, auch ihre Hausgärten in kleine Oasen für Insekten zu verwandeln. Mit anderen Worten: Gemeinden ergreifen als Vorbilder, Vermittler/innen und Bewusstseinsbildner/innen die Initiative und können so vor Ort eine Schlüsselfunktion einnehmen.

„Die ökologische Pflege von öffentlichen Flächen ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur „Bienenfreundlichen Gemeinde“. Mehr Vielfalt, die vorausschauende Planung und Pflege sowie alternative Methoden ermöglichen einen Verzicht auf Glyphosat und andere chemische Pestizide. Wir unterstützen Gemeinden fachlich dabei, die jeweils geeigneten Maßnahmen für die örtlichen Gegebenheiten zu finden und stellen ihnen die vielfältigen Möglichkeiten dafür vor“, erklärt Georg Wiesinger vom Bodenbündnis OÖ. 

Das Projekt Bienenfreundliche Gemeinde wurde als Pilot im Jahr 2016 mit sechs Gemeinden gestartet und schrittweise ausgebaut. Im Jahr 2018 sind 15 weitere Bienenfreundliche Gemeinden dazugekommen, die kürzlich im Biologiezentrum Linz ausgezeichnet wurden. Im Rahmen der feierlichen Auszeichnung wurde zu einem beeindruckenden Rundgang durch den Ökopark sowie einer Vorstellung der weltweit bedeutenden Wildbienen-Sammlung mit den Experten Mag. Fritz Gusenleitner, Dr. Martin Schwarz sowie Univ.-Doz. DI Dr. Martin Pfosser geladen.

33 Bodenbündnis-Workshops und –Vorträge mit 1.200 Teilnehmer/innen wurden in den gesamt 27 Bienenfreundlichen Gemeinden im Jahr 2018/2019 bisher abgehalten. Rund 300 Engagierte waren in den neuen 15 Gemeinden während der Start- und Umsetzungsworkshops sowie bei den Begehungen im Einsatz. Über 170 Flächen wurden während der Begehungen in den 15 neuen Gemeinden begutachtet.

Die 15 neuen Bienenfreundlichen Gemeinden sind: Ampflwang, Grieskirchen, Krenglbach, Laakirchen, Marchtrenk, Scharten, Schwertberg, St. Florian, St. Marienkirchen, Timelkam, Edt bei Lambach, St. Georgen an der Gusen, Regau, Taiskirchen und Thalheim bei Wels. 

Projektablauf 

Im Rahmen eines Startworkshops werden die Akteure, von Gemeindevertreter/in, Baufhofmitarbeiter/in, Imker/in, Vertreter/innen aus Schulen, Kindergärten oder Siedlerverein aber auch interessierte Bürger/innen an einen Tisch gebracht und gemeinsam mögliche Maßnahmen und Projektideen entwickelt zu den Handlungsfeldern: 

  • bienenfreundlicher öffentlicher Raum
  • bienenfreundlich Garteln
  • bienenfreundliche Landwirtschaft
  • bienenfreundliche Betriebe 

Bei einer Begehung werden Flächen unter die Lupe genommen, die ev. durch die Umstellung und Extensivierung der Pflege oder im Einzelfall auch durch Neuanlage zu einer Bienenweide entwickelt werden können. Es werden konkrete (Pflanz-) Vorschläge erstellt, die der Gemeinde helfen sollen, die öffentlichen Flächen durch mehr heimische, bienenfreundliche Pflanzen aufblühen zu lassen. 

Im Umsetzungsworkshop wird ein Maßnahmenbündel für die nächsten drei Jahre geschnürt. Dabei muss nicht jede Gemeinde das Rad neu erfinden, Good-Practice-Projekte aus anderen Gemeinden werden ausgetauscht. 

Jede Gemeinde ernennt einen „Bienenbeauftragten“ als Ansprechperson und Motor für das Projekt. Der Bewusstseinsbildung kommt besondere Bedeutung zu, daher werden die Gemeinden mit Texten für die Gemeindezeitung oder Homepage oder mit Infomaterialien unterstützt.

 

Aktivitäten Bienenfreundliche Gemeinde Wartberg an der Krems

Als erste Gemeinde im Bezirk Kirchdorf ist Wartberg in das Bienen-Projekt des Boden­bündnis OÖ eingestiegen. Durch den Bau des Lehr- und Schaubienenhauses wurde das Bewusstsein, wie wichtig die Biene ist, gestärkt.

Bürgermeister Franz Karlhuber: „Die Marktgemeinde Wartberg hat sich deshalb entschieden, Bienenfreundliche Gemeinde zu werden. Ziel ist, das Bewusstsein in der Bevölkerung für die Bienen weiter zu schärfen. Das Projekt Bienenfreundliche Gemeinde soll die Gemeinde die nächsten Jahre bei den Bemühungen (Wild)-Bienen, Insekten und darüber hinaus auch Vögel und Säugetiere zu schützen, begleiten.“

Am 9. Juli erfolgte der Startworkshop, welcher dazu dienen soll der Bevölkerung zu erläutern, welche Maßnahmen notwendig sind, um ein bienenfreundliches Umfeld zu schaffen.

 „Wir als Marktgemeinde verwenden bereits seit Jahren keine chemischen Pflanzenschutzmittel auf öffentlichen Flächen. Weiters haben wir heuer ca. 3.000 m² Flächen in „Bienenweiden“ umgewandet“, sagt Bürgermeister Karlhuber. Wartberg hat viele bäuerliche Familienbetriebe, welche bemüht sind nachhaltig zu wirtschaften. Heuer wurden bereits 50.000 m² (13 Kilometer Blühstreifen) angelegt.  

Manfred Mayr, Obmann des Imkervereins: „Der Imkerverein Wartberg a.d. Krems besteht seit nunmehr 90 Jahren. Mit 30 Mitgliedern hat er es geschafft mit Unterstützung der Gemeinde, des Landes und der Europäischen Union ein Lehr & Schaubienenhaus zu errichten. Durch die Bienenfreundliche Gemeinde erhoffen wir uns die Bevölkerung im Gestaltungsverhalten ihrer Gärten sowie vom Anbau heimischer Blüher und Gehölzen zu überzeugen. Unsere Bienen sind sicher dankbar, wenn sie in ihrem Nahrungsangebot wieder das finden was sie Jahrhunderte ernährte. Für uns Imker ist und war es schon immer ein Anliegen das Halten und Arbeiten mit Bienen der Bevölkerung nahe zu bringen, zum Wohle aller unserer Insekten, einschließlich der Bienen“, sagt Mayr abschließend. 

Aktivitäten Bienenfreundliche Gemeinde Regau

Die Gemeinde Regau ist seit letztem Jahr eine Bienenfreundliche Gemeinde. Regau hat in dieser kurzen Zeit bereits viele Aktivitäten umgesetzt. Beginnend mit der Bepflanzung des Ortsplatzes mit Lavendel, der bienenfreundlichen Bepflanzung der Ortsumfahrung, über viele informative Artikel in der Gemeindezeitung, bis hin zu weniger intensivem Mähen und Projekten in Zusammenarbeit mit der Volksschule.

„Wir haben auch heuer wieder viele bienenfreundliche Aktivitäten geplant. Bei der ‚Regauer Dorfroas‘ wird es einen Infostand der Regauer Imker mit Bienenstock geben. Zudem werden wir im Zuge des Ferienprogramms ein Insektenhotel im Bereich des Spielplatzes am Badesee Regau installieren“, sagt Vizebürgermeister Karl Haas. 

Für die nächsten Jahre sind zudem eine Obstbaumaktion, Vorträge der  Regauer Imker/innen und des Verschönerungsvereins und ein Schwerpunkt „Bienenfreundliches Garteln“ geplant. Ein Teil der Fläche der ehemaligen Schottergrube ist als Permakultur angedacht, weitere Gemeindeflächen sollen bienenfreundlich bepflanzt werden. Im Bereich der Gastronomie wird gemeinsam mit den Wirt/innen an einer kulinarischen „Bienen-Woche“ gearbeitet. 

Immer mehr Zulauf für Anschobers Petition „Rettet die Bienen!“

Ziel der Petition „Rettet die Bienen! für den Schutz von Insekten, Böden und Artenvielfalt“ ist eine möglichst breite Unterstützung und damit Rückenwind für ein oberösterreichisches  Bienenschutzprogramm. ooebluehtauf.at  

Im Mittelpunkt dabei: 

  • der Verzicht auf Bienengifte & Verringerung von Pestiziden
  • die Wiedererrichtung von Insektenlebensräumen und Strukturvielfalt auch in der Agrarlandschaft - Feldraine, Baumgruppen, Hecken u.v.a.m.
  • Bodenschutz und drastische Verringerung der Flächenversiegelung
  • die Verringerung von Lichtverschmutzung
  • umfassende Bildungsprogramme
  • jährlicher Bericht über die Entwicklung von Bienenrettung, Artenvielfalt und Bodenschutz 

Bereits weit über 16.000 Menschen haben die von Landesrat Rudi Anschober initiierte Petition „Rettet die Bienen! Für den Schutz von Insekten, Böden und Artenvielfalt“ unterzeichnet. Und täglich wächst die Unterstützung - viele Prominente sind mit dabei, bereits 36 Gemeinden mit knapp 150.000 Einwohner/innen tragen das Maßnahmenprogramm mit. ooebluehtauf.at Und das ist erst der Anfang!

Prominente als Werbeträger sind besonders wichtig für die Kampagne zur Bienenrettung, um die Botschaft möglichst breit und weit zu kommunizieren. 

Anschober: „Ich freue mich daher ganz besonders über die Unterstützung von sehr unterschiedlichen prominenten Menschen aus Oberösterreich und bedanke mich für das Engagement ganz besonders herzlich!

Einige prominente Unterstützer/innen – Fotos und Zitate sind auf ooebluehtauf.at abrufbar:

  • Stardirigent Franz Welser-Möst
  • Bio-Gärtner Karl Ploberger
  • Hanna Simons (Geschäftsführerin WWF Österreich)
  • Bio-Pionier Werner Lampert
  • Monika Langthaler (Unternehmerin)
  • Unternehmer Rainer Reichl 
  • Genetiker Josef Penninger
  • Franz Maier (Präsident des Umweltdachverbandes)
  • Michael Rosenberger (Umweltsprecher der Diözese Linz)

Link zu den Fotos: https://wetransfer.com/downloads/1b008d94b2425944d5518695d67082a320190710111452/f801ef