Bilder

Foto: Land OÖ/Ernst Grilnberger

Foto: Land OÖ/Ernst Grilnberger

18 Juli 2019

Präsentation der aktuellen Ergebnisse des Gletschermessprogrammes, Besichtigung der dramatischen Schmelze - Gletscher als Indikatoren der drohenden Klimakrise

Hunde, die übers Eiswasser laufen: Dieses verstörende Bild aus der Arktis verbreitete sich im Juni viral in den Sozialen Medien und schockierte die Welt. Das Foto, aufgenommen von Klimaforscher Steffen M. Olsen vom Dänischen Meteorologischen Institut, zeigt die dramatische Eisschmelze in Grönland. Bereits Anfang Juni hatten die Forscher einen ungewöhnlich raschen Temperaturanstieg festgestellt. Innerhalb nur einer Woche stieg die Temperatur von minus 20 Grad in den Plusbereich. Die Konsequenz: Eine frühe Schmelze in einem unglaublichen Tempo. Grönland verlor an nur einem einzigen Tag zwei Gigatonnen Eis!

Nicht nur die Eisschilde in Grönland und der Antarktis schmelzen. Auch die Gletscher verloren weltweit seit 1961 in Summe mehr als 9.000 Mrd. Tonnen Eis. Allein diese Gletscherschmelze ließ den Meeresspiegel um 2,7 Zentimeter ansteigen. Global gesehen hat in den vergangenen 30 Jahren der Massenverlust der Gletscher deutlich zugenommen: Derzeit verlieren die Gletscher weltweit 335 Mrd. Tonnen Eis pro Jahr. Diese Schmelze trägt jährlich zu einem Anstieg des Meeresspiegels um knapp einen Millimeter bei. Damit macht das geschmolzene Eis der Gletscher 25 bis 30 Prozent des aktuellen Anstiegs des globalen Meeresspiegels aus.

Gletscher sind die Fieberthermometer unseres Planeten, haben aber auch andere wesentliche Funktionen, etwa im Tourismus sowie in der Wasserkraftnutzung oder als Wasserspeicher für Trinkwasser. Aus diesem Grund haben Energie AG und oö. Klimaschutzressort 2006 die gemeinsame Forschungstätigkeit von BlueSky Wetteranalysen und der Uni Innsbruck am Dachsteingletscher gestartet. Ein Blick auf das diesjährige Wetter in Oberösterreich zeigt: die Temperaturen sind stark erhöht, die Niederschlagsmengen in den vergangenen Monaten viel zu gering. Die Entwicklung ist gesamthaft dramatisch!

Am Dachstein zeigen die Messergebnisse: Die Gletscherschmelze setzt sich fort. Nach dem schneereichen Winter mir Rekordwerten an bestimmten Stellen des Gletschers ist die Schneesituation ähnlich jener im vorigen Jahr. Die Rekordtemperaturen im Juni haben zu starker Schneeschmelze bzw. Verdunstung geführt, die Ausaperung ist ungefähr um eine Woche hinter dem Vorjahr. Bei ähnlichen Temperaturen wie im Vorjahr wird der Gletscher trotz starkem Winter wieder stark verlieren. Der Gletscher am Dachstein geht im Durchschnitt pro Jahr um einen Meter zurück. Seit Projektbeginn 2007 hat der Gletscher insgesamt zwölf Meter verloren – an den unteren Teilen des Gletschers waren es 30 Meter!

LR Rudi Anschober: „Es braucht daher einen bundesweit akkordierten, engagierten Klimaschutzplan, der die Einsparungen Österreichs im Sinne des Weltklimavertrages auch realistisch erreichen lässt. Klar ist: Es darf mit dem Klimaschutz in Österreich nicht so erfolglos weitergehen wie in den vergangenen Jahren: Wurden innerhalb der EU bei den CO2-Emissionen seit 1990 um über 24% eingespart, hatte Österreich sogar einen leichten Zuwachs zu verzeichnen. Klimaschutz wird also DIE Herausforderung für Österreich und die EU in den nächsten Jahren. Wir sind die erste Generation, die die dramatisch Folgen der möglichen Klimakrise erlebt und wir sind die letzte Generation, die wirksam gegensteuern kann. Unsere Verantwortung für die Zukunftssicherung der nächsten Generationen ist daher enorm wichtig und groß.“

Schmelzen die Gletscher, sind die Konsequenzen umfassend, sehr weittragend und treffen z.B. Hochwasserschutz, Trinkwasserversorgung, Wasserkraft, Bewässerung, aber auch Freizeit und Wirtschaft durch fehlende Passierbarkeit von Wegen und leere Hütten. Setzt sich der Trend der letzten Jahre fort, dann ist es nur mehr eine Frage der Zeit, bis Oberösterreichs Gletscher verschwunden ist. Um die Pariser Klimaziele noch zu erreichen und eine Trendwende bei der Gletscherschmelze und der Klimakrise zu schaffen, hat Klimaschutzlandesrat Anschober die Petition „Klimaschutz jetzt!“ ins Leben gerufen. Mittlerweile tragen bereits 8.000 Unterstützer/innen, viele Prominente und die ersten vier Gemeinden – darunter auch die Stadt Linz - die Initiative. „Klimaschutz jetzt!“ fordert von der Bundesregierung ein umfassendes Nachbessern des Nationalen Klima- und Energieplans, dessen Entwurf ein Desaster ist und der in seiner Endversion bis Jahresende der EU-Kommission übermittelt werden muss - als Fahrplan für das Erreichen der österreichischen Klimaziele (minus 36% an CO2-Emissionen bis 2030). klimaschutzjetzt.at

 

„Klimaschutz jetzt!“ fordert ein Nachbessern in fünf konkreten Punkten:

 

· die Ziele des Pariser Weltklimavertrages als vorrangige Ziele in Bundesverfassung und Landesverfassungen,

· ein Energiewendegesetz mit klar festgeschriebenen Maßnahmen, um bis 2030 100% Erneuerbaren Strom und bis 2050 100% Erneuerbare Gesamtenergie zu erreichen,

· Milliardeninvestitionen in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und eine preisgünstige Österreich-Jahreskarte für den gesamten ÖV,

· Streichung der klimaschädigenden Subventionen sowie

· die Umsetzung einer Klimaschutz-Steuerreform zur Belohnung von klimaschonendem Verhalten.

 

Hitzerekorde machen Klimakrise weltweit und in Oberösterreich sichtbar

 

Die Auswirkungen der Klimakrise aufgrund der Erderhitzung werden immer stärker: Auch 2019 liegen die Temperaturen in Oberösterreich je nach Region um 1 bis 2 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel. Der Juni war in Oberösterreich, Österreich und weltweit der heißeste Juni seit Beginn der Messungen vor 250 Jahren und mit Ausnahme des Mai die Fortsetzung einer langen Serie stark überhöhter Monatstemperaturen. Die Wissenschaft geht auch in den nächsten Jahren im Sommer von deutlich erhöhten Temperaturen und einem Anstieg an Hitzetagen (>30 Grad Celsius) und Tropennächten (>20 Grad Celsius) aus.

Noch nie war der Juni in den letzten 250 Jahren in Oberösterreich so warm wie 2019 – Die Langzeitaufzeichnungen für den Monat Juni zeigen die Auswirkungen der Klimakrise sehr eindeutig – die letzten Jahre waren im Juni in Oberösterreich durchgehend zu warm und geprägt von Hitzewellen.

Abbildung: Temperaturabweichung Oberösterreich Tiefland Juni 1767 bis 2019 (Quelle: ZAMG)

 

Von April 2018 bis Juni 2019 gab es nur einen Monat, der unter der mittleren Monats-Temperatur lag:

 

Abbildung: Mittlere Monatstemperatur April 2018 – Juni 2019 (Quelle ZAMG/Wadsak)

 

Mag. Klaus Reingruber Blue Sky Wetteranalysen: Dachsteingletscher aktuell Juli 2019

Auf dem Dachsteingletscher werden aktuell drei Messsysteme parallel betrieben. Seit 13 Jahren liefert das Projekt Klima und Massenhaushalt am Hallstätter Gletscher laufend Informationen über die Veränderungen des Gletschers (Volumens Verlust). In Zeiten des Klimawandels werden die dramatischen Änderungen detailliert dokumentiert und dargestellt, seit 1981 ist der Gletscher auf dem Rückzug, seit 12 Jahren sind die Massenbilanzen durchwegs negativ, die letztjährige Bilanz mit -1,9 m Verlust auf der Gesamtfläche gravierend. Wenn man alle Rückgänge in der vertikalen Eisdicke summiert, kommt man über die ganze Fläche auf einen Wert von einem Meter/Jahr. Seit Projektbeginn 2007 ist der Gletscher um zwölf Meter zurückgegangen -  nimmt man die Gletscherteile die ganz unten liegen dann werden es dort ca. 30 Meter sein.

Luftbildaufnahmen und Laserscans zeigen diese Veränderungen in anschaulicher Form.

Die aktuellen Aufnahmen vom August 2018 (Bild unten) stellen den Gletscher am Höhepunkt des Sommers, die Ausaperung des Eises (grau) ist beinahe am Höhepunkt nur an den Rändern liegt noch Schnee. Die rote Linie ist die Gletschergrenze im August 2014, die Abschmelzung innerhalb von 4 Jahren augenscheinlich.

Die Längenmessung ist die historisch längste Messreihe und wird auch auf den meisten Gletschern in Österreich (ca. 90) durchführt, am Dachstein werden 4 Gletscher vermessen. Die Veränderung der Länge ist auch mit den Luftbildern dokumentiert, wird aber im Detail bei 4 Gletschern mit 30 Messmarken am Dachstein durchgeführt.

Aktueller Zustand:

Nach dem schneereichen Winter mit Rekordwerten an bestimmten Stellen des Gletschers ist die Schneesituation ähnlich jener im vorigen Jahr. Die Temperaturen im Juni haben zu starker Schneeschmelze bzw. Verdunstung geführt, die Ausaperung ist ungefähr um 1 Woche hinter dem Vorjahr, siehe Vergleichsbilder unten.

Die Schneedecke ist der relevante Faktor für die Ablation (Abschmelzung des Eises), je höher die Temperaturen und die Intensität der Sonneneinstrahlung desto früher liegt das Eis blank und desto länger ist der Zeitraum für eine möglich Ablation (August bis September)

Aussichten

Entscheidend für den Gletscher sind also die meteorologischen Verhältnisse der nächsten 4-6 Wochen, bei ähnlichen Temperaturen wie im Vorjahr wird der Gletscher trotz starkem Winter wieder stark verlieren.

 

Univ. Prof. Dr.in Helga Kromp-Kolb, Meteorologin und Klimaforscherin: Gletscherschmelze und Klimakrise aus Sicht der Wissenschaft

 

Das Schmelzen des Eises ist eines der sichtbaren Zeichen des Klimawandels. Man kann es nicht als Einzelereignis abtun, wie Überschwemmungen oder Dürren, denn große Eismassen passen sich nur langsam an veränderte Klimabedingungen an. In den Polarregionen kann man die großflächigen Veränderungen mittels Luft- und Satellitenbildern sichtbar machen, in den Gebirgsregionen erkennt man die Veränderung an der Lage der Gletscherzunge, am Ausmaß der Gletscher und an den immer deutlicher und vermehrt hervortretenden Felsen und Felsrücken. Weil Eismassen langsam reagieren, ist dem Schmelzen auch nur langsam Einhalt zu gebieten. Davon sind wir aber weit entfernt: Die Treibhausgasemissionen steigen global (und auch in Österreich) weiter und damit auch die Temperaturen. Wir müssen davon ausgehen, dass die österreichischen Gletscher immer kleiner werden und an Dicke verlieren, bis zwischen Mitte und Ende des Jahrhunderts nur mehr einzelne Toteisflecken, aber keine Gletscher mehr die Alpen zieren.

Diese Entwicklung ist kaum mehr aufzuhalten, weil bisher global viel zu wenig und in Österreich praktisch keine emissionsmindernden Maßnahmen gesetzt wurden, und wenn sie es werden, einige Jahre vergehen, bis sie überhaupt greifen. Das Schmelzen der Gletscher ist aber auch Beispiel für eine der besorgniserregendsten Eigenschaften des Klimasystems: Je mehr die Gletscher zurückgehen, desto größer werden die dunklen Fels- und Geröllflächen. Das bedeutet, dass immer weniger von der Sonnenstrahlung zurück ins Weltall reflektiert, immer mehr absorbiert wird. Und das wiederum bedeutet weitere Erwärmung – ganz losgelöst vom CO2-Eintrag durch die Menschen. Solche, als selbstverstärkend bezeichnete Prozesse gibt es mehrere im Klimasystem. Wenn diese eine gewisse Dynamik überschritten haben, sind sie durch menschliches Handeln nicht mehr zu bremsen. Die Erde rutscht in den „hothouse earth“ Modus, bei dem die Temperaturen kontinuierlich weiter steigen. Das zu vermeiden, gebietet die Ethik, die Vernunft und nicht zuletzt das Völkerrecht, dem sich auch Österreich im Pariser Klimaabkommen verpflichtet hat.

Wissenschaftlich ist der Mechanismus des Eisverlustes noch nicht hinreichend verstanden – es zeigt sich immer wieder, dass die reale Entwicklung den Erwartungen der wissenschaftlichen Modelle vorauseilt. Zuletzt wurde dies ganz deutlich hinsichtlich des Auftauens des Permafrostes in der Arktis – das jetzt ein Ausmaß erreicht hat, das erst in 70 – 90 Jahren von der Wissenschaft erwartet wurde. Auch die Abschätzungen von James Hansen, dem führenden Klimatologen der USA, dass der Meeresspiegelanstieg infolge der Eisschmelze nicht nur 80-90 cm bis Ende des Jahrhunderts betragen könnte, wie das IPCC annimmt, sondern schon bis 2080 bei 2,4 m liegen könnte, zeigt die großen Unsicherheiten auf.

Schrumpfende Gletscher sind aber nicht nur Indikatoren für den Klimawandel, Sinnbilder für selbstverstärkende Prozesse und wichtige Spieler im Meeresspiegelanstieg, sondern sie bergen auch lokal konkrete Gefahren: Loses Geröll, das als Steinlawine, Mure oder Steinschlag zu Tal schießen kann, und damit zur Gefahr für Menschen, Infrastrukturen (z.B. Straßen und Dämme) und Tourismus wird, viel Schmelzwassereintrag in die Bäche und Flüsse in den ersten Jahren, dann immer weniger, mit Konsequenzen für Wasserführung und -temperatur der Bäche und für die Fische, und für von der Wasserverfügbarkeit abhängigen Aktivitäten, wie Energiegewinnung oder Beschleunigung.

Es gibt also, auch von der Gletscherschmelze abgeleitet, viele Gründe Klimaschutz zu betreiben. Gefordert sind alle, hier und jetzt. Der Einzelne – vor allem aber auch die Politik. Die in Österreich anstehende Wahl entscheidet über Österreichs Klimapolitik der kommenden Jahre. Die wahlwerbenden Parteien müssen an ihren konkreten Vorhaben, nicht an wohlklingenden Worten gemessen werden. Noch haben Sie Zeit, ihre Programme nachzubessern. Die Wissenschaft steht über ihr Netzwerk Climate Change Centers Austria (CCCA: https://ccca.ac.at) allen gerne mit Rat zur Verfügung. 

 

DDr. Werner Steinecker, Generaldirektor Energie AG: Dachsteingletscher ist wertvoller Speicher für die Wasserkraftwerke an der Traun

 

Bereits seit 2006 unterstützt die Energie AG gemeinsam mit dem Land OÖ das wissenschaftliche Forschungsprojekt „Untersuchung von Klima und Massenhaushalt der Dachsteingletscher“, bei dem Änderungen der Gletscherfläche dokumentiert und die Auswirkungen auf die Hydrologie und die Wirtschaft einer ganzen Region festgestellt werden können. Für die Energie AG hat der Gletscher hohe wirtschaftliche Relevanz: Der Dachsteingletscher speist die Traun, an der die Energie AG eine Kraftwerkskette mit 16 Speicher- und Laufkraftwerken betreibt. Die Stromerzeugung in diesem Einzugsbereich mit durchschnittlich 700 GWh pro Jahr ist ein wesentlicher Bestandteil der Wasserkrafterzeugung des Unternehmens.

Traunkette ist eine der zentralen Wasserkraftachsen in Oberösterreich

Die Traunkette mit ihren 16 Speicher- und Laufkraftwerken nutzt das Wasser von Oberösterreichs höchstem Berg. Der Dachsteingletscher ist dabei wie ein natürlicher Speichersee, der im Winter Niederschlag in Form von Schnee und Eis zwischenspeichert und danach kontinuierlich als Schmelzwasser abgibt.

Als wichtiger Speicher fungiert auch der Gosausee, welcher obendrein als Naturjuwel und beliebtes Ausflugsziel bekannt ist. Der See in seiner heutigen Form entstand erst durch den Bau der Stauanlage des Kraftwerks Gosau, welche 1911 fertiggestellt wurde. Durch den Staudamm wurde der Wasserspiegel des Sees um rund 15 Meter angehoben – das bedeutet, dass der See zusätzlich 8,5 Millionen Kubikmeter Wasser mehr aufnehmen kann. Mit diesem Fassungsvermögen fängt er auch einen Teil der Niederschlags- und Schmelzwässer aus dem Dachstein-Gebiet auf und dient als Jahresspeicher für die Kraftwerkskette Gosau.

Die Stromerzeugung in den Kraftwerken Gosau, Gosauschmied, Steeg-Überland, Steeg-Bahn, Bad Goisern, Lauffen, Gmunden, Steyrermühl, Gschröff, Siebenbrunn, Traunfall, Kemating, Stadl-Paura, Lambach, Marchtrenk sowie Traun-Pucking ist mit durchschnittlich 700 GWh pro Jahr ein wesentlicher Bestandteil der Wasserkrafterzeugung der Energie AG. Damit versorgt sie rund 200.000 Haushalte oder ca. 600.000 Einwohner jährlich mit elektrischer Energie.

Die Erzeugung der letzten drei Geschäftsjahre zeigt eine unterdurchschnittliche Erzeugungsbilanz der Kraftwerke an der Traun gegenüber dem langjährigen Durchschnitt (Regelarbeitsvermögen). Dies ist vor allem auf die generelle Niederschlagssituation zurückzuführen und kann nicht ursächlich auf die Massensituation am Dachsteingletscher zurückgeführt werden. Im laufenden Geschäftsjahr ist die Erzeugungsbilanz bislang günstiger. Dies ist unter anderem durch die gute Schneelage in den höheren Lagen und damit auch am Dachsteinmassiv begründet. Im Zeitraum von 01. Oktober 2018 bis Ende Juni 2019 liegt der Erzeugungskoeffizient bei 1,11. Dies bedeutet, dass um 11 % mehr erzeugt wurde als im langjährigen Durchschnitt.

„Der Dachsteingletscher ist für die Energie AG von besonderer Bedeutung, weil er ein mitbestimmender Faktor für die Stromerzeugung aus Wasserkraft entlang unserer Kraftwerkskette an der Traun ist. Der Dachstein beeinflusst als natürlicher Speichersee die Wasserführung der Traun wesentlich mit“, sagt Energie AG-Generaldirektor Werner Steinecker. Aus diesem Grund beteiligt sich die Energie AG auch seit den 1950er Jahren regelmäßig an den verschiedenen Forschungsprojekten rund um den Dachsteingletscher und unterstützt das seit 2006 laufende Projekt gemeinsam mit dem Land Oberösterreich.

Der Dachsteingletscher wirkt auf den Wasserstand der Traun ein und beeinflusst somit direkt die Leistung der Traun-Kraftwerke: Der Gletscher sorgt in seiner Speicherfunktion nämlich dafür, dass der Abfluss der Niederschläge zeitlich verzögert wird und so eine gleichmäßigere Nutzung der Wasserkraft ermöglicht wird. In den Wintermonaten wird der Niederschlag in Form von Schnee und Eis zwischengespeichert und kontinuierlich von Frühjahr bis Sommer als Schmelzwasser abgegeben. Auch Starkregen im Sommer wird in fast 3.000 Metern Seehöhe, wo meist Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen, aufgefangen und fließt zeitverzögert ab, was zu einer Entspannung in Hochwassersituationen führen kann.

Angesichts der Entwicklung des Gletschers durch Rückgang des ewigen Eises, verändert sich auch die Dotierung der Zuflüsse durch das Schmelzwasser. Speziell in niederschlagsarmen, trockenen Sommern ist dies für einen merkbaren Anteil am Wasserstand der Traun zuständig. „Jeder Kubikmeter Wasser, den wir über die Turbinen im Verlauf der Traun abarbeiten können, hilft uns die Stromerzeugung aus umweltfreundlicher, sauberer Wasserkraft zu sichern“, sagt Steinecker. Diese Wasserreserve in den Hochlagen des Dachsteingletschers ist somit für die Energiewirtschaft von großer Bedeutung.

„Wasserkraft ist der Champion der erneuerbaren Energien“

Die Wasserkraftwerke im Salzkammergut sind heute – teilweise über 100 Jahre nach Inbetriebnahme – eine wesentliche Stütze für die Stromversorgung der Region. Von diesem generationenübergreifenden Denken bei der Wasserkraftnutzung profitiert heute ganz Oberösterreich. „Wasserkraft ist der ungeschlagene Champion der erneuerbaren Energien, die für Generationen erzeugt und damit gelebter Klimaschutz ist“, sagt Steinecker.

Energie AG forciert den Ausbau von Energie aus Wasser

Seit Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wird die Wasserkraft zur Stromerzeugung genutzt. Sie ist Basis der oberösterreichischen Stromversorgung und die Säule der erneuerbaren Energien. Daher wird ihr in Zukunft noch größere Bedeutung zukommen.

Die Energie AG hat deshalb geprüft, welche Projekte möglich sind, um das noch vorhandene Potential von zusätzlichem erneuerbaren Strom aus Wasserkraft auszuschöpfen. Mit den angeführten Wasserkraftwerks-Projekten kann eine Steigerung von bis zu 65 Mio. Kilowattstunden von sauberem Strom erzeugt werden. Damit könnte eine Einsparung von 55.000 Tonnen CO2 pro Jahr erzielt werden.

· Projektidee Ersatzneubau Kraftwerk Traunfall

Im Jahr 2017 hat die Energie AG Oberösterreich fünf Wasserkraftwerke an der Traun von der UPM-Kymmene Austria GmbH in Steyermühl gekauft. Um das Potential dieses Traunabschnitts optimal zu nutzen, wird die Zusammenlegung der Kraftwerke Gschröff, Siebenbrunn und Traunfall im Einklang mit Natur und Technik angestrebt. Diese Kraftwerke erzeugen derzeit rund 70 Millionen kWh Strom pro Jahr und versorgen ca. 22.000 Haushalte. Mit der Realisierung dieses Projekts könnte eine Steigerung der Erzeugung um bis zu 46 Millionen kWh, somit eine Stromversorgung von rund 33.000 Haushalten erreicht werden.

· Projektidee Kraftwerk Weißenbach

Mit dem Projekt „Kraftwerksneubau Weißenbach“ bietet sich die besondere Möglichkeit, die Verbesserung des Hochwasserschutzes – in diesem Fall in den Ortsteilen Wildpfad und Anzenau - mit sauberer Stromerzeugung aus Wasserkraft zu kombinieren. Das bestehende Kleinkraftwerk Lauffen, welches derzeit 0,75 Millionen kWh pro Jahr erzeugt, würde dabei stillgelegt. Das mögliche neue Kraftwerk Weißenbach könnte 15-16 Millionen kWh pro Jahr erzeugen und damit den Jahresstrombedarf von 4.500 Haushalten decken. Das bedeutet eine ca. 20 Mal höhere Jahreserzeugung.  

· Ersatzneubau Kraftwerk Dürnau

Am Schöndorfer-Werkskanal in Vöcklabruck werden vier Ausleitungskraftwerke, davon eines im Besitz der Energie AG, betrieben. Die in die Jahre gekommene Anlagenstruktur (Baujahr 1897) erfordert einen Neubau des Kraftwerks Dürnau. Die oberste Ausleitungsstufe wird in ein Laufkraftwerk direkt in der Ager umgebaut, damit kann die Restwasserstrecke in der Ager deutlich verkürzt und ökologisch aufgewertet werden. Das in den 70-er Jahren aufgelassene ursprüngliche Agerflussbett wird als neuer Werkskanal für die drei verbleibenden Ausleitungskraftwerke reaktiviert, und nach den heutigen gewässerökologischen Standards gestaltet. Zum Schutz des Siedlungsgebiets Dürnau wird entlang der Ager ein Hochwasserschutz für den hundertjährlichen Hochwasserfall errichtet.  Neben der ökologischen Aufwertung und der Herstellung der Durchgängigkeit dieses Gewässerabschnittes kann die Jahreserzeugung des Kraftwerks Dürnau verdreifacht werden (von 1,9Millionen kWh auf rund 5,8 Millionen kWh). Damit kann der Jahresstromverbrauch von rund 1400 Haushalten gedeckt werden. Der geplante Baubeginn ist mit Oktober 2019 vorgesehen, die geplante Fertigstellung mit Dezember 2020.