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Mag. Martin Zwicker (Volkshilfe Oberösterreich), Umwelt-Landesrat Rudi Anschober, Gerhard Paulik (ETECH GmbH Linz)

Mag. Martin Zwicker (Volkshilfe Oberösterreich), Umwelt-Landesrat Rudi Anschober, Gerhard Paulik (ETECH GmbH Linz)

Fotos: Land OÖ/Max Mayrhofer, Verwendung nur mit Quellenangabe

Fotos: Land OÖ/Max Mayrhofer, Verwendung nur mit Quellenangabe

9 September 2019

So geht Klimaschutz: Oberösterreich – das Land der Wiederverwendung statt des Wegwerfwahnsinns

Wie wir schrittweise Reparatur und Wiederverwendung zurückholen und in Zukunft die Kreislaufwirtschaft durch neue Initiativen stärken wollen

Oberstes Ziel der Landesumweltpolitik ist der Klimaschutz. Die schrittweise Umstellung auf Kreislaufwirtschaft mit einer Vielfachnutzung von Ressourcen, Rohstoffen und Waren leistet dazu einen großen Beitrag. Reparieren statt Wegwerfen - dieses Grundprinzip der Kreislaufwirtschaft ist eine große Chance für den Klimaschutz, verursacht viel weniger CO2-Emissionen und wird in Oberösterreich immer erfolgreicher. Immer mehr Waren werden nicht weggeworfen sondern repariert - mittels Reparaturbonus und Revital - da ist Oberösterreich in Europa ganz vorne. Was das auch für das Klima bringt, rechnet ein Wissenschaftler aus Großbritannien vor: bis zu 24 Kilogramm CO2 können pro Reparatur eingespart werden.

Mit vielen Initiativen hat das Umweltressort den Weg von der Abfallwirtschaft in Richtung Kreislaufwirtschaft bereits konsequent eingeschlagen – neue Impulse folgen. So wird die Initiative ReVital, die das Umweltressort gemeinsam mit dem Landesabfallverband OÖ und sozialer Beschäftigungsinitiativen vor 10 Jahren gestartet hat, erfolgreich in die Zukunft geführt: bereits 6.500 Tonnen Waren konnten wieder aufbereitet und in mittlerweile bald 23 Revital-Shops in ganz Oberösterreich verkauft werden. In der Linzer Tabakfabrik entsteht nun als nächste Entwicklungsstufe der erste ReVital-Concept Store. Er vereint hippen Vintage Store mit gemütlichem Generationen-Café und nützlichem Repair- und Nähcafé. Auch in Sachen Digitalisierung geht man neue Wege. Die schönsten Stücke und Antiquitäten sind künftig im Online Shop zu sehen und auch zu reservieren – ein digitales Schaufenster für ReVital Waren wird geschaffen.

Besonders erfolgreich erweist sich aber auch der vom Land OÖ ins Leben gerufene Reparaturbonus. Rekordverdächtig: Seit Start im September 2018 konnten bereits 4.753 Förderungen ausbezahlt werden. Der oö. Reparaturbonus ist mittlerweile auch zum Vorbild für andere Bundesländer geworden. Und in Oberösterreich entstehen neue Arbeitsplätze und eine Standortsicherung für die kleine regionale Wirtschaft. Ab heute ist es für Kund/innen noch einfacher einen Reparaturführerbetrieb zu erkennen. In Zusammenarbeit mit dem OÖ Landesabfallverband und dem OÖ Klimabündnis präsentiert das Umweltressort das neue „Reparaturführer Siegel“. Und dazu entstehen Repair-Cafes, Nähwerkstätten und ähnliche Projekte im ganzen Land. Reparieren statt Wegwerfen ist der neue Trend - und schafft leistbare Produkte, sinkende Abfallberge und Hunderte neue Jobs.

Um Reparaturen österreichweit weiter zu fördern, braucht es verbesserte politische Rahmenbedingungen. LR Rudi Anschober fordert daher - wie in Schweden bereits erfolgreich praktiziert - eine starke Absenkung der Umsatzsteuer auf Reparaturen, die steuerliche Absetzbarkeit von Reparaturarbeiten sowie den verbesserten Zugang zu Reparaturanleitungen, Ersatzteilen und Diagnosesoftware.

Auch in anderen Wirtschaftsbereichen arbeitet das Umweltressort an der Umstellung in Richtung Kreislaufwirtschaft. Etwa im Bereich Kunststoff. Hier ist es unser Ziel, dass es in Zukunft im Konsument/innen-Bereich nur mehr Kunststoffprodukte gibt, die recyclierbar sind. Dabei ist unser Schwerpunkt die Weiterentwicklung des Produktdesigns, um diese Wiederverwertbarkeit von Kunststoffen sicherzustellen und Wegwerfplastik vom Markt zu verdrängen. Oberösterreichs große Kunststoffproduzenten sind dafür ein wichtiger Partner.

 

Reparaturbonus – eine Erfolgsgeschichte

 

Die attraktive Förderung des Umweltressorts für Reparaturen von Elektro-Haushaltsgeräten leistet einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung und Abfallvermeidung und freut sich großer Beliebtheit. Insbesondere bei Elektrogeräten kann durch eine Reparatur die Nutzungsdauer deutlich verlängert werden. Damit wird der Energie- und Ressourcenverbrauch verringert als auch Elektroschrott vermieden - einer der am stärksten zunehmenden Abfallströme. 40.000 kg konnten somit vor dem Eintritt in das oberösterreichische Abfallsystem bewahrt werden (Stand: 1000 Reparaturen)

Seit Beginn der Aktion im September 2018 wurden 5.790 Anträge gestellt. (Stichtag 23. August 2019 ). 4.753 Ansuchen oder 82 % konnten positiv erledigt werden. Das bisher genehmigte Fördervolumen beträgt 340.934,00 Euro, somit liegt die durchschnittliche Förderung bei rund 70 Euro.

 

Welche Geräte wurden repariert?

 

Aus den bisherigen positiv erledigten Anträgen ist ersichtlich, die Top 3 der Reparaturen betreffen Waschmaschinen (20 % bzw. 971 Reparaturen), Geschirrspüler (20 % oder 929) und Kaffeemaschinen (19 % oder 924). Der Rest verteilt sich auf Handys, E-Herde, Wäschetrockner, Fernseher, Gefrier-/Kühlgeräte und diverse Kleingeräte.

 

 

 

LR Anschober zeigt sich begeistert: „Mit dem Reparaturbonus unterstützen wir die Reparatur von Produkten, damit diese länger im jeweiligen Haushalt in Verwendung bleiben – so können die Konsument/innen die Laufzeit ihrer Produkte verlängern und damit Geld sparen, die regionale Wirtschaft wird durch Reparaturleistungen gestärkt und die Umwelt freut sich.“

 

ReVital – oö Pionierprojekt entwickelt sich innovativ weiter

 

Das Projekt ReVital wurde 2009 von Umweltlandesrat Anschober, sozial-ökonomischen Betrieben sowie dem Landesabfallverband OÖ mit dem Ziel gestartet, Abfallwirtschaft mit Sozialwirtschaft zu verknüpfen.

Heute ist es ein Erfolgsprojekt: Mittlerweile 111 Altstoffsammelzentren der Bezirksabfallverbände – zu Beginn waren es 10 ASZ – nehmen Waren für ReVital (Elektrogeräte, Möbel, Sport- und Freizeitgeräte sowie Hausrat und FCKW-freie Kühlgeräte) an und prüfen diese. Für die Aufbereitung insbesondere von Elektro-Altgeräten stehen bereits mehrere Beschäftigungsinitiativen als ReVital-Partner zur Verfügung. Der Verkauf erfolgt in bald 23 Shops, in allen Bezirken Oberösterreichs.

Der 23. ReVital-Shop (Betreiber Diakoniewerk Oberösterreich) wird am 07. Oktober 2019 in Bad Hall eröffnet.

 

 

 

LR Anschober zeigt sich begeistert: „Mit der Initiative ReVital hat das Umweltressort gemeinsam mit dem Landesabfallverband OÖ und sozialer Beschäftigungsinitiativen vor 10 Jahren den Schritt in die Kreislaufwirtschaft geschafft: Gute, noch gebrauchsfähige Produkte werden für die weitere Nutzung fit gemacht und zu leistbaren Preisen verkauft. Mit dreifachem Vorteil: Die Müllberge werden verringert, Arbeitsplätze für Menschen, die es ohnedies schwer genug haben, werden geschaffen und Produkte auf den Markt gebracht, die leistbar sind, aber gleichzeitig hohe Qualitätsstandards erfüllen. Eine Initiative für Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft, die auch international auf großes Interesse stößt.“

 

 

Statement Mag. Martin Zwicker (Volkshilfe):

Die Volkshilfe ist ein wichtiger ReVital-Vertriebspartner. Von den bald insgesamt 23 ReVital-Standorten in Oberösterreich betreibt 16 die Volkshilfe, darunter auch die zuletzt eröffneten ReVital-Shops in Enns und Marchtrenk. Die Volkshilfe OÖ bringt mit der Shop-Struktur gemeinsam mit der kommunalen Abfallwirtschaft mehr als 1000 Tonnen Sammelmenge in das ReVital-Netzwerk ein.

"Das bringt Vorteile auf vielen Ebenen: Qualitätsgeprüfte Waren bleiben im Kreislauf, damit werden Ressourcen geschont und die Abfallberge verkleinert", sagt Mag. Martin Zwicker, Geschäftsführer der Volkshilfe Arbeitswelt GmbH. Die Produkte sind zudem zu attraktiven Preisen zu erstehen und für alle Menschen erschwinglich. Und noch einen dritten Aspekt führt Zwicker an: „In den ReVital-Partnerbetrieben der Volkshilfe wird arbeitslosen Menschen die Möglichkeit geboten, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen." Somit ist ein Einkauf in einem ReVital-Shop für alle ein Gewinn.

 

Die 19 Volkshilfe Shops werden schon bald Zuwachs bekommen. In der Linzer Tabakfabrik soll ein innovatives Konzept unter der Marke Volkshilfe Realität werden. Ein Shop mit Kaffeehaus samt selbst gemachten Mehlspeisen – der sogenannte ReVital-Concept Store. Er vereint hippen Vintage Store mit gemütlichen Generationen Café und nützlichen Reapir- und Nähcafé. Der neue Standort soll Begegnungszone, Wohlfühloase und Austauschplattform für Themen der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sein und dabei ausgefallene und nicht alltägliche ReVitalprodukte zum Verkauf stehen. Der Standort Tabakfabrik scheint dafür perfekt.

Noch einen Schritt weiter als beim Projekt "Tabakfabrik" ist die Volkshilfe in Sachen Digitalisierung. Die schönsten Stücke und antiquarische Schmankerl sind künftig im Online Shop zu sehen und auch zu reservieren.

 

Revtial in den nächsten 10 Jahren...

ReVital entwickelte sich in den 10 Jahren von einem Pilotprojekt zu einer Erfolgsgeschichte mit einer WIN – WIN – WIN Situation für Umwelt, Soziales und Wirtschaft.

Der weitere Weg ist klar: mehr ReVital-Shops, mehr ReVital-Ware, mehr Beschäftigung schaffen und damit den Abfallberg verringern und die Umwelt schonen.

In einem Workshop mit allen ReVital-Partnern wird an der Weiterentwicklung intensiv gearbeitet werden: Wie können noch größere Mengen zu ReVital-Ware werden? Wie kann das Angebot dieser Waren noch attraktiver werden? Wie können neue Zielgruppen angesprochen werden? Fragen an deren Antworten gemeinsam gearbeitet wird.

LR Anschober freut sich über die Weiterentwicklung: „Mit dem ReVital-Shop in der Tabakfabrik – dem Zentrum in Linz für innovative Ideen und Umsetzungen – werden neue Zielgruppen angesprochen. Durch den Online Shop wird auch die Präsentation der ReVital-Ware zeitgemäßer und ReVital-Waren zu kaufen wird einfacher denn je. Das Umweltressort unterstützt diese Weiterentwicklung daher gerne.“

 

Reparaturführer Oberösterreich

 

Meistens kommt es ganz unverhofft: Der Blue Ray-Player stockt – der Geschirrspüler will nicht mehr. Gehen Geräte und Gegenstände kaputt, lassen sie sich -im glücklichen Fall- einfach selbst reparieren - oder es wird ein professioneller Dienstleister gebraucht, um die Nutzungsdauer zu verlängern und Liebgewonnenes vor dem Müll zu retten.

Der „Reparaturführer“ bietet genau hierfür ein Online-Suchangebot in mittlerweile sechs Bundesländern (Oberösterreich, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Niederösterreich und Salzburg) an. Mit über 453 registrierten Reparaturbetrieben alleine in Oberösterreich, können Konsument/innen schnell und unkompliziert ihren Reparaturprofi finden: Einfach den betroffenen Gegenstand in der Stichwortsuche eingeben und schon werden die nächst gelegenen Reparaturmöglichkeiten angezeigt!

Zusätzlich sind wertvolle Tipps und Tricks zum Reparieren genauso zu finden wie Termine von Reparaturinitiativen und regionalen Repair-Cafés, wo Teilnehmende gemeinsam mit anderen ihre Geräte wiederherrichten.

Abbildung: Übersicht Reparaturführer-Kategorien Stand 04.09.2019

 

Neues Qualitätssiegel macht Reparaturbetriebe sichtbar

 

Unternehmen die in Oberösterreich Reparaturen anbieten, tragen aktiv zu Umwelt- und Klimaschutz bei. Um dieses Engagement und Angebot auch für Kund/innen auf den ersten Blick sichtbar zu machen, wurde nun in Zusammenarbeit mit OÖ Landesabfallverband und OÖ Klimabündnis das neue „Reparaturführer Siegel“ gestaltet.

Das Reparaturführer-Siegel erhalten ausschließlich Reparaturbetriebe, die im oberösterreichischen Reparaturführernetzwerk (www.reparaturfuehrer.at/ooe) registriert sind. Es wird vorerst für die Dauer von ein Jahr an alle registrierten Betriebe vergeben. Mit der Kennzeichnung als „Reparaturbetrieb“ ist klar, hier kann man von Profis reparieren lassen und muss nicht wegwerfen –gut für Umwelt und Konsument/in.

 

Abbildung: Reparaturführer Siegel (Quelle: LAV)

 

Oö Reparatur-Unternehmen profitieren

 

Im Reparaturführer gelistet ist auch die Firma ETECH. Gerhard Paulik als zuständiger Vertriebsleiter berichtet: „ Im Jahr 2019 entwickelt sich der Bereich Reparaturen für ETECH sehr positiv. Es konnte ein Umsatzplus von 65% bei in etwa gleicher Anzahl an Reparaturfällen verzeichnet werden. Dazu trägt zu einem großen Teil der Reparaturbonus bei.

Durchwegs positiv sind die Rückmeldungen der Kund/innen, die attraktive Reparaturförderung ist für viele das ausschlaggebende Argument sich für eine Reparatur vom Experten zu entscheiden. Gute Erfahrung macht man bei ETECH auch damit, die Kund/innen aktiv auf die Förderung hinzuweisen – knapp 500 ausbezahlte Förderungen für Reparaturen bei ETECH belegen diesen Erfolg.

Für Gerhard Paulik hängt die Entscheidung der Kund/innen für oder gegen eine Reparatur von mehreren Faktoren ab: „In erster Linie ist der Anschaffungspreis des Neugerätes entscheidend, ein weiterer Punkt ist der Wunsch von Kund/innen ein neues, modernes Gerät zu nutzen - dies ist z.B. bei TV-Geräten oder Handy´s besonders ausgeprägt. Vor allem Großgeräte (Waschmaschinen, Geschirrspüler, Herde usw.), gefolgt von TV-Geräten und Espressomaschinen werden am häufigsten bei uns repariert. Verstärkt stellen wir fest, dass Kund/innen auch Kleingeräte wie Haar-Fön, Mixer usw. reparieren lassen würden, jedoch eine Reparatur entweder aus Kostengründen unwirtschaftlich ist oder wegen fehlender Ersatzteile ohnehin nicht möglich ist.“

Paulik sieht Verbesserungsbedarf um Reparaturen noch attraktiver zu machen: „Niedrige Anschaffungspreise von Neugeräten, hohe Stundensätze und hohe Ersatzteilpreise bewegen viele Konsument/innen aktuell noch dazu ein Neugerät zu kaufen anstatt das alte reparieren zu lassen.“

 

Repair Cafes – Hilfe zur Selbsthilfe

 

Repair Cafés sind kostenlose Treffpunkte, bei denen die Teilnehmer/innen alleine oder gemeinsam mit anderen, Dinge reparieren, z.B. Kleidung, Kleinmöbel, elektrische Geräte, Gebrauchsgegenstände, Spielzeug, und vieles mehr (Dinge, die man alleine hin- und wieder wegtragen kann).

Es wird hier weder “gewerblich” repariert, noch wird eine Garantie übernommen, dass das Gerät danach wieder (richtig) funktioniert. Das Thema ist “Hilfe zur Selbsthilfe” & “Selbstermächtigung”!

Das macht nicht nur Spaß und schont die Geldbörse, sondern ist auch ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz.

Auch in OÖ gibt es zahlreiche solcher Repair Cafés, so z.B. sogenannte Otelos in Linz Auwiesen, Vorchdorf, Neumarkt, Vöcklabruck, Grieskirchen, Gmunden, Haid und viele weitere mehr. Im ganzen Land gibt es eine Vielzahl an solchen Initiativen – von Nähcafe über bike-kitchen bis hin zu Kost-nix-Läden. Weitere Infos und eine Übersicht der zahlreichen Initiativen sind zu finden unter: http://www.klimakultur.at/offener-zugang/

 

Reparieren und Wiederverwenden ist Klimaschutz

 

Eine wissenschaftliche Arbeit aus Großbritannien zeigt: wer die Reparatur dem Neukauf vorzieht, schont das Klima und spart bis zu 24 Kilogramm CO2 pro Reparatur ein.

Der Autor Steve Privett untersuchte Daten von fast 3000 Reparaturen, ausgeführt in 13 Repair Cafés im Vereinigten Königreich. Er betrachtete dabei unterschiedliche Aspekte der Produkte und deren Reparatur: das Gewicht eines Gegenstandes, den Weg, den die Besucher für die Reparatur zum Repair Cafe zurücklegten, wie lange das Produkt nach der Reparatur wieder verwendet werden konnte.

 

Weitere Stärkung des Reparatursektors notwendig – Steuersenkung und verbesserte Rahmenbedingungen

 

Um die längere Nutzung und Wiederverwendung von Produkten attraktiver zu machen, sind weitergehende Maßnahmen notwendig, z.B. im Bereich der Steuerpolitik:

  • die Reduzierung des Umsatzsteuersatzes für Reparaturdienstleistungen von 20 % auf 10 %. Schweden hat beispielsweise seit 1.1.2017 seine Mehrwertsteuer auf kleine Reparaturen von 25 % auf 12 % gesenkt. Sieben weitere EU-Staaten (Finnland, Irland, Luxemburg, Malta, Niederlande, Polen und Slowenien) haben einen reduzierten Mehrwertsteuersatz für kleinere Reparaturen ebenfalls bereits umgesetzt, um den Reparatursektor zu stärken und machen damit gute Erfahrungen. Auf EU-Ebene laufen derzeit die Diskussionen zum Kommissionsvorschlag zur Überarbeitung der Mehrwertssteuerrichtlinie 2006/112/EG (siehe COM(2018)20). Es wird befürchtet, dass jene Klausel, die es Mitgliedsstaaten bisher ermöglicht hat, die Mehrwertsteuer für Dienstleistungen (von denen keine Wettbewerbsverzerrungen im europäischen Binnenmarkt erwartet werden) dauerhaft zu senken, gestrichen wird.
  • Weiters sollen die Arbeitskosten von Reparaturen elektrischer bzw. elektronischer Geräte zu 50 % von der Steuer abgesetzt werden können. Auch dies hat Schweden bereits eingeführt.
  • Ebenso soll auf europäischer Ebene der Zugang zu Reparaturanleitungen, Ersatzteilen und Diagnosesoftware für unabhängige Reparaturbetriebe und -initiativen weiter erleichtert werden, wie dies bereits für Kraftfahrzeuge in der Verordnung (EG) Nr. 715/2007 geregelt ist.

 

Von den Landesumweltreferent/innen wurden bei der Konferenz im heurigen Juni in Graz einstimmig Beschlüsse zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Reparaturen beschlossen und damit die Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus und der Bundesminister für Finanzen ersucht, entsprechende Schritte zu setzen. Es braucht dringend eine Umsetzung dieser Beschlüsse.