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Farohar Khider Agha, Dr.in Prof.in Gunda Jungwirth MA, Integrations-Landesrat Rudi Anschober, Anneliese Pschandl, Julienne. Fotos: Land OÖ/ Vanessa Ehrengruber, Verwendung nur mit Quellenangabe

Farohar Khider Agha, Dr.in Prof.in Gunda Jungwirth MA, Integrations-Landesrat Rudi Anschober, Anneliese Pschandl, Julienne

17 September 2019

Oberösterreich ist die Modellregion der Integrationsarbeit

Jetzt startet Oberösterreich drei zusätzliche neue Integrations-Schwerpunkte für ein gelungenes Miteinander im Land: Gewaltvermeidung, Integrationsschwerpunkt „Türkische Community“ und Lernen von Erfolgsgeschichten

Oberösterreich hat bei der Integrationspolitik große Fortschritte gemacht. Durch ein breites Netzwerk Integration aus allen beteiligten gesellschaftlichen Gruppen, Institutionen und Ebenen, einer klaren Arbeitsstruktur bis in die Bezirke und Gemeinden sowie durch die beiden Grundsätze „dezentrale Integration" und „Integration ab dem ersten Tag der Anwesenheit" ist ein Erfolgsweg entstanden. Die oberösterreichische Integrationsarbeit wird von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung unterstützt.

2019 folgen nun drei weitere Integrationsschwerpunkte, die das gemeinsame Zusammenleben stärken sollen, um den Erfolgsweg weiter zu gehen.

Landesrat Rudi Anschober will die eigenen Stärken im Land selbst weiter festigen. Als neue Schwerpunkte der Integrationsarbeit im Land sind nun zusätzlich folgende Maßnahmen in Ausarbeitung bzw. in Umsetzung:

  1. Integrationsschwerpunkt für Menschen türkischer Herkunft
  2. Maßnahmen zur Gewaltprävention und
  3. Lernen von Erfolgsgeschichten aus der „Wir sind Oberösterreich“-Kampagne

Integrationslandesrat Rudi Anschober: „Wir haben 2018 die Integrationsschwerpunkte für Menschen aus den Ländern Tschetschenien und Afghanistan gestartet und es ist ein Erfolgsweg entstanden. Ich will diesen Weg 2019 und darüber hinaus konsequent weitergehen. Vor allem für Menschen, die bereits länger in Österreich ihre Heimat gefunden und bisher wenig Integrationsangebote erfahren haben, möchten wir nun schwerpunktmäßig Maßnahmen etablieren. Dies ist umso wichtiger, da bereits die zweite und dritte Generation in Österreich aufwächst und Teil unserer Gesellschaft ist. Der neue Schwerpunkt für türkischstämmige Menschen in OÖ ist daher in Ausarbeitung und wird unter anderem den Bereich Bildung und Ausbildung, Empowerment von Frauen und den Einbezug der Mehrheitsgesellschaft betreffen.“

 

1. Schwerpunkt für Partizipation türkischstämmiger Migrant/innen:

 

Insgesamt leben in Oberösterreich 24.277 Personen türkischer Herkunft; das sind 1,64 Prozent der oberösterreichischen Bevölkerung und knapp 9 Prozent der ausländischen Bevölkerung in OÖ. Diese statistischen Daten der Statistik Austria beziehen sich auf die „Bevölkerung mit Herkunft Türkei“ – das umfasst Personen, die in der Türkei geboren sind und entweder die türkische oder die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen. Sie dienen als Grundlage für die Planung der Integrationsstrategien und –maßnahmen des Oö. Integrationsressorts und des neuen Schwerpunkts, welcher schrittweise in den nächsten Monaten erarbeitet wird. Der Fokus wird auf Migrant/innen gelegt, die bereits länger – teilweise einige Jahrzehnte – in Österreich leben, um einerseits versäumte Integrationspolitik auf vielen Ebenen aufzuholen und andererseits durch Begegnung innerhalb der Gesellschaft mehr Verständnis füreinander zu schaffen.

Demographische Daten

Laut den aktuellsten Daten der Statistik Austria leben die meisten Menschen türkischer Herkunft (mit Geburtsland Türkei) in Linz-Stadt (5.660 Menschen), Linz-Land (3.377 Menschen) und Wels Stadt (2.695 Menschen). Auch in den Bezirken Perg und Steyr-Stadt ist der Anteil relativ hoch – was u.a. auf die vielen Arbeitsplätze in der Industrie zurückzuführen ist –, wohingegen in Bezirken wie Urfahr-Umgebung, Rohrbach und Eferding vergleichsweise wenige Menschen türkischer Herkunft leben. Noch etwas mehr als 62 Prozent dieser Menschen besitzen die türkische Staatsangehörigkeit. Im Vergleich zum Jahr 2002, als es 84 Prozent waren, ist der Anteil der türkischen Staatsbürger/innen um 22 Prozent gesunken, was darauf hindeutet, dass zunehmend Einbürgerungen stattfinden.

Konkret leben 15.246 Menschen mit türkischer Staatsbürgerschaft in Oberösterreich; dazu zählen Menschen, die in der Türkei oder in Österreich geboren wurden, also auch jene, die zur zweiten oder dritten Generation mit Migrationshintergrund gezählt werden.

Berechnet aus dem Jahresdurchschnitt 2018 lebten 2.022.200 Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich, davon knapp 1,5 Millionen Zuwanderer erster Generation und ca. 529.000 Zuwanderer zweiter Generation. In Oberösterreich lebten rund 258.600 Zuwanderer erster Generation bzw. rund 71.000 Zuwanderer zweiter Generation.

Rund 40 Prozent aller Migrant/innen türkischer Herkunft sind im Alter zwischen 25 und 44 Jahren, die zweitgrößte Altersgruppe sind mit rund 32 Prozent die 45 bis 64-Jährigen. Kinder und Jugendliche  bis 24 Jahre machen etwas mehr als 20 Prozent aus. Insgesamt sind rund 82 Prozent der in Oberösterreich lebenden Menschen türkischer Herkunft im erwerbsfähigen Alter. Dies kann auch angesichts des derzeitigen Fachkräftemangels als wertvolles Potenzial gesehen werden, welches es zu entwickeln gilt. Eine weitere Statistik zeigt auf, dass rund die Hälfte der Bevölkerungsgruppe Frauen sind; auch die Verteilung in den Regionen und Gemeinden Oberösterreichs ist ausgeglichen.

Bildungsstand

Die in Oberösterreich lebenden Migrant/innen türkischer Herkunft sind in den höchsten bzw. niedrigsten Bildungsgruppen überproportional bzw. unterproportional vertreten. Knapp 68 Prozent der Männer und fast 79 Prozent der Frauen besitzen nur einen Pflichtschulabschluss. Bezugnehmend auf den Bildungsgrad haben Männer und Frauen den niedrigsten Anteil mit knapp 2 Prozent im Bereich der tertiären Bildung – den Hochschul- und Akademischen Abschlüssen –; diese Menschen sind meistens zwischen 25 und 44 Jahre alt. Frauen sind im Vergleich zu Männern eher schlechter ausgebildet, dies zeigt sich auch bei den Lehrabschlüssen. 23 Prozent der Männer haben einen Lehrabschluss, bei Frauen sind es 11,2 Prozent. An der Statistik erkennbar ist die Tendenz, je älter die Migrant/innen sind, desto geringer ist der Bildungsgrad. Bei den 65-Jährigen und älter liegt der Anteil der Pflichtschulabschlüsse bei etwas mehr als 83 Prozent, wobei die Frauen hier am stärksten vertreten sind. Bei den Bildungsabschlüssen „Mittlere und höhere Schule“ und „Hochschule und Akademie/Hochschulverwandte Ausbildung“ ist der Anteil an Männern und Frauen annähernd gleich hoch.

Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass ein Vergleich der absoluten Zahlen darauf schließen lässt, dass es einen Anteil an Menschen türkischer Herkunft gibt, die keinen formalen Bildungsabschluss haben. Es wird angenommen, dass dies eher ältere Menschen sind.

 

Erwerbstätigkeit und Arbeitsmarkt

 

Von den in Oberösterreich lebenden Menschen türkischer Herkunft sind 61 Prozent der Männer und rund 38 Prozent der Frauen erwerbstätig. Von den Erwerbstätigen sind insgesamt fast zwei Drittel männlich, d.h. Frauen sind am Arbeitsmarkt deutlich weniger präsent. Personen im Alter zwischen 25 und 44 Jahren sind die Altersgruppe mit der höchsten Erwerbsquote: fast 83 Prozent der Männer und 51 Prozent der Frauen in diesem Alter gehen einer Erwerbstätigkeit nach. Nicht einbezogen bei diesen Daten sind jene Personen, die beim Arbeitsmarktservice als arbeitslos gemeldet sind. Insgesamt sind etwas über 9 Prozent der Bevölkerungsgruppe als arbeitslos gemeldet. Laut den Angaben des AMS Österreich gibt es im Vergleich zum Vorjahr 2018 einen fast 12-prozentigen Rückgang bei der Arbeitslosigkeit von Bürger/innen mit türkischer Staatsangehörigkeit in Oberösterreich. Generell sind Männer im Vergleich zu Frauen länger erwerbstätig (bis 65 Jahre und älter).

Die Daten der Statistik Austria zeigen nicht zuletzt auch, dass Zuzüge von türkischen Staatsbürger/innen seit dem Jahr 2002 kontinuierlich um fast 75 Prozent abgenommen haben, die Wegzüge sind hingegen gleichbleibend. Im Jahr 2018 haben – ebenso wie bereits 2006 und 2010 – mehr türkische Staatsbürger/innen Österreich verlassen als zugezogen sind.  

 

Integrationsschwerpunkt für Menschen türkischer Herkunft

 

Oberösterreich ist geprägt von unterschiedlichen Migrationsbewegungen der letzten Jahrzehnte. Durch Fluchtbewegungen aus den Nachbarsländern bis hin zur Arbeitsmigration der 1960er und 1970er Jahre und der aktuellen Fluchtbewegung der letzten Jahre entstand in Oberösterreich eine Vielfalt in der Gesellschaft, die sich durch Menschen unterschiedlicher Herkunft und sozio-kultureller, religiöser Zugehörigkeit zusammensetzt. Es gilt nun, die Weiterentwicklung und Professionalisierung der Integrationsarbeit unter der Leitung von Integrationslandesrat Rudi Anschober zu nutzen und Versäumnisse in der Integrationsarbeit für länger hier lebende Personen aufzuholen. Bedingt durch bisher lückenhafte strukturelle und institutionelle Maßnahmen bzw. Öffnungen kann sich der gelebte bzw. subjektiv erlebte Integrationsgrad unterschiedlich gestalten. Um dem entgegenzuwirken, wird der Partizipations- und Integrationsschwerpunkt für Menschen türkischer Herkunft ausgearbeitet und in den nächsten Monaten ausgerollt.

Die eingangs genannten statistischen Daten zeigen unter anderem auf, dass Menschen türkischer Herkunft tendenziell einen niedrigeren Bildungsstand haben. Wissenschaftliche Studien belegen, dass der Bildungstand vererbt wird, also dass der Bildungsgrad der Eltern einen Einfluss auf den Bildungsgrad der Kinder hat. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint es besonders wichtig, in der Erarbeitung des Schwerpunkts einen Fokus auf den Bildungsbereich sowie die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu legen. Auch beim Zugang zum Arbeitsmarkt für Frauen zeigen die präsentierten Zahlen Verbesserungsbedarf auf. In der Erarbeitung des neuen Schwerpunkts des Integrationsressorts wird es daher neben einzelnen thematischen Schwerpunkten wie Bildung und Ausbildung sowie dem verbesserten Zugang zu Regelsystemen und dem Arbeitsmarkt vor allem konkrete Maßnahmen für verstärkte Partizipation und Empowerment für Frauen geben.

Zusätzlich entstehen unter der Leitung von Landesrat Anschober Pilotprojekte in den unterschiedlichen Bereichen mit dem Ziel, Transparenz zu schaffen und ein gemeinsames Miteinander zu fördern. Unter anderem beschäftigt sich eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe in den nächsten Monaten mit sogenannten „Koranschulen“ mit dem Ziel, mittels einer wissenschaftlich geleiteten Untersuchung Transparenz zu schaffen. Die ersten politischen Gespräche zum Vorhaben gab es bereits seit längerer Zeit mit Landeshauptmann Stelzer sowie Landeshauptmann-Stellvertreterin und Bildungslandesrätin Haberlander; eine wissenschaftliche Untersuchung wird begrüßt. Im Zuge des Pilotprojekts wird von unabhängiger Seite ein faktenbasiertes, neutrales, sachliches und öffentlich präsentierbares Ergebnis dargestellt. Die Forschungskooperation unter Leitung des Zentrums für Interreligiöses Lernen, Migrationspädagogik & Mehrsprachigkeit (Z.I.M.T.) der Pädagogischen Hochschule Diözese Linz wird mit weiteren Partnern zur Thematik eine Ist-Standerhebung auf unterschiedlichen Ebenen durchführen.

Generelles Ziel einer nachhaltigen Integrationspolitik ist es, Integration als Querschnittsmaterie und gesellschaftlichen Prozess zu betrachten. Die gesetzten Maßnahmen sollen einerseits den Zugang zu Regelsystemen verbessern, andererseits auch die Begegnung innerhalb der Gesellschaft sowie der Bevölkerungsgruppe fördern und so ein gutes Miteinander ermöglichen. Das Oö. Integrationsressort hat es sich als Ziel gesetzt, den Erfolgskurs weiterhin fortzusetzen und für Migrant/innen unterschiedlicher Herkunftsländer ein zielgruppengerechtes Angebot zu schaffen. Einen Teil davon stellt auch die Arbeit im Bereich der Gewaltprävention dar, um Konflikte und Herausforderungen rechtzeitig zu erkennen und zielgenau darauf reagieren zu können.  

 

2. Steuerungsgruppe für gewaltfreies Zusammenleben

 

Die Steuerungsgruppe für ein gewaltfreies Zusammenleben in Oberösterreich hat sich am 14.02.2019 konstituiert. Ihr gehören neben der Grundversorgungsstelle und der Integrationsstelle des Landes Oberösterreich Vertreter/innen der Exekutive, der Justiz, Experten/innen der JKU, Vertreter/innen von Betreuungsorganisationen, des Gewaltschutzzentrums, des Vereins Neustart, des Roten Kreuzes und NGOs an. Geleitet wird diese Steuerungsgruppe vom Integrationsreferenten der oberösterreichischen Landesregierung, Landesrat Rudi Anschober. Zielsetzungen der Steuerungsgruppe sind

  • schnelle Reaktionsmöglichkeit auf Probleme und Missstände, die sich im Zusammenleben zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen zeigen
  • Erarbeitung von konkreten Lösungen zu den erkannten Problemen durch anlassbezogene Hereinnahme weiterer Stakeholder (zB Streetwork, Sozialarbeiter/innen, Stadtwachen, Pädagog/innen, Gemeindevertreter/innen etc.)

Dadurch soll das namensgebende gewaltfreie Zusammenleben angestrebt werden. Die Steuerungsgruppe tagt monatlich sowie anlassbezogen; aus ihrer Tätigkeit heraus haben sich unbürokratische Strukturen zwischen den teilnehmenden Institutionen sowie Pilotprojekte im Rahmen der Gewaltprävention entwickelt. Teil der Präventionsarbeit des Landes Oberösterreich ist dabei auch das flächendeckende Gewaltschutzkonzept der GVS in allen Quartieren. Das Gewaltschutzkonzept soll sich entwickelnde Gefährdungssituationen im Zusammenhang mit Gewalt und Gewaltpotential sichtbar machen. Dadurch kann mit entsprechenden Gegen- und Schutzmaßnahmen rechtzeitig eingegriffen werden.       

       

Anti-Gewalt-Training

 

In Kooperation mit Neustart wurde von der istOÖ ein Projekt für jene Personen entwickelt, die im Rahmen des Gewaltschutzkonzepts der GVS als potentielle Gewalttäter/innen erkannt wurden. Ziel des Anti-Gewalt-Trainings ist der Aufbau von Konflikt- und Sozialkompetenz sowie die Ausbildung konstruktiver Handlungsalternativen. Durch Erkennen der Gründe des eigenen Handelns sowie die Stärkung der Opferempathie sollen bisherige Rechtfertigungsgründe und Neutralisierungsstrategien erkannt werden und die Übernahme von Eigenverantwortung geschehen.

  • Verantwortungsübernahme für das eigene Handeln
  • Erkennen eigener und fremder Grenzen
  • Wissensvermittlung und Normverdeutlichung zum Thema Gewalt (z.B. Erklärungsmodelle)
  • Bearbeitung der Gewaltsituationen; erkennen von inneren und äußeren Auslösern (Impulskontrolle)
  • Erkennen eigener Ressourcen und Stärken für ein prosoziales und wertekonformes Verhalten
  • Erarbeitung konstruktiver Kommunikations- und Handlungsmuster. Im August 2019 hat das Auswahlverfahren stattgefunden. Die ersten Gruppen werden Ende September 2019 starten.  

 

Maßnahmen gegen ehrkulturelle Vorstellungen und patriarchalen Autoritarismus

 

Nicht zuletzt als Reaktion auf den tragischen Mord an einem 16-jährigen Mädchen in Steyr im Dezember 2018 wird ein besonderes Augenmerk auf den Umgang mit einem von patriarchalem Autoritarismus geprägten Ehrbegriff gelegt.

Als erste Maßnahme fand am 20.03.2019 ein Praxistag zum Thema „Umgang mit dem Ehrbegriff bei Teilen islamischer Männer“ statt, bei dem der Soziologe Kenan Güngör als Vortragender und Workshopleiter zur Verfügung stand. Bei diesem Workshop wurde den Teilnehmer/innen ein spannender und notwendiger Einblick in die patriarchaler Strukturen und ehrkulturellen  Vorstellungen gegeben.

Darauf aufbauend ist derzeit ein weiterführendes Präventionsprojekt in Entwicklung, das folgende Ziele verfolgt:

  • Prävention und Verringerung der Auswirkungen falscher ehrkultureller Vorstellungen
  • Auseinandersetzung mit den ehrkulturellen Vorstellungen und dem patriarchalen Autoritarismus
  • Vermittlung alternativer Strategien
  • Zielgruppe befähigen, sich selbst mit dem Thema auseinanderzusetzen  

 

3. Für ein starkes Miteinander – Kampagne „Wir sind Oberösterreich“

 

Was Oberösterreich ausmacht sind die Menschen, die hier leben. Ihre Vielfalt ist eine große Bereicherung, die unser Land innovativ macht und uns hilft, die Herausforderungen der Zukunft optimal zu meistern. Deshalb erzählen wir mit der Kampagne „WIR SIND OBERÖSTERREICH“ Erfolgsgeschichten vom Miteinander, zeigen und feiern Diversität bei Veranstaltungen, gehen bei Gesprächsrunden auf Gemeindeebene in den Dialog und unterstützen Schulen dabei, Know-how zum Thema zu vermitteln. Infos zur Kampagne unter www.wirsindooe.at  

 

Julienne und Anneliese

 

Julienne und Anneliese haben sich über den Seniorenverein kennengelernt, nachdem Julienne zu Anneliese geschickt wurde. Sie haben sich auf Anhieb sehr gut verstanden und sind seit ihrer ersten Begegnung unzertrennlich.

Julienne ist Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und kommt ursprünglich aus dem Kamerun. Sie wollte sich in ihrer Pension um ihre Mutter kümmern. Nachdem ihre Mutter verstorben ist, widmet sie jetzt Anneliese die Zeit, die sie sich für ihre Mutter vorgenommen hatte. Anneliese ist 95 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Deutschland. Sie hatte zwei Pflegekinder, die nicht mehr viel Kontakt pflegen und ist durch die Nähe zu Julienne wieder zum Leben erblüht. Gemeinsam bestreiten sie den Alltag und sind dabei zu sehr wichtigen Bezugspersonen füreinander geworden. Anneliese freut sich über die Gesellschaft von Julianne, bewundert ihre Art sich auszudrücken und lernt neben ihrem reichen Erfahrungsschatz selbst noch dazu.  

 

Gunda & Farohar

 

Gunda und Farohar kennen einander durch das Projekt „study4refugees“ der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz. Es ermöglicht jungen Menschen, die aus ihrem Heimatland fliehen mussten, durch entsprechende Qualifikation den Einstieg in einen pädagogischen Beruf. Im Februar 2015 flüchtete der Kurde Farohar Khider Agha nach Österreich und strebte – nach Erwerb der nötigen Sprachkompetenz – eine pädagogische Ausbildung an. Knappe vier Jahre später legte er seine letzten Prüfungen am Kolleg für Sozialpädagogik mit Erfolg ab. Unmittelbar nach seinem Abschluss konnte Farohar seinen Beruf als Sozialpädagoge in einer Betreuungseinrichtung für Jugendliche antreten.

Gunda Jungwirth ist Erziehungswissenschaftlerin und leitet gemeinsam mit einem Team das Projekt „study4refugees“, das jungen Menschen wie Farohar ein Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule oder eine Ausbildung am Kolleg für Sozialpädagogik ermöglicht. Farohar freut sich über die Herausforderungen in seinem neuen Job. Gunda ist überzeugt, dass er diese als junger, emphatischer Pädagoge, mit vielfältigen Kompetenzen und Erfahrungen gut meistert.  

 

Soraya und Jakob

 

Als Jakob 2016 seinen Job als Seelsorger für ehrenamtlich Engagierte im Bereich Flucht und Asyl bei der Diözese Linz begann, wusste er noch nicht, dass er drei Jahre später mit afghanischen Feministinnen für Frauenrechte kämpfen würde. Und Soraya dachte nicht im Traum daran, als sie 2015 nach Österreich kam, dass sie drei Jahre später Frauen-Selbsthilfegruppen leiten, Veranstaltungen für über 300 Menschen organisieren und dafür sogar den Integrationspreis der Stadt Linz für den Verein JAAPO entgegennehmen würde.

Kennengelernt haben sich die beiden bei dem Projekt SelbstLäufer, das Jakob im Rahmen seiner Anstellung gemeinsam mit dem Verein „JAAPO – für Partizipation von Women of Color“ initiiert hat. Ein Projekt mit dem Ziel, Migrant*innen Rahmenbedingungen zu ermöglichen, sich freiwillig für und in ihrer Community zu engagieren. Soraya wurde zu eine der prägenden und treibenden Kräfte in dem Projekt und Jakob ist bis heute beeindruckt und inspiriert von einer jungen Frau, die alleinerziehend mit zwei kleinen Kindern eine afghanische Frauenrechts-Initiative von mehreren engagierten Frauen leitet und stolz, Soraya auch eine gute Freundin nennen zu dürfen.