13 Dezember 2019

Oberösterreichs Luft wird immer sauberer - Linz/ Römerberg bleibt die Herausforderung für 2020

Jahresbilanz 2019 zeigt weitere leichte Verringerung der NO2-Werte beim Römerberg und konstante Unterschreitung des Grenzwertes bei Enns-Kristein - Maßnahmenprogramm Linzer Luft muss jetzt konsequent und zeitgerecht umgesetzt werden

(LK) Oberösterreich hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte und Verbesserungen bei der Luftqualität verwirklicht. Die Feinstaubproblematik konnte in Oberösterreich weitgehend entschärft werden: 2019 wurden selbst bei der Messstelle Linz Römerberg nur mehr 10 Tage mit Grenzwertüberschreitungen bei Feinstaub (PM10) registriert - bei maximal gesetzlich zulässigen 35 Überschreitungstagen. Ein absoluter Bestwert. Und auch was die Stickstoffdioxidbelastung (NO2) betrifft, geht der Trend in die richtige Richtung. Die Unterschreitung des EU-Grenzwertes bei der vormals problematischen Messstation an der A1 bei Enns-Kristein gelingt auch 2019. Mit einem Jahresmittelwert von 37,1µg/m³ (2018: 38,3 µg/m³) konnte der Grenzwert von 40 Mikrogramm abermals unterschritten werden. Mit weiter sinkender Tendenz. Das ist eine sehr gute Nachricht für das laufende EU-Vertragsverletzungsverfahren.

Damit verbleibt nur mehr eine Baustelle: die NO2-Konzentration bei der verkehrsnahen Messstation in Linz beim Römerbergtunnel. Dort kann trotz Verbesserung noch keine Entwarnung gegeben werden, obwohl der Jahresmittelwert mit 41,8 µg/m³ (2018: 43,4 µg/m³) der niedrigste seit Beginn der Messungen ist – der EU-Grenzwert von 40 µg/m³ wird aber nach wie vor überschritten.

LR Anschober: „Die Richtung zum Erreichen des Grenzwertes bei der Messstelle Römerberg stimmt, aber es fehlt uns noch ein wesentlicher Schritt, den das Maßnahmenprogramm Linzer Luft bringen wird, falls es wirklich konsequent in allen Bereichen zeitgerecht umgesetzt wird. Ab Jänner werden wir eine erste Evaluierung der Umsetzung starten, um frühzeitig allfällige Umsetzungsmängel zu erkennen!“

 

Bilanz 2019: Stickstoffdioxid (NO2)

An fast allen Messstellen ist die Stickstoffdioxid (NO2) Belastung 2019 niedriger als 2018. Einzige Ausnahme ist die Messstelle Steyregg Au, die aber mit 17 µg/m³ eine sehr niedrige Belastung aufweist. Der allgemeine Rückgang der NO2 Belastung an nahezu allen Stationen ist auf einen generellen Rückgang der NOx Emissionen im Jahr 2019 zurückzuführen.

An der autobahnnahen Messstation in Enns-Kristein beträgt der Jahresmittelwert 2019 voraussichtlich etwas über 37 µg/m³ und liegt damit unter dem Wert von 38,3 µg/m³ des Vorjahres.

Damit wird nun zwei Jahre der Grenzwert der EU von 40 µg/m³ unterschritten, obwohl der Verkehr auf der Autobahn A1 in dem betroffenen Abschnitt zunimmt. Der im IG-L festgesetzte Grenzwert von 35 µg/m³ wird noch überschritten. Neben dem allgemeinen Rückgang der NOx Emissionen, den meteorologischen Rand-bedingungen und der Flottenerneuerung insbesondere bei den LKWs haben die gesetzten Maßnahmen wie

  • das immissionsabhängige Tempolimit
  • die Erhöhung der Schalthäufigkeiten
  • die Reduzierung der Toleranz bei Geschwindigkeitsüberschreitungen
  • die verstärkte Überwachung
  • und das Fahrverbot für alte LKWs positiv gewirkt und so konnte der EU-Grenzwert eingehalten werden.

Maßnahmenprogramm Linzer Luft

An der Messstelle Linz-Römerberg wird der Jahresmittelwert voraussichtlich leicht unter 42 µg/m³ betragen und liegt damit auch unter dem Wert des Vorjahres von 43,4 µg/m³. Die Messstelle Linz-Römerberg ist jene verkehrsnahe Messstelle, die repräsentativ für alle Straßenabschnitte mit hoher Verkehrsbelastung im Ballungsraum Linz ist. An dieser Messstelle traten auch die einzigen Überschreitungen des Grenzwertes für den Halbstundenmittelwert (HMW) von 200 µg/m³ gemäß IG-L auf, nämlich am 30. Juni und am 12. Oktober 2019. Der EU-Grenzwert für den 1‑Stundenmittelwert (MW1) von 200 µg/m³ wurde an der Messstelle Linz-Römerberg eingehalten, da hier keine Überschreitung aufgetreten ist, pro Jahr wären 18 Überschreitungen erlaubt.

Um den Gesundheitsschutz zu gewährleisten und das Einhalten der Grenzwerte an der Messstelle Linz-Römerberg möglichst rasch zu erreichen, wurde das Maßnahmenprogramm zur Verringerung der Belastung mit Stickstoffdioxid in Linz im Juli 2019 erlassen. Das Maßnahmenprogramm 2019 enthält ein Bündel an über 30 Maßnahmen, um die Stickstoffdioxidimmissionen in Linz zu reduzieren.

Programm nach § 9a Abs. 6 IG-L zur Verringerung von Stickstoffdioxid in Linz 2019 (aufbauend auf dem Programm des Jahres 2011)

LR Rudi Anschober: „Die gesetzten Maßnahmen in Enns-Kristein mit Luft-Hunderter und Fahrverboten für Uralt-LKW samt verstärkter Kontrollen zeigen Wirkung, der Grenzwert wird eingehalten. Nach wie vor Handlungsbedarf besteht in Linz/ Römerberg. Das Maßnahmenprogramm ist ein erster Schritt und ein politischer Kompromiss, das einstimmig beschlossen wurde und zu 100 Prozent umgesetzt werden muss. Nur dann haben wir eine Chance auf die notwendige Unterschreitung der Grenzwerte. Wer dies nicht vollständig macht, ist verantwortlich für ein mögliches Vertragsverletzungsverfahren und mögliche Strafzahlungen.“

 

Bilanz 2019: Feinstaub (PM10 und 2,5)

Das Jahr 2019 war ebenso staubarm wie das Jahr 2018. Der höchste Messwert für PM10 wurde bei der Messstation Linz - 24er - Turm mit einem Tagesmittelwert von 175 µg/m³ gemessen. Die Messstelle befindet sich unmittelbar neben der Baustelle für die Errichtung der beiden Bypass Brücken für die Linzer Autobahnbrücke (VOEST - Brücke). Abgesehen von der Baustelle wurden an der verkehrsnahen Messstelle Linz-Römerberg bisher auch die meisten Überschreitungstage gezählt, an denen der Tagesmittelwert über 50 µg/m³ liegt. An der Messstelle Linz-Römerberg gab es im Jahr 2019 bis 9. Dezember 10 Überschreitungstage, an der Hintergrundmessstelle Linz-Stadtpark wurden 8 Überschreitungstage registriert.

Ab 26 Tagen ist der Grenzwert des Immissionsschutzgesetz – Luft (IG-L) überschritten, ab 36 Überschreitungstagen wäre der Grenzwert der EU überschritten. Beide Grenzwerte werden daher deutlich unterschritten. Weitere Überschreitungstage können heuer noch dazukommen, z.B. durch die Silvesterknallerei, denn die Feinstaubbelastung um Mitternacht stieg in den Vorjahren auf etwa das 10 fache an.

Die Bilanz für die PM2,5-Feinstaub fällt ebenso erfreulich aus, die Konzentration an PM2,5-Feinstaub war im Jahresmittel etwas niedriger als 2018. Der Jahresmittelwert wird an der Messstelle für den AEI (Average Exposition Index) Linz-Stadtpark etwa 13,6 µg/m³ betragen. Das ist weit unter dem derzeitigen Grenzwert von 25 µg/m³. Mit Stand 9. Dezember 2019 wurden die höchsten Werte an der Messstelle Linz-Römerberg mit 14,9 µg/m³ erreicht.

LR Anschober: „Das ist ein erfreulicher Erfolg der Luftsanierungsmaßnahmen in OÖ und damit für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung - vor allem Kinder, Ältere und Menschen mit Atemwegsproblemen sind von Feinstäuben betroffen. Nicht vergessen dürfen wir beim Feinstaub aber auf die Witterungslage: so sind die Auswirkungen der Silvesterfeuerwerke z.B. vielfach geringer bei Niederschlägen und Wind.“