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23 Oktober 2019

Klimavision 2050! Vorschau auf den seit Wochen ausgebuchten Oberösterreichischen Klimagipfel 2019

Aufbruch in die Klima-Zukunft – Transformation bis 2050 als Chance für Oberösterreich & was uns die Geschichte unseres Planeten über die Auswirkungen von Temperaturveränderungen auf unser Leben berichtet

Das bisherige Jahr 2019 hat uns wieder gezeigt: Wir befinden uns mitten in der Klimakrise! Bis auf den Monat Mai, lagen die Temperaturen in Linz heuer bisher immer stark über dem langjährigen Monatsmittelwert. Auch in den letzten Tagen. In Teilen Österreichs wurden am Montag Rekordtemperaturen von knapp 28 Grad gemessen - auch in Linz liegt der Temperatur-Mittelwert im Oktober derzeit weit über dem langjährigen Schnitt! Wir sind die erste Generation, die diese Auswirkungen direkt spürt. Und wir sind die letzte Generation, die Entscheidendes gegen die drohende Klimakrise unternehmen kann. Wer jetzt nicht handelt, gefährdet die Zukunft. Vieles ist in den letzten Wochen positiv in Bewegung gekommen: Tausende Wissenschafter/innen wurden aktiv, große Teile der Wirtschaft wollen handeln, rund um Fridays for Future, Klimavolksbegehren und vielen anderen ist eine breite Klimaschutzbewegung entstanden. Nur ein Großteil der Politik blockiert noch immer.

Der heute Abend im Schlossmuseum Linz stattfindende Oberösterreichische Klimagipfel will die Klimavision 2050! als eine weit über das Klimathema hinausgehende positive Zukunft zum Wohle unserer Gesellschaft aufzeigen. Mit enormen Chancen für mehr Lebensqualität! Welche Chancen gibt es für Oberösterreichs Gesellschaft und Wirtschaft, wenn die Transformation hin zur CO2-Neutralität gelingt? Wie werden sich unsere Städte verändern, wenn wir sie an die zukünftigen klimatischen Herausforderungen anpassen? Wie kann Oberösterreich durch diese Herausforderungen zum Vorreiter in Sachen Energieeffizienz, der Nutzung erneuerbarer Energieformen und klimafreundlicher Mobilität werden?

Klimaschutz-Landesrat Rudi Anschober: „Die Klimakrise kann die einmalige Chance für die zukunftsorientierte Gestaltung unserer Lebensbereiche sein. Nur wenn wir diese einmalige Chance auch nutzen und konsequent handeln, können alle profitieren. Dafür braucht es neben der massiven Senkung der CO2-Emissionen eine gesellschaftliche Transformation in den Bereichen Wohnen, Verkehr, Energieerzeugung, Ernährung und Wirtschaft. Wenn wir diesen Weg nun konsequent einschlagen, wird Oberösterreich als Vorreiter der ökologischen Modernisierung hervorgehen.“

Schon in der Vergangenheit war die Menschheit mit starken Klimaveränderungen konfrontiert und hat sich in vielen Bereichen dadurch auch verändert – sowohl im positiven als auch im negativen Sinn. Der renommierte Autor und Historiker Philipp Blom wird heute Abend erläutern was uns die Geschichte unseres Planeten über die Auswirkungen von Temperaturveränderungen auf unser Leben berichtet und Herausforderungen der Gegenwart aufzeigen. In der Folge werden die führenden Expertinnen und Experten Helga Kromp-Kolb (Boku Wien), Ingmar Höbarth (Klima- und Energiefonds), Ulla Rasmussen (VCÖ) und Johannes Wahlmüller (GLOBAL 2000) den aktuellen Stand der Forschung präsentieren und für die verschiedenen relevanten Bereiche mögliche und wahrscheinliche Bilder für das Jahr 2050 skizzieren. Auch die Fridays for Future werden mit Mascha Antelmann vertreten sein. Zudem findet eine Auszeichnung und Preisverleihung für innovative Projekte im Rahmen der Kampagne „Klimaschutz jetzt!“ statt.

 

Temperaturentwicklungen in Oberösterreich und Österreich

Die Klimakrise hat dramatische Auswirkungen auf uns alle. Immer stärkere und längere Hitzephasen, sinkende landwirtschaftliche Erträge in etlichen Regionen Österreichs u.v.a.m. Eine aktuelle wissenschaftliche Simulation zeigt: Linz wird sich bis zum Jahr 2100 laut Prognose je nach Szenario zwischen 2,1°C und 5,7°C erhitzen. Die Szenarien gehen von unterschiedlichen Entwicklungen aus. Von der Annahme einer niedrigen Erwärmung, bei dem die globale Erwärmung von der vorindustriellen Zeit bis unter 2° C anhält, bis zu einem Szenario mit hoher Erwärmung, bei dem die globalen Temperaturen wahrscheinlich über 4° C ansteigen. Die unterschiedlichen Szenarien werden von Faktoren wie Bevölkerungswachstum, Energiebedarf, Verwendung fossiler Brennstoffe, Klimaschutzmaßnahmen usw. beeinflusst.

Abbildung 1: Simulation Temperaturanstieg Linz (Quelle: https://www.carbonbrief.org/mapped-how-every-part-of-the-world-has-warmed-and-could-continue-to-warm)

Der Sommer 2019 war in Österreich der zweitwärmste seit Messbeginn 1767 - er lag um 2,7 Grad über dem Mittel und damit knapp hinter dem Rekord aus dem Jahr 2003. Der meteorologische Sommer 2019 bestätigt den Trend zu immer heißeren Sommern. Die fünf heißesten Sommer der Messgeschichte gab es alle in den 2000er-Jahren (2003, 2015, 2017, 2018, 2019). An den oberösterreichischen Stationen in Kremsmünster, Linz und Ried/Innkreis war es der wärmste Sommer der jeweiligen Messreihe! Die Zahl der Hitzetage (mindestens 30 Grad) lag laut ZAMG um etwa das Zwei- bis Dreifache über einem durchschnittlichen Sommer.

Abbildung 2: Temperaturabweichung Österreich: Sommer 1767 bis 2019 (Quelle: ZAMG)

Von den letzten 19 Monaten war österreichweit nur der Mai unterdurchschnittlich – alle anderen Monate waren wärmer bis deutlich wärmer als üblich:

Abbildung 3: Mittlere Monatstemperatur (Quelle: ZAMG/ Marcus Wadsak)

Bis auf den Monat Mai, lagen die Temperaturen in Linz heuer bisher immer über dem Monatsmittelwert des Zeitraums 1981-2010:

Abbildung 4: Monatsmittelwerte Linz – Jänner bis September (Quelle: ZAMG/US)

Auch im Oktober liegen die Temperaturen wieder über dem langjährigen Mittel. Am Montag wurden in einigen Regionen Österreichs neue Temperatur-Rekorde für den Oktober erreicht. Spitzenwerte gab es beispielsweise in der Steiermark in Leibnitz mit 27,8 Grad. In Linz liegt der Temperatur-Mittelwert im Oktober derzeit wieder 0,7 Grad über dem langjährigen Mittel!

Abbildung 5: Tagesmittelwerte Linz – Oktober 2019 (Quelle: ZAMG)

 

Globale Klimakrise: Juli und August unter den wärmsten Monaten weltweit

Der vergangene August war nach Messungen der US-Klimabehörde NOAA der zweitwärmste August seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880. Die Durchschnittstemperatur über Land- und Ozeanflächen habe mit 16,52 Grad Celsius um 0,92 Grad Celsius über dem Durchschnittswert des 20. Jahrhunderts von 15,6 Grad gelegen.

Schon der vergangene Juli war nach EU-Angaben weltweit der heißeste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Angesichts des fortgesetzten Ausstoßes von klimaschädlichen Treibhausgasen sind laut Angaben des von der EU betriebenen Copernicus-Dienstes zur Überwachung des Klimawandels weitere Hitzerekorde auch in  Zukunft zu erwarten. Die vergangenen vier Jahre waren weltweit die heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die globale Durchschnittstemperatur im Juli 2019 lag um 0,56 Grad über der Durchschnittstemperatur der Vergleichsmonate zwischen 1981 und 2000. Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter stiegen die Temperaturen weltweit damit um fast 1,2 Grad an.

Abbildung 6: Globale Mitteltemperatur. Abweichung vom Mittel 1951-1980

 

Historische Entwicklungen zeigen die Transformation der Gesellschaft durch klimatische Veränderungen auf

Die Menschheit war in ihrer Geschichte bereits mehrmals mit starken klimatischen Veränderungen konfrontiert. Der renommierte Autor und Historiker Philipp Blom zeigt in seinem Buch „Die Welt aus den Angeln: Eine Geschichte der Kleinen Eiszeit von 1570 bis 1700 sowie der Entstehung der modernen Welt, verbunden mit einigen Überlegungen zum Klima der Gegenwart“ die Auswirkung dieser Veränderungen auf die damalige Gesellschaft auf.

Die Zeitspanne von 1570 und 1700: Es war die kälteste Phase der „Kleinen Eiszeit“, die insgesamt 400 Jahre dauerte. Die Durchschnittstemperatur in Europa stürzte um zwei Grad ab, und das Wetter spielte verrückt: Manchmal regnete es wochenlang, mal herrschte Dürre, der Frühling schien ewig auf sich warten zu lassen, und die Sommer waren kraftlos und kurz. Vor allem im 17. Jahrhundert stürzte das Klima Europa in eine Krise. Was damals passierte, vermittelt eine erste Vorstellung davon, was der menschengemachte Klimawandel in unserer Zukunft auslösen kann. Für Blom legte diese kleine Eiszeit damals die Basis für den Aufschwung des globalen Handels, für die Anfänge des modernen Staats, aber auch für negative Entwicklungen wie für die Strategie des Wachstums durch Ausbeutung und den Kolonialismus. Die durch den Kälteschock entwickelten Konzepte, stoßen laut Blom an ihre Grenzen, verursachen die nächste Krise, die gegenwärtige menschengemachte Klimakrise. Auch diese wird die Gesellschaften verändern.

Dr. Philipp Blom: „Der globale Klimanotstand wird die Natur, aber auch unsere Gesellschaften und unsere Demokratien an ihre Grenzen führen. Ob und wie erfolgreich es möglich ist, dieser Herausforderung zu begegnen, hängt nicht nur von Konsumverzicht und neuen Technologien ab, sondern auch davon, ob wir es schaffen, neue gesellschaftliche Ziele zu entwickeln, ein neues Menschenbild. Der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung, die Erde ist ihm nicht Untertan. Nur wenn die Menschheit lernt, ihren Platz innerhalb der Natur zu finden, wird sie eine Zukunft haben.“

 

Klimavision 2050!

Die gegenwärtige Klimakrise kann die einmalige Chance sein, um die ökologische Modernisierung voranzutreiben. Aber nur wenn wir diese einmalige Chance auch nutzen, können wir die Klimakrise bewältigen und daraus gestärkt hervorgehen.

Klimaschutz-Landesrat Rudi Anschober: „Um der Klimakrise entgegenzutreten, bedarf es in den Bereichen Wohnen, Verkehr, Ernährung und Wirtschaft einer starken Transformation. Es braucht daher eine sofortige Klimaschutzoffensive durch die drastische Senkung der CO2-Emissionen, den Ausbau von erneuerbaren Energiequellen wie Photovoltaik, massive Investitionen in den öffentlichen Verkehr und die Förderung von innovativen Ideen in Sachen Energieeffizienz. Gleichzeitig braucht es auch Anpassungsmaßnahmen gegen die zunehmende Hitze u.a. durch klimangepasste Raumplanung, Stadtplanung, und Architektur sowie durch die Eindämmung des Bodenverbrauchs. Wenn wir diesen Weg nun konsequent eingeschlagen, wird Oberösterreich als Vorreiter der ökologischen Modernisierung hervorgehen.“

 

6 konkrete Maßnahmen der Klimavision 2050!:

Das oberste Ziel ist die Senkung der Treibhausgasemissionen: Bis 2050 sollen keine fossilen Energieträger mehr benötigt werden, die Treibhausgas-Emissionen müssen massiv sinken – u.a. durch:

  • Neue Konzepte im Energiebereich schonen das Klima und steigern die Wertschöpfung der heimischen Wirtschaft: Effizienzsteigerung durch technische Innovation bei der erneuerbaren Energiegewinnung
  • Solare Revolution durch den massiven Ausbau von Photovoltaik-Anlagen mit attraktiven Anreizen für Konsument/innen und Betriebe
  • Innovative Mobilität und Öffi-Offensive: Ausbau der E-Ladeinfrastruktur, flächendeckendes und attraktives Angebot öffentlicher Verkehrsmittel, Einführung eines preisgünstigen österreichweiten Öffi-Tickets, innovative Carsharing-Modelle
  • Durch eine Reduktion des Bodenverbrauchs soll die heimische Landwirtschaft gestärkt werden. Sicherstellung der Ernährungssicherheit durch die regionale und biologische Landwirtschaft.
  • Investitionen in Forschung und Bildung im Klimabereich
  • Neue Konzepte beim Wohnen und Arbeiten (Raumplanung, Energieeffizienzsteigerung bei Sanierungen und im Neubau. Städtebau neu gestalten und an die klimatischen Änderungen anpassen – u.a. durch Begrünung unserer Städte und Gemeinden und von Straßen, Wohneinheiten und Fassaden sowie Beschattungskonzepte)

 

Bereits 15.000 unterstützen Initiative „Klimaschutz jetzt!“

Die überparteiliche Initiative von Klimaschutzreferenten Rudi Anschober fordert den Klimaplan jetzt umfassend nachzubessern und damit jetzt den Grundstein hin zu dieser Transformation zu legen. Die konkret geforderten Maßnahmen sind:

  • Die Verankerung der Pariser Klimaziele in der Verfassung.
  • Die Energiewende sowie die Mobilitätswende.
  • Die Streichung klimaschädigender Subventionen und eine ökosoziale Steuerreform.
  • Klimafolgenabschätzung bei allen Gesetzen, Verordnungen und Regierungsvorlagen.

klimaschutzjetzt.at wird immer breiter unterstützt:

  • einstimmiger Beschluss der Klimareferent/innenkonferenz
  • schon weit über 15.000 Unterstützer/innen
  • immer mehr Gemeindebeschlüsse in Gemeinden mit über 250.000 Einwohner/innen
  • immer mehr Prominente unterstützen - unter anderem:
    - Klaus Maria Brandauer
    - Manfred Scheuer, Bischof
    - Renate Anderl, Präsidentin Arbeiterkammer
    - Franz Maier, Präsident Umweltdachverbrand
    - Dietmar Kerschbaum, Intendant des Brucknerhauses
    - Josef Penninger, Genetiker
    - Heimo Scheuch, Vorstandsvorsitzender Wienerberger AG