20 November 2019

OÖ setzt umfassende Maßnahmen für Gewaltschutz in der Grundversorgung um

(LK) Als erstes Bundesland konzentriert sich das Integrationsressort auf die Umsetzung eines umfassenden Gewaltschutzprogrammes in allen Quartieren der Grundversorgung. Integrations-Landesrat Rudi Anschober: „Derzeit leben 4.200 Menschen in der Grundversorgung, das sind nach 16.000 am Höhepunkt der Fluchtbewegung heute nur mehr 0,32% der oberösterreichischen Bevölkerung. Und dieser Trend der Abnahme wird sich verstärkt fortsetzen, da derzeit nur mehr 84 der in der oö. Grundversorgung lebenden Menschen sich in der 1. Instanz befinden und bundesweit pro Woche nur mehr 250 Asylanträge gestellt werden. Gewaltschutz ist dennoch ein wichtiger neuer Schwerpunkt in der Grundversorgung, zumal nach - wegen der viel zu langen Asylverfahrensdauer - oft bereits fünf- oder sechsjährigem Aufenthalt in der Grundversorgung und dem jahrelangen Arbeitsverbot manchen Betroffenen auch alle Perspektiven fehlen und ein Koller entsteht.“

Erstmals in Österreich wird daher seit dem Frühling schrittweise ein umfassendes Gewaltschutzprogramm in der oö. Grundversorgung umgesetzt:

  • Ein Gewaltschutzleitfaden wurde mittlerweile in 100 Quartieren (mit mehr als 15 Asylwerber/innen) gestartet und umgesetzt. Aktuell wird neben der flächendeckenden Umsetzung in den relativ größeren Quartieren auch geprüft bzw. vorbereitet, die kleinen Quartiere und die in Privatverzug lebenden Menschen in den ersten Teil des Gewaltschutzprojektes zu integrieren. Die für das Quartier Verantwortlichen (Quartierleitung, Mitarbeiter/innen etc.) prüfen mittels standardisiertem Leitfaden die Risiko- und Schutzfaktoren im Quartier. Am Ende entstehen ein Handlungsleitfaden und die Arbeit an einer Kultur des Hinschauens. Alle Betroffenen sollen wissen, wie man Gewalt begegnet, wie sie vermieden werden kann und wo es im Ernstfall Unterstützung und Schutz für Betroffene gibt.
  • Zweiter Teil des Schwerpunktes ist ein Anti-Gewalt-Training nach dem Vorbild    der Vorgangsweise der Justiz, dem Einzelpersonen direkt zugewiesen werden.
  • In einem dritten Schwerpunkt wird massiv an Information und Ausbildung der Betreuer/innen etwa durch Praxistage gearbeitet – z.B. zu den Themen „Umgang mit Gewalt“, „Frauen auf der Flucht“, „Gewaltverdacht“ und „Ehrbegriff“.
  • Gemeinsam mit externen Expert/innen wird derzeit ein vierter Schwerpunkt zum Thema „Falsche Ehrbegriffe“ vorbereitet.